Von Alexander Merz · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 29. Oktober 2026
Die Sternwarte Sonneberg ist ein historisches Observatorium auf dem Erbisbühl bei Sonneberg in Südthüringen, 638 m hoch, gegründet 1925 von Cuno Hoffmeister. Ihr Plattenarchiv mit über 270.000 Himmelsaufnahmen gilt als das zweitgrößte der Welt (Wikipedia).
Mehr dazu im Überblick: Sternwarten in Deutschland.
⭐ Kurz gesagt: Ein Ausflug lohnt sich für alle, die Astronomiegeschichte zum Anfassen wollen: Museum, Führung zum ersten Teleskop und zur Plattensammlung, samstags Himmelsbeobachtung mit Anmeldung. Wer moderne Großteleskope erwartet, ist im nahen Tautenburg besser aufgehoben.

Sternwarte Sonneberg besuchen: Öffnungszeiten, Preise, Anfahrt
Das Astronomiemuseum auf dem Gelände hat dienstags bis sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet, letzter Einlass ist um 16:30 Uhr. Betrieben wird es seit 2016 vom Verein Astronomiemuseum e. V. (Betreiberseite, Wikipedia).
| Angebot | Erwachsene | Schüler, Studenten | Familie |
|---|---|---|---|
| Museum | 6,00 € | 4,50 € | 15,00 € |
| Führung durch die Sternwarte | 6,00 € | 4,50 € | 15,00 € |
| Kombikarte Museum + Führung | ⭐ Unser Tipp10,00 € | 8,00 € | 22,00 € |
| Nachtbeobachtung | 6,00 € | 4,50 € | – |
Die Adresse lautet Sternwartestraße 32, 96515 Sonneberg. Parkplätze gibt es auf dem Gelände, vom Bahnhof fährt der Stadtbus Linie C bis zur Endhaltestelle „Sternwarte“ (Anfahrt laut Betreiber).
Achtung: Der letzte Stadtbus fährt laut Betreiber schon am späten Nachmittag. Wer zum Beobachtungsabend kommt, braucht ein Auto oder eine andere Rückfahrt.
Was du bei einer Führung siehst
Die rund einstündige Führung beginnt auf dem Außengelände mit der Baugeschichte. Danach geht es in Haus 6 zum ersten Teleskop der Sternwarte, bei gutem Wetter mit Blick auf die Sonne (Führungsprogramm).
Weitere Stationen sind die Plattensammlung und die Schmidt-Kuppel mit dem größten Teleskop der Sternwarte. Wer schon dort war, nennt im Forum vor allem das Fotoarchiv als Höhepunkt, weil seine Ordnung noch aus der Zeit vor dem Computer stammt (forum.astronomie.de, 2020/21).
Tipp: Nimm die Kombikarte und plane Museum und Führung am selben Nachmittag. Zusätzlich bietet der Verein Themenführungen, etwa im Meteoritenzimmer, wo du am Ende echte Meteoriten anfassen darfst (Betreiber).
Beobachtungsabend: selbst durchs Teleskop schauen
Der Verein öffnet in der Regel jeden Samstagabend die Kuppel, sobald es dunkel genug ist, für etwa zwei Stunden. Beobachtet wird nur bei klarem Himmel, und eine Anmeldung ist nötig (Beobachtungsabend).
Welche Instrumente dabei zum Einsatz kommen, nennt die Betreiberseite nicht. Was am Abend deines Besuchs am Himmel steht, zeigt dir vorab unsere Seite Heute am Himmel.
Geschichte: von Hoffmeisters Privatprojekt zur Akademie-Sternwarte
Cuno Hoffmeister (1892–1968) stammte aus Sonneberg und baute die Sternwarte mit Unterstützung der Carl-Zeiss-Stiftung auf. Am 28. Dezember 1925 wurde der erste Kuppelturm eingeweiht, ab 1926 leitete Hoffmeister das Haus (Wikipedia: Hoffmeister).
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1925 | Erster Kuppelturm eingeweiht (28. Dezember) |
| 1928 | Ausbau, damals „höchste Sternwarte Deutschlands“ |
| 1930 | An Preußen verpachtet, faktisch Außenstelle der Sternwarte Berlin-Babelsberg |
| 1938 | Paul Ahnert beginnt seine jahrzehntelange Arbeit in Sonneberg |
| 1945 | Der 40-cm-Astrograph wird von der sowjetischen Besatzungsmacht demontiert |
| 1946 | Forschungsinstitut der Deutschen Akademie der Wissenschaften |
| 1960 | Ein geplantes 2-m-Schmidt-Teleskop geht stattdessen nach Tautenburg |
| 1961 | Mit dem Mauerbau liegt die Sternwarte im Grenzgebiet |
| 1991–1994 | Schließung beschlossen, auf Ende 1994 verschoben |
| 1995 | Wiedereröffnung am 9. November, bis 2003 städtisch |
| 1998 | Astronomiemuseum im ältesten Gebäude eröffnet |
| 2004 | Übernahme durch den Zweckverband Sternwarte Sonneberg und 4pi Systeme |
Die Lage nahe der innerdeutschen Grenze prägte die Nachkriegszeit. Das große 2-m-Teleskop, das ursprünglich für Sonneberg geplant war, steht deshalb heute in der Thüringer Landessternwarte Tautenburg (Wikipedia).

Das Plattenarchiv: 270.000 Blicke in den Himmel
Sonnebergs eigentlicher Schatz liegt nicht in den Kuppeln, sondern im Archiv. Über 270.000 Fotoplatten zeigen den Nordhimmel über mehr als 70 Jahre, dazu rund 5.000 Platten des Südhimmels von Expeditionen nach Bolivien und Südafrika zwischen 1926 und 1959 (Wikipedia).
Zwei Langzeitprogramme haben es gefüllt: der „Sonneberger Felderplan“ (1924 bis 1995) und die „Sonneberger Himmelsüberwachung“, die seit 1926 läuft. Weil dieselben Himmelsfelder immer wieder aufgenommen wurden, lässt sich nachträglich prüfen, ob ein Stern heller oder schwächer geworden ist. Seit 1992 werden die Platten digitalisiert.
Zahl, die hängen bleibt: Cuno Hoffmeister entdeckte rund 10.000 veränderliche Sterne – nach Stand 2010 knapp ein Viertel aller bekannten (Wikipedia). Nach ihm sind ein Mondkrater und der Asteroid (1726) Hoffmeister benannt.
Teleskope der Sternwarte Sonneberg
Für ein Observatorium dieser Größe ist die Ausstattung klassisch fotografisch. Den Kern bilden zwei 60-cm-Cassegrain-Spiegel, ein 50-cm-Schmidt-Teleskop und zwei 40-cm-Astrographen, seit 2002 ergänzt durch eine großformatige CCD-Kamera (Wikipedia).
| Instrument | Kennwert | Seit |
|---|---|---|
| Refraktor mit Himmelskameras | 135 mm Öffnung | 1926 |
| Cassegrain-Spiegelteleskope | 2 × 60 cm | – |
| Schmidt-Teleskop | 50 cm | – |
| Astrographen | 2 × 40 cm | 1960/1961 |
| CCD-Kamera „MultiMega“ | 7k × 4k Pixel, 84 × 48 mm Chip | 2002 |
Sonneberg oder Tautenburg: welche Sternwarte in Thüringen?
Thüringen hat zwei Sternwarten mit Geschichte, und sie ergänzen sich. Sonneberg ist das Museum mit Archiv und Besucherprogramm, Tautenburg das Forschungsinstitut mit dem größten Teleskop Deutschlands.
| Merkmal | Sternwarte Sonneberg | Landessternwarte Tautenburg |
|---|---|---|
| Gegründet | 1925 | 1960 (First Light) |
| Größtes Instrument | 60-cm-Spiegel, 50-cm-Schmidt | 2-m-Alfred-Jensch-Teleskop |
| Besonderheit | Plattenarchiv, Astronomiemuseum | Größtes Teleskop Deutschlands |
| Für Besucher | Museum Di–So, Führungen, Samstagsbeobachtung | siehe unsere Tautenburg-Seite |
Ehrlich gesagt: der Zustand der Gebäude
Wer Hochglanz erwartet, wird überrascht. Im Forum beschrieben Besucher 2020 viele Gebäude als stark sanierungsbedürftig, und der Trägerverein habe es schwer, alles zu erhalten (forum.astronomie.de).
Dieselben Besucher loben aber die Führungen als ausführlich und herzlich. Wie es heute um die Sanierung steht, konnten wir nicht belegen – frag im Zweifel vor dem Besuch beim Verein nach.
Häufige Fragen zur Sternwarte Sonneberg
Wann hat die Sternwarte Sonneberg geöffnet?
Das Astronomiemuseum öffnet dienstags bis sonntags von 13 bis 17 Uhr, letzter Einlass 16:30 Uhr. Beobachtungsabende finden in der Regel samstags bei klarem Himmel und nur mit Anmeldung statt (Betreiber).
Wer hat die Sternwarte Sonneberg gegründet?
Der Sonneberger Astronom Cuno Hoffmeister, mit Unterstützung der Carl-Zeiss-Stiftung. Der erste Kuppelturm wurde am 28. Dezember 1925 eingeweiht.
Wie hoch liegt die Sternwarte?
Auf 638 m über dem Meer, auf dem Erbisbühl im Sonneberger Ortsteil Neufang. Nach dem Ausbau 1928 galt sie als höchste Sternwarte Deutschlands.
Ist die Sternwarte für Kinder geeignet?
Ja, Kinder im Kindergartenalter und jünger haben in der Regel freien Eintritt, und der Verein bietet eigene Kinder- und Kindergartenführungen an. Für die Samstagsbeobachtung solltest du bedenken, dass sie erst nach Einbruch der Dunkelheit beginnt.
Quellen: Wikipedia: Sternwarte Sonneberg · Wikipedia: Cuno Hoffmeister · Astronomiemuseum e. V. · forum.astronomie.de – alle abgerufen am 28.10.2026.
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