Von Alexander Merz · Aktualisiert am
Herkules (lateinisch Hercules) ist das fünftgrößte der 88 Sternbilder und steht am Sommerhimmel zwischen Arktur und Wega. Berühmt ist es für M 13, den bekanntesten Kugelsternhaufen des Nordhimmels – eine Kugel aus mehreren Hunderttausend Sternen in rund 24.000 Lichtjahren Entfernung.

Sternbild Herkules auf einen Blick
| Lateinischer Name | Hercules, Abkürzung Her |
| Fläche | 1.225 Quadratgrad (Rang 5 von 88) |
| Hellster Stern | Kornephoros (β Her), 2,8 mag |
| Beste Beobachtungszeit | Abende von Juni bis September |
| Höchster Stand von M 13 | 76° in Frankfurt, 73° in Hamburg, knapp 80° in Bern |
| Nachbarn | Drache, Leier, Füchschen, Pfeil, Adler, Schlangenträger, Schlange, Nördliche Krone, Bärenhüter |
| Bekannteste Deep-Sky-Objekte | Kugelsternhaufen M 13 und M 92, Planetarischer Nebel NGC 6210 |
Das Sternbild Herkules finden
Herkules hat keinen einzigen auffälligen Stern. Du findest ihn deshalb über zwei Nachbarn: den orangen Arktur im Westen und die weiße Wega im Osten. Arktur erreichst du im Frühsommer über den Bogen der Deichsel des Großen Wagens, Wega ist der hellste Stern hoch im Osten.
Zieh in Gedanken eine Linie von Arktur zu Wega. Nach rund zwei Dritteln des Weges liegt das Viereck aus ε, ζ, η und π Herculis, der sogenannte Schlussstein (englisch Keystone). Die vier Sterne sind nur 3. bis 4. Größe hell, bilden aber ein klares Trapez mit 4 bis 7 Grad langen Seiten.
Vom Schlussstein aus gehen die Arme und Beine der Figur ab. Herkules steht bei uns kopfüber: Sein Kopf Ras Algethi liegt unten im Süden, seine Beine reichen nach oben in Richtung Drache. Unter einem hellen Stadthimmel bleibt meist nur das Viereck übrig – das genügt für M 13.
Die Sterne des Herkules
| Stern | Helligkeit | Entfernung | Typ |
|---|---|---|---|
| Kornephoros (β Her) | 2,8 mag | rund 140 Lichtjahre | gelber Riese |
| ζ Her | 2,8 mag | rund 35 Lichtjahre | enger Doppelstern, sonnenähnlich |
| Ras Algethi (α Her) | 3,1 bis 3,9 mag | rund 360 Lichtjahre | roter Überriese, veränderlich |
| Sarin (δ Her) | 3,1 mag | rund 75 Lichtjahre | weißer Stern |
| π Her | 3,2 mag | rund 380 Lichtjahre | oranger Riese |
| μ Her | 3,4 mag | rund 27 Lichtjahre | gelber Unterriese |
| η Her | 3,5 mag | rund 110 Lichtjahre | gelber Riese |
| ε Her | 3,9 mag | rund 155 Lichtjahre | weißer Hauptreihenstern |
Ras Algethi heißt übersetzt „Kopf des Knienden“. Er ist ein roter Überriese, der mehrere Hundert Mal so groß ist wie die Sonne und seine Helligkeit ohne feste Periode zwischen 3,1 und 3,9 mag ändert.
Im Teleskop wird er zum Schmuckstück. Knapp 5 Bogensekunden neben dem orangen Hauptstern steht ein Begleiter 5. Größe, der durch den Farbkontrast grünlich wirkt. Schon ein kleines Teleskop trennt das Paar bei 100-facher Vergrößerung.
Kornephoros, der „Keulenträger“, ist trotz seines Namens nur knapp der hellste Stern des Sternbilds. ζ Herculis ist fast genauso hell und viel näher: Das Sternpaar liegt nur 35 Lichtjahre entfernt, seine beiden Sonnen umkreisen sich in gut 34 Jahren.
Sichtbarkeit: Herkules Monat für Monat
Herkules ist ein Sternbild des Frühsommers und Sommers. Am besten steht er von Juni bis September am Abendhimmel, im Juli um halb elf abends mit 76 Grad fast senkrecht über dir. Wirklich dunkel wird es für M 13 um 22 Uhr aber erst ab Mitte August.
| Monat | Höhe M 13 um 22 Uhr | Richtung | Höchster Stand |
|---|---|---|---|
| März | 14° | Nordosten | 05:33 Uhr |
| April | 22° | Nordosten | 04:31 Uhr |
| Mai | 40° | Osten | 02:33 Uhr |
| Juni | 60° | Osten | 00:32 Uhr |
| Juli | 75° | Südosten | 22:34 Uhr |
| August | 69° | Südwesten | 20:32 Uhr |
| September | 50° | Westen | 18:30 Uhr |
| Oktober | 32° | Westen | 16:31 Uhr |
| November | 8° | Nordwesten | 13:29 Uhr |
| Dezember bis Februar | unter 3° | Norden | vormittags |

Im Herbst verabschiedet sich Herkules. Mitte Oktober steht M 13 um 22 Uhr nur noch 32 Grad hoch im Westen, Mitte November um 20 Uhr 23 Grad im Nordwesten. Wer ihn jetzt noch sehen will, beobachtet gleich nach Ende der Dämmerung.
Ganz verschwindet er nur kurz. In Hamburg streift M 13 an seinem tiefsten Punkt gerade den Nordhorizont, weiter südlich geht er für einige Stunden unter. Ab März taucht Herkules in der zweiten Nachthälfte im Nordosten wieder auf.
M 13: der Herkuleshaufen
M 13 ist ein Kugelsternhaufen: eine dicht gepackte Kugel aus sehr alten Sternen, die im Halo der Milchstraße um deren Zentrum kreist. Mit 5,8 mag gehört er zu den hellsten Kugelsternhaufen des Nordhimmels und zieht im Sommer fast senkrecht über uns hinweg.
| Katalognummer | Messier 13, NGC 6205 |
| Helligkeit | 5,8 mag |
| Scheinbare Größe | rund 20 Bogenminuten, zwei Drittel des Vollmonds |
| Entfernung | rund 24.000 Lichtjahre |
| Durchmesser | rund 140 Lichtjahre |
| Anzahl Sterne | mehrere Hunderttausend |
| Alter | rund 11 bis 12 Milliarden Jahre |
| Entdeckt | 1714 von Edmond Halley |

So findest du M 13
M 13 liegt an der westlichen, im Sommer rechten Kante des Schlusssteins. Geh von η Herculis 2,5 Grad in Richtung ζ Herculis – also ein Drittel der Strecke. Dort steht ein kleiner, runder Nebelfleck, eingerahmt von zwei Sternen 7. Größe.
Mit dem Fernglas ist das einfach. η Herculis und M 13 passen bequem ins selbe Gesichtsfeld. Im Teleskop nimmst du zum Aufsuchen das Okular mit der kleinsten Vergrößerung und erst dann ein stärkeres.
Was du von M 13 wirklich siehst
Die einzelnen Sterne von M 13 sind lichtschwach, die hellsten erreichen knapp 12. Größe. Deshalb entscheidet die Öffnung – der Durchmesser von Linse oder Spiegel – darüber, ob du Sterne oder einen Nebel siehst. Dazu brauchst du Vergrößerung, damit die dicht stehenden Sterne auseinanderrücken.
| Instrument | Vergrößerung | Was du siehst |
|---|---|---|
| Bloßes Auge | – | nur unter dunklem Landhimmel als schwaches, unscharfes Sternchen, am besten beim Danebenschauen |
| Fernglas 10×50 | 10-fach | kleiner runder Nebelfleck mit hellerer Mitte, keine Einzelsterne |
| Teleskop 70 bis 90 mm | 50- bis 100-fach | größerer Fleck, der Rand wirkt körnig |
| Teleskop 114 bis 130 mm | 100- bis 150-fach | die äußeren Sterne lösen sich einzeln auf, der Kern bleibt neblig |
| Teleskop 200 mm | 150- bis 200-fach | aufgelöst bis nahe an den Kern, Sternketten, unter dunklem Himmel der „Propeller“ aus drei dunklen Bändern |
| Teleskop ab 300 mm | ab 200-fach | vollständig in Sterne aufgelöst, funkelt wie eine Wunderkerze |
Die Arecibo-Botschaft von 1974
Am 16. November 1974 schickte das Radioteleskop Arecibo in Puerto Rico eine Nachricht in Richtung M 13. Sie bestand aus 1.679 Bits, die zu einem Bild aus 23 mal 73 Punkten angeordnet werden: Zahlen, die DNA, ein Mensch, das Sonnensystem und das Teleskop selbst.
Gedacht war sie vor allem als Demonstration der Technik, entworfen unter anderem von Frank Drake und Carl Sagan. Bei M 13 kommt das Signal erst in rund 24.000 Jahren an – und bis dahin hat sich der Haufen auf seiner Bahn ein Stück weiterbewegt.
Eine Antwort ist nie gekommen. Warum der Himmel bis heute schweigt, erklärt unser Artikel zum Fermi-Paradoxon.
Weitere Deep-Sky-Objekte im Herkules
M 13 stiehlt allen die Schau, dabei hat Herkules noch mehr zu bieten. Der zweite Kugelsternhaufen M 92 ist kaum schwächer und wird oft übersehen.
| Objekt | Art | Helligkeit | Entfernung |
|---|---|---|---|
| M 92 | Kugelsternhaufen | 6,3 mag | rund 27.000 Lichtjahre |
| NGC 6210 | Planetarischer Nebel | 8,8 mag | unsicher, mehrere Tausend Lichtjahre |
| NGC 6229 | Kugelsternhaufen | 9,4 mag | rund 100.000 Lichtjahre |
M 92 liegt 6,3 Grad nördlich von π Herculis, in Richtung ι Herculis. Er ist kompakter als M 13 und gehört zu den ältesten Sternhaufen der Milchstraße. Entdeckt hat ihn Johann Elert Bode 1777 in Berlin.
NGC 6210 steht 4 Grad nordöstlich von Kornephoros. Der Planetarische Nebel – die abgestoßene Gashülle eines sterbenden Sterns – ist winzig, aber hell. Ab 100-facher Vergrößerung wird aus dem „Stern“ ein blaugrünes Scheibchen.
NGC 6229 ist etwas für Fortgeschrittene. Mit rund 100.000 Lichtjahren ist er einer der fernsten Kugelsternhaufen, die du mit einem Amateurteleskop noch siehst – als kleines, rundes Glimmen ab etwa 150 mm Öffnung.
Mythologie: der kniende Held
Die Griechen nannten die Figur zunächst nur Engonasin, „der Kniende“. Erst später wurde sie mit Herakles verbunden, dem Sohn des Zeus und der Sterblichen Alkmene, den die Römer Herkules nannten.
Hera verfolgte den Helden mit Hass. Zur Sühne musste er zwölf Arbeiten erledigen, darunter den Kampf gegen den Nemeischen Löwen und die Hydra. Beide stehen ebenfalls am Himmel – als Sternbild Löwe und Wasserschlange.
Am Himmel setzt Herkules seinen Fuß auf den Kopf des Drachen. Das ist Ladon, der die goldenen Äpfel der Hesperiden bewachte – die elfte seiner Arbeiten.
Fernglas oder Teleskop für Herkules
Für Herkules gewinnt das Teleskop klar. M 13 und M 92 sind klein und dicht, ihre Sterne zeigen sich erst mit Öffnung und Vergrößerung. Ein Celestron UpClose G2 10x50 Porro hilft beim Aufsuchen, mehr als einen Nebelfleck zeigt es nicht.
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Wann sich mehr Öffnung lohnt
Bei Kugelsternhaufen zählt jeder Millimeter. Mit 200 mm siehst du fast eine ganze Größenklasse schwächere Sterne als mit 130 mm – und genau dort liegt die Masse der Sterne von M 13.
Der Skyliner 200/1200 Dobson sammelt mit 200 mm Öffnung mehr als doppelt so viel Licht wie ein 130er. Konkret heißt das: M 13 löst sich bis nahe an den Kern in Sterne auf, M 92 ebenso, und NGC 6229 wird zum sicheren Ziel. Der Aufpreis lohnt sich, wenn dich Sternhaufen, Nebel und Galaxien dauerhaft reizen und du einen festen Platz für das größere Gerät hast.
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Häufige Fragen zum Sternbild Herkules
Wie finde ich das Sternbild Herkules?
Verbinde im Sommer den orangen Arktur mit der hellen Wega. Nach rund zwei Dritteln des Weges liegt das Viereck des Herkules, der Schlussstein. An seiner rechten Kante, zwischen η und ζ Herculis, steht M 13.
Was ist M 13?
M 13 ist ein Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules, auch Herkuleshaufen genannt. Er enthält mehrere Hunderttausend sehr alte Sterne auf einem Raum von rund 140 Lichtjahren. Mit 5,8 mag ist er der bekannteste Kugelsternhaufen des Nordhimmels.
Wie weit ist M 13 entfernt?
Nach der Auswertung von Gaia-Daten rund 24.000 Lichtjahre. Ältere Bücher nennen Werte zwischen 22.000 und 25.000 Lichtjahren. Das Licht, das du heute siehst, ist also vor rund 24.000 Jahren losgelaufen.
Kann man M 13 mit bloßem Auge sehen?
Ja, aber nur unter einem wirklich dunklen Himmel fernab von Städten. Dann erscheint er als schwaches, unscharfes Sternchen an der Kante des Schlusssteins. Im Fernglas ist er dagegen auch vom Stadtrand aus leicht zu finden.
Wann ist Herkules am besten zu sehen?
An den Abenden von Juni bis September, am höchsten im Juli und August. Die dunkelsten Bedingungen um 22 Uhr hast du ab Mitte August. Im Oktober und November sinkt Herkules abends in den Westen und Nordwesten.
Was bedeutet das Sternbild Herkules?
Es stellt den griechischen Helden Herakles dar, der kniend und kopfüber am Himmel steht. Sein Fuß ruht auf dem Kopf des Drachen Ladon. Ursprünglich hieß die Figur nur „der Kniende“, der Name des Helden kam erst später hinzu.
Wie heißt Herkules auf Latein?
Der lateinische Name lautet Hercules, die offizielle Abkürzung der Internationalen Astronomischen Union ist Her. Im Kreuzworträtsel passt HERCULES mit 8 Buchstaben, die griechische Form lautet Herakles.
Wann erreicht die Arecibo-Botschaft M 13?
Die Radiobotschaft vom 16. November 1974 ist mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs. Sie braucht so lange, wie M 13 in Lichtjahren entfernt ist – also rund 24.000 Jahre. Eine Antwort könnte frühestens nach der doppelten Zeit bei uns sein.
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