Chromatische Aberration: Ursache, Farbsaum im Teleskop und im Foto

Von · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 29. Oktober 2026

Chromatische Aberration ist ein Abbildungsfehler von Linsen: Glas bricht blaues Licht stärker als rotes, deshalb liegen die Farben nicht im selben Brennpunkt. Sichtbar wird das als farbiger Saum an hellen Kanten – im Foto, im Fernglas und im Linsenteleskop. In der Astrofotografie zeigt er sich als blauvioletter Hof um helle Sterne.

⭐ Kurz gesagt: Ein bisschen Farbsaum ist bei jeder Linse normal, entscheidend ist, wie viel. Im Foto lässt sich der Querfehler per Klick entfernen, der Längsfehler nur teilweise. Am Teleskop hilft ein Apochromat, ein langer Achromat oder ein Spiegelteleskop – ein Filter mildert den Saum nur.

Sonnenreflexe auf Wasser mit deutlich violetten Farbsäumen an den hellen Lichtpunkten
Violette Säume an hellen Lichtpunkten: So sieht chromatische Aberration im Foto aus – am Nachthimmel trifft es helle Sterne genauso. Foto: Jarmniku, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Ursache: Warum Glas Farben trennt

Die Brechzahl von Glas hängt von der Wellenlänge ab – das heißt Dispersion. Blaues Licht wird stärker abgelenkt als rotes, genau wie in einem Prisma, das weißes Licht in einen Regenbogen zerlegt (Wikipedia: Chromatische Aberration). Eine einfache Sammellinse bündelt Blau deshalb näher an der Linse als Rot.

BlauGrünRotEinzellinsedrei Brennpunkte statt einem
Farblängsfehler einer Einzellinse: Jede Farbe hat ihren eigenen Brennpunkt. Eigene Grafik, schematisch, nicht maßstäblich.

Deshalb gibt es keinen Punkt, an dem alle Farben gleichzeitig scharf sind. Stellst du auf Grün scharf, umgibt Blau und Rot ein unscharfer Hof. Bei schwachen Objekten fällt das kaum auf, bei hellen Kanten und Sternen sofort.

Farblängsfehler und Farbquerfehler

Chromatische Aberration gibt es in zwei Formen, und sie verhalten sich unterschiedlich. Der Längsfehler verschiebt die Brennpunkte entlang der optischen Achse, der Querfehler bildet jede Farbe in einer etwas anderen Größe ab (Wikipedia).

MerkmalFarblängsfehler (axial)Farbquerfehler (lateral)
Wo im Bildüberall, auch in der Bildmittenicht in der Mitte, zum Rand hin stärker
Typischer Saumviolett oder grün um helle Punkterot/cyan oder blau/gelb an Kanten
Abblenden hilftjakaum vorhersagbar
Per Softwarenur teilweise (Farbsaum-Regler)gut (Farbkanäle neu skalieren)
Am Teleskopder violette Hof um Mond und Venusspielt visuell kaum eine Rolle
Quellen: Wikipedia, Adobe.

Für Sternfotos ist der Längsfehler der unangenehmere. Er sitzt auch in der Bildmitte und lässt sich nicht einfach wegrechnen. Der Querfehler dagegen ist der, den Lightroom & Co. per Häkchen korrigieren.

Chromatische Aberration im Teleskop

Linsenteleskope bekämpfen den Farbfehler mit mehreren Glassorten. Ein Achromat kombiniert zwei Gläser mit unterschiedlicher Dispersion und bringt zwei Farben in einen Brennpunkt; ein Apochromat schafft drei (Wikipedia). Die ersten Achromaten entwarf Chester Moor Hall um 1733, John Dollond erhielt 1758 das Patent (Wikipedia: Achromat).

BauartFarben im BrennpunktSichtbarer SaumBeispiel
Kurzer Achromat (f/5–f/7)zweideutlich an Mond, Venus, JupiterReise-Refraktoren
Langer Achromat (f/10 und länger)zweischwachOmegon AC 90/1000 EQ-2 (Achromat)
ED-Refraktor / Apochromatdreipraktisch keinerSky-Watcher EvoStar 80ED Apo-Refraktor
Spiegelteleskopalle (Spiegel bricht nicht)keiner vom HauptspiegelNewton, Dobson
Die Links mit Sternchen sind Partnerlinks. Wann ein Achromat lang genug ist, rechnet der Vergleich Achromat oder Apochromat mit dem Sidgwick-Kriterium vor.

Spiegelteleskope sind vom Prinzip her frei von Farbfehlern. Ein Spiegel reflektiert alle Wellenlängen im gleichen Winkel, statt sie zu brechen. Einen Rest bringen nur Okulare, Barlowlinsen und Korrektoren mit, weil sie wieder aus Linsen bestehen.

Am Okular erkennst du den Farbfehler am Mondrand. Stell den Mond bei hoher Vergrößerung scharf und achte auf die Kante zum dunklen Himmel: Ein violetter Streifen, der beim Durchfokussieren die Farbe wechselt, ist Farblängsfehler. Im Forum von astronomie.de wird der Farbfehler von Achromaten wie 70/700 oder 90/500 wiederholt deutlich kritisiert (Thread, 2023; Thread, 2021).

Farbsaum bei Sternfotos

Die Kamera zeigt Farbfehler deutlicher als das Auge. Bei Langzeitbelichtungen sammelt der Sensor auch das unscharfe Blau und Violett ein, helle Sterne bekommen einen aufgeblähten Hof. Ein Forennutzer beschreibt, dass ihm beim ersten DSLR-Foto der Plejaden durch einen kurzen Achromaten sofort klar wurde, wozu es Apochromaten gibt (forum.astronomie.de, 24.01.2021).

Nicht jeder violette Rand ist chromatische Aberration. Bei überbelichteten Lichtpunkten wird auch Überstrahlen des Sensors (Blooming) als Ursache diskutiert, ebenso Rauschen und Bildverarbeitung (Wikipedia: Purple fringing). Ein Test hilft: Tritt der Saum auch bei kürzerer Belichtung auf, liegt es an der Optik.

Farbreiner Einstieg: Sky-Watcher EvoStar 80ED Apo-Refraktor

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Tipp für Kamera-Objektive: Eine Blende abblenden wirkt oft Wunder. Der Längsfehler sinkt mit kleinerer Blendenöffnung; Adobe nennt das Fotografieren bei Offenblende mit günstigen Objektiven als Hauptrisiko (Adobe). Welche Objektive sich für Sternfotos eignen, steht unter Objektiv für Astrofotografie.

Chromatische Aberration entfernen

Den Querfehler entfernt die Software fast vollständig. In Lightroom setzt du dafür unter „Objektivkorrekturen“ das Häkchen „Chromatische Aberration entfernen“ (Adobe). Technisch werden dabei die Farbkanäle unterschiedlich skaliert, bis sie wieder deckungsgleich sind (Wikipedia).

Gegen den Längsfehler gibt es nur den Farbsaum-Regler. Er entsättigt gezielt violette oder grüne Säume, die du mit der Pipette auswählst (Adobe). Bei Sternen bleibt der Hof dann grau statt blau – kleiner wird er nicht.

WoWas hilftGrenze
Beim Fotografierenabblenden, mittlere Brennweite, gutes Objektivkostet Licht
In Lightroom/Camera Raw„Chromatische Aberration entfernen“, Farbsaum-ReglerLängsfehler nur entfärbt
Am Teleskop (visuell)Farbfilter oder AbblendmaskeFarbstich oder weniger Öffnung
An der WurzelApochromat oder SpiegelteleskopPreis bzw. Bauart

Filter gegen den Farbsaum am Achromaten

Ein Filter macht aus einem Achromaten keinen Apochromaten, aber er nimmt dem Saum die Spitze. In zwei aktuellen Threads auf forum.astronomie.de haben Besitzer von 120/600- und 150/1200-Achromaten ihre Erfahrungen verglichen („Semi-Apo vs. Fringe Killer“, 12/2025; „Filter-Empfehlung für einen 6″ F8 Achromaten“, 08–10/2026).

LösungWas die Besitzer berichtenNennungen
Semi-Apo-Filterwirksamster Filter, leicht grün-gelbes Bild3 positiv
Fringe-Killerschwächer als Semi-Apo, überzeugt nicht jeden2 eher verhalten
Kontrast-Boostermilderer Mittelweg, neutraleres Bild1
Abblendmaske (z. B. 150 auf 105 mm)an Mond und Planeten „einfach schöne Bilder“, kostet Öffnung1, plus 2 Zustimmungen
Gelbfilter (Wratten 12)wirkt, färbt aber kräftig ein1
UV/IR-Sperrfiltervisuell sinnlos, nur für Kameras1
Eigene Auszählung von 13 Beiträgen in den beiden verlinkten Threads, Stand 28.10.2026. Kleine Stichprobe – Tendenz, keine Statistik.

Für Nebel spielt der Farbfehler kaum eine Rolle. Ein Forennutzer verwendet seinen 120/600 nur noch mit OIII- oder H-Beta-Filtern, die ohnehin nur eine schmale Farbe durchlassen (Thread, 28.12.2025). Der Saum stört vor allem an Mond, Planeten und hellen Sternen.

Chromatische Aberration im Auge und in Spielen

Auch das menschliche Auge hat einen Farblängsfehler. Ist es auf Grün scharfgestellt, liegt der blaue Brennpunkt vor und der rote hinter der Netzhaut (Wikipedia). Wir bemerken das im Alltag kaum.

In Videospielen ist chromatische Aberration ein künstlicher Effekt. Er ahmt den Farbsaum von Kameraobjektiven zum Bildrand hin nach und lässt sich in den Grafikeinstellungen abschalten; für kompetitives Spielen raten Hersteller wie Corsair zum Ausschalten (Corsair).

Häufige Fragen zur chromatischen Aberration

Ist chromatische Aberration normal?

Ja. Jede Linse aus Glas zeigt sie, weil Glas Farben unterschiedlich stark bricht. Gute Objektive und Apochromaten drücken sie so weit, dass man sie praktisch nicht mehr sieht.

Was ist die Ursache für chromatische Aberration?

Die Dispersion: Die Brechzahl des Glases hängt von der Wellenlänge ab. Blau wird stärker gebrochen als Rot, deshalb haben die Farben verschiedene Brennpunkte.

Wie kann ich chromatische Aberrationen entfernen?

Im Foto mit der Objektivkorrektur deines RAW-Programms und dem Farbsaum-Regler. Beim Fotografieren hilft Abblenden. Am Teleskop helfen nur ein farbreineres Gerät, ein Filter oder eine Abblendmaske.

Haben Spiegelteleskope chromatische Aberration?

Der Spiegel selbst nicht, weil er nicht bricht, sondern reflektiert. Okulare, Barlowlinsen und Komakorrektoren können aber einen kleinen Farbfehler mitbringen.

Was ist der Unterschied zur sphärischen Aberration?

Die sphärische Aberration entsteht durch die Kugelform der Linse: Randstrahlen werden anders gebündelt als achsnahe Strahlen, auch bei einer einzigen Farbe. Die chromatische Aberration ist ein reiner Farbfehler (Wikipedia: Sphärische Aberration).

Sollte man chromatische Aberration in Spielen ausschalten?

Das ist Geschmackssache. Der Effekt macht das Bild filmischer, aber unschärfer zum Rand hin; wer kompetitiv spielt, schaltet ihn meist ab.

Weiterlesen

Quellen: Wikipedia: Chromatische Aberration · Wikipedia: Achromat · Wikipedia: Purple fringing · Adobe · Wikipedia: Sphärische Aberration · Corsair · Erfahrungen aus forum.astronomie.de (Threads im Text verlinkt).

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