Sternbild Herkules: finden, Kugelsternhaufen M 13 und Sichtbarkeit

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Herkules (lateinisch Hercules) ist das fünftgrößte der 88 Sternbilder und steht am Sommerhimmel zwischen Arktur und Wega. Berühmt ist es für M 13, den bekanntesten Kugelsternhaufen des Nordhimmels – eine Kugel aus mehreren Hunderttausend Sternen in rund 24.000 Lichtjahren Entfernung.

⭐ Kurz gesagt: Herkules ist lichtschwach, aber leicht zu finden: Die Linie von Arktur zu Wega führt direkt über sein Viereck, den „Schlussstein“. Beste Zeit sind die Abende von Juni bis September, im Herbst sinkt er abends in den Westen. Für M 13 lohnt sich ein Teleskop – im Fernglas bleibt er ein runder Nebelfleck, ab 130 mm Öffnung zerfällt sein Rand in Sterne.
Aufsuchkarte: Das Sternbild Herkules mit dem Schlussstein auf der Linie von Arktur zu Wega, dazu M 13, M 92 und NGC 6210
Die Linie von Arktur zu Wega läuft über den Schlussstein, M 13 sitzt an seiner rechten Kante. Grafik: sterngucker.de, eigene Berechnung

Sternbild Herkules auf einen Blick

Lateinischer NameHercules, Abkürzung Her
Fläche1.225 Quadratgrad (Rang 5 von 88)
Hellster SternKornephoros (β Her), 2,8 mag
Beste BeobachtungszeitAbende von Juni bis September
Höchster Stand von M 1376° in Frankfurt, 73° in Hamburg, knapp 80° in Bern
NachbarnDrache, Leier, Füchschen, Pfeil, Adler, Schlangenträger, Schlange, Nördliche Krone, Bärenhüter
Bekannteste Deep-Sky-ObjekteKugelsternhaufen M 13 und M 92, Planetarischer Nebel NGC 6210
Höhen berechnet als 90° − geografische Breite + Deklination (M 13: +36,5°).

Das Sternbild Herkules finden

Herkules hat keinen einzigen auffälligen Stern. Du findest ihn deshalb über zwei Nachbarn: den orangen Arktur im Westen und die weiße Wega im Osten. Arktur erreichst du im Frühsommer über den Bogen der Deichsel des Großen Wagens, Wega ist der hellste Stern hoch im Osten.

Zieh in Gedanken eine Linie von Arktur zu Wega. Nach rund zwei Dritteln des Weges liegt das Viereck aus ε, ζ, η und π Herculis, der sogenannte Schlussstein (englisch Keystone). Die vier Sterne sind nur 3. bis 4. Größe hell, bilden aber ein klares Trapez mit 4 bis 7 Grad langen Seiten.

Gegenprobe: Auf dem ersten Drittel der Strecke von Arktur aus passierst du den kleinen Halbkreis der Nördlichen Krone mit dem hellen Alphecca. Siehst du ihn, bist du auf dem richtigen Weg.

Vom Schlussstein aus gehen die Arme und Beine der Figur ab. Herkules steht bei uns kopfüber: Sein Kopf Ras Algethi liegt unten im Süden, seine Beine reichen nach oben in Richtung Drache. Unter einem hellen Stadthimmel bleibt meist nur das Viereck übrig – das genügt für M 13.

Die Sterne des Herkules

SternHelligkeitEntfernungTyp
Kornephoros (β Her)2,8 magrund 140 Lichtjahregelber Riese
ζ Her2,8 magrund 35 Lichtjahreenger Doppelstern, sonnenähnlich
Ras Algethi (α Her)3,1 bis 3,9 magrund 360 Lichtjahreroter Überriese, veränderlich
Sarin (δ Her)3,1 magrund 75 Lichtjahreweißer Stern
π Her3,2 magrund 380 Lichtjahreoranger Riese
μ Her3,4 magrund 27 Lichtjahregelber Unterriese
η Her3,5 magrund 110 Lichtjahregelber Riese
ε Her3,9 magrund 155 Lichtjahreweißer Hauptreihenstern
Entfernungen nach Hipparcos-Parallaxen, gerundet.

Ras Algethi heißt übersetzt „Kopf des Knienden“. Er ist ein roter Überriese, der mehrere Hundert Mal so groß ist wie die Sonne und seine Helligkeit ohne feste Periode zwischen 3,1 und 3,9 mag ändert.

Im Teleskop wird er zum Schmuckstück. Knapp 5 Bogensekunden neben dem orangen Hauptstern steht ein Begleiter 5. Größe, der durch den Farbkontrast grünlich wirkt. Schon ein kleines Teleskop trennt das Paar bei 100-facher Vergrößerung.

Kornephoros, der „Keulenträger“, ist trotz seines Namens nur knapp der hellste Stern des Sternbilds. ζ Herculis ist fast genauso hell und viel näher: Das Sternpaar liegt nur 35 Lichtjahre entfernt, seine beiden Sonnen umkreisen sich in gut 34 Jahren.

Wusstest du? Unsere Sonne zieht mit rund 20 Kilometern pro Sekunde durch die Nachbarschaft – und zwar in Richtung Herkules. Dieser Zielpunkt heißt Apex und liegt nahe der Grenze zur Leier.

Sichtbarkeit: Herkules Monat für Monat

Herkules ist ein Sternbild des Frühsommers und Sommers. Am besten steht er von Juni bis September am Abendhimmel, im Juli um halb elf abends mit 76 Grad fast senkrecht über dir. Wirklich dunkel wird es für M 13 um 22 Uhr aber erst ab Mitte August.

MonatHöhe M 13 um 22 UhrRichtungHöchster Stand
März14°Nordosten05:33 Uhr
April22°Nordosten04:31 Uhr
Mai40°Osten02:33 Uhr
Juni60°Osten00:32 Uhr
Juli75°Südosten22:34 Uhr
August69°Südwesten20:32 Uhr
September50°Westen18:30 Uhr
Oktober32°Westen16:31 Uhr
November8°Nordwesten13:29 Uhr
Dezember bis Februarunter 3°Nordenvormittags
Berechnet für Frankfurt am Main, jeweils am 15. des Monats (MEZ bzw. MESZ), mit Skyfield/DE421.
Diagramm: Höhe des Kugelsternhaufens M 13 um 22 Uhr in Frankfurt über das Jahr und sein höchster Stand in acht Städten
Links die Höhe um 22 Uhr über das Jahr, rechts der höchste Stand je Stadt. Grafik: sterngucker.de, eigene Berechnung

Im Herbst verabschiedet sich Herkules. Mitte Oktober steht M 13 um 22 Uhr nur noch 32 Grad hoch im Westen, Mitte November um 20 Uhr 23 Grad im Nordwesten. Wer ihn jetzt noch sehen will, beobachtet gleich nach Ende der Dämmerung.

Ganz verschwindet er nur kurz. In Hamburg streift M 13 an seinem tiefsten Punkt gerade den Nordhorizont, weiter südlich geht er für einige Stunden unter. Ab März taucht Herkules in der zweiten Nachthälfte im Nordosten wieder auf.

M 13: der Herkuleshaufen

M 13 ist ein Kugelsternhaufen: eine dicht gepackte Kugel aus sehr alten Sternen, die im Halo der Milchstraße um deren Zentrum kreist. Mit 5,8 mag gehört er zu den hellsten Kugelsternhaufen des Nordhimmels und zieht im Sommer fast senkrecht über uns hinweg.

KatalognummerMessier 13, NGC 6205
Helligkeit5,8 mag
Scheinbare Größerund 20 Bogenminuten, zwei Drittel des Vollmonds
Entfernungrund 24.000 Lichtjahre
Durchmesserrund 140 Lichtjahre
Anzahl Sternemehrere Hunderttausend
Alterrund 11 bis 12 Milliarden Jahre
Entdeckt1714 von Edmond Halley
Entfernung nach Gaia-Daten (Baumgardt & Vasiliev 2021); ältere Quellen nennen 22.000 bis 25.000 Lichtjahre.
Der Kugelsternhaufen M 13 im Sternbild Herkules auf einer Langzeitbelichtung, oben links die kleine Galaxie NGC 6207
M 13 auf einer Langzeitaufnahme, oben links die kleine Galaxie NGC 6207. So farbig und aufgelöst siehst du ihn am Okular nicht. Foto: Kees Scherer, CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

So findest du M 13

M 13 liegt an der westlichen, im Sommer rechten Kante des Schlusssteins. Geh von η Herculis 2,5 Grad in Richtung ζ Herculis – also ein Drittel der Strecke. Dort steht ein kleiner, runder Nebelfleck, eingerahmt von zwei Sternen 7. Größe.

Mit dem Fernglas ist das einfach. η Herculis und M 13 passen bequem ins selbe Gesichtsfeld. Im Teleskop nimmst du zum Aufsuchen das Okular mit der kleinsten Vergrößerung und erst dann ein stärkeres.

Was du von M 13 wirklich siehst

Die einzelnen Sterne von M 13 sind lichtschwach, die hellsten erreichen knapp 12. Größe. Deshalb entscheidet die Öffnung – der Durchmesser von Linse oder Spiegel – darüber, ob du Sterne oder einen Nebel siehst. Dazu brauchst du Vergrößerung, damit die dicht stehenden Sterne auseinanderrücken.

InstrumentVergrößerungWas du siehst
Bloßes Auge–nur unter dunklem Landhimmel als schwaches, unscharfes Sternchen, am besten beim Danebenschauen
Fernglas 10×5010-fachkleiner runder Nebelfleck mit hellerer Mitte, keine Einzelsterne
Teleskop 70 bis 90 mm50- bis 100-fachgrößerer Fleck, der Rand wirkt körnig
Teleskop 114 bis 130 mm100- bis 150-fachdie äußeren Sterne lösen sich einzeln auf, der Kern bleibt neblig
Teleskop 200 mm150- bis 200-fachaufgelöst bis nahe an den Kern, Sternketten, unter dunklem Himmel der „Propeller“ aus drei dunklen Bändern
Teleskop ab 300 mmab 200-fachvollständig in Sterne aufgelöst, funkelt wie eine Wunderkerze
Voraussetzung: mondlose Nacht, dunkle Umgebung und mindestens 20 Minuten Dunkeladaption.
Häufiger Fehler: Viele Einsteiger schauen M 13 nur mit dem Übersichtsokular an und sind enttäuscht. Bei 26-facher Vergrößerung bleibt er in jedem Teleskop ein Wattebausch. Erst ab etwa 100-fach und bei hoch stehendem Haufen zeigen sich Sterne – und bei Vollmond gar nicht.

Die Arecibo-Botschaft von 1974

Am 16. November 1974 schickte das Radioteleskop Arecibo in Puerto Rico eine Nachricht in Richtung M 13. Sie bestand aus 1.679 Bits, die zu einem Bild aus 23 mal 73 Punkten angeordnet werden: Zahlen, die DNA, ein Mensch, das Sonnensystem und das Teleskop selbst.

Gedacht war sie vor allem als Demonstration der Technik, entworfen unter anderem von Frank Drake und Carl Sagan. Bei M 13 kommt das Signal erst in rund 24.000 Jahren an – und bis dahin hat sich der Haufen auf seiner Bahn ein Stück weiterbewegt.

Eine Antwort ist nie gekommen. Warum der Himmel bis heute schweigt, erklärt unser Artikel zum Fermi-Paradoxon.

Weitere Deep-Sky-Objekte im Herkules

M 13 stiehlt allen die Schau, dabei hat Herkules noch mehr zu bieten. Der zweite Kugelsternhaufen M 92 ist kaum schwächer und wird oft übersehen.

ObjektArtHelligkeitEntfernung
M 92Kugelsternhaufen6,3 magrund 27.000 Lichtjahre
NGC 6210Planetarischer Nebel8,8 magunsicher, mehrere Tausend Lichtjahre
NGC 6229Kugelsternhaufen9,4 magrund 100.000 Lichtjahre
Helligkeiten und Entfernungen gerundet nach SIMBAD bzw. dem Harris-Katalog.

M 92 liegt 6,3 Grad nördlich von π Herculis, in Richtung ι Herculis. Er ist kompakter als M 13 und gehört zu den ältesten Sternhaufen der Milchstraße. Entdeckt hat ihn Johann Elert Bode 1777 in Berlin.

NGC 6210 steht 4 Grad nordöstlich von Kornephoros. Der Planetarische Nebel – die abgestoßene Gashülle eines sterbenden Sterns – ist winzig, aber hell. Ab 100-facher Vergrößerung wird aus dem „Stern“ ein blaugrünes Scheibchen.

NGC 6229 ist etwas für Fortgeschrittene. Mit rund 100.000 Lichtjahren ist er einer der fernsten Kugelsternhaufen, die du mit einem Amateurteleskop noch siehst – als kleines, rundes Glimmen ab etwa 150 mm Öffnung.

Mythologie: der kniende Held

Die Griechen nannten die Figur zunächst nur Engonasin, „der Kniende“. Erst später wurde sie mit Herakles verbunden, dem Sohn des Zeus und der Sterblichen Alkmene, den die Römer Herkules nannten.

Hera verfolgte den Helden mit Hass. Zur Sühne musste er zwölf Arbeiten erledigen, darunter den Kampf gegen den Nemeischen Löwen und die Hydra. Beide stehen ebenfalls am Himmel – als Sternbild Löwe und Wasserschlange.

Am Himmel setzt Herkules seinen Fuß auf den Kopf des Drachen. Das ist Ladon, der die goldenen Äpfel der Hesperiden bewachte – die elfte seiner Arbeiten.

Fernglas oder Teleskop für Herkules

Für Herkules gewinnt das Teleskop klar. M 13 und M 92 sind klein und dicht, ihre Sterne zeigen sich erst mit Öffnung und Vergrößerung. Ein Celestron UpClose G2 10x50 Porro hilft beim Aufsuchen, mehr als einen Nebelfleck zeigt es nicht.

Tipp für den Einstieg: Ein Tischdobson mit 130 mm Öffnung zeigt dir bei 130- bis 160-facher Vergrößerung die ersten Einzelsterne am Rand von M 13. Das mitgelieferte Okular reicht dafür nicht ganz – ein Okular mit etwa 4 bis 5 mm Brennweite ist die sinnvollste erste Ergänzung.

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Wann sich mehr Öffnung lohnt

Bei Kugelsternhaufen zählt jeder Millimeter. Mit 200 mm siehst du fast eine ganze Größenklasse schwächere Sterne als mit 130 mm – und genau dort liegt die Masse der Sterne von M 13.

Wenn du mehr willst: der nächste Schritt
Der Skyliner 200/1200 Dobson sammelt mit 200 mm Öffnung mehr als doppelt so viel Licht wie ein 130er. Konkret heißt das: M 13 löst sich bis nahe an den Kern in Sterne auf, M 92 ebenso, und NGC 6229 wird zum sicheren Ziel. Der Aufpreis lohnt sich, wenn dich Sternhaufen, Nebel und Galaxien dauerhaft reizen und du einen festen Platz für das größere Gerät hast.

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Häufige Fragen zum Sternbild Herkules

Wie finde ich das Sternbild Herkules?

Verbinde im Sommer den orangen Arktur mit der hellen Wega. Nach rund zwei Dritteln des Weges liegt das Viereck des Herkules, der Schlussstein. An seiner rechten Kante, zwischen η und ζ Herculis, steht M 13.

Was ist M 13?

M 13 ist ein Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules, auch Herkuleshaufen genannt. Er enthält mehrere Hunderttausend sehr alte Sterne auf einem Raum von rund 140 Lichtjahren. Mit 5,8 mag ist er der bekannteste Kugelsternhaufen des Nordhimmels.

Wie weit ist M 13 entfernt?

Nach der Auswertung von Gaia-Daten rund 24.000 Lichtjahre. Ältere Bücher nennen Werte zwischen 22.000 und 25.000 Lichtjahren. Das Licht, das du heute siehst, ist also vor rund 24.000 Jahren losgelaufen.

Kann man M 13 mit bloßem Auge sehen?

Ja, aber nur unter einem wirklich dunklen Himmel fernab von Städten. Dann erscheint er als schwaches, unscharfes Sternchen an der Kante des Schlusssteins. Im Fernglas ist er dagegen auch vom Stadtrand aus leicht zu finden.

Wann ist Herkules am besten zu sehen?

An den Abenden von Juni bis September, am höchsten im Juli und August. Die dunkelsten Bedingungen um 22 Uhr hast du ab Mitte August. Im Oktober und November sinkt Herkules abends in den Westen und Nordwesten.

Was bedeutet das Sternbild Herkules?

Es stellt den griechischen Helden Herakles dar, der kniend und kopfüber am Himmel steht. Sein Fuß ruht auf dem Kopf des Drachen Ladon. Ursprünglich hieß die Figur nur „der Kniende“, der Name des Helden kam erst später hinzu.

Wie heißt Herkules auf Latein?

Der lateinische Name lautet Hercules, die offizielle Abkürzung der Internationalen Astronomischen Union ist Her. Im Kreuzworträtsel passt HERCULES mit 8 Buchstaben, die griechische Form lautet Herakles.

Wann erreicht die Arecibo-Botschaft M 13?

Die Radiobotschaft vom 16. November 1974 ist mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs. Sie braucht so lange, wie M 13 in Lichtjahren entfernt ist – also rund 24.000 Jahre. Eine Antwort könnte frühestens nach der doppelten Zeit bei uns sein.

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