Sternbild Adler: Atair finden, Sterne & beste Beobachtungszeit

Von · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 29. September 2026

Der Adler (lateinisch Aquila) ist ein Sternbild des Sommerhimmels am Himmelsäquator, dessen hellster Stern Atair die südliche Ecke des Sommerdreiecks bildet. Er umfasst 652 Quadratgrad, liegt mitten im Band der Milchstraße und steht an Spätsommerabenden rund 50 Grad hoch im Süden.

⭐ Kurz gesagt: Der gesuchte Stern im Adler heißt ATAIR (5 Buchstaben), international auch Altair geschrieben (6 Buchstaben). Er ist 0,76 mag hell, 16,7 Lichtjahre entfernt und leicht zu finden: Du erkennst ihn an seinen zwei schwächeren Nachbarn Tarazed und Alshain, die ihn wie eine kurze Dreierkette einrahmen. Beste Zeit sind die Abende von Juli bis Oktober.
Aufsuchkarte Sternbild Adler: von Wega 34 Grad nach Süden zu Atair, mit Tarazed und Alshain, Blick nach Süden
Von Wega führt der Weg 34 Grad nach Süden zu Atair. Grafik: sterngucker.de, eigene Berechnung

Auf einen Blick

Lateinischer NameAquila (Rätsellösung: AQUILA, 6 Buchstaben)
Fläche652 Quadratgrad (Rang 22 von 88)
Hellster SternAtair (Altair), 0,76 mag, 16,7 Lichtjahre
Beste BeobachtungszeitJuli bis Oktober, abends; am höchsten um 22 Uhr Anfang September
Kulminationshöhe Atair45° in Hamburg, 49° in Frankfurt, 51° in Wien, 52° in Bern
NachbarnPfeil, Delfin, Herkules, Schlangenträger, Schlange, Schild, Schütze, Steinbock, Wassermann
Tierkreis-Sternbild?Nein, die Sonne zieht nie durch den Adler
Höhenangaben berechnet als 90° − geografische Breite + Deklination (Atair: +8,9°).

Das Sternbild Adler finden

Der sicherste Einstieg ist das Sommerdreieck. Suche zuerst Wega, den hellen Stern hoch über dir, und gehe von dort 34 Grad nach Süden, leicht nach links – das sind gut drei Faustbreiten bei ausgestrecktem Arm. Der hellste Stern, auf den du dort triffst, ist Atair.

Ob du richtig liegst, verrät dir sein unverwechselbares Muster. Atair steht in einer kurzen Kette zwischen Tarazed (2,1 Grad nordwestlich) und Alshain (2,7 Grad südöstlich). Kein anderer heller Stern am Sommerhimmel hat so eine enge Begleitung.

Gegenprobe: Deneb, die dritte Ecke des Sommerdreiecks, steht 38 Grad von Atair entfernt links oben, Wega nur 24 Grad von Deneb. Das Dreieck ist also lang und spitz, mit Atair als Spitze nach Süden.

Den Rest der Figur siehst du erst unter dunklerem Himmel. Vom Kopf mit Atair zieht sich der Körper nach rechts unten zum Stern Delta, von dort breiten sich die Flügel nach links unten (Eta, Theta) und nach rechts oben (Okab) aus. Der Schwanz mit Lambda zeigt nach Südwesten Richtung Schild.

Atair: der schnelle Stern im Sommerdreieck

Atair ist mit 0,76 mag der zwölfthellste Stern am Nachthimmel. Er gehört mit 16,7 Lichtjahren Entfernung zu unseren nahen Nachbarn – von den drei Sommerdreieck-Sternen ist er der nächste, Wega steht 25, Deneb weit über 1.000 Lichtjahre entfernt.

Das Besondere an ihm ist sein Tempo. Atair dreht sich in knapp acht Stunden einmal um die eigene Achse, die Sonne braucht dafür rund 25 Tage. Am Äquator rast seine Oberfläche mit etwa 240 Kilometern pro Sekunde dahin.

Diese Rotation verformt den Stern sichtbar. Sein Durchmesser am Äquator ist rund ein Viertel größer als von Pol zu Pol, und die Pole sind mit etwa 8.600 Kelvin deutlich heißer als der Äquator mit etwa 6.800 Kelvin.

Man weiß das nicht nur aus der Theorie. Atair war 2007 der erste Hauptreihenstern nach der Sonne, dessen Oberfläche direkt abgebildet wurde – also ein Stern, der wie die Sonne ruhig Wasserstoff verbrennt. Gelungen ist das mit dem CHARA-Interferometer, das mehrere Teleskope zu einem virtuellen Riesenteleskop zusammenschaltet.

Realistisch bleiben: Die abgeplattete Form siehst du in keinem Amateurteleskop. Auch bei hoher Vergrößerung bleibt Atair ein weißer Lichtpunkt – der Reiz liegt im Wissen, was du da anschaust.

Die Sterne des Adlers

SternHelligkeitEntfernungTyp
Atair (α Aql)0,76 mag16,7 Lichtjahreweißer Hauptreihenstern A7 V
Tarazed (γ Aql)2,72 magrund 400–580 Lichtjahreoranger Riese K3 II
Okab (ζ Aql)2,99 magrund 85 Lichtjahreweißer Stern A0 IV–V
θ Aql3,22 magrund 230 LichtjahreB9,5 III
δ Aql3,36 magrund 51 LichtjahreF1 IV–V
λ Aql3,43 magrund 127 LichtjahreB8,5 V
Alshain (β Aql)3,71 mag44 Lichtjahregelblicher Unterriese G8 IV
η Aql3,5–4,4 magrund 890 LichtjahreCepheide, gelber Überriese F6 Iab
Daten: SIMBAD. Die Entfernung von Tarazed ist unsicher, weil ältere und neuere Messungen deutlich voneinander abweichen.

Auch hier täuscht der Augenschein. Tarazed und Alshain sehen aus wie Atairs Begleiter, stehen aber in völlig verschiedenen Tiefen: Alshain ist 44 Lichtjahre entfernt, Tarazed rund zehnmal so weit oder mehr.

Wie hoch der Adler bei uns steht

Atair liegt knapp neun Grad nördlich des Himmelsäquators. Deshalb steigt er überall im deutschsprachigen Raum auf gut 45 bis 52 Grad Höhe – das ist bequem hoch, über dem Dunst der meisten Horizonte.

Kulminationshöhe von Atair in elf Städten und Höhe um 22 Uhr im Jahreslauf für Frankfurt
Links der höchste Stand je Stadt, rechts die Höhe um 22 Uhr übers Jahr. Grafik: sterngucker.de, eigene Berechnung
StadtAtairλ Aql (Schwanz)
Hamburg45°32°
Berlin46°33°
Hannover47°33°
Köln48°34°
Frankfurt49°35°
Stuttgart50°36°
Wien51°37°
München51°37°
Zürich52°38°
Graz52°38°
Bern52°38°
Höchster Stand im Süden, berechnet als 90° − Breite + Deklination.

Selbst der tiefste Teil der Figur macht kaum Probleme. Lambda am Schwanzende erreicht in Hamburg noch 32 Grad – zum Vergleich: Sirius im Großen Hund schafft dort nicht einmal 20.

Wann das Sternbild Adler zu sehen ist

Der Adler ist ein Sommer- und Herbststernbild. Von Anfang Juli bis Anfang November steht Atair um 22 Uhr mehr als 20 Grad hoch, am höchsten Anfang September mit 49 Grad in Frankfurt.

MonatHöhe um 22 UhrKulmination
Juni10°03:40 Uhr
Juli28°01:42 Uhr
August44°23:40 Uhr
September49°21:38 Uhr
Oktober40°19:40 Uhr
November13°16:38 Uhr
Dezember bis Maiunter dem Horizonttagsüber
Berechnet für Frankfurt am Main, jeweils am 15. des Monats (Sommerzeit bis Oktober). In Hamburg liegen die Höhen 3 bis 4 Grad niedriger, in Bern rund 3 Grad höher.

Im Winter bleibt der Adler unsichtbar, weil er dann in der Nähe der Sonne steht. Am nächsten kommt ihm die Sonne um den 22. Januar, bleibt dabei aber 29 Grad entfernt im Steinbock. Durch den Adler selbst zieht sie nie – er gehört deshalb nicht zu den Tierkreis-Sternbildern.

Wer wissen will, was heute Abend konkret am Himmel steht, schaut auf unsere Seite Heute am Himmel. Dort siehst du für deinen Standort, wann Atair aufgeht und wie hoch er gerade steht.

Besonderheiten: Dunkelwolken, ein pulsierender Stern und eine Nova

Der Adler liegt mitten in der Sommermilchstraße. Sein spannendstes Objekt ist deshalb kein Nebel, sondern ein Loch im Sternenteppich: Barnards E, zwei Dunkelwolken aus Staub, die zusammen wie ein großes E aussehen.

Du findest sie rund 1,4 Grad westlich von Tarazed. Sichtbar wird sie nur unter wirklich dunklem Himmel und mit einem lichtstarken Fernglas – in der Stadt suchst du vergeblich. Erwarte keinen Anblick wie auf Fotos: Am Okular wirkt die Wolke viel kontrastärmer.

Ein Projekt für das bloße Auge ist Eta Aquilae. Der Stern ist ein Cepheid und schwankt alle 7,2 Tage zwischen 3,5 und 4,4 mag – Cepheiden sind pulsierende Riesensterne, mit denen Astronomen Entfernungen messen. Vergleiche ihn über zwei Wochen mit Delta (3,36 mag) und Alshain (3,71 mag), dann siehst du die Schwankung selbst.

Im Juni 1918 leuchtete im Adler plötzlich ein neuer Stern auf. Die Nova Aquilae erreichte −0,5 mag und war damit heller als Atair; heute ist der Stern V603 Aquilae nur noch im Teleskop als schwaches Pünktchen zu finden.

Mit dem Fernglas lohnen noch zwei Sternhaufen. Der offene Haufen NGC 6709 (6,7 mag) steht knapp 5 Grad südwestlich von Okab, und 4 Grad südwestlich von Lambda wartet der Wildentenhaufen M 11 – er liegt allerdings schon im Nachbarsternbild Schild.

Häufiger Irrtum: Der berühmte Adlernebel M 16 mit den „Säulen der Schöpfung” liegt nicht im Sternbild Adler. Er gehört zur Schlange und steht rund 32 Grad von Atair entfernt – seinen Namen hat er von seiner Form, nicht vom Sternbild.

Der Adler in den Sagen

In der griechischen Mythologie ist der Adler das Tier des Zeus. Er trug dessen Blitze und entführte den schönen Hirtenjungen Ganymed auf den Olymp – Ganymed sieht man im benachbarten Wassermann. Eine andere Sage macht ihn zum Adler, der Prometheus zur Strafe die Leber fraß.

In Ostasien erzählt man eine Liebesgeschichte. Atair ist dort der Kuhhirte, Wega die Weberin, und die Milchstraße trennt die beiden; nur einmal im Jahr dürfen sie sich treffen, daran erinnern das japanische Tanabata und das chinesische Qixi-Fest.

Fernglas oder Teleskop

Im Adler gewinnt das Fernglas. Barnards E, die Sternfelder der Milchstraße und der Farbkontrast Tarazed–Atair brauchen ein weites Gesichtsfeld, keine hohe Vergrößerung. Ein Teleskop lohnt sich hier nur für kleine Ziele wie Planetarische Nebel oder die Auflösung von M 11.

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Häufige Fragen zum Sternbild Adler

Wie heißt der hellste Stern im Adler (5 Buchstaben)?

ATAIR – das ist die gesuchte Lösung mit 5 Buchstaben. Mit 6 Buchstaben passt die internationale Schreibweise ALTAIR. Weitere Sterne im Adler fürs Kreuzworträtsel sind TARAZED und ALSHAIN (je 7 Buchstaben) sowie OKAB (4 Buchstaben).

Ist Atair dasselbe wie Altair?

Ja. Beide Namen stammen vom arabischen at-tair, „der Fliegende”. Im Deutschen ist Atair verbreitet, im Englischen und bei der Internationalen Astronomischen Union Altair.

Zu welchem Sternbild gehört Atair?

Atair ist der Hauptstern im Sternbild Adler (Aquila). Zusammen mit Wega aus der Leier und Deneb aus dem Schwan bildet er außerdem das Sommerdreieck – das ist aber kein eigenes Sternbild, sondern eine auffällige Sternfigur über drei Sternbilder hinweg.

Wie weit ist Atair entfernt?

16,7 Lichtjahre. Unter den besonders hellen Sternen, die du von Mitteleuropa aus siehst, sind nur Sirius und Prokyon näher. Das Licht, das du heute siehst, ist also knapp 17 Jahre alt.

Wann sieht man das Sternbild Adler am besten?

Von Juli bis Oktober am Abend, am besten Anfang September gegen 22 Uhr. Dann steht Atair in Frankfurt 49 Grad hoch im Süden. Von Dezember bis Mai ist der Adler abends nicht zu sehen.

Liegt der Adlernebel im Sternbild Adler?

Nein. Der Adlernebel M 16 gehört zum Sternbild Schlange und steht rund 32 Grad von Atair entfernt. Der Name bezieht sich auf die Form der Gaswolke, die an einen Adler mit ausgebreiteten Flügeln erinnert.

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