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Komet C/2011 L4 (Pan-STARRS) sichtbar ab März 2013 mit bloßem Auge


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Obwohl das Sonnensystem schon dicht durchmustert ist, tauchen immer noch bislang unbeobachtete Kometen auf. Die Mehrzahl bleibt auch im Perihel lichtschwach. Immer wieder sind allerdings recht helle Exemplare im Teleskop zu beobachten. Auf C/2011 L4 (Pan-STARRS) warten die »Kometenjäger« mit besonderer Spannung. Im März 2013 passiert der erst vor zwei Jahren entdeckte, nichtperiodische Komet sein Perihel und soll dabei schon mit bloßem Auge sichtbar sein.

Entdeckung des Kometen C/2011 L4 (Pan-STARRS)

Pan-STARRS ist eines von mehreren Teleskopen eines astronomischen Kamera- und Computersystems, das den Himmel im Bereich des Sonnensystems nach Asteroiden und Kometen »durchkämmt«. Ziel ist das Aufspüren erdnaher Objekte, die Bestimmung einer potenziell gefährlichen Annäherungsgefahr an die Erde (bei Annäherung an den und Entfernung vom Perihel) und die Zuordnung zu früheren Sichtungen, um eventuelle Doppeltentdeckungen zu vermeiden. C/2011 L4 (Pan-STARRS) erschien im Rahmen dieser Durchmusterung erstmals im Jahr 2011 auf der Bildfläche. Es zeigte sich, dass der Komet noch nirgendwo früher beobachtet wurde.

Bei seiner Entdeckung war C/2011 L4 (Pan-STARRS) nicht viel mehr als ein schwaches Glimmen zwischen anderen Objekten des Sonnensystems. Nachdem bekannt wurde, dass es sich um einen bisher unbekannten, nichtperiodischen Kometen handelt, hielten auch Amateurastronomen Ausschau nach ihm. Ab Mai 2012 war es soweit: Große Amateur-Teleskope konnten das nun 13,5 mag helle Objekt sehen und verfolgen. Am 05. März 2013 passiert der »Dirty Snowball« in 1,09 AE seinen erdnächsten Punkt, am 10. März 2013 ist er am Perihel auch für Beobachter in Mitteleuropa gut sichtbar.

Eigenschaften von und Vermutungen über C/2011 L4 (Pan-STARRS)

Als Herkunftsort legten die Forscher die Oortsche Wolke fest, in deren Objektkreis alle kurzperiodischen, langperiodischen und nichtperiodischen Kometen vermutet werden. Dass ein Komet aus diesem Gebiet es so weit ins Innere des Sonnensystems schafft, ist eher selten. C/2011 L4 (Pan-STARRS) dürfte für seinen Weg einige Millionen Jahre benötigt haben. Wie er beschaffen ist, zeigt sich erst bei seinem Perihel am 10. März 2013. Nach Meinung der Beobachter »ist alles möglich«. Er heißt, er könnte besonders hell werden, enttäuschend blass bleiben oder gar auseinanderbrechen.

Spätestens seit 2012 fiebern Berufsastronomen und Amateurastronomen der Entwicklung des Kometen entgegen. Eigentümlich macht seine »Beobachtungshistorie« die Umlaufbahn im Sonnensystem. Diese verläuft mit 78 ° fast senkrecht zur Erdbahn, weshalb er erst ab Anfang März ein Beobachtungsobjekt auf der Nordhalbkugel wird. Ab Anfang/Mitte März 2013, nach der Passage des Perihel, wird die Sichtbarkeit von C/2011 L4 (Pan-STARRS) am westlichen Abendhimmel kurz nach Sonnenuntergang, mit bloßem Auge erwartet. Jedoch bewegt er sich wegen der großen Sonnennähe dann in der Dämmerung und taucht erst ab Ende März 2013 am dunklen Nachthimmel auf. Dann allerdings wird wieder ein Teleskop für die Beobachtung nötig sein.

Mit C/2011 L4 vergleichbare Jahrhundertkometen

Auf dem Weg zu seinem Perihel ist in der Entwicklung der Helligkeit des Kometen C/2011 L4 (Pan-STARRS) nahezu alles möglich. So entwickelte sich der bisherige Rekordhalter unter den jüngeren Jahrhundertkometen, Hale-Bopp, im Jahr 1997 zu einer Sensation. Er konnte 1 ½ Jahre mit bloßem Auge beobachtet werden. Andere Objekte mit kürzeren Perioden enttäuschten eher und verglommen recht blass auf ihrem Weg durch das Sonnensystem.

Im Februar und März 2009 bewegte C/2007 N3 Lulin die Gemüter von Berufs- und Amateurastronomen. Der sehr schnelle, wenngleich nur 4 mag helle Komet kam der Erde auf seinem Weg zum Perihel auf nur 0,41 AE nahe und zeigte im Teleskop eine grünliche Koma, einen bläulichen Ionenschweif und einen schnurgeraden Staubschweif als Gegenschweif. Seine beste Beobachtungszeit mit bloßem Auge endete am 06. März 2009. Er war genau wie C/2011 L4 (Pan-STARRS) ein nichtperiodischer Komet, der ebenfalls das Sonnensystem aus der Oortschen Wolke kommend passierte.

C/2011 L4 (Pan-STARRS) und seine erwartete Sichtbarkeit 2013

Weil das Auftauchen von C/2011 L4 (Pan-STARRS) sein erstes im Inneren des Sonnensystems ist, sind seine bestimmten Eigenschaften Raum für Spekulationen über sein Verhalten vor, während und nach dem Perihel. Falls der Komet von lockerer Konsistenz ist, könnte er vorher zerbrechen - und damit die Erwartungen vorzeitig zunichte machen. Ist er fest genug, dürfen wir möglicherweise ein starkes Aufleuchten des Schweifes erwarten.

Mutmaßlich verändert sich die bisher nicht bestimmbare Periode von C/2011 L4 (Pan-STARRS) durch die Passage der äußeren Planeten. Saturn und Jupiter stören sehr häufig die Bahnen von Kometen und ziehen diese dauerhaft ins Innere des Sonnensystems. Je nachdem, wie »standhaft« dieser Komet ist, prognostizieren die Forscher eine künftige Umlaufbahn von 110.000 Jahren. Je nachdem, was beim bevorstehenden Periheldurchgang passiert, ist dies genügend Zeit für Amateurastronomen und astronomische Gesellschaften, um bei der nächsten Sichtung mit dann erheblich besseren Teleskopen den fernen »Gast« genauer zu bestimmen.

C/2011 L4 (Pan-STARRS) möglicherweise ein Vorgeschmack auf den Herbst 2013

Sollte der Komet C/2011 L4 (Pan-STARRS) die Astronomen und »Kometenjäger« enttäuschen, bleiben nur wenige Monate bis zum nächsten erwarteten Jahrhundertereignis. Der »Sungrazer« (Sonnenstreifer) C/2012 S1 (ISON) passiert er sein Perihel in nur einem Sonnendurchmesser Abstand. Niemand kann vorhersagen, ob er dann zerbricht, wie hell sein Schweif sich entwickelt und wie er sich hinterher weiter durch das Sonnensystem bewegt.

(Verfasser: Astronomie | Datum: 16. Februar 2013 | Fehler melden)



Kommentare 

Am 16.02.2013 15:37:12 schrieb StefanK:

Hallo,

Hale-Bopp und Lulin sind eigentlich nicht mit Panstarrs vergleichbar. Lulin hat sich stets außerhalb der Erdbahn aufgehalten und ist der Sonne demnetsprechend auch nicht sehr nahe gekommen. Wie schon nach seiner Entdeckung 2007 erwartet, hat er eine Helligkeit von knapp 5mag erreicht. Damit war er ein nettes Feldstecherobjekt. Auch Hale-Bopp kam der Sonne nicht sehr nah und hat sich zudem von der Erde auch eher ferngehalten. Dass er trotzdem ein so eindrucksvolles Objekt war, lag an seinem extrem großen, aktiven Kern. Einige andere Kometen des 20. Jh. haben Hale-Bopp aber hinsichtlich Helligkeit und Schweiflänge deutlich übertroffen, genannt seien nur der Januarkomet 1910 (C/1910 A1), Ikeya-Seki (C/1965 S1), West (C/1975 V1) und Hyakutake (C/1996 B2). Doch wenn es um die ganz großen Kometen der Geschichte geht, gehört aus neuerer Zeit wohl nur McNaught (C/2006 P1) dazu.
Zum Vergleich mit Panstarrs bieten sich m.E. vor allem Bennett (C/1969 Y1), Kohoutek (C/1973 E1) und West (C/1975 V1) an, (alle beschrieben unter http://www.komet-panstarrs.de/ ) und in Anbetracht der derzeitigen Entwicklung wohl auch Wilson-Harrington (C/1961 O1) - s. http://kometeninfo.blogspot.de/2013/01/panstarrs-wilson-hubbard-und-die.html .

Viele Grüße aus Bonn,

Stefan


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