Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026
Der Skorpion (lateinisch Scorpius) ist ein Sommersternbild am Südhimmel: 497 Quadratgrad groß, Platz 33 der 88 Sternbilder, mit dem roten Riesen Antares (0,9 mag) als hellstem Stern. Von Mitteleuropa aus bleibt ein Teil davon dauerhaft unter dem Horizont.
Kaum ein Sternbild wird seinem Namen so gerecht wie der Skorpion: Ein geschwungener Haken aus hellen Sternen, an dessen Ende zwei Sterne wie ein Giftstachel dicht beieinanderstehen, davor ein roter Riese als Herz und drei Sterne als Scheren. Wer ihn einmal gesehen hat, erkennt ihn sofort wieder – das ist bei Sternbildern selten.
Das Problem für uns in Mitteleuropa: Der Skorpion ist ein Südhimmel-Sternbild. Er schiebt sich in lauen Sommernächten nur knapp über den Südhorizont, und ein guter Teil von ihm bleibt für Beobachter nördlich der Alpen dauerhaft unsichtbar. Dieser Artikel zeigt deshalb nicht nur, welche Sterne und Deep-Sky-Objekte zum Skorpion gehören, sondern rechnet konkret aus, wie hoch jedes wichtige Objekt von neun Städten im deutschsprachigen Raum aus überhaupt steigt – und was davon sich für dich lohnt.
⚡ Die schnelle Antwort: Der Skorpion (lat. Scorpius, Kürzel Sco) ist ein Sternbild des südlichen Sommerhimmels und mit 497 Quadratgrad das 33.-größte der 88 Sternbilder. Sein hellster Stern ist Antares, ein roter Überriese der Helligkeit 0,9 mag in rund 550 Lichtjahren Entfernung. In Mitteleuropa ist der Skorpion von Mai bis August zu sehen, am besten im Juni und Juli gegen Mitternacht – allerdings sehr tief: In Berlin erreicht Antares nur 11° Höhe, in München 15°. Der Stachelstern Shaula bleibt nördlich von Berlin ganz unter dem Horizont, Sargas geht im gesamten deutschsprachigen Raum niemals auf. Man braucht also unbedingt einen freien Blick nach Süden. Und Achtung, häufige Verwechslung: Als Sternzeichen gilt der Skorpion für den 24. Oktober bis 22. November – astronomisch steht die Sonne aber nur vom 23. bis 28. November im Sternbild, also gerade einmal sechs Tage.

Steckbrief des Skorpions: Fläche, Rang und Nachbarn
Der Skorpion gehört zu den 48 klassischen Sternbildern, die Claudius Ptolemäus im 2. Jahrhundert in seinem Almagest beschrieb – und er ist eines der wenigen, deren Figur man auch ohne Fantasie erkennt. Seine Sterne bilden tatsächlich einen Haken mit Stachel. Die Internationale Astronomische Union legte 1930 die heutigen Grenzen fest; seither ist er einer von 88 Sternbildern am Himmel.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Lateinischer Name | Scorpius |
| Genitiv (für Sternnamen) | Scorpii |
| Offizielle Abkürzung | Sco |
| Fläche | 497 Quadratgrad |
| Größenrang | Platz 33 von 88 |
| Hellster Stern | Antares (α Sco), 0,9 mag |
| Sterne heller als 3 mag | 11 bis 13 (je nach Zählweise der Veränderlichen) |
| Rektaszension | ca. 15h 45m bis 17h 55m |
| Deklination | ca. −8° bis −45° |
| Sichtbar zwischen | +40° und −90° geografischer Breite |
| Beste Beobachtungszeit (Mitteleuropa) | Juni und Juli, gegen Mitternacht |
| Nachbarsternbilder | Waage, Schütze, Schlangenträger, Altar, Winkelmaß, Wolf, Südliche Krone |
| Meteorströme | Alpha-Scorpiiden, Omega-Scorpiiden |
Die Zeile „sichtbar zwischen +40° und −90°“ ist der entscheidende Haken. Deutschland liegt zwischen 47° und 55° nördlicher Breite, also oberhalb dieser Grenze. Das heißt nicht, dass der Skorpion unsichtbar wäre – der obere Teil mit Antares und den Scheren geht überall auf. Aber die Zange am unteren Ende, also der eigentliche Stachel, bleibt je nach Standort teilweise oder komplett unter dem Horizont. Wie viel genau, rechnen wir weiter unten Stadt für Stadt aus.
Die hellsten Sterne im Skorpion: von Antares bis Fang
Der Skorpion ist außergewöhnlich sternreich, weil er mitten in der Milchstraße liegt – unser Blick geht hier fast direkt in Richtung des Galaktischen Zentrums. Die meisten seiner hellen Sterne gehören zur Scorpius-Centaurus-Assoziation, der uns nächstgelegenen Gruppe massereicher junger Sterne. Sie sind vor rund 10 bis 15 Millionen Jahren gemeinsam entstanden und driften bis heute zusammen durch den Raum.
| Name | Bayer | Helligkeit (mag) | Entfernung (Lj) | Typ | Position in der Figur |
|---|---|---|---|---|---|
| Antares | α Sco | 0,6–1,6 (veränderlich) | ≈ 550 | Roter Überriese M1,5 | Herz des Skorpions |
| Shaula | λ Sco | 1,62 | ≈ 700 | Blauer Riese B2 | Stachel („der Erhobene“) |
| Sargas | θ Sco | 1,87 | ≈ 300 | Gelber Riese F1 | Schwanzknick |
| Dschubba | δ Sco | 2,3 (veränderlich) | ≈ 440 | Blauer Unterriese B0 | Mittlere Schere |
| Larawag | ε Sco | 2,31 | ≈ 64 | Oranger Riese K1 | Körper |
| Acrab | β Sco | 2,6 | ≈ 400 | Mehrfachsystem B0/B2 | Nördliche Schere |
| Lesath | υ Sco | 2,70 | ≈ 580 | Blauer Unterriese B2 | Zweiter Stachelstern |
| Paikauhale | τ Sco | 2,82 | ≈ 470 | Blauer Zwerg B0 | Neben Antares |
| Fang | π Sco | 2,9 | ≈ 590 | Bedeckungsveränderlicher B1 | Südliche Schere |
Zwei Dinge fallen an dieser Tabelle auf. Erstens: Fast alle diese Sterne sind blau – heiße, massereiche, kurzlebige Riesen. Antares ist die große Ausnahme und leuchtet deshalb so auffällig rot zwischen ihnen. Zweitens: Larawag steht mit nur 64 Lichtjahren völlig aus der Reihe. Er gehört gar nicht zur Assoziation, sondern ist ein zufälliger Vordergrundstern – ein gutes Beispiel dafür, dass ein Sternbild eine Projektion ist und keine physische Gruppe. Wie weit ein Lichtjahr tatsächlich reicht, macht dieser Kontrast anschaulich: Larawags Licht ist von 1962 unterwegs, das von Shaula aus der Zeit um 1330.
Shaula und Lesath im Stachel: das engste Sternpaar
Am Ende des Skorpionschwanzes stehen Shaula und Lesath nur ein halbes Grad auseinander – ein Fingerbreit am ausgestreckten Arm. Im arabischen Raum heißen sie zusammen die „Katzenaugen“. Trotz des optischen Paars haben sie nichts miteinander zu tun: Shaula ist rund 700, Lesath etwa 580 Lichtjahre entfernt. Für Beobachter in Deutschland ist dieses Paar der eigentliche Prüfstein – wer es sieht, hat einen wirklich freien Südhorizont.
Antares, der rote Überriese: Rivale des Mars
Antares ist der Star dieses Sternbilds, und schon sein Name erzählt warum: Er kommt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß „Gegen-Ares“ – Rivale des Mars. Der Planet Mars wandert regelmäßig durch diese Himmelsregion, und wenn er das tut, stehen dort zwei fast gleich helle rote Punkte nebeneinander. Die Verwechslungsgefahr war für antike Beobachter so groß, dass sie dem Stern diesen Namen gaben.
| Kenngröße | Wert |
|---|---|
| Scheinbare Helligkeit | 0,6 bis 1,6 mag (unregelmäßig veränderlich, meist um 1,0) |
| Entfernung | rund 550 Lichtjahre (≈ 170 Parsec) |
| Spektraltyp | M1,5 Iab-Ib (Roter Überriese) |
| Radius | etwa 680 Sonnenradien |
| Masse | rund 12 Sonnenmassen |
| Leuchtkraft | ca. 100.000 Sonnenleuchtkräfte (bolometrisch, überwiegend im Infraroten) |
| Oberflächentemperatur | ca. 3.600 Kelvin |
| Begleiter | Antares B, 5,5 mag, blauer Stern in ca. 529 AE Abstand |
| Voraussichtliches Ende | Supernova in etwa 1 bis 1,4 Millionen Jahren |
Wie groß Antares wirklich ist: ein Vergleich mit unserem Sonnensystem
680 Sonnenradien sind eine Zahl, mit der niemand etwas anfangen kann. Also anders: Würde man Antares an die Stelle unserer Sonne setzen, läge seine Oberfläche jenseits der Marsbahn. Merkur, Venus, Erde und Mars wären vollständig im Inneren des Sterns verschwunden; der Asteroidengürtel läge ungefähr an seinem Rand. Ein Lichtstrahl bräuchte fast eine Stunde, um ihn einmal zu umrunden – bei der Sonne sind es 14 Sekunden.
Dabei ist Antares nicht einmal besonders massereich: Zwölf Sonnenmassen verteilen sich auf dieses gewaltige Volumen, seine mittlere Dichte liegt damit weit unter der von Luft. Rote Überriesen sind aufgeblähte Hüllen um einen extrem dichten Kern – und sie sind instabil. Antares pulsiert, sein Radius schwankt um bis zu 19 Prozent, und mit ihm die Helligkeit. Deshalb findet man in Büchern Werte zwischen 0,6 und 1,6 mag.
Antares B beobachten: der grüne Begleiter im Teleskop
Antares hat einen Begleitstern, und der ist eine der reizvollsten – und schwierigsten – Aufgaben, die der Skorpion für Amateurteleskope bereithält. Antares B ist ein heißer blauer Stern der Helligkeit 5,5 mag in etwa 2,7 Bogensekunden Abstand. Der Trennwinkel wäre kein Problem; das Problem ist der Kontrast: Antares A ist rund hundertmal heller und überstrahlt ihn.
Viele Beobachter beschreiben den Begleiter als grünlich. Das ist ein Kontrasteffekt des Auges neben dem roten Hauptstern, physikalisch ist er blau-weiß. Realistisch braucht man dafür ab etwa 100 mm Öffnung, hohe Vergrößerung (150-fach und mehr) und vor allem ruhige Luft. Und genau da wird es in Deutschland schwierig: Bei 11° Horizonthöhe blickt man durch das Fünffache der Luftmasse, die im Zenit über einem liegt. Das Bild kocht. Ehrlich gesagt ist Antares B von Norddeutschland aus kaum zu schaffen – aus den Alpen oder im Urlaub am Mittelmeer dagegen durchaus.
Das Ende von Antares: Supernova in gut einer Million Jahren
Ja – und zwar mit Sicherheit. Ein Stern mit zwölf Sonnenmassen endet zwangsläufig als Kernkollaps-Supernova. Der Zeitpunkt liegt nach heutigen Modellen in etwa 1 bis 1,4 Millionen Jahren. Das ist astronomisch bald und menschlich unendlich weit weg.
Passiert es, wird Antares für einige Wochen etwa so hell wie der Halbmond und ist am Taghimmel sichtbar. Gefährlich wird es nicht: Bei 550 Lichtjahren Abstand liegt er weit außerhalb der kritischen Zone von rund 50 Lichtjahren, in der eine Supernova die Erdatmosphäre ernsthaft beeinträchtigen könnte. Der bekanntere Kandidat für ein solches Schauspiel ist übrigens Beteigeuze im Orion – ausgerechnet der Stern im Sternbild, das der Skorpion der Sage nach in die Flucht geschlagen hat.
Wie hoch steht der Skorpion: Sichtbarkeitstabelle für neun Städte
Das ist die Frage, die in den meisten Sternbild-Artikeln fehlt – und die für die Praxis alles entscheidet. Die maximale Höhe eines Objekts über dem Horizont ergibt sich aus einer einfachen Formel: Höhe = 90° − geografische Breite + Deklination. Wir haben sie für die wichtigsten Objekte des Skorpions und neun Städte im deutschsprachigen Raum durchgerechnet. Alle Werte in Grad, gemessen im Moment der Kulmination (höchster Stand):
| Standort | Breite | Antares | Dschubba | Shaula | Sargas | M4 | M6 | M7 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Flensburg | 54,8° N | 8,8° | 12,6° | nie | nie | 8,7° | 3,0° | 0,4° |
| Hamburg | 53,6° N | 10,0° | 13,8° | nie | nie | 9,9° | 4,2° | 1,7° |
| Berlin | 52,5° N | 11,0° | 14,9° | 0,4° | nie | 10,9° | 5,3° | 2,7° |
| Köln | 50,9° N | 12,6° | 16,4° | 2,0° | nie | 12,5° | 6,8° | 4,3° |
| Frankfurt a. M. | 50,1° N | 13,5° | 17,3° | 2,8° | nie | 13,4° | 7,7° | 5,1° |
| Wien | 48,2° N | 15,4° | 19,2° | 4,7° | nie | 15,3° | 9,6° | 7,0° |
| München | 48,1° N | 15,4° | 19,2° | 4,8° | nie | 15,3° | 9,6° | 7,1° |
| Zürich | 47,4° N | 16,2° | 20,0° | 5,5° | nie | 16,1° | 10,4° | 7,8° |
| Innsbruck | 47,3° N | 16,3° | 20,1° | 5,6° | nie | 16,2° | 10,5° | 7,9° |
Was diese Zahlen praktisch bedeuten:
- Sargas geht im gesamten deutschsprachigen Raum niemals auf. Der drittthellste Stern des Sternbilds ist von Flensburg bis Innsbruck grundsätzlich unsichtbar – man müsste bis etwa Rom fahren, um ihn überhaupt über den Horizont zu bekommen.
- Shaula ist der Alpen-Bonus. Nördlich von Berlin bleibt der Stachelstern unter dem Horizont. In Berlin schrammt er mit 0,4° am Horizont entlang – theoretisch sichtbar, praktisch nie. Erst ab München, Zürich oder Innsbruck (rund 5°) wird er zu einem realistischen Ziel.
- Antares steht überall tief, aber überall sichtbar. 8,8° in Flensburg, 16,3° in Innsbruck – das ist immer Horizontdunst-Zone. Rechne damit, dass er eine Größenklasse schwächer und deutlich rötlicher erscheint, als er eigentlich ist. Das ist derselbe Effekt, der die untergehende Sonne rot macht.
- M7 ist nördlich der Mainlinie faktisch verloren. Bei 0,4° in Flensburg und 2,7° in Berlin steht dieser prachtvolle Sternhaufen im dichtesten Dunst. Ab München (7,1°) wird er ein echtes Fernglasobjekt, ab Südtirol ein Genuss.
Diese Werte sind theoretische Maxima bei idealem Horizont. In der Realität kommen Bäume, Häuser und Hügel dazu – und die Lufthülle. Als Faustregel: Unterhalb von etwa 10° Höhe schluckt die Atmosphäre so viel Licht, dass ein Stern um eine ganze Größenklasse schwächer wirkt. Wer den Skorpion ernsthaft sehen will, braucht einen Standort mit freiem Blick nach Süden: eine Kuppe, ein See, ein Feld – und möglichst wenig Lichtverschmutzung in dieser Richtung.
Wann ist der Skorpion sichtbar: Kulminationszeiten
Weil der Skorpion so tief steht, hat man pro Nacht nur ein schmales Zeitfenster: die ein bis zwei Stunden rund um die Kulmination, wenn er exakt im Süden und am höchsten steht. Vorher und nachher steht er noch tiefer. Die folgende Tabelle gibt die Kulminationszeit von Antares für Berlin an – für Wien und München zieht man rund 25 Minuten ab, für Köln und Zürich rechnet man etwa 25 Minuten dazu.
| Datum | Kulmination von Antares (MESZ, Berlin) | Beobachtungslage |
|---|---|---|
| 1. Mai | 03:00 Uhr | nur in der Morgendämmerung, sehr kurz |
| 1. Juni | 00:54 Uhr | gut – Dämmerung stört noch leicht |
| 15. Juni | 23:59 Uhr | gut, aber kürzeste Nächte des Jahres |
| 1. Juli | 22:56 Uhr | sehr gut – Himmel wird gerade dunkel |
| 15. Juli | 22:01 Uhr | ideal – dunkel und noch hoch genug |
| 1. August | 20:54 Uhr | noch zu hell, besser 1–2 Stunden später schauen |
| 15. August | 19:59 Uhr | Kulmination in der Dämmerung, nur Antares bleibt |
| 1. September | 18:52 Uhr | praktisch vorbei – Antares steht abends tief im SW |
Die Zeiten wiederholen sich jedes Jahr fast auf die Minute genau – die Tabelle gilt also für jede Saison, nicht nur für ein bestimmtes Jahr.
Die beste Zeit ist also nicht der Hochsommer, wie oft behauptet wird, sondern das Fenster von Mitte Juni bis Ende Juli. Im Juni kulminiert der Skorpion zwar zur besten Zeit, aber die Nächte sind rund um die Sonnenwende so kurz, dass es in Norddeutschland gar nicht richtig dunkel wird. Im Juli passt beides zusammen: echte Dunkelheit und ein Skorpion, der um 22 Uhr im Süden steht. Ab Mitte August kippt er dann rasch nach Südwesten und verschwindet.
Den Skorpion am Himmel finden: Anleitung in drei Schritten
- Warte auf echte Dunkelheit und stell dich nach Süden. Der Skorpion steht in der Zeit um Mitternacht (Sommerzeit) tief über dem Südhorizont. Ein freies Feld, ein Seeufer oder eine Anhöhe ist fast Pflicht – aus der Stadt heraus wird das nichts.
- Suche den roten Punkt. Antares ist unverwechselbar: der einzige auffällig rötliche helle Stern tief im Süden. Verwechslungsgefahr besteht nur mit dem Planeten Mars – der aber ruhig leuchtet, während Antares wegen der geringen Höhe deutlich funkelt und flackert.
- Folge dem Bogen nach links unten. Von Antares aus laufen die Sterne in einer eleganten Kurve nach Osten und dann nach unten – das ist der Schwanz. Rechts oberhalb von Antares stehen drei Sterne in einer kurzen, fast senkrechten Reihe: die Scheren (Acrab, Dschubba, Fang).
Zwei Orientierungshilfen aus der Nachbarschaft: Links vom Skorpion liegt der Schütze mit seinem markanten „Teekannen“-Muster – dahinter steht das Zentrum unserer Milchstraße. Deutlich höher im Süden bis Südosten spannt sich das Sommerdreieck aus Wega, Deneb und Atair. Wenn du das Sommerdreieck gefunden hast, gehst du von dort einfach senkrecht nach unten: Ganz unten am Horizont wartet der Skorpion. Eine drehbare Sternkarte oder eine App hilft beim ersten Mal enorm.

Mythologie des Skorpions: Orion, Artemis und Phaeton
Der Skorpion gehört zu den ältesten überlieferten Sternbildern überhaupt. Schon die Sumerer kannten ihn vor über 5.000 Jahren als GIR.TAB – ein Name, der im heutigen Sternnamen Girtab für κ Scorpii überlebt hat. Dass so unterschiedliche Kulturen in dieser Sternkette dasselbe Tier sahen, liegt schlicht daran, dass die Figur wirklich so aussieht.
Der Jäger und das Gifttier: warum Orion vor dem Skorpion flieht
Die bekannteste griechische Version geht so: Orion, der große Jäger, prahlte, er könne jedes Tier der Erde erlegen. Die Göttin Artemis – oder je nach Quelle Gaia, die Erdgöttin – schickte daraufhin einen einzigen kleinen Skorpion. Der stach zu, und der unbesiegbare Jäger starb. Beide wurden an den Himmel versetzt, aber vorsichtshalber auf gegenüberliegende Seiten.
Und genau das kann man nachprüfen: Skorpion und Orion sind nie gleichzeitig am Himmel. Wenn der Skorpion im Osten aufgeht, ist der Orion im Westen bereits untergegangen – der Jäger flieht bis heute. Zwischen den beiden liegen rund sechs Stunden Rektaszension, also ein halbes Jahr im Kalender der Sternbilder. Der Orion ist unser Winterbild, der Skorpion unser Sommerbild.
Phaeton und der Sonnenwagen: die zweite Sage
Weniger bekannt, aber älter dokumentiert ist die Geschichte von Phaeton, dem Sohn des Sonnengottes Helios. Er durfte einen Tag lang den Sonnenwagen lenken, verlor aber die Kontrolle, als die Pferde am Skorpion vorbeikamen und vor dessen erhobenem Stachel scheuten. Der Wagen geriet außer Kurs, versengte die Erde – so entstanden der Sage nach die Wüsten – und Zeus musste Phaeton mit einem Blitz stoppen. Auch hier ist der Skorpion nicht Held, sondern Auslöser.
Die geraubten Scheren: wie aus dem Skorpion die Waage wurde
Ein historisches Detail, das viele überrascht: Der Skorpion war früher deutlich größer. Die Sterne des heutigen Sternbilds Waage hießen bei den Griechen Chelae Scorpionis – „die Scheren des Skorpions“. Erst die Römer machten daraus eine eigene Waage, passend zum Bild der Gerechtigkeit. Die alten Namen blieben aber hängen: Die beiden hellsten Sterne der Waage heißen bis heute Zubenelgenubi und Zubeneschamali, arabisch für „südliche Schere“ und „nördliche Schere“.
Deep-Sky im Skorpion: M4, M6, M7 und mehr
Weil der Skorpion in Richtung des Galaktischen Zentrums liegt, ist er eine der objektreichsten Regionen des ganzen Himmels. Für uns gilt allerdings weiter die Höhenbeschränkung aus der Tabelle oben – die folgenden Deep-Sky-Objekte sind nach Machbarkeit von Mitteleuropa aus sortiert:
| Objekt | Typ | Helligkeit (mag) | Entfernung (Lj) | Machbarkeit aus Mitteleuropa |
|---|---|---|---|---|
| M4 | Kugelsternhaufen | 5,9 | ≈ 7.200 | Direkt neben Antares. Sehr gut machbar, das lohnendste Ziel. |
| M7 (Ptolemäus-Haufen) | Offener Sternhaufen | 3,3 | ≈ 980 | Riesig und hell – aber steht am tiefsten. Erst ab dem Alpenraum wirklich schön. |
| M6 (Schmetterlingshaufen) | Offener Sternhaufen | 4,2 | ≈ 1.600 | Fernglasobjekt. Ab Süddeutschland gut, im Norden Grenzfall. |
| M80 | Kugelsternhaufen | 7,9 | ≈ 32.600 | Klein und kompakt, braucht Teleskop. Höhe wie M4, also machbar. |
| NGC 6231 | Offener Sternhaufen | 2,6 | ≈ 5.900 | Prachtvoll – aber geht in D/A/CH praktisch nie auf. Nur Süd-Urlaub. |
| NGC 6302 (Schmetterlingsnebel) | Planetarischer Nebel | 7,1 | ≈ 3.400 | Anspruchsvoll, steht sehr tief. Etwas für große Öffnung im Süden. |
| NGC 6334 (Katzenpfotennebel) | Emissionsnebel | — | ≈ 5.500 | Fotografisch spektakulär, visuell in Mitteleuropa aussichtslos. |
| NGC 6357 (Krieg-und-Frieden-Nebel) | Emissionsnebel | — | ≈ 8.000 | Reines Astrofoto-Objekt der Südhalbkugel. |
| IC 4592 (Blauer Pferdekopfnebel) | Reflexionsnebel | — | ≈ 440 | Sehr großflächig und schwach, nur mit Weitwinkel-Astrofotografie. |
M4 direkt neben Antares: der einfachste Kugelsternhaufen
M4 ist das Objekt, mit dem man im Skorpion anfangen sollte. Er steht nur 1,3 Grad westlich von Antares – man stellt also einfach Antares ein und schaut daneben. Mit rund 7.200 Lichtjahren ist er einer der uns nächstgelegenen Kugelsternhaufen überhaupt, entsprechend groß erscheint er: etwa zwei Drittel des Vollmonddurchmessers.
Im Fernglas ist er ein deutlicher Nebelfleck. Ab etwa 100 mm Öffnung beginnt er in Einzelsterne zu zerfallen – bei uns wegen der Horizontnähe allerdings meist nur ansatzweise. Eine Besonderheit: M4 hat einen auffälligen „Sternenbalken“ quer durch die Mitte, eine Kette hellerer Sterne, die man ab etwa 150 mm erkennen kann. In seinem Zentrum wurde einer der ältesten bekannten Exoplaneten entdeckt, ein Gasriese in einem Alter von rund 13 Milliarden Jahren.
M6 und M7 im Fernglas: die beiden offenen Sternhaufen
M7, der Ptolemäus-Haufen, ist mit 3,3 mag hell genug, um mit bloßem Auge als aufgelöster Nebelfleck aufzufallen – Ptolemäus beschrieb ihn schon um 130 n. Chr. Er misst über eineinhalb Vollmonddurchmesser und ist damit eindeutig ein Fernglasobjekt: Im Teleskop passt er gar nicht mehr ins Feld. Das gilt auch für M6, den Schmetterlingshaufen, dessen Sternkette tatsächlich an aufgespannte Flügel erinnert.
Der Haken ist bekannt: M7 steht in Berlin 2,7° hoch, M6 knapp über 5°. Das reicht in der Praxis nicht. Wer diese beiden Haufen erleben will, fährt in den Alpenraum oder nimmt sie sich im Sommerurlaub am Mittelmeer vor – dort stehen sie 20 Grad und höher und gehören zum Schönsten, was der Sommerhimmel zu bieten hat.

Welches Teleskop für den Skorpion: Empfehlung nach Objekt
Der Skorpion ist ein zweigeteiltes Sternbild, was die Ausrüstung angeht – und deshalb greift hier die übliche Pauschalempfehlung nicht. Kurz gefasst: Für die weiten offenen Sternhaufen M6 und M7 ist ein Fernglas tatsächlich das bessere Instrument. Für alles andere – M4, M80, Antares B, den Schmetterlingsnebel – führt kein Weg am Teleskop vorbei.
Wer nur ein Gerät kaufen kann und den Himmel wirklich erkunden will, greift zum Teleskop; das Fernglas ist die Ergänzung, nicht der Ersatz. Ein Kugelsternhaufen wie M4 bleibt im Fernglas ein grauer Wattebausch und wird erst ab rund 100 mm Öffnung zu dem, was ihn ausmacht: einer Kugel aus Zehntausenden Einzelsternen.
Empfehlung Teleskop: der Einstieg für Kugelsternhaufen und Doppelsterne
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130 mm Öffnung sind für M4 und M80 genau richtig und reichen auch für einen ersten Versuch an Antares B. Der FlexTube-Mechanismus macht das Gerät klein genug fürs Auto – praktisch, weil man für den Skorpion ohnehin an einen Ort mit freiem Südhorizont fahren muss. Wer mehr Öffnung will und den Transport nicht scheut, findet in unserem Ratgeber für Einsteigerteleskope die größeren Dobsons im Vergleich – ab 200 mm wird M4 auch in geringer Höhe vollständig in Einzelsterne aufgelöst.
Ergänzung Fernglas: für M6, M7 und die Milchstraßenfelder
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Ehrlich gesagt: Für M6 und M7 ist ein Fernglas dem Teleskop überlegen, weil beide Haufen größer sind als das Gesichtsfeld der meisten Teleskope. Genauso für die Milchstraßenwolken zwischen Skorpion und Schütze. Aber – und das gehört zur Wahrheit dazu – bei 2,7° Horizonthöhe in Berlin nützt auch das beste Fernglas wenig. Kaufe es für die Milchstraße, für Kometen und für den Sommerhimmel insgesamt, nicht speziell für den Skorpion. Mehr dazu in unserem Fernglas-Ratgeber.
Der wichtigste Ausrüstungstipp kostet nichts: Beim Skorpion entscheidet der Standort mehr als die Öffnung. Ein 80-mm-Teleskop auf einer freien Anhöhe schlägt ein 200-mm-Gerät im Garten mit Hecke im Süden – jedes Mal. Suche dir vorher bei Tageslicht eine Stelle mit wirklich freiem Blick nach Süden, idealerweise über Wasser oder ein Feld, und plane die Fahrt für Mitte Juli ein. Wie man so eine Beobachtungsnacht vorbereitet, steht in unseren Tipps für Anfänger.
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Sternzeichen oder Sternbild: warum die Sonne nur sechs Tage bleibt
Wer nach dem Skorpion sucht, meint oft zwei völlig verschiedene Dinge. Das Sternzeichen Skorpion der Astrologie umfasst den 24. Oktober bis 22. November – ein fester Abschnitt von 30 Grad auf der Ekliptik, festgelegt vor rund 2.000 Jahren. Das Sternbild Skorpion ist dagegen eine reale, unregelmäßig geformte Himmelsregion mit von der IAU festgelegten Grenzen.
Beides fällt heute auseinander, und zwar aus zwei Gründen. Erstens ist die Erdachse in 2.000 Jahren um gut 27 Grad gewandert (Präzession) – die Tierkreiszeichen sind gegenüber den Sternbildern verrutscht. Zweitens sind die Sternbilder unterschiedlich groß: Der Skorpion belegt auf der Ekliptik nur einen schmalen Streifen, sein Nachbar Schlangenträger dagegen einen breiten – obwohl der gar kein Tierkreiszeichen ist.
Das Ergebnis ist verblüffend: Die Sonne steht astronomisch nur vom 23. bis 28. November innerhalb der Sternbildgrenzen des Skorpions – sechs Tage. Danach wandert sie in den Schlangenträger (Ophiuchus) und bleibt dort bis zum 17. Dezember, also fast drei Wochen. Wer am 5. November geboren ist, hat astrologisch das Sternzeichen Skorpion, hatte aber die Sonne im Sternbild Waage stehen. Die ganze Systematik dahinter erklären wir im Artikel Sternzeichen und Sternbilder.
Meteorströme aus dem Skorpion: Alpha- und Omega-Scorpiiden
Dem Skorpion sind zwei kleine Meteorströme zugeordnet. Die Alpha-Scorpiiden laufen etwa vom 20. April bis 19. Mai mit einem flachen Maximum um den 3. Mai; die Omega-Scorpiiden sind Anfang Juni aktiv. Beide sind schwach – man rechnet mit wenigen Meteoren pro Stunde, nicht mit Dutzenden wie bei den Perseiden.
Dazu kommt das bekannte Problem: Der Radiant steht von Mitteleuropa aus sehr tief, sodass ein großer Teil der Meteore unter dem Horizont bleibt. Realistisch sind die Scorpiiden eher eine Fußnote für Statistiker als ein Beobachtungsereignis. Der Vorteil, wenn man es trotzdem versucht: Für Meteore braucht man kein Instrument, nur einen Liegestuhl, dunkeladaptierte Augen und Geduld – jedes Fernglas und jedes Teleskop würde hier nur das Blickfeld einengen.
Häufige Fragen zum Sternbild Skorpion
Wann kann man den Skorpion in Deutschland am besten sehen?
Von Mitte Juni bis Ende Juli, jeweils in der Stunde vor und nach Mitternacht. Am 15. Juli kulminiert Antares in Berlin um 22:01 Uhr MESZ (die Zeiten wiederholen sich jedes Jahr fast auf die Minute genau) – das ist der beste Kompromiss aus echter Dunkelheit und maximaler Höhe. Ab Mitte August steht der Skorpion abends bereits tief im Südwesten und verschwindet rasch.
Welcher Stern ist der hellste im Skorpion?
Antares (α Scorpii), ein roter Überriese mit einer Helligkeit von durchschnittlich etwa 1,0 mag – schwankend zwischen 0,6 und 1,6 mag. Er ist rund 550 Lichtjahre entfernt, etwa 680-mal so groß wie die Sonne und der 15.-hellste Stern des gesamten Nachthimmels.
Wie viele Sterne des Skorpions sind heller als 3 mag?
Je nach Zählweise 11 bis 13. Die Unsicherheit kommt daher, dass mehrere dieser Sterne veränderlich sind und um die 3-mag-Grenze pendeln – vor allem Girtab (κ Sco) und μ¹ Scorpii. Sicher heller als 3 mag sind Antares, Shaula, Sargas, Dschubba, Larawag, Acrab, Lesath, Paikauhale, Alniyat und Fang.
Was bedeutet der Name Antares?
Er stammt aus dem Griechischen und heißt sinngemäß „Gegen-Ares“ oder „Rivale des Mars“. Ares ist der griechische Kriegsgott, römisch Mars. Weil der Planet Mars diese Himmelsgegend regelmäßig durchquert und dann fast genauso hell und rot leuchtet wie Antares, war die Verwechslungsgefahr in der Antike sprichwörtlich.
Wie sieht das Symbol des Sternzeichens Skorpion aus?
Das astrologische Symbol ist ein stilisiertes „M“ mit einem nach rechts oben weisenden Pfeil am letzten Bogen (♏) – der Pfeil steht für den Stachel. Es ähnelt dem Zeichen der Jungfrau (♍), das statt des Pfeils eine nach innen gedrehte Schleife trägt. Für Tattoos und Schmuck wird oft stattdessen die Sternbildfigur selbst verwendet, also die Punktkette mit Antares als größtem Punkt.
Warum sieht man Orion und Skorpion nie gleichzeitig?
Weil sie am Himmel fast genau gegenüberliegen: Zwischen ihnen liegen rund sechs Stunden Rektaszension. Wenn der Skorpion im Südosten aufgeht, ist der Orion im Westen längst untergegangen. Die griechische Sage deutet das als ewige Flucht des Jägers vor dem Skorpion, der ihn getötet hat – eine Erklärung, die sich an jedem Sommerabend nachprüfen lässt.
Wird Antares als Supernova explodieren?
Ja. Mit rund zwölf Sonnenmassen wird Antares zwangsläufig als Kernkollaps-Supernova enden, nach heutigen Modellen in etwa 1 bis 1,4 Millionen Jahren. Er wäre dann für einige Wochen so hell wie der Halbmond und auch am Taghimmel sichtbar. Gefährlich ist das nicht: Bei 550 Lichtjahren Abstand liegt er weit außerhalb der kritischen Zone von rund 50 Lichtjahren.
Braucht man ein Teleskop, um den Skorpion zu sehen?
Nein – die Figur selbst ist ein Objekt für das bloße Auge, sofern der Südhorizont frei ist. Ein Teleskop brauchst du für die Deep-Sky-Objekte: M4 und M80 (Kugelsternhaufen) sowie den Begleiter von Antares. Für die großen offenen Sternhaufen M6 und M7 ist dagegen ein Fernglas das passendere Instrument.
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