Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026
⚡ Die schnelle Antwort: Exoplaneten sind Planeten, die fremde Sterne außerhalb unseres Sonnensystems umkreisen. Seit September 2025 sind offiziell mehr als 6.000 Exoplaneten bestätigt (NASA Exoplanet Archive, Stand 2026) – und Forscher schätzen, dass allein unsere Milchstraße Milliarden weitere beherbergt. Entdeckt werden sie meist indirekt über die Transit- und die Radialgeschwindigkeits-Methode.
Dass das, was Teleskope außerhalb unseres eigenen Sonnensystems entdeckt hatten, möglicherweise Exoplaneten sein könnten, wurde erstmals in den 1980er Jahren unter Astronomen diskutiert. Man fand zunächst statt terrestrischer Planeten in möglicherweise habitablen Zonen »nur« Braune Zwerge und Mehrfachsternensysteme, die einander täuschend ähnlich wie ein Planet seinen Stern umrundeten.

Einige Jahre später begann die eigentliche Explosion an »echten« Exoplaneten- Entdeckungen, darunter immer häufiger auch Supererden. Schon seit den 2010er Jahren steht durch belegte Beobachtungen fest, dass die Einschätzung der Häufigkeit von Planetensystemen allein in unserer Milchstraße stark nach oben korrigiert werden muss.
Was sind Exoplaneten?
Exoplaneten (extrasolare Planeten) sind Planeten außerhalb des Gravitationsfelds unseres Sonne. Sie befinden sich aber im Gravitationsfeld eines anderen Sterns.
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Wie werden Exoplaneten entdeckt [Nachweis-Methoden]
Zum Nachweis von Exoplaneten eignen sich verschieden Verfahren. Hier eine kurze Charakterisierung einer Methodenauswahl:
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Arten von Exoplaneten
Die klassifikation der Exoplaneten erfolgt ähnlich wie in unserem Sonnensystem:
Mit zunehmend genaueren Messmethoden werden die Durchmesser der entdeckten Exoplaneten immer kleiner.
Wurden zu Beginn fast ausschließlich Gasriesen ähnlich wie Jupiter entdeckt, werden nun immer häufiger sogenannten Supererden (bis zu 14x Erdmasse) beschrieben. Auch die Zahl der Exoplaneten mit einer erdähnlichen Größe wächst kontinuierlich.
Mehr Exoplaneten als Sterne?
Mit aktuellem Forschungsstand gibt es weit knapp 750 bestätigte Exoplaneten. Viele von ihnen wurden gemeinsam als Begleiter des gleichen Sterns identifiziert, die »Hot-Jupiter« überwogen zunächst.
Mit den neuesten Teleskopgenerationen (James Webb Teleskop) wird praktisch im Monatsrhythmus auch eine neue Supererde entdeckt, also ein möglicherweise oder tatsächlicher Gesteinsplanet von ein- oder fünf- bis höchstens zehn- oder vierzehnfacher Erdmasse (je nach Definition).
Selbst die Bestimmung, wie viele Sterne Begleiter in habitabler Zone besitzen könnten, wurde jüngst von »Ausnahmeexemplare« in »mehr als einer pro Planetensystem« (derzeit geschätzt: 1,6) abgeändert.
Untersuchungen unter Ausnutzung des »Gravitationslinseneffektes« (Phänomen der Raumzeitkrümmung) zeigten bei 3.000 beobachteten Sternen jenen Effekt und damit die Existenz weiterer potenzieller Supererden oder »Hot-Jupiter« ca. 500 Mal.
Trotz der Kritik an dieser unsicheren »Jagd«methode errechnet sich aus bisherigen Untersuchungen eine Binsenweisheit: Wenn jeder Stern von mehr als einem Exoplaneten umrundet wird, als es »verlassene Sonnen« gibt, dann existieren allein in unserer Milchstraße bedeutend mehr Planeten als Sterne, somit pro System auch mindestens eine habitable Zone.

Quelle: NASA / Ames / JPL-Caltech
Dieses Rechenkunststück bleibt selbst dann gültig, wenn Mehrfachsternsysteme in die Berechnungen einbezogen werden und sich diese Doppelsterne ein gemeinsames Planetensystem teilen.
Vielversprechende Neuerkenntnisse trotz Unsicherheit der Bestimmungen
Vorläufig hat noch jede Untersuchungsmethode von Sternen ihre wissenschaftlichen Handicaps. In sehr kurzer Zeit entpuppten sich bloße Vermutungen fast immer als tatsächliche Funde von Exoplaneten.
Daher erkennen die Kritiker der Gravitationslinsenmethode zumindest an, dass ein Beweis der obigen Schätzungen für die Milchstraße in naher Zukunft erbracht werden könnte.
Das bedeutet, es würden mit besseren Untersuchungsmethoden bald mehr Supererden in Planetensystemen als »Hot-Jupiter« entdeckt und vielleicht der Begriff »habitabel« nach umfangreicheren Kriterien neu bestimmt.
Gibt es Leben auf Exoplaneten?
Die Frage ist bis heute ungeklärt. Wenn man an komplexeres Leben wie auf der Erde denkt, ist die Suche nach erdähnlichen Planeten sinnvoll. Mit zunehmender Messgenauigkeiten konnten mit der Zeit immer kleiner Planeten gefunden werden.
Waren es anfangs vor allem große Gasriesen (Hot Jupiters), so werden jetzt zunehmend kleiner terrestrische Planeten ähnlich der Erde gefunden. Befinden sich diese Exoplaneten in der habitablen Zone ihres Zentralgestirns sind ein Teil der Grundlagen für Leben geschaffen.

Hoffnung auf den Nachweis von Leben, wird zur Zeit in die Detektion spezieller Biomarker in der Atmosphäre von Exoplaneten gesetzt. Diese Biomarker, die nur in Verbindung mit organischem Leben entstehen sollen, könnten durch ein charakteristisches Absorptionsspektrum der Planetenatmosphäre nachgewiesen werden.
Spannende Fakten zu ausgewählten Exoplaneten
Hier sind einige spannende Fakten zu ausgewählten Exoplaneten:
Proxima Centauri b
- Der Exoplanet ist der nächstgelegene bekannte erdähnliche Planet außerhalb unseres Sonnensystems.
- Er umkreist den Stern Proxima Centauri, der Teil des Alpha Centauri-Systems ist.
- Der Planet wurde 2016 entdeckt und ist etwa 1,3 mal so groß wie die Erde.
- Die Entfernung zum Stern ist so gering, dass der Planet wahrscheinlich einer starken Strahlung ausgesetzt ist und eventuell keine Atmosphäre hat.
Trappist-1d
- Der Planet umkreist den ultrakühlen Zwergstern Trappist-1, der nur etwa 8% der Masse unserer Sonne hat.
- Der Planet ist etwa 0,8 mal so groß wie die Erde und könnte eine dichte Atmosphäre haben.
- Trappist-1d ist Teil eines Systems aus insgesamt sieben Planeten, von denen einige möglicherweise bewohnbar sind.
- Der Planet hat eine Umlaufzeit von nur 4,05 Tagen.
Kepler-186f
- Der Exoplanet wurde 2014 entdeckt und ist etwa 1,1 mal so groß wie die Erde.
- Er umkreist den Stern Kepler-186, der etwa 500 Lichtjahre von der Erde entfernt ist.
- Kepler-186f ist der erste erdähnliche Planet, der in der habitablen Zone eines Sterns entdeckt wurde.
- Der Planet hat eine Umlaufzeit von etwa 130 Tagen und könnte flüssiges Wasser auf seiner Oberfläche haben.
HD 209458b
- Ein Gasriese, der sich sehr nah an seinem Stern befindet und in nur 3,5 Tagen einmal um diesen herumkreist.
- Der Planet hat eine Atmosphäre, die Wasserstoff und Helium enthält, sowie eine signifikante Menge an Wasserdampf.
- HD 209458b war der erste Exoplanet, bei dem durch Beobachtungen des Sternenlichts seine Atmosphäre direkt nachgewiesen wurde.
Kepler-438b
- Befindet sich etwa 640 Lichtjahre von der Erde entfernt
- Hat eine ähnliche Größe wie die Erde und eine Umlaufzeit von 35,2 Tagen
- Liegt in der habitablen Zone, in der flüssiges Wasser existieren könnte
- Aufgrund seiner Nähe zu einem Roten Zwergstern wird angenommen, dass er eine starke Strahlung abbekommt, die seine Atmosphäre beeinflussen könnte
WASP-12b
- Befindet sich etwa 600 Lichtjahre von der Erde entfernt
- Ist ein heißer Jupiter, der in nur 1,1 Tagen um seinen Stern kreist
- Hat eine extrem hohe Oberflächentemperatur von etwa 2.500 Grad Celsius
- Aufgrund seiner Nähe zu seinem Stern wird angenommen, dass er in etwa 10 Millionen Jahren vollständig verdampfen könnte
Stand 2026: Über 6.000 bestätigte Welten – und JWST liest ihre Atmosphären
Im September 2025 knackte das NASA Exoplanet Archive die Marke von 6.000 bestätigten Exoplaneten – 1992 lag der Zähler noch bei null. Und das Tempo zieht an: Die Archiv-Verantwortlichen halten 100.000 Exoplaneten binnen der nächsten Jahre für realistisch, wenn Missionen wie PLATO (ESA, Start Ende 2026) und das Nancy-Grace-Roman-Teleskop liefern.
Der eigentliche Umbruch kommt aber vom James-Webb-Weltraumteleskop: Es kann die Atmosphären ferner Welten spektroskopisch „lesen” und hat u. a. bei mehreren Trappist-1-Planeten und dem Hycean-Kandidaten K2-18b nach Wasserdampf, Methan und anderen Molekülen gefahndet. Die Frage ist nicht mehr, ob es erdähnliche Welten gibt – sondern wann wir die erste mit Biosignatur finden.
🔭 Exoplaneten-Sterne selbst beobachten
Die Planeten selbst bleiben unsichtbar – aber ihre Heimatsterne kannst du finden! 51 Pegasi, der Stern, an dem 1995 der erste Exoplanet um einen sonnenähnlichen Stern nachgewiesen wurde, steht im Herbst hoch im Pegasus-Quadrat. Mit 5,5 mag ist er gerade noch mit bloßem Auge sichtbar – du brauchst dafür einen halbwegs dunklen Standort und musst wissen, wo du suchst.
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Exoplaneten-Systeme im Porträt
Jedes der folgenden Systeme steht für eine eigene Überraschung – von zwei Nachbarplaneten, die unterschiedlicher kaum sein könnten, bis zu Planeten, die um zwei Sonnen gleichzeitig kreisen. Viele dieser Entdeckungen stammen aus den Jahren 2008 bis 2012, und bei einigen hat die Forschung seither das Bild kräftig korrigiert. Wo das so ist, sagen wir es dazu – denn genau daran sieht man, wie diese junge Wissenschaft arbeitet.
Kepler-36: zwei Nachbarn, die kaum verschiedener sein könnten
Kepler-36 ist ein Stern im Sternbild Schwan in rund 1.700 Lichtjahren Entfernung, um den zwei Planeten mit extrem ähnlichen Bahnen, aber völlig verschiedener Beschaffenheit kreisen. Das Weltraumteleskop Kepler entdeckte sie 2012.
Kepler-36 b braucht 13,9 Tage für einen Umlauf, Kepler-36 c 16,2 Tage. Damit trennt die beiden im Mittel nur rund die fünffache Erde-Mond-Distanz – für Planeten ein Katzensprung. Alle 97 Tage kommen sie sich so nah, dass der jeweils andere am Himmel etwa doppelt so groß erschiene wie bei uns der Vollmond.
Das Bemerkenswerte ist ihre Dichte, also das Verhältnis von Masse zu Volumen. Kepler-36 b ist mit etwa 1,5 Erdradien ein kompakter Gesteinsplanet, ähnlich dicht wie die Erde. Sein Nachbar Kepler-36 c hat bei 3,7 Erdradien nur wenig mehr Masse und ist daher rund achtmal weniger dicht – ein aufgeblähter Gasplanet also, eher in der Art von Neptun. Zwei so unterschiedliche Welten auf so engen Nachbarbahnen galten vorher als unmöglich; das System ist bis heute das Lehrbuchbeispiel dafür, dass Planeten nicht dort bleiben müssen, wo sie entstanden sind.
Habitabel, also lebensfreundlich, ist keiner der beiden: Beide stehen ihrem Stern viel zu nah. Die genauen Massen wurden seit der Entdeckung mehrfach nach oben und unten korrigiert – der Dichteunterschied blieb.
Lalande 21185: 70 Jahre Streit – und am Ende doch Planeten
Lalande 21185 ist ein Roter Zwerg im Sternbild Großer Bär und mit 18,5 Lichtjahren einer der nächsten Nachbarn unserer Sonne. Um ihn kreisen nach heutigem Stand zwei bestätigte Planeten – nachgewiesen allerdings ganz anders, als es die Astronomen ein halbes Jahrhundert lang versucht hatten.
Die Geschichte ist ein Lehrstück. Ab 1951 meldeten Beobachter am Sproul-Observatorium, allen voran Peter van de Kamp, Störungen in der Eigenbewegung des Sterns und schlossen daraus auf einen unsichtbaren Begleiter. Die Angaben wanderten über Jahrzehnte: erst ein Jahr Umlaufzeit, dann acht; erst 0,06 Sonnenmassen, dann 0,01. 1973 stellte sich heraus, dass die Fotoplatten des Observatoriums systematische Fehler hatten – die vermeintlichen Planeten waren Messartefakte. Auch die 1996 von George Gatewood gemeldeten Begleiter ließen sich nie bestätigen.
Erst die Radialgeschwindigkeitsmethode, bei der man das winzige Hin- und Herpendeln des Sterns im Spektrum misst, brachte den Nachweis. Lalande 21185 b hat mindestens 2,7 Erdmassen und umkreist den Stern in knapp 13 Tagen; bestätigt wurde er 2020 mit dem Spektrografen CARMENES. Der äußere Lalande 21185 c mit mindestens 13,6 Erdmassen und rund acht Jahren Umlaufzeit kam 2021 dazu. Ein dritter Kandidat ist noch nicht bestätigt.
Mit den alten Behauptungen haben diese Planeten nichts gemein – andere Methode, andere Massen, andere Bahnen. Die frühen Claims bleiben widerlegt.
HD 209458 b „Osiris“: der Planet, der alles möglich machte
HD 209458 b, inoffiziell „Osiris“ genannt, ist der erste Exoplanet, bei dem 1999 ein Transit vor seinem Stern beobachtet wurde – und der erste, dessen Atmosphäre man untersuchen konnte. Er umkreist einen sonnenähnlichen Stern im Sternbild Pegasus in rund 157 Lichtjahren Entfernung.
Osiris ist ein „Hot Jupiter“: ein Gasriese mit etwa zwei Dritteln der Jupitermasse, der aber wegen der Hitze seines Sterns auf rund 1,36 Jupiterdurchmesser aufgebläht ist. Sein Abstand zum Stern beträgt nur etwa ein Achtel des Merkurabstands zur Sonne, ein Umlauf dauert dreieinhalb Erdtage. Der Stern heizt ihn so stark auf, dass er ständig Wasserstoff verliert – geschätzte hunderte Millionen Kilogramm pro Sekunde ziehen als Schweif hinter ihm her.
Die Atmosphäre war lange umstritten. Ein Wasserdampf-Befund von 2007 galt als modellabhängig, 2021 wurde der Planet sogar als kohlenstoffreiche Welt beschrieben. Beides ist überholt: Messungen mit dem James-Webb-Teleskop und eine Neuauswertung von 2025 zeigen zweifelsfrei Wasser, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid – und ausgerechnet kein Methan. Die Atmosphäre ist sehr sauerstoffreich. Für Leben taugt sie trotzdem nicht: Bei über 1.000 Kelvin Oberflächentemperatur bleibt kein Molekül lange heil, und was dennoch entstünde, würde mit dem Schweif davongetragen.
Kepler-47: drei Planeten um zwei Sonnen
Kepler-47 ist ein Doppelstern im Sternbild Schwan in rund 3.300 Lichtjahren Entfernung, um den drei Planeten kreisen – das erste bekannte Mehrplanetensystem um ein Sternenpaar. Die beiden Sterne umrunden einander in nur 7,5 Tagen; der kleinere hat etwa ein Drittel der Sonnenmasse.
Bei der Entdeckung 2012 waren es zwei Planeten: Kepler-47 b mit gut drei Erdradien und 49,5 Tagen Umlaufzeit, und der äußere Kepler-47 c mit rund 4,7 Erdradien und 303 Tagen. Kepler-47 c liegt in der habitablen Zone – dem Abstandsbereich, in dem flüssiges Wasser auf einer Oberfläche bestehen könnte. Nur dürfte er gar keine feste Oberfläche haben.
2019 kam ein dritter dazu: Kepler-47 d, mit sieben Erdradien der größte im System, liegt zwischen den beiden anderen und war jahrelang unsichtbar, weil seine Transits ausblieben – bei einem Doppelstern verschieben sich die Bahnen so stark, dass ein Planet zeitweise an seinem Stern vorbeizieht, ohne ihn zu verdecken. Wer irgendwo liest, Kepler-47 habe zwei Planeten, liest einen Text von vor 2019.
Kepler-34 b und Kepler-35 b: Planeten um Doppelsterne sind keine Ausnahme
Zirkumbinäre Planeten sind Planeten, die nicht einen Stern umkreisen, sondern ein ganzes Sternenpaar. Bis 2011 galt so etwas als exotische Ausnahme – dann fand das Kepler-Teleskop innerhalb weniger Monate gleich mehrere davon im Sternbild Schwan.
Kepler-34 b hat etwa ein Fünftel der Jupitermasse und umrundet sein Sternenpaar in 289 Tagen; die beiden sonnenähnlichen Sterne umkreisen einander in 27 Tagen. Kepler-35 b ist mit gut einem Achtel der Jupitermasse etwas leichter und braucht 131 Tage; sein Sternenpaar kommt auf knapp 21 Tage. Beide Systeme liegen rund 5.900 Lichtjahre entfernt. Zusammen mit dem früher entdeckten Kepler-16 b war damit klar: Solche Konstellationen sind normal.
Wie das Wetter auf einer solchen Welt aussähe, bleibt Spekulation. Zwei Sonnen gehen auf und unter, aber der Abstand zum wandernden Wärmezentrum ändert sich ständig – Jahreszeiten im Schnelldurchlauf und starke Temperatursprünge. Für die drei genannten Planeten ist das ohnehin ohne Belang: Alle drei sind Gasriesen, keiner steht in der habitablen Zone.
MOA-2007-BLG-192Lb: gefunden, weil das Licht sich verbog
MOA-2007-BLG-192Lb ist ein Planet in etwa 7.000 Lichtjahren Entfernung im Sternbild Schütze, entdeckt 2008 mit der Mikrolinsen-Methode: Zieht ein Stern vor einem weiter entfernten Hintergrundstern vorbei, wirkt seine Schwerkraft wie eine Linse und verstärkt dessen Licht kurzzeitig. Hat der vordere Stern einen Planeten, gibt es einen zusätzlichen kleinen Ausschlag in der Lichtkurve. So findet man Planeten, die man sonst nie sähe – aber nur ein einziges Mal, denn die Ausrichtung wiederholt sich nicht.
Der Fund galt lange als Planet um einen Braunen Zwerg – ein Objekt zu leicht, um wie ein Stern zu zünden. Eine Neuauswertung von 2024 hat das korrigiert: Die alte Einordnung beruhte auf einer fehlerhaften Entfernungsmessung. Der Zentralstern ist ein Roter Zwerg mit gut einem Viertel der Sonnenmasse, der Planet selbst hat wahrscheinlich zwischen 3 und 12 Erdmassen und steht in etwa zwei Astronomischen Einheiten Abstand – also etwa doppelt so weit von seinem Stern entfernt wie die Erde von der Sonne. Damit ist er wohl eine Supererde bis hin zu einem kleinen Gasplaneten.
HD 149026 b „Smertrios“: der schwere Hot Jupiter
HD 149026 b, seit 2019 offiziell „Smertrios“, ist ein Gasriese von etwa Saturngröße, der einen gelben Stern im Sternbild Herkules in rund 247 Lichtjahren Entfernung in nur 2,9 Tagen umrundet. Entdeckt wurde er 2005 über die Radialgeschwindigkeitsmethode – bei so engen Bahnen bringt der Planet seinen Stern kräftig zum Schwingen, was den Nachweis leicht macht.
Berühmt wurde er, weil er für seine Größe erstaunlich viel Masse mitbringt: Im Inneren stecken schätzungsweise 80 bis 110 Erdmassen an schweren Elementen. Das war lange schwer zu erklären – so nah am Stern sollte sich ein solcher Klotz gar nicht bilden können. Heute geht man davon aus, dass Hot Jupiter erst nach ihrer Entstehung nach innen gewandert sind.
Zwei Superlative, die man in älteren Texten findet, stimmen nicht mehr. „Dichtester bekannter Planet“ gilt nicht: Mit rund einem Gramm pro Kubikzentimeter liegt Smertrios im Mittelfeld, längst kennt man deutlich dichtere Gasriesen. Und „dunkelster Planet“ hat 2011 TrES-2 b übernommen. Was bleibt, ist die Hitze: Das James-Webb-Teleskop misst auf der Tagseite rund 1.800 bis 1.950 Kelvin und findet dort Wasser, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid.
CoRoT-4 b und CoRoT-7 b: gebundene Rotation und Gesteinsdampf
Das französische Weltraumteleskop CoRoT fand zwischen 2007 und 2013 mehrere Planeten im Sternbild Einhorn – zwei davon aus jeweils eigenem Grund bemerkenswert.
CoRoT-4 b ist ein Gasriese von etwa 0,7 Jupitermassen in rund 2.400 Lichtjahren Entfernung, der seinen Stern in 9,2 Tagen umrundet. Die Besonderheit: Der Stern dreht sich genau so schnell, wie der Planet ihn umkreist – Bahn und Sternrotation sind synchronisiert. Das ist ungewöhnlich und bis heute nur bei wenigen Systemen so beobachtet.
CoRoT-7 b, 2009 entdeckt, war einer der ersten nachgewiesenen Gesteinsplaneten außerhalb unseres Sonnensystems. Er liegt rund 520 Lichtjahre entfernt, hat etwa sechs Erdmassen bei anderthalb Erdradien – also eine sehr hohe Dichte – und rast in nur 20,5 Stunden um seinen Stern. Auf der Tagseite herrschen rund 2.000 °C. Modellrechnungen legen nahe, dass dort Gestein verdampft, in höheren Schichten wieder kondensiert und als eine Art Kieselregen zurückfällt. Beobachtet hat das bislang niemand – es ist ein Bild aus der Theorie, kein Messergebnis. Inzwischen sind im System zwei weitere Planeten bekannt.
Kepler-223 (früher KOI-730): vier Planeten im Gleichtakt
Kepler-223 ist ein sonnenähnlicher Stern im Sternbild Schwan in gut 6.000 Lichtjahren Entfernung mit vier Planeten, deren Umlaufzeiten in einem exakten Zahlenverhältnis zueinander stehen. Unter der alten Kandidatenbezeichnung KOI-730 taucht das System in älteren Texten noch auf.
2011 wurde vermutet, zwei der vier Planeten liefen auf derselben Bahn – als sogenannte Trojaner, wie wir sie von den Saturnmonden Janus und Epimetheus kennen. Diese Deutung ist widerlegt. 2016 zeigte eine Untersuchung im Fachblatt Nature, was tatsächlich vorliegt: eine Resonanzkette im Verhältnis 8:6:4:3. Während der innerste Planet acht Runden dreht, schafft der nächste sechs, der dritte vier und der äußerste drei. Es war die erste bestätigte Vierfachresonanz überhaupt.
Das ist mehr als eine Kuriosität. Eine so exakte Abstimmung entsteht nicht zufällig, sondern nur, wenn die Planeten langsam und gemeinsam durch die Gas- und Staubscheibe ihres jungen Sterns nach innen gewandert sind. Kepler-223 ist damit einer der besten Belege dafür, dass Planetenwanderung wirklich stattfindet. Die vier Planeten haben zwischen fünf und acht Erdmassen und umrunden ihren Stern in 7 bis 20 Tagen – alle also viel zu dicht dran für Leben.
Einzelsterne mit Planeten: die nahen Nachbarn
Die meisten bekannten Planetensysteme sehen im Grundsatz aus wie unseres: ein Stern, mehrere Planeten. Ein paar dieser extrasolaren Einzelsternsysteme stehen so nah, dass sie besonders gut untersucht sind.
Gliese 876 im Sternbild Wassermann ist mit 15,2 Lichtjahren einer der nächsten. Um den Roten Zwerg kreisen vier Planeten: zwei Gasriesen, eine Supererde von knapp sieben Erdmassen mit nicht einmal zwei Tagen Umlaufzeit und ein weiterer Begleiter. Die äußeren drei stehen in einer 1:2:4-Resonanz zueinander. Zwei 2014 zusätzlich vermutete Planeten stellten sich als Rechenartefakte heraus.
Gliese 581 im Sternbild Waage, 20,5 Lichtjahre entfernt, ist der lehrreichste Fall. Jahrelang galt das System als Paradebeispiel für habitable Welten – Gliese 581 d und später g wurden als erste Supererden in der habitablen Zone gefeiert. Beide existieren nicht: 2014 zeigte eine Untersuchung in Science, dass die Signale von der magnetischen Aktivität des Sterns stammten, nicht von Planeten. Dasselbe gilt für den zuvor gemeldeten Planeten f. Bestätigt sind heute nur b, c und e – und keiner davon steht in der habitablen Zone.
HD 69830 im Sternbild Achterdeck des Schiffs, 41 Lichtjahre entfernt, ist unter guten Bedingungen mit bloßem Auge sichtbar. Um ihn kreisen drei neptunähnliche Planeten – bei einem davon deutet eine Untersuchung von 2026 allerdings darauf hin, dass auch hier Sternaktivität im Spiel sein könnte. Sicher ist ein gewaltiger Trümmergürtel um den Stern, weit massereicher als unser Asteroidengürtel.
47 Ursae Majoris im Großen Bären, 45 Lichtjahre entfernt, wirkt unserem Sonnensystem am ähnlichsten: ein sonnenähnlicher Stern mit einem Jupiter-artigen Planeten in gut zwei Astronomischen Einheiten Abstand und einem weiteren in knapp 13. Ein dritter, mittlerer Planet ist gemeldet, aber bis heute nicht sicher bestätigt. My Arae (Mu Arae) im Altar, 51 Lichtjahre entfernt, hat vier bestätigte Planeten, die 2015 sogar Eigennamen bekamen.
Der Pulsar PSR B1257+12 – die allerersten Exoplaneten
Die ersten überhaupt nachgewiesenen Exoplaneten umkreisen keinen normalen Stern, sondern einen Pulsar – den rasend schnell rotierenden Überrest einer Supernova, der wie ein Leuchtturm Radiopulse aussendet. Weil diese Pulse extrem gleichmäßig kommen, verraten winzige Verschiebungen die Anwesenheit von Planeten. 1992 wurden auf diese Weise zwei Planeten um PSR B1257+12 gefunden, 1994 ein dritter – letzterer mit zwei Hundertstel Erdmassen bis heute der masseärmste bekannte Planet überhaupt.
Ein 1996 gemeldeter vierter Begleiter wurde wieder zurückgezogen: Die Signale waren nicht periodisch und ließen sich durch langsame Veränderungen im Weg der Radiowellen erklären. Offen bleibt die spannendere Frage – ob diese Planeten die Supernova überstanden haben oder erst danach aus deren Trümmern entstanden sind.
Weitere Exoplaneten-Porträts
Quellen
- NASA/Ames/JPL-Caltech, entommen 19.01.2020
- ESO/Schmidt et al., VLT Snaps An Exotic Exoplanet “First”, CC BY 4.0, entnommen 04.01.2020
