Stephenson 2-18: der größte bekannte Stern – und was daran unsicher ist

Von · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 15. September 2026

Stephenson 2-18 ist ein Roter Überriese im Sternbild Schild und gilt als der größte bekannte Stern überhaupt. Sein Radius wird auf rund 2.150 Sonnenradien geschätzt – stünde er an der Stelle unserer Sonne, reichte seine Oberfläche bis über die Saturnbahn hinaus.

⭐ Kurz gesagt: Stephenson 2-18 ist der Rekordhalter unter den bekannten Sternen – mit einer großen Einschränkung: Die Größenangabe hängt an einer Entfernungsannahme, die umstritten ist. Sehen kannst du ihn ohnehin nicht: Er steht rund 19.000 Lichtjahre entfernt hinter dichtem Staub und leuchtet nur im Infraroten hell.
Größenvergleich: Stephenson 2-18 und andere Riesensterne im Maßstab der Planetenbahnen
Stünden diese Sterne an der Stelle der Sonne, reichten sie so weit. Eigene Grafik, sterngucker.de

Stephenson 2-18 in Zahlen

TypRoter Überriese (Hyperriese)
SternbildSchild (Scutum)
Entfernungrund 19.000 Lichtjahre
Radiusrund 2.150 Sonnenradien ≈ 1,5 Milliarden km
Durchmesser in AErund 20 Astronomische Einheiten
Leuchtkraftetwa 440.000-fache Sonnenleuchtkraft
Oberflächentemperaturrund 3.200 Kelvin
Scheinbare Helligkeitetwa 15 mag im sichtbaren Licht
ZugehörigkeitSternhaufen Stephenson 2
Die Radiusangabe gilt unter der Annahme, dass der Stern zum Haufen Stephenson 2 gehört.

Was 2.150 Sonnenradien bedeuten

Zahlen dieser Größenordnung sagen erst etwas, wenn man sie umrechnet. Der Durchmesser von Stephenson 2-18 entspricht etwa 20 Astronomischen Einheiten – also dem zwanzigfachen Abstand zwischen Erde und Sonne.

An der Stelle der Sonne würde er Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter und Saturn verschlingen. Erst irgendwo zwischen Saturn und Uranus wäre seine Oberfläche erreicht.

Zum Mitnehmen: Licht umrundet die Sonne in rund 15 Sekunden. Für eine Runde um Stephenson 2-18 bräuchte dasselbe Licht knapp neun Stunden. In den Stern würden fast zehn Milliarden Sonnen passen.

Trotzdem ist er kein Schwergewicht. Rote Überriesen sind aufgeblähte Sterne mit extrem dünner Hülle – die äußeren Schichten sind dünner als jedes Vakuum, das wir auf der Erde herstellen können.

Warum der Rekord wackelt

Hier wird es unbequem, und deshalb steht es hier: Der Radius eines Sterns lässt sich nicht direkt messen, sondern nur aus Helligkeit, Temperatur und Entfernung berechnen. Von diesen drei Größen ist die Entfernung die unsicherste.

Die Rekordangabe beruht darauf, dass Stephenson 2-18 zum gleichnamigen Sternhaufen gehört und damit dessen Entfernung teilt. Mehrere Arbeiten bezweifeln genau das – die Geschwindigkeit des Sterns passt nicht sauber zu den anderen Haufenmitgliedern.

Stünde er in Wirklichkeit näher, wäre er deutlich kleiner und der Rekord hinfällig. Solange die Entfernung nicht unabhängig bestätigt ist, bleibt „der größte bekannte Stern“ eine gut begründete Vermutung und keine gesicherte Tatsache.

Vorsicht bei Ranglisten: Listen der größten Sterne wechseln ihre Spitze alle paar Jahre – nicht weil sich die Sterne ändern, sondern weil sich die Entfernungsmessungen ändern. Wer eine Zahl ohne Fehlerbalken liest, liest eine halbe Information.

Die Konkurrenz um den ersten Platz

SternRadius (Sonnenradien)EntfernungSternbild
Stephenson 2-18rund 2.150rund 19.000 LjSchild
UY Scutirund 1.700rund 9.500 LjSchild
VY Canis Majorisrund 1.420rund 3.900 LjGroßer Hund
Beteigeuzerund 760rund 550 LjOrion
Alle Angaben mit erheblichen Unsicherheiten – je weiter entfernt, desto größer der Spielraum.

Auffällig ist das Muster: Je weiter ein Stern entfernt ist, desto größer fällt die Schätzung aus. Das ist kein Zufall, sondern eine Folge der wachsenden Unsicherheit – und ein Grund, die Spitze der Liste mit Zurückhaltung zu lesen.

Am besten untersucht ist deshalb der Nachbar: Beteigeuze im Orion. Er ist zwar deutlich kleiner, dafür nah genug, dass sich seine Oberfläche tatsächlich abbilden lässt.

Kann man Stephenson 2-18 beobachten?

Ehrliche Antwort: nein, jedenfalls nicht visuell. Mit etwa 15 mag im sichtbaren Licht liegt er zwar theoretisch in Reichweite größerer Amateurteleskope – nur steht er in einem dicht mit Sternen und Staub gefüllten Bereich der Milchstraße.

Praktisch bedeutet das: ein unscheinbarer, rötlicher Lichtpunkt unter Tausenden, nur mit Katalogkoordinaten identifizierbar. Der Stern ist ein Objekt für Infrarot-Teleskope, nicht fürs Okular.

Wer Riesensterne mit eigenen Augen sehen will, fängt besser bei Beteigeuze an. Er steht im Winter hoch am Himmel, ist mit bloßem Auge sichtbar – und seine Helligkeitsschwankungen lassen sich über Wochen selbst verfolgen.

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Häufige Fragen zu Stephenson 2-18

Wie groß ist Stephenson 2-18?

Sein Radius wird auf rund 2.150 Sonnenradien geschätzt, das sind etwa 1,5 Milliarden Kilometer. Der Durchmesser entspricht damit rund 20 Astronomischen Einheiten – an der Stelle der Sonne reichte er über die Saturnbahn hinaus.

Ist Stephenson 2-18 wirklich der größte Stern?

Der größte bekannte, ja – aber unter Vorbehalt. Die Größe folgt aus der angenommenen Entfernung, und ob der Stern tatsächlich zum Sternhaufen Stephenson 2 gehört, ist umstritten. Stünde er näher, wäre er kleiner.

Wo steht Stephenson 2-18 am Himmel?

Im Sternbild Schild, einem kleinen Sternbild in der südlichen Sommermilchstraße zwischen Adler und Schütze. Von Mitteleuropa aus steht diese Region im Sommer tief im Süden.

Was passiert mit Stephenson 2-18?

Rote Überriesen dieser Masse enden als Supernova. Wann das geschieht, lässt sich nicht vorhersagen – astronomisch gesehen steht er am Ende seines Lebens, was Zehntausende bis Hunderttausende Jahre bedeuten kann.

Wie kann ein Stern größer als eine Planetenbahn sein?

Weil ein Roter Überriese fast leer ist. Am Ende seines Lebens bläht sich ein massereicher Stern gewaltig auf, während seine Masse größtenteils im Kern konzentriert bleibt. Die äußere Hülle ist extrem dünn – riesig, aber kaum vorhanden.

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