Sonnenfinsternis: Was ist das, wie entsteht sie – und wann ist die nächste?

Von · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 3. Oktober 2026

Eine Sonnenfinsternis ist ein Himmelsereignis, bei dem sich der Neumond genau zwischen Sonne und Erde schiebt und seinen Schatten auf die Erde wirft. Das passiert weltweit zwei- bis fünfmal pro Jahr, total wird es aber nur in einem höchstens rund 270 km breiten Streifen.

⭐ Kurz gesagt: Die letzte Sonnenfinsternis in Deutschland war am 12. August 2026 – partiell, kurz vor Sonnenuntergang. Die nächste kommt am 2. August 2027 mittags, dann verschwindet je nach Ort gut ein Viertel bis gut die Hälfte der Sonne. Auf eine totale Finsternis in Deutschland musst du bis zum 3. September 2081 warten. Und: Ohne Schutzbrille darfst du nur in den wenigen Minuten der Totalität hinsehen, nie bei einer partiellen Phase.

Schema Sonnenfinsternis: oben erreicht der Kernschatten des Mondes die Erde (total), unten endet er vor der Erde und es entsteht ein Gegenschatten (ringförmig); ringsum der Halbschatten (partiell)
So entsteht eine Sonnenfinsternis: Wo der Kernschatten die Erde trifft, ist es total, im Halbschatten partiell. Ist der Mond zu weit weg, reicht der Kernschatten nicht bis zur Erde – dann wird es ringförmig. Grafik: sterngucker.de, eigene Darstellung (nicht maßstabsgetreu)

Sonnenfinsternis einfach erklärt: der Mond verdeckt die Sonne

Bei einer Sonnenfinsternis wird die Sonne nicht dunkler, sie wird nur verdeckt. Der Mond steht dabei als dunkle Scheibe vor der Sonne, weil wir seine unbeleuchtete Rückseite sehen – es ist ja Neumond.

Möglich wird das Schauspiel durch einen kosmischen Zufall. Die Sonne ist rund 400-mal größer als der Mond, aber auch rund 400-mal weiter entfernt. Deshalb erscheinen beide am Himmel fast genau gleich groß, etwa so groß wie eine Erbse am ausgestreckten Arm.

MerkmalWert
VoraussetzungNeumond nahe einem Mondknoten
Häufigkeit weltweit2 bis 5 pro Jahr
Breite der Totalitätszonehöchstens rund 270 km
Längste mögliche Totalitätrund 7½ Minuten
Dauer der ganzen Finsternis an einem Ortmeist 1 bis 3 Stunden
Totale Finsternis am selben Ortim Mittel alle rund 375 Jahre
WiederholungszyklusSaros: 18 Jahre, 11 Tage, 8 Stunden
Letzte totale in Deutschland11. August 1999
Nächste totale in Deutschland3. September 2081
Sonnenfinsternis in Zahlen. Quellen: NASA Five Millennium Canon, Wikipedia; Termine für Deutschland: sterngucker.de, eigene Berechnung

Weil der Mondschatten klein ist, sieht nie die ganze Erde dieselbe Finsternis. Wo du stehst, entscheidet über total, partiell oder gar nichts – schon 100 km neben der Totalitätszone bleibt ein Rest Sonne übrig, der den Tag kaum dunkler macht.

Wie entsteht eine Sonnenfinsternis: Kernschatten und Halbschatten

Der Mond wirft wie jeder beleuchtete Körper zwei Schatten. Der Kernschatten (Umbra) ist der Bereich, in den kein direktes Sonnenlicht mehr fällt, er läuft als langer, spitzer Kegel hinter dem Mond zusammen. Drumherum liegt der Halbschatten (Penumbra), in dem nur ein Teil der Sonnenscheibe verdeckt ist.

Der Kernschattenkegel ist im Mittel etwa so lang wie die Entfernung Mond–Erde. Mal reicht seine Spitze gerade bis zur Erdoberfläche, mal endet sie einige Tausend Kilometer davor. Genau das entscheidet, ob es eine totale oder eine ringförmige Finsternis gibt.

Während der Finsternis wandert der Schatten von West nach Ost über die Erde. Selbst am langsamsten Punkt rast er mit rund 1.700 km/h über den Boden, weil der Mond auf seiner Bahn schneller ist, als sich die Erde dreht. Deshalb dauert die Totalität an einem Ort nur wenige Minuten.

Tipp: Wie groß Sonne und Mond wirklich sind, zeigen unsere Seiten Wie groß ist die Sonne? und Wie groß ist der Mond?. Das Verhältnis von 400 zu 400 ist reiner Zufall – vor einigen Hundert Millionen Jahren stand der Mond näher, in ferner Zukunft wird es keine totalen Finsternisse mehr geben.

Arten der Sonnenfinsternis: total, ringförmig, partiell, hybrid

Welche Art du siehst, hängt an zwei Dingen: wie genau der Mond die Sonne trifft und wie weit er gerade von der Erde entfernt ist. Die Mondentfernung schwankt zwischen etwa 356.500 und 406.700 km, und damit ändert sich seine scheinbare Größe am Himmel spürbar.

Vier Arten der Sonnenfinsternis nebeneinander: total mit Korona, ringförmig mit hellem Ring, partiell mit Sonnensichel und hybrid als Mischform
Die vier Arten der Sonnenfinsternis, wie du sie am Himmel siehst. Grafik: sterngucker.de, eigene Darstellung
ArtWas du siehstUrsacheAnteil aller Finsternisse
TotalSonne ganz verdeckt, Korona sichtbar, Tag wird zur DämmerungMond erdnah, scheinbar größer als die Sonne; du stehst im Kernschatten26,7 %
RingförmigHeller „Feuerring“ um den MondMond erdfern, scheinbar kleiner; du stehst im Gegenschatten33,2 %
PartiellSonne als SichelNur der Halbschatten trifft die Erde, oder du stehst neben der Zentralzone35,3 %
HybridJe nach Ort total oder ringförmigKernschattenspitze liegt fast genau auf der Erdoberfläche4,8 %
Anteile aus dem NASA-Katalog für 2000 v. Chr. bis 3000 n. Chr. (11.898 Sonnenfinsternisse). Quelle: eclipse.gsfc.nasa.gov

Totale Sonnenfinsternis

Bei einer totalen Finsternis erscheint der Mond mit bis zu 33,5 Bogenminuten größer als die Sonne mit 31,5 bis 32,5 Bogenminuten. Nur in diesem Fall siehst du die Korona, den perlweißen Strahlenkranz der Sonnenatmosphäre. Rund um den schmalen Totalitätspfad ist dieselbe Finsternis nur partiell.

Ringförmige Sonnenfinsternis

Steht der Mond nahe dem erdfernsten Punkt seiner Bahn, schrumpft er auf gut 29 Bogenminuten. Er passt dann nicht mehr ganz über die Sonne, und ein gleißender Ring bleibt stehen. Es wird kaum dunkler, und du brauchst die ganze Zeit eine Schutzbrille.

Partielle Sonnenfinsternis

Die partielle Finsternis ist die Form, die wir in Deutschland fast immer erleben. Der Mond knabbert dabei nur ein Stück von der Sonne ab, und erst ab etwa 80 Prozent Bedeckung merkst du, dass das Licht fahler wird.

Hybride Sonnenfinsternis

Die seltene hybride Finsternis beginnt und endet ringförmig, in der Mitte des Pfads ist sie total. Der Grund ist die Erdkrümmung: In der Mitte der Bahn liegt die Erdoberfläche ein paar Tausend Kilometer näher am Mond, sodass die Spitze des Kernschattens sie gerade noch erreicht. Die letzte hybride war am 20. April 2023 über Australien, die nächste folgt am 14. November 2031 über dem Pazifik.

Warum nicht bei jedem Neumond: Bahnneigung und Finsternis-Saisons

Neumond ist jeden Monat, eine Sonnenfinsternis aber nicht. Die Mondbahn ist um 5,1° gegen die Erdbahn geneigt, deshalb zieht der Mond bei den meisten Neumonden knapp über oder unter der Sonne vorbei.

Schema: Bei Neumond fern vom Knoten verfehlt der Mondschatten die Erde, bei Neumond im Knoten trifft er sie und es gibt eine Sonnenfinsternis
Nur wenn der Neumond nahe an einem Knoten der Mondbahn steht, trifft sein Schatten die Erde. Grafik: sterngucker.de, eigene Darstellung (Neigung übertrieben)

Die beiden Punkte, an denen die Mondbahn die Erdbahnebene schneidet, heißen Knoten. Nur wenn der Neumond nahe an einem Knoten steht, liegen Sonne, Mond und Erde exakt in einer Linie. Von der Erde aus gesehen steht die Sonne rund alle 173 Tage in Richtung eines Knotens – das sind die Finsternis-Saisons.

Jede Saison dauert gut einen Monat, also etwas länger als ein Mondumlauf von Neumond zu Neumond. Deshalb gibt es pro Saison mindestens eine Sonnenfinsternis, manchmal zwei partielle kurz hintereinander. Meist kommt zwei Wochen davor oder danach eine Mondfinsternis dazu, wie im August 2026.

Tipp: Die Knoten wandern in 18,6 Jahren einmal rückwärts um die Erdbahn. Darum rutschen die Finsternis-Saisons jedes Jahr rund 19 Tage früher: 2026 lagen sie im Februar und August, 2028 im Januar und Juli.

Saros-Zyklus und Häufigkeit: wie oft Sonnenfinsternisse kommen

Schon die Babylonier entdeckten, dass sich Finsternisse wiederholen. Nach einem Saros von 18 Jahren, 11 Tagen und 8 Stunden stehen Sonne, Mond und Knoten fast wieder gleich, und es folgt eine sehr ähnliche Finsternis. Liegen fünf statt vier Schaltjahre dazwischen, sind es 10 statt 11 Tage.

Die acht Stunden haben eine sichtbare Folge. Die Erde dreht sich in dieser Zeit um ein Drittel weiter, und die nächste Finsternis der Reihe liegt rund 120° weiter westlich. Die totale Finsternis über Süddeutschland am 11. August 1999 kehrte so am 21. August 2017 über den USA wieder und folgt am 2. September 2035 über Japan.

Finsternisse pro KalenderjahrAnteil der Jahre
272,5 %
317,5 %
49,5 %
50,5 % (zuletzt 1935, nächstes Mal 2206)
Häufigkeit von Sonnenfinsternissen pro Jahr, 2000 v. Chr. bis 3000 n. Chr. Quelle: NASA Five Millennium Catalog

Weltweit sind Sonnenfinsternisse also nicht selten, an einem festen Ort dagegen schon. Im Mittel zieht nur alle rund 375 Jahre eine totale Finsternis über denselben Fleck, und manche Orte warten deutlich länger. In Deutschland lagen zwischen 1887 und 1999 über hundert Jahre ohne Totalität.

Letzte und nächste Sonnenfinsternis: der Überblick für Deutschland

Die letzte Sonnenfinsternis in Deutschland war am 12. August 2026. Kurz vor Sonnenuntergang verschwanden je nach Ort rund 84 bis 91 Prozent der Sonne, total war sie nur in Grönland, Island und Spanien. Alle Zeiten und Fotos stehen in unserem Rückblick auf die Sonnenfinsternis 2026.

Die nächste kommt schon bald: Am 2. August 2027 sehen wir gegen 11 Uhr eine partielle Finsternis mit hoch stehender Sonne. Total ist sie in Südspanien und Nordafrika, mit über sechs Minuten Totalität in Ägypten. Uhrzeiten und Bedeckung für deine Stadt findest du auf unserer Seite zur Sonnenfinsternis am 2. August 2027.

Balkendiagramm: maximale Bedeckung der Sonne in Berlin, Frankfurt und München bei allen Sonnenfinsternissen von 2026 bis 2040
Alle von Deutschland aus sichtbaren Sonnenfinsternisse 2026 bis 2040 und wie viel Prozent der Sonnenfläche in Berlin, Frankfurt und München verschwinden. Grafik: sterngucker.de, eigene Berechnung (Skyfield, Ephemeride DE440s)

Wir haben alle Sonnenfinsternisse bis 2040 für drei Städte selbst nachgerechnet. Bis 2040 gibt es elf Finsternisse mit deutscher Beteiligung, alle nur partiell. Die Bedeckung ist der verdeckte Anteil der Sonnenfläche, in Klammern steht die Sonnenhöhe im Maximum.

DatumArt weltweitBerlinFrankfurtMünchen
12.08.2026 (Rückblick)total84,8 % (3°)88,2 % (5°)88,8 % (2°)
02.08.2027total34,0 % (48°)44,6 % (47°)50,5 % (50°)
26.01.2028ringförmignicht sichtbar16,2 % bei Sonnenuntergang10,0 % bei Sonnenuntergang
12.06.2029partiell8,1 % bei Sonnenaufgang1,7 % bei Sonnenaufgangunter 1 %
01.06.2030ringförmig56,8 % (20°)56,7 % (16°)62,4 % (17°)
20.03.2034total2,7 % (37°)2,7 % (38°)6,1 % (41°)
21.08.2036partiell66,9 % (1°)62,0 % (3°)60,0 % bei Sonnenuntergang
16.01.2037partiell52,5 % (13°)48,5 % (13°)47,1 % (16°)
05.01.2038ringförmig10,1 % (1°)10,1 % (5°)14,3 % (5°)
02.07.2038ringförmig1,6 % (44°)6,4 % (48°)8,3 % (46°)
21.06.2039ringförmig76,4 % (7°)68,5 % (8°)67,5 % (5°)
Eigene Berechnung mit Skyfield und der NASA-Ephemeride DE440s; Art der Finsternis nach NASA-Katalog. Nur Zeiten mit Sonne über dem Horizont, Bedeckung = Flächenanteil.

Die Liste zeigt, warum die Prozentzahl allein nicht reicht. Bei sechs der elf Termine steht die Sonne im Maximum tiefer als 10°, oft knapp über dem Horizont bei Sonnenauf- oder -untergang. Dann brauchst du einen Platz mit freier Sicht nach Osten oder Westen und etwas Wetterglück.

Zwei Termine haben einen hübschen Zufall eingebaut. Die Finsternis am 20. März 2034 fällt auf den Frühlingsanfang, die am 21. Juni 2039 auf die Sommersonnenwende. Die eindrucksvollste nach 2027 kommt am 21. Juni 2039, wenn bei Sonnenuntergang in Norddeutschland drei Viertel der Sonne verschwinden.

Tipp für Reisende: Wer nicht bis 2081 warten will, muss zur Totalität fahren. Die nächsten gut erreichbaren Ziele sind Südspanien und Nordafrika am 2. August 2027, eine ringförmige Finsternis gibt es am 1. Juni 2030 in Griechenland und der Türkei. Was du dafür einpacken solltest, steht in unseren astronomischen Highlights 2026/2027.

Totale Sonnenfinsternis in Deutschland: 1999, 2081 und danach

Die letzte totale Sonnenfinsternis in Deutschland war am 11. August 1999. Der Kernschatten zog mittags von Saarbrücken über Stuttgart, Ulm und Augsburg bis München, die Totalität dauerte dort gut zwei Minuten. Vielerorts war es allerdings bewölkt, und viele sahen nur das plötzliche Dunkelwerden.

Die nächste totale Sonnenfinsternis in Deutschland folgt am 3. September 2081 gegen 9:40 Uhr. Total wird es nur im äußersten Süden, etwa in Freiburg und am Bodensee, mit knapp vier Minuten Dunkelheit. München liegt nach unserer Rechnung knapp außerhalb mit 99,8 Prozent Bedeckung.

DatumArt in DeutschlandWo zentralBeispiel
11.08.1999totalSaarland, Baden-Württemberg, BayernMünchen 2 min 10 s
03.09.2081totaläußerster Süden, Bodensee bis AlpenrandKonstanz 3 min 52 s
27.02.2082ringförmigschmaler Streifen am Alpenrand, kurz vor SonnenuntergangSonne nur 1–4° hoch
23.07.2093ringförmigNord- und MitteldeutschlandHannover, Berlin, Leipzig, Dresden
07.10.2135totalMittel- und NorddeutschlandSonne rund 15–20° hoch
25.05.2142totalMittel- und NorddeutschlandSonne rund 46–51° hoch
Zentrale Sonnenfinsternisse über Deutschland 1950 bis 2149. Eigene Berechnung (Skyfield, DE440s, Gitter über Deutschland), abgeglichen mit dem NASA-Katalog.

Die nächste ringförmige Sonnenfinsternis mit deutschem Anteil kommt am 27. Februar 2082. Sie ist ein Grenzfall: Der Ring steht ganz im Süden nur wenige Grad über dem Horizont. Richtig gut wird erst die ringförmige Finsternis am 23. Juli 2093, die mittags über Hannover, Berlin und Dresden zieht.

Was man bei Totalität sieht: Korona, Diamantring und Kälte

Wer eine totale Finsternis erlebt hat, beschreibt sie selten nüchtern. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, ob 99 oder 100 Prozent der Sonne verdeckt sind – erst bei voller Bedeckung kippt der Himmel in wenigen Sekunden in tiefe Dämmerung.

  • Schattenbänder: Kurz vor und nach der Totalität huschen manchmal flimmernde helle und dunkle Streifen über helle Flächen am Boden.
  • Perlschnur: Durch die Täler am Mondrand schimmern einzelne Lichtpunkte, die Baily’schen Perlen.
  • Diamantring: Der letzte Lichtpunkt leuchtet wie ein Brillant an einem Ring aus Korona – Signal, die Brille abzunehmen bzw. wieder aufzusetzen.
  • Korona: Der Strahlenkranz der Sonne breitet sich über mehrere Monddurchmesser aus, am Rand leuchten oft rötliche Protuberanzen.
  • Himmel und Horizont: Helle Planeten und Sterne erscheinen, am Horizont glüht ringsum ein Saum wie bei Sonnenuntergang.
  • Temperatur und Natur: Es wird spürbar kühler, oft um einige Grad, Wind kann einschlafen, und Vögel verstummen.

Bei einer partiellen Finsternis siehst du davon nichts. Schon 1 Prozent Rest-Sonne ist so hell, dass die Korona unsichtbar bleibt, und es wird höchstens so dämmrig wie an einem trüben Tag. Ein schöner Nebeneffekt sind dagegen die vielen kleinen Sonnensicheln im Schatten von Laubbäumen.

Tipp aus der Praxis: Erfahrene Beobachter raten, die erste Totalität nicht durch den Kamerasucher zu erleben. Automatisiere die Fotos oder lass die Kamera ganz weg und schau einfach hin. Wer trotzdem fotografieren will, findet alles Nötige unter Sonnenfinsternis fotografieren.

Sonnenfinsternis sicher beobachten: Brille, Filter, Lochkamera

Eine Sonnenfinsternis ist nicht gefährlicher als die Sonne an jedem anderen Tag. Gefährlich ist, dass man bei einer Finsternis lange und gezielt hinschaut, und die Netzhaut tut dabei nicht weh. Schäden zeigen sich oft erst Stunden später und können bleiben.

Achtung: Sonnenbrillen, Rettungsdecken, CDs, Röntgenfilme, rußgeschwärztes Glas und Schweißerschutzglas unter Schutzstufe 14 sind kein Schutz – auch nicht übereinander. Richte nie ein Fernglas, Teleskop oder eine Kamera ohne zertifizierten Filter vor dem Objektiv auf die Sonne; das gebündelte Licht zerstört das Auge in Sekundenbruchteilen.

Für das bloße Auge brauchst du eine Sonnenfinsternis-Brille nach ISO 12312-2 mit CE-Kennzeichen. Laut Bundesamt für Strahlenschutz lässt sie höchstens etwa 0,001 Prozent des Sonnenlichts durch. Prüfe vor jeder Nutzung, dass die Folie keine Kratzer oder Löcher hat.

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Zertifiziert nach ISO 12312-2 – die einzige sichere Art, mit bloßem Auge in die verfinsterte Sonne zu schauen. Für wenige Euro gibt es keinen Grund zu improvisieren; am besten gleich mehrere für die ganze Familie.

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Mit Fernglas oder Teleskop gehört der Filter immer vor das Objektiv, nie vor das Okular. Eine günstige Lösung ist die Baader AstroSolar Folie*, aus der du passgenaue Filter selbst baust. Welche Filter und Geräte sich eignen, erklärt unser Ratgeber Sonne sicher beobachten.

Ganz ohne Ausrüstung klappt die indirekte Beobachtung. Eine Lochkamera projiziert die Sonnensichel gefahrlos auf ein Blatt Papier, ebenso ein Nudelsieb oder die Lücken im Blätterdach. Die Bauanleitung mit Maßen findest du unter Lochkamera für die Sonnenfinsternis basteln.

Ohne Brille schauen: nur in der Totalität

Die ehrliche Antwort auf die Frage, ob man ohne Brille schauen darf: nur während der Totalität, und nur innerhalb des Totalitätspfads. Sobald der Diamantring aufblitzt, muss die Brille sofort wieder auf.

SituationOhne Filter hinschauen?
Partielle Finsternis, auch bei 99 % BedeckungNein
Ringförmige Finsternis, auch auf dem HöhepunktNein
Totale Finsternis vor dem 2. KontaktNein
Totalität (Sonne ganz bedeckt, Korona sichtbar)Ja, mit bloßem Auge und Fernglas
Ab dem Diamantring (3. Kontakt)Nein – Brille sofort wieder auf
Wann der Blick ohne Schutz erlaubt ist. Grundlage: ISO 12312-2, Empfehlungen des BfS

Sonnenfinsternis und Mondfinsternis: die Unterschiede

Beide Finsternisse sind Schattenspiele, nur mit vertauschten Rollen. Bei der Sonnenfinsternis fällt der Mondschatten auf die Erde, bei der Mondfinsternis der Erdschatten auf den Mond. Daraus folgen fast alle praktischen Unterschiede.

MerkmalSonnenfinsternisMondfinsternis
MondphaseNeumondVollmond
Schatten von … auf …Mond auf ErdeErde auf Mond
Sichtbartotal nur in schmalem Streifenvon der ganzen Nachtseite der Erde
Längste Totalitätrund 7½ Minutenrund 1¾ Stunden
Aussehenschwarze Mondscheibe, KoronaMond kupferrot als Blutmond
Schutz nötigja, außer in der Totalitätnein, gefahrlos
Sonnen- und Mondfinsternis im Vergleich. Quelle: sterngucker.de

Weltweit gibt es etwa gleich viele Sonnen- und Mondfinsternisse. Trotzdem siehst du an deinem Wohnort viel öfter eine Mondfinsternis, weil sie von einer ganzen Erdhälfte aus zu sehen ist.

Sonnenfinsternis für Kinder erklärt: der Taschenlampen-Versuch

Für Kinder lässt sich eine Sonnenfinsternis in einem Satz erklären. Der Mond schiebt sich vor die Sonne wie eine Hand vor eine Lampe, und dort, wo sein Schatten hinfällt, wird es mitten am Tag dunkel. Am besten verstehen sie es aber, wenn sie es selbst nachspielen.

  1. Material: eine Taschenlampe als Sonne, ein großer Ball oder Globus als Erde, ein kleiner Ball (etwa Tischtennisball) als Mond und ein abgedunkeltes Zimmer.
  2. Aufbau: Ein Kind leuchtet mit der Taschenlampe aus zwei, drei Metern auf die Erde. Klebt eine kleine Figur oder einen Punkt auf die Erde – das ist euer Wohnort.
  3. Erster Versuch: Ein zweites Kind führt den Mond etwas höher zwischen Lampe und Erde hindurch. Der Schatten verfehlt die Erde – so ist es bei fast jedem Neumond.
  4. Zweiter Versuch: Jetzt genau auf der Linie Lampe–Erde. Ein kleiner, dunkler Schattenfleck wandert über die Erde: Wer darin steht, erlebt eine totale Sonnenfinsternis.
  5. Dritter Versuch: Den Mond näher zur Lampe halten. Der Kernschatten wird kleiner und erreicht die Erde nicht mehr – fast wie bei einer ringförmigen Finsternis.

Der Versuch zeigt nebenbei, warum nur wenige Menschen eine totale Finsternis sehen. Der Schattenfleck ist winzig im Vergleich zur ganzen Erde. Weitere Ideen für junge Sterngucker findest du in Wie erklärt man Kindern die Sterne?.

Achtung: Kinder bei einer echten Finsternis nie allein mit Brille oder Fernglas lassen. Die Lochkamera ist für Kinder die sicherste Methode, weil dabei niemand in die Sonne schaut. Erklär vorher, dass auch eine fast verdeckte Sonne den Augen schadet.

Häufige Fragen zur Sonnenfinsternis

Was ist eine Sonnenfinsternis?

Bei einer Sonnenfinsternis steht der Neumond genau zwischen Sonne und Erde und verdeckt die Sonne ganz oder teilweise. Sein Schatten fällt dabei auf einen Teil der Erde. Weltweit passiert das zwei- bis fünfmal pro Jahr.

Wann war die letzte Sonnenfinsternis in Deutschland?

Am 12. August 2026. Sie war in Deutschland partiell, kurz vor Sonnenuntergang verschwanden in Berlin 84,8 Prozent und in München 88,8 Prozent der Sonnenfläche. Davor gab es partielle Finsternisse am 29. März 2025 und am 25. Oktober 2022.

Wann ist die nächste Sonnenfinsternis in Deutschland?

Am 2. August 2027 gegen 11 Uhr. Dann ist im Norden gut ein Viertel, im Süden gut die Hälfte der Sonne bedeckt: Berlin 34,0 Prozent, Frankfurt 44,6 Prozent, München 50,5 Prozent. Danach folgen der 26. Januar 2028 und der 1. Juni 2030.

Wann ist die nächste totale Sonnenfinsternis in Deutschland?

Am 3. September 2081. Total wird es dann nur im äußersten Süden, etwa in Freiburg und am Bodensee, für knapp vier Minuten. Die letzte totale Sonnenfinsternis in Deutschland war am 11. August 1999.

Kann man eine Sonnenfinsternis ohne Brille anschauen?

Nur in der Totalität, wenn die Sonne vollständig bedeckt ist. Jede partielle oder ringförmige Phase brauchst du eine Brille nach ISO 12312-2 oder eine Projektion mit der Lochkamera. Sonnenbrillen schützen nicht.

Wie lange dauert eine Sonnenfinsternis?

An einem Ort meist ein bis drei Stunden vom ersten bis zum letzten Kontakt. Die Totalität selbst dauert nur Sekunden bis höchstens rund 7½ Minuten, eine ringförmige Phase kann über 12 Minuten erreichen.

Wie oft gibt es eine totale Sonnenfinsternis?

Weltweit etwa alle anderthalb Jahre. Am selben Ort aber im Mittel nur alle rund 375 Jahre. Deshalb reisen viele Beobachter zur Totalität.

Warum gibt es eine Sonnenfinsternis nur bei Neumond?

Nur bei Neumond steht der Mond von der Erde aus gesehen in Richtung Sonne. Weil seine Bahn um 5,1° geneigt ist, trifft sein Schatten die Erde aber nur, wenn er dabei nahe an einem Bahnknoten steht.

Was ist eine hybride Sonnenfinsternis?

Eine Finsternis, die je nach Ort ringförmig oder total ist. Das passiert, wenn die Spitze des Kernschattens fast genau auf der Erdoberfläche liegt. Nur 4,8 Prozent aller Sonnenfinsternisse sind hybrid, die nächste ist am 14. November 2031.

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