Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 22. September 2026
Für Astronomen ist jeder Meteorstrom in jedem neuen Zyklus der sichtbare Beweis ihrer mathematischen Bahnberechnungen, für Privatmenschen jenseits der Wissenschaft ein schöner Anblick oder Zeit für heimliche Wünsche. Neben den Sternschnuppenspaziergängen in Sommernächten bietet auch die frostige Jahreszeit kleine Leuchtfeuer am Nachthimmel. Jedes Jahr Anfang bis Mitte Dezember »regnen« die Geminiden auf uns nieder und bescheren uns tolle Sternschnuppen.
⚡ Die schnelle Antwort: Die Geminiden sind der stärkste Meteorstrom des Jahres – bis zu 150 Sternschnuppen pro Stunde. Maximum 2026: die Nacht vom 13. auf den 14. Dezember, mit guten Bedingungen: Das Maximum bleibt weitgehend mondfrei (Quelle: International Meteor Organization). Aktiv sind die Geminiden etwa vom 4. bis 17. Dezember.
Möglicher Sternschnuppenrekord: Die Geminiden
Seinen Namen hat dieser Meteorstrom nach seinem Radianten. Der Name des Sternbilds »Zwillinge« heißt im Lateinischen GEMINI. Selbst, wer das Sternbild nicht genau identifiziert, findet die Richtung, aus der die Geminiden zu erwarten sind, wenn er sich an den hellen Sternen des Wintersechsecks Pollux und Castor orientiert. Erste vereinzelte Sternschnuppen fallen von dort bereits am 07. Dezember.
Eine Woche lang, bis zur Nacht des 14. Dezember, wird der Meteorstrom immer dichter. Das Besondere der Geminiden ist neben dem außergewöhnlichen Ursprung ihre Helligkeit. Während schwächere Meteorschauer erst nach Einbruch der Nacht sichtbar sind, sind diese Sternschnuppen hell genug, um sie bereits nach Sonnenuntergang gelegentlich zu entdecken.
Am Aktivitätsmaximum erwarten die Astronomen eine Fallrate von bis zu 150 Meteoren pro Stunde (ZHR – der theoretische Wert unter Idealbedingungen; real sichtbar unter dunklem Landhimmel sind 60 bis 100). Auch wurde in den letzten Jahrzehnten eine kontinuierliche Verstärkung des Meteorstroms beobachtet.
Ungewöhnlicher Mutterkörper der Geminiden
Ein Meteorstrom entsteht, wenn die Erdbahn eine früher durchquerte Kometenbahn kreuzt. Die Partikel dringen derart schnell in unsere Atmosphäre ein, dass nicht sie selbst, sondern die Luftmoleküle leuchten. Im Falle der Geminiden stammt der Sternenstaub jedoch nicht von einem Kometen, sondern vom Asteroiden Phaethon, einem Erdbahnkreuzer.
Dieser bewegt sich in nur 1,4 Jahren um die Sonne und kommt ihr auf seiner exzentrischen Bahn sehr nahe.
Viele erloschene Kometen verursachen noch lange Zeit nach ihrem letzten Schweifausstoß einen Meteorstrom, wie wir ihn zum Beispiel von den Geminiden kennen. Doch Phaethons Oberfläche müsste eine andere Struktur aufweisen, selbst, wenn er die typischen flüchtigen Gas- und Staubbestandteile schon verloren hätte.
Stattdessen gab der Asteroid auf Infrarotaufnahmen eine steinige Oberfläche preis. Auch in nächster Sonnennähe, wo der Felsbrocken auf ca. 600 °C erhitzt wird, wurde keine mit Kometenschweifen vergleichbare Emission nachgewiesen.
Sternschnuppen im Dezember
Im Dezember ist ein Meteorstrom am wahrscheinlichsten in der Nähe des Himmelsäquators sichtbar. Da einige südliche Sternbilder im Winter für mitteleuropäische Beobachter sichtbar sind, ist eine Fallrate von 10 Meteoren pro Stunde im Aktivitätsmaximum aus diesen Radianten gut möglich.
Von vielen der Sternschnuppen, die fast täglich bis ins Neue Jahr hinein ihr eigenes »astronomisches Silvester-Feuerwerk« abhalten, sind die Mutterkörper bekannt.
Tägliches Feuerwerk – Aktivitätsmaximum meist niedrig über dem Horizont
Aus dem Sternbild »Heck des Schiffes« (Puppis) strömen im Aktivitätsmaximum vom 02. – 05. Dezember vereinzelte »Alpha Puppiden« in Horizontnähe über den Nachthimmel. Nach kurzer Pause streut der Meteorstrom der »Delta Arietiden« aus dem Radianten im »Widder« (Ekliptik) ein paar Sternschnuppen aus.
Die Fallrate beträgt hier bis zu 7 Meteore pro Stunde. Der Mutterkörper, ein Asteroid, hinterließ in Spitzenjahren schon Spuren mit bis zu 10 Meteoren pro Stunde.
Die Nacht vom 10. zum 11. Dezember hat es wirklich in sich – hier lohnt der Blick gleich zu mehreren Radianten. Vom »Orion« (in Mitteleuropa am Winterhimmel sichtbar) kommt der schwache Meteorstrom der »nördlichen bzw. südlichen Chi Orioniden«, die der Mutterkörper (Asteroid 2201 Oljato) als Staubspur auf der Erdbahn hinterlässt.
Aus dem »Kleinen Hund« ergießen sich im Aktivitätsmaximum die »11 Canis Minoriden« mit einer Fallrate von höchstens 3 Meteoren pro Stunde.
Weitere beachtenswerte Meteorströme neben den Geminiden
In der Nacht vom 11.-12. Dezember lassen aus dem Radianten »Wasserschlange« die »Sigma Hydriden« den Himmel mit bis zu 3 Meteoren pro Stunde recht langsam erglimmen.
Der Meteorstrom der »Monocerotiden« ist mit einer noch schwächeren Fallrate am Winterhimmel aus Richtung »Orion / Einhorn« sichtbar. Wer sich die Mühe um die schwachen Ströme macht, den belohnt schon der 13. Dezember für die Geduld.
Die Geminiden, Restpartikel des Asteroiden Phaethon (Mutterkörper) mit nur 1,4 Jahr Sonnenumlauf, sprühen im Aktivitätsmaximum mit bis zu 150 Meteoren pro Stunde (ZHR) aus den »Zwillingen« – und stellen damit alle anderen Dezember-Ströme weit in den Schatten.
Vom 18. Dezember bis zum 6. Januar dürfen sich »Schnuppen-Schwärmer« auf den Meteorstrom der »Coma Bereniciden« freuen. Sie strömen mit einer Fallrate von 3 Meteoren zunächst aus dem Radianten im »Orion«, dann nächtlich um 1 Grad weiter östlich bis zum »Einhorn«.
Den gesamten Nachthimmel der letzten 8 Dezembernächte beleuchten die »Ursiden« aus dem »Kleinen Bären«, sozusagen als »krönenden Jahresabschluss« des Meteoritenjahres. Ihr Aktivitätsmaximum erreichen die glühenden Spurenreste des Mutterkörpers, Komet 8P/Tuttle, am 22. Dezember.
Geminiden 2026: So planst du die Nacht vom 13./14. Dezember
2026 meint es gut mit uns: Der Mond stört im Maximum kaum – unter dunklem Landhimmel sind in den Abend- und Nachtstunden 60–100 sichtbare Meteore pro Stunde realistisch. Anders als bei den Perseiden musst du nicht bis nach Mitternacht warten: Der Radiant in den Zwillingen steht schon am späten Abend hoch. Die Geminiden sind zudem auffallend langsam und hell – perfekt auch für Kinder und Foto-Einsteiger.
Der wichtigste Tipp für Dezember-Nächte: Wärme! Skiunterwäsche, Wintermantel, Mütze, Thermoskanne und eine dicke Decke auf dem Liegestuhl – wer friert, geht nach 20 Minuten rein und verpasst das Beste.
💡 Geschenk-Tipp: Das Geminiden-Maximum fällt mitten in die Adventszeit. Unsere Astronomie-Geschenke-Liste sortiert die besten Ideen nach Budget – von der drehbaren Sternkarte bis zum ersten Teleskop. Und wenn aus der Sternschnuppen-Nacht Lust auf mehr Himmel wird: Der Teleskop-Ratgeber für Einsteiger zeigt dir ohne Kaufdruck, welches Gerät wirklich passt.
Alle Meteorströme des Jahres mit Mond-Bewertung findest du in unserem Sternschnuppen-Kalender 2026/2027 – und was der Dezemberhimmel sonst noch zu bieten hat, steht im Sternenhimmel im Dezember.
