Merkur

Von · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026

⚡ Die schnelle Antwort: Merkur ist der kleinste und sonnennächste Planet unseres Sonnensystems. Er umrundet die Sonne in nur 88 Tagen und ist von der Erde aus immer nur kurz in der Morgen- oder Abenddämmerung zu sehen. Sichtbar ist er nur rund um seine größten Elongationen – am Abendhimmel vor allem im Frühjahr, am Morgenhimmel im Herbst, wenn die Ekliptik steil zum Horizont steht. Wie du ihn selbst findest – samt ehrlichem Fernglas-Tipp – steht im Abschnitt Merkur beobachten.

Merkur

Steckbrief Merkur

  • Gesteinsplanet und erster Planet im Sonnensystem
  • Keine Monde bekannt
  • Nachbarplaneten: Venus
  • Durchmesser: 4.879 km
  • Masse und Volumen (i.V. zur Erde) 0,05
  • Alter: ca. 4,5 Mrd. Jahre
  • Mittlere Oberflächentemperatur: +170°C
  • Atmosphäre: Sauerstoff (40%), Natrium (30%), Wasserstoff (20%), Helium (5%)
  • Häufigste Elemente: Silizium, Eisen, Nickel

Als erster der acht anerkannten Planeten unseres Sonnensystems umkreist der Merkur die Sonne. Dabei umläuft er die Sonne so unstet und schnell, dass er von antiken Forschern zum Stern des Wüstengottes Seth ernannt wurde, dessen Natur Chaos und Verderben verheißt. Spätere Mythologen bestimmten ihn zur Gottheit der Händler, Diebe und Wegelagerer.

Merkur im Steckbrief: alle Daten auf einen Blick

Merkur vereint Extreme: der kleinste Planet, das kürzeste Jahr und die größte Temperaturspanne des Sonnensystems – und trotz seiner Sonnennähe liegt in den ewig beschatteten Polkratern Wassereis.

MerkmalWert
Position im Sonnensystem1. Planet, der kleinste des Sonnensystems
TypGesteinsplanet – mit dem größten Eisenkern im Verhältnis zur Größe
Durchmesser4.879 km – kleiner als der Jupitermond Ganymed und der Saturnmond Titan
Masse3,301 · 1023 kg = 0,055 Erdmassen
Mittlere Dichte5,43 g/cm³ – nach der Erde der zweithöchste Wert
Schwerebeschleunigung3,70 m/s² – rund 38 % der Erdschwere
Mittlere Entfernung zur Sonne57,9 Mio. km = 0,387 AE
Sonnennächster / -fernster Punkt46,0 / 69,8 Mio. km – die exzentrischste Planetenbahn
Umlaufzeit88 Erdtage – das kürzeste Jahr im Sonnensystem
Rotationsdauer58,6 Erdtage – in 3:2-Resonanz zur Umlaufzeit
Sonnentag176 Erdtage – zwei Merkurjahre dauert ein Merkurtag
Achsneigung0,03° – praktisch keine Jahreszeiten
Temperatur−173 °C in der Nacht bis +427 °C am Mittag – die größte Spanne im Sonnensystem
Atmosphärepraktisch keine – nur eine dünne Exosphäre aus Sauerstoff, Natrium und Wasserstoff
Monde0
Magnetfeldja, aber schwach – rund 1 % der Erdfeldstärke
Scheinbare Helligkeit−2,5 bis +7,2 mag
RaumsondenMariner 10 (1974/75), MESSENGER (2011–2015), BepiColombo (Orbit ab Ende Nov. 2026)

Was ist Merkur?

Der Merkur ist der innerste der terrestrischen Planeten. So, wie Merkurs Bewegung im All unstet und exzentrisch verläuft, so unwirtlich und schwankend ist auch das Klima auf seiner Oberfläche. Heiße Tage (+ 430° C) und eisige Nächte (-170° C) bedeuten Rekordunterschiede im Wetterverhalten und – nach bisherigem Stand astronomischer Hypothesen – eine denkbar lebensfeindliche Umgebung. Jahreszeiten wie bei uns gibt es praktisch nicht, weil seine Achse kaum geneigt ist; die Einstrahlung schwankt aber stark, weil seine Bahn sehr exzentrisch ist. Diese Bahn dreht sich zudem langsam (Periheldrehung, sogenannte Rosettenbahn).

Merkur ist übrigens nicht nur der Sonne am nächsten: Im Durchschnitt ist er sogar der Erde näher als Venus. Warum das so ist, rechnen wir im Artikel Welcher Planet ist der Sonne am nächsten? nach.

Zudem ist das Merkurjahr mit 88 Tagen das kürzeste aller Planeten des Sonnensystems. Seine Eigenrotationszeit entspricht mit 58,65 Tagen circa ⅔ der Umlaufzeit um die Sonne. Früher wurde angenommen, dass die Eigenrotationszeit der Umlaufzeit um die Sonne entspricht und damit eine gebundene Rotation ähnlich wie bei Erde und Mond vorliegt. Radarmessungen konnte dies jedoch widerlegen.

Wie ist Planet Merkur aufgebaut?

Bei Merkur handelt es sich um einen Gesteinsplaneten ohne Mond. Er besitzt ein überdurchschnittliches Durchmesser-Dichte-Verhältnis, das dem der viel größeren Erde entspricht. Zurückzuführen ist dies auf einen sehr großen Eisenanteil im Kern.

Merkur besitzt trotz seiner geringen Eigenrotation ein globales Magnetfeld. Aufgrund seiner geringen Masse und geringen Abstandes zur Sonne besitzt Merkur nur eine sehr dünne Atmosphäre. Dadurch ist seine Oberfläche ungeschützt und Meteoriten können ungebremst auf ihn einschlagen. Seine Oberfläche ist mit Kratern, Rillen und Furchen übersät. Seine geringe Rückstrahleigenschaft (Albedo) lässt auf dunkles Gestein an der Oberfläche schließen.

Wann wurde der Planet entdeckt?

Der Planet Merkur wurde schon im Altertum vom griechischen Philosophen Ptolemäus beschrieben. Seine Vorstellung, insbesondere der Größe, wich jedoch stark von der Realität ab. Pierre Gassendi konnte im 17. Jahrhundert aus einem Merkurtransit schlussfolgern, dass die Größe des Merkurs nicht wie von Ptolemäus geschätzt 1/15 des Sonnendurchmessers betrug, sondern um ein vielfaches kleiner war.

Was ist eine Mini-Sonnenfinsternis (Merkur-Transit)?

Unter einer im Volksmund bekannten “Mini-Sonnenfinsternis” wird eine Bedeckung der Sonne durch einen kleineren Planeten verstanden. In Frage kommen nur der Merkur und die Venus.

Pro Jahrhundert gibt es etwa 13 Merkurtransits, in denen sich der Planet von uns aus gesehen vor der Sonne vorbei schiebt. Der nächste Merkurtransit ist am 13. November 2032 auch von Europa aus zu verfolgen.

Die Erforschung des Merkurs

Schon die Sumerer beobachteten 3000 Jahre vor Christus den »Winzling«. 1639 machte die Planetenforschung einen gewaltigen Sprung nach vorn. Teleskope ermöglichten nun genauere Ansichten von den Planeten des Sonnensystems. Der italienische Astronom Zupi entdeckte die Phasen des Merkur (ähnlich den Mondphasen) und wies damit nach, dass dieser um die Sonne  kreist. Die alten Griechen hatten dies vermutet, doch ohne die richtige Technik nicht beweisen können.

Der deutsche Astronom Schröter zeichnete zu Beginn des 19. Jahrhunderts eher skizzenartige Karten von diesem Planeten des Sonnensystems. Ende des 19. Jahrhunderts sowie 1934 und 1972 entstanden unter Schiaparelli, Lowell, Antoniadi und Dollfus genauere Planetenkarten. Allen Verzeichnissen ist eines gemeinsam: Merkur erhielt einen Nullmeridian sowie Längen- und Breitengrade als Koordinatensystem, wie wir es von der Erde kennen.

Merkur wenig »gastfreundlich«

Wegen seiner Sonnennähe eignen sich nur wenige Forschungsbemühungen zur genaueren Untersuchung dieses sonnennächsten Planeten des Sonnensystems. Moderne Technik übersteht nicht die hohen Temperaturen, die intensive Sonnenstrahlung oder gar Teilchen des Sonnenwindes in der Umgebung von Merkur. Außerdem verhindert der Bahndrehimpuls einer möglichen Merkursonde eine Bewegung auf die Sonne zu, weshalb der Planetenanflug nur über lange Transferbahnen mit mehreren Swing-by-Manövern an anderen Planeten gelingt.

Die erste erfolgreiche Nahbetrachtung startete die NASA-Sonde Mariner 10 per »Swing-by-Manöver« über einen Venusanflug. Eine geschickt gewählte Bahn nach einer Idee des Italieners Giuseppe Colombo bescherte den Wissenschaftlern hierbei gleich drei statt nur einer Begegnung mit dem innersten Planeten des Sonnensystems. Mariner 10 lieferte 1974 und 1975 Bilder von zwei sehr nahen und einem weiter entfernten Vorbeiflug, was herkömmliche sowie Infrarot- und UV-Licht-Untersuchungen des Merkur ermöglichte. Dabei entdeckte die Sonde das Magnetfeld – ein erster Hinweis auf einen teilweise flüssigen Planetenkern, was für einen so kleinen Himmelskörper ungewöhnlich ist.

Rund 30 Jahre später, 2004, startete die zweite NASA-Raumsonde, MESSENGER, um über diesen Planeten des Sonnensystems bessere Studiendaten zu liefern. 2008 flog sie in einigem Abstand vorbei und lieferte über 1.000 Bilder des heißen »Winzlings« sowie weitere Planetendaten. Erst im März 2011 kam die Sonde ihrem Ziel nahe genug und schwenkte in die vorgesehene Umlaufbahn um Merkur ein. Die Mission endete am 30. April 2015, als der Sonde der Treibstoff ausging und sie planmäßig auf der Merkuroberfläche aufschlug. Seit 2018 ist die europäisch-japanische Doppelsonde BepiColombo unterwegs und hat Merkur bereits mehrfach im Vorbeiflug fotografiert; Ende November 2026 soll sie in ihre Umlaufbahn einschwenken – die erste Sonde im Merkur-Orbit seit MESSENGER.

Merkur beobachten: So findest du ihn

Merkur entfernt sich nie weit von der Sonne – deshalb siehst du ihn nur in der Dämmerung tief über dem Horizont, und nur rund um seine größten Elongationen. 2026 war das Morgenfenster von Ende Juli bis Mitte August das beste des Jahres (größter Sonnenabstand am 2. August): Merkur stand etwa 60–40 Minuten vor Sonnenaufgang tief im Ostnordosten – ein freier Horizont ist Pflicht. Solche Fenster wiederholen sich mehrmals im Jahr; wann das nächste ansteht, verrät dir unsere monatliche Himmelsvorschau.

Am besten funktioniert die Merkur-Jagd mit einem Fernglas: Damit findest du das helle Pünktchen in der aufhellenden Dämmerung deutlich schneller als mit bloßem Auge. Wichtig: Das Fernglas nie Richtung aufgegangener Sonne richten!

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Häufige Fragen zu Merkur

Wann kann man Merkur 2026 sehen?

Das beste Fenster 2026 war die Morgensichtbarkeit von Ende Juli bis Mitte August (größte westliche Elongation am 2. August), tief im Ostnordosten. Kürzere Fenster gibt es mehrmals im Jahr – die aktuellen Termine stehen in unserer monatlichen Himmelsvorschau.

Warum ist Merkur so schwer zu beobachten?

Er entfernt sich am Himmel nie mehr als etwa 28 Grad von der Sonne. Deshalb geht er fast immer mit ihr auf und unter – sichtbar ist er nur kurz in der Dämmerung, tief am Horizont.

Hat Merkur Monde?

Nein. Merkur und Venus sind die einzigen Planeten des Sonnensystems ohne Monde.

Welche Raumsonde erforscht Merkur aktuell?

Die europäisch-japanische Mission BepiColombo soll im November 2026 in eine Merkur-Umlaufbahn einschwenken – die erste europäische Sonde am innersten Planeten.

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