Von Alexander Merz · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 30. September 2026
Ein Spiegelteleskop ist ein Teleskop, das das Licht mit einem gewölbten Hauptspiegel statt mit einer Linse sammelt: Der Spiegel sitzt hinten im Tubus, ein kleiner Fangspiegel lenkt das Bild seitlich zum Okular.
Mehr dazu im Überblick: Teleskop kaufen.
⭐ Kurz gesagt: Wer möglichst viel Himmel pro Euro will, kauft ein Spiegelteleskop. Unsere Empfehlung ist der Dobson Skywatcher Dobson N 200/1200 Skyliner Classic (479 €), für Balkon und Kofferraum der Tisch-Dobson Heritage 150/750. Wer nie justieren und sofort loslegen will, ist mit einem Linsenteleskop besser bedient.

Wie funktioniert ein Spiegelteleskop?
Das Licht läuft im Spiegelteleskop einmal hin und zurück. Es fällt durch die offene Tubusöffnung auf den Hauptspiegel am Boden, wird dort gebündelt und zurückgeworfen. Kurz vor dem Brennpunkt lenkt der Fangspiegel es um 90 Grad zur Seite, wo das Okular sitzt.
Ein Spiegel spiegelt alle Farben gleich. Deshalb zeigt ein Spiegelteleskop keinen Farbsaum, wie ihn günstige Linsenteleskope an hellen Planeten haben. Und weil nur eine Fläche geschliffen werden muss, ist ein großer Spiegel viel billiger als eine gleich große Linse.
Spiegelteleskop-Aufbau: die vier Teile
- Hauptspiegel: der gewölbte Spiegel am Boden. Sein Durchmesser, die Öffnung, entscheidet, wie viel Licht ankommt.
- Fangspiegel: ein kleiner, schräg gestellter Spiegel vorne im Tubus. Er sitzt an dünnen Streben, der „Spinne“.
- Okularauszug: seitlich am vorderen Tubusende. Hier steckt das Okular, also die Lupe, mit der du das Bild vergrößerst.
- Tubus und Montierung: Das Rohr hält die Spiegel auf Abstand, die Montierung trägt und bewegt das Ganze.
Der Fangspiegel steht mitten im Lichtweg und kostet etwas Kontrast. Bei gut gebauten Geräten merkst du davon am Okular kaum etwas. Wie Hauptspiegel und Fangspiegel im Detail zusammenspielen, erklärt unser Ratgeber zum Newton-Teleskop.
Die Spiegelteleskop-Bauarten im Überblick
Fast jedes Spiegelteleskop für Einsteiger ist optisch ein Newton. Der Unterschied liegt vor allem in der Montierung und in der Frage, ob zusätzlich eine Linse im Spiel ist.
| Bauart | Was es ist | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Dobson | Newton auf einer drehbaren Holzkiste am Boden | Meiste Öffnung pro Euro, in zwei Minuten aufgebaut | Groß und schwer, keine Nachführung |
| Tisch-Dobson | Kurzer Newton auf kleinem Drehsockel | Passt ins Auto und auf den Balkontisch | Braucht eine Unterlage, etwas empfindlichere Justage |
| Newton auf parallaktischer Montierung | Newton auf einer Montierung, die der Himmelsdrehung folgt | Nachführung, Einstieg in die Fotografie | Montierung will verstanden werden, günstige Versionen wackeln |
| Katadioptrisch (Maksutov, Schmidt-Cassegrain) | Spiegel plus Korrekturplatte vorne, Licht mehrfach gefaltet | Kurzer, geschlossener Tubus, stark an Planeten | Teurer pro Millimeter, kleines Bildfeld, lange Auskühlzeit |
Dobson und Tisch-Dobson
Der Dobson ist das Spiegelteleskop, das Foren Einsteigern am häufigsten raten. Das Geld fließt in den Spiegel statt in eine Mechanik, die du erst lernen musst: Rohr in die Hand nehmen, hinschieben, schauen. Welche Größe zu dir passt, zeigt der Ratgeber zum Dobson-Teleskop.
Der Tisch-Dobson ist die kompakte Variante für wenig Platz. Ein Heritage mit 130 oder 150 mm lässt sich zusammenschieben und passt in jeden Kofferraum. Wie gut das im Alltag klappt, steht in unserem Check des Heritage 130P.
Newton-Spiegelteleskop auf parallaktischer Montierung
Die parallaktische Montierung lohnt sich erst ab einer stabilen Klasse wie der EQ-3. Sie folgt den Sternen mit einem einzigen Drehknopf und später mit Motor, das braucht die Fotografie. Darunter ist sie meist zu schwach für den Tubus.
Katadioptrische Spiegelteleskope: Maksutov und Schmidt-Cassegrain
Ein katadioptrisches Spiegelteleskop kombiniert Spiegel und Linse. Eine Korrekturplatte vorne schließt den Tubus, das Licht wird zweimal gefaltet und die lange Brennweite passt in ein kurzes Rohr. Das macht Maksutov und Schmidt-Cassegrain zu handlichen Planetenspezialisten, mehr dazu im Vergleich Maksutov oder Schmidt-Cassegrain.
Tipp: Nimm ein katadioptrisches Teleskop, wenn du vor allem Mond und Planeten willst und das Gerät oft tragen musst. Für Nebel und Galaxien bekommst du beim Dobson fürs gleiche Geld die doppelte Öffnung.
Spiegelteleskop kaufen: Empfehlungen nach Budget
In der Liste steht nur, was auf einer passenden Montierung sitzt. Die Preise aktualisieren sich täglich aus dem Shop.
| Budget | Spiegelteleskop | Wofür | Preis |
|---|---|---|---|
| bis 200 € | Skywatcher Heritage 100P | Kleinster sinnvoller Tisch-Dobson: Mond, Jupitermonde, helle Sternhaufen | 179 € |
| bis 300 € | Skywatcher Heritage 130/650 | Tisch-Dobson mit Parabolspiegel, erster echter Deep-Sky-Einstieg | 265 € |
| bis 400 € | Skywatcher Heritage 150/750 | Mehr Licht im Kofferraumformat, für Balkon und Reisen | 345 € |
| bis 400 € | Skywatcher SkyMax-102 (Maksutov) | Katadioptrisch: Mond und Planeten aus einem kurzen, geschlossenen Tubus | 399 € |
| bis 500 € | Skywatcher Skyliner 200/1200 | ⭐ Unsere Empfehlung200 mm auf der Rockerbox: Galaxien, Nebel und Planeten für viele Jahre. | 479 € |
| bis 600 € | Skywatcher Explorer 150P EQ3-2 | Newton auf solider parallaktischer Montierung, später mit Motor erweiterbar | 590 € |
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Unser Spiegelteleskop-Tipp: Skywatcher Dobson N 200/1200 Skyliner Classic

200 mm Öffnung — das Maximum an Himmel fürs Budget. Auf den Boden stellen, von Hand zeigen: Nebel, Sternhaufen und Galaxien über Jahre.
Preis: 479 €
Auf Lager · versandfertig in 24 h
Der 200er wiegt komplett rund 20 kg und braucht einen festen Platz. Wer ihn nicht in den Garten tragen kann oder will, fährt mit dem Tisch-Dobson besser. Das beste Teleskop ist das, das du wirklich rausstellst.
Kompakt für Balkon und Auto: Skywatcher Heritage 150/750 FlexTube

Newton-Optik mit 150 mm auf einem Tisch-Dobson: kurz gebaut, faltbar und deutlich lichtstärker als der kleine Bruder mit 130 mm.
Preis: 345 €
Bestellbar
Bresser-Spiegelteleskop: Welche sich lohnen
Bei Bresser lohnen sich vor allem die Messier-Dobsons. Die Kaufhaus-Linien mit wackligem Stativ und Fantasievergrößerungen auf dem Karton gehören nicht dazu. Welche Reihe was taugt, steht unter Bresser Teleskope.
| Bresser-Modell | Einordnung | Preis |
|---|---|---|
| Bresser Messier N 130/650 Dobson | Günstiger Dobson-Einstieg mit 130 mm | 239 € |
| Bresser Messier N 150/750 Dobson | Der sinnvollste Bresser für Einsteiger | 369 € |
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Der häufigste Fehlkauf: kurzer Newton mit langer Brennweite auf EQ-1
Das klassische Frust-Teleskop hat eine Brennweite, die länger ist als sein Rohr. Ein „114/1000“ in einem halben Meter Tubus geht nur mit einer eingebauten Zusatzlinse im Okularauszug. Diese Bauweise heißt Bird-Jones.
Häufiger Fehler: Bird-Jones-Newtons auf einer EQ-1 werden im Forum seit Jahren als typischer Fehlkauf genannt. Die Zusatzlinse ist oft einfach gebaut, die Justage fast unmöglich, und die dünne Montierung zittert bei jeder Berührung.
So erkennst du ein solches Gerät vor dem Kauf:
- ✘ Die Brennweite (zweite Zahl) ist deutlich größer als die Tubuslänge.
- ✘ Auf dem Karton stehen Vergrößerungen wie 500-fach oder mehr.
- ✘ Die Montierung heißt EQ-1 oder hat ein Stativ mit dünnen Alu-Beinen.
- ✘ Der Spiegel wird als „sphärisch“ beschrieben oder gar nicht näher benannt.
- ✔ Besser: ein Tisch-Dobson mit Parabolspiegel im gleichen Budget.
Ein sphärischer Spiegel ist bei kurzen Tuben der eigentliche Haken. Er wird über etwa 100-facher Vergrößerung unscharf, egal welches Okular du nachkaufst. Echte Newtons mit 114 mm und 900 mm langem Tubus funktionieren dagegen, sofern die Montierung trägt.
Justage und Auskühlen: Was ein Spiegelteleskop verlangt
Die Spiegel müssen genau aufeinander zeigen, sonst wird das Bild weich. Dieses Ausrichten heißt Justage oder Kollimation. Nach dem Transport prüfst du es kurz, richtig nachstellen musst du meist nur alle paar Monate.
Mit einem Justierlaser dauert das wenige Minuten. Er steckt im Okularauszug und zeigt, wohin der Strahl läuft, etwa der Bresser Justier-Laser 1,25″ für 74,90 €. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung steht beim Newton-Teleskop.
| Spiegel | Auskühlen bis zum ruhigen Bild | Justage-Empfindlichkeit |
|---|---|---|
| 100–130 mm | ca. 15–30 Minuten | gering bis mittel |
| 150–200 mm | ca. 30–60 Minuten | mittel |
| 250 mm und mehr | eine Stunde und länger | mittel, bei kurzer Brennweite hoch |
| Maksutov, Schmidt-Cassegrain | länger als ein gleich großer Newton | selten nötig |
Auskühlen heißt: Der Spiegel muss die Außentemperatur annehmen. Bis dahin steigt warme Luft im Tubus auf und Planeten flimmern. Stell das Gerät deshalb eine halbe Stunde vor dem Beobachten raus und fang mit großen, hellen Objekten an.
Tipp: Staub auf dem Spiegel sieht schlimm aus, stört das Bild aber kaum. Putze ihn höchstens alle paar Jahre und nur nach Anleitung, etwa unserer zur Reinigung eines Newton-Spiegels.
Spiegelteleskop oder Linsenteleskop: Wann die Linse besser ist
Das Spiegelteleskop gewinnt beim Licht, das Linsenteleskop beim Komfort. Für die Grundsatzfrage gibt es einen eigenen Vergleich Spiegelteleskop oder Linsenteleskop, hier nur die Fälle, in denen du besser zur Linse greifst:
- ✔ Du willst nie justieren und in zehn Minuten beobachten.
- ✔ Du beobachtest vom Stadtbalkon, wo ohnehin vor allem Mond und Planeten gehen.
- ✔ Das Teleskop soll auch tagsüber als Spektiv für Natur und Landschaft dienen.
- ✔ Du willst später Nebel fotografieren: Dafür ist ein kleiner Apochromat der Standard.
Trifft nichts davon zu, ist das Spiegelteleskop die bessere Wahl. Konkrete Linsenteleskope nach Budget stehen in der Kaufberatung Refraktor-Teleskop.
Dobson, Tisch-Dobson oder doch Linse? Wir sagen dir ehrlich, was zu deinem Himmel passt.
Sechs kurze Fragen, ehrliche Antwort per Mail.
Spiegelteleskop für Fortgeschrittene
Die nächste Stufe bringt entweder mehr Öffnung oder GoTo, selten beides günstig. GoTo heißt: Die Montierung fährt Objekte per Knopfdruck selbst an.
| Spiegelteleskop | Stärke | Preis |
|---|---|---|
| Skywatcher Skyliner 254/1200 | 10 Zoll Dobson: rund 60 Prozent mehr Licht als der 8-Zöller | 695 € |
| Skywatcher Explorer 200P EQ5 | 200-mm-Newton auf einer Montierung, die auch Fotografie trägt | 824 € |
| Celestron NexStar 8 SE | Schmidt-Cassegrain mit GoTo, kompakt und stark an Planeten | 2.149 € |
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🚀 Wenn du mehr willst: Skywatcher Skyliner 254/1200
Der 10-Zoll-Dobson sammelt rund 60 Prozent mehr Licht als der 200er. Kugelsternhaufen lösen sich bis in die Mitte in Einzelsterne auf, bei Galaxien werden erste Strukturen sichtbar. Er ist spürbar schwerer und länger: Der Aufpreis lohnt sich, wenn du schon regelmäßig beobachtest und einen dunklen Platz in der Nähe hast.
➜ Skywatcher Dobson N 254/1200 Pyrex Skyliner Classic – 695 €
Für Schmidt-Cassegrain-Geräte gibt es einen eigenen Ratgeber. Dort geht es um C8, NexStar und EdgeHD: Schmidt-Cassegrain-Teleskop kaufen.
Spiegelteleskop-Test: Wie wir bewerten
Einen neutralen Spiegelteleskop-Testsieger gibt es nicht. Unsere Empfehlungen beruhen auf den technischen Daten, auf Käuferrückmeldungen und auf den Erfahrungen, die in Astronomie-Foren seit Jahren zusammenkommen. Einzelne Geräte vergleicht unser Teleskop-Test.
Achtung Sonne: Richte ein Spiegelteleskop nie ohne zertifizierten Objektiv-Sonnenfilter vor der Öffnung auf die Sonne, auch nicht kurz. Filter, die ins Okular geschraubt werden, können platzen und das Auge dauerhaft schädigen. Welcher Filter passt, steht unter Sonne sicher beobachten.
Häufige Fragen zum Spiegelteleskop
Was ist ein Spiegelteleskop?
Ein Spiegelteleskop, auch Reflektor genannt, sammelt das Licht mit einem gewölbten Hauptspiegel statt mit einer Linse. Die bekannteste Bauart ist der Newton, den Isaac Newton erfand, um den Farbfehler der Linsen zu umgehen.
Welches Spiegelteleskop ist gut für Einsteiger?
Für die meisten Einsteiger ein Dobson mit 150 bis 200 mm, etwa der Skyliner 200/1200. Wer wenig Platz hat, nimmt einen Tisch-Dobson wie den Heritage 130/650. Weitere Einsteigergeräte zeigt der Ratgeber Teleskop für Einsteiger.
Wie oft muss man ein Spiegelteleskop justieren?
Prüfen solltest du die Justage nach jedem Transport, das dauert eine Minute. Nachstellen musst du bei einem Dobson, der zu Hause steht, oft nur alle paar Monate. Kurze Tisch-Dobsons reagieren etwas empfindlicher.
Warum sehe ich einen dunklen Fleck in der Mitte?
Das ist der Schatten des Fangspiegels, und er zeigt sich nur, wenn das Bild unscharf ist. Dreh am Fokussierrad, bis die Sterne zu Punkten werden, dann verschwindet er. Bleibt er bei scharfem Bild sichtbar, fehlt meist ein Teil im Auszug oder das Okular steckt nicht tief genug.
Was ist ein Bird-Jones-Teleskop?
Ein Newton mit kurzem Tubus, bei dem eine Zusatzlinse im Okularauszug die Brennweite künstlich verlängert. Das spart Länge, erschwert aber die Justage und kostet Bildqualität. Für Einsteiger raten wir davon ab.
Kann ich mit einem Spiegelteleskop die Sonne beobachten?
Ja, aber ausschließlich mit einem zertifizierten Filter vor der Öffnung, zum Beispiel aus Baader-AstroSolar-Folie. Ein Herschelkeil ist für Spiegelteleskope nicht geeignet, er ist nur für Linsenteleskope gebaut. Niemals ohne Filter hindurchsehen, auch nicht für einen Augenblick.
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