Sternbild Fuhrmann: Capella finden, Sterne und Sternhaufen

Von · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 29. September 2026

Der Fuhrmann (lateinisch Auriga) ist ein Sternbild des Winterhimmels und beherbergt mit Capella den sechsthellsten Stern des Nachthimmels. Er umfasst 657 Quadratgrad, liegt über dem Orion und zieht im Januar fast senkrecht über Mitteleuropa hinweg.

⭐ Kurz gesagt: Du findest den Fuhrmann, indem du von Beteigeuze im Orion rund 40 Grad gerade nach oben gehst – dort leuchtet die gelbliche Capella. Beste Zeit sind die Abende von Dezember bis Februar. Das Besondere: Capella geht bei uns nie unter und steht im Januar um 22 Uhr in Frankfurt 86 Grad hoch, also fast im Zenit.
Aufsuchkarte: Von Beteigeuze im Orion 40 Grad nach oben zu Capella im Sternbild Fuhrmann, mit M 36, M 37 und M 38
Von Beteigeuze geradewegs nach oben zu Capella. Grafik: sterngucker.de, eigene Berechnung

Auf einen Blick

Lateinischer NameAuriga (Fuhrmann, Wagenlenker)
Fläche657 Quadratgrad (Rang 21 von 88)
Hellster SternCapella, 0,08 mag, knapp 43 Lichtjahre
Beste BeobachtungszeitAbende von Dezember bis Februar
Kulminationshöhe Capella86° in Frankfurt, 82° in Hamburg, 89° in Bern
ZirkumpolarCapella ja – in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz
NachbarnGiraffe, Perseus, Stier, Zwillinge, Luchs
Bekannteste Deep-Sky-ObjekteOffene Sternhaufen M 36, M 37 und M 38
Höhenangaben berechnet als 90° − geografische Breite + Deklination (Capella: +46,0°).

Das Sternbild Fuhrmann finden

Am Winterabend ist der Orion dein Wegweiser. Geh von der rötlichen Beteigeuze, seiner linken Schulter, rund 40 Grad gerade nach oben – das sind etwa vier Handbreiten bei ausgestrecktem Arm. Der hellste Stern, auf den du dort triffst, ist Capella.

Auf halbem Weg passierst du Elnath, 22 Grad über Beteigeuze. Elnath bildet die untere Spitze des Fünfecks, das Capella, Menkalinan, Mahasim und Hassaleh zusammen mit ihm formen. Wie ein schiefes Haus mit spitzem Dach steht die Figur über dem Orion.

Gegenprobe: 3 bis 5 Grad rechts unterhalb von Capella steht ein kleines, spitzes Sterndreieck – die „Böckchen“ ε, ζ und η Aurigae. Siehst du es, hast du Capella sicher erwischt.

Im Herbst klappt die Orion-Methode noch nicht. Dann taucht Capella abends tief im Nordosten auf und funkelt dort oft auffällig bunt – ein Effekt der dicken Luftschicht am Horizont. Welcher helle Stern gerade wo steht, klärt unsere Seite heller Stern am Himmel.

Die Sterne des Fuhrmanns

SternHelligkeitEntfernungTyp
Capella (α Aur)0,08 magknapp 43 Lichtjahrezwei gelbe Riesen G8 III + G0 III
Menkalinan (β Aur)1,90 magrund 81 LichtjahreBedeckungsveränderlicher, A-Typ
Mahasim (θ Aur)2,62 magrund 166 Lichtjahreweißer Stern A0p, Doppelstern
Hassaleh (ι Aur)2,69 magrund 450 Lichtjahreoranger Riese K3 II
Almaaz (ε Aur)2,99 magunsicher, 2.000–3.500 LichtjahreÜberriese F0, Bedeckungsveränderlicher
Haedus (η Aur)3,18 magrund 233 Lichtjahreblauer Hauptreihenstern B3 V
Saclateni (ζ Aur)3,75 magrund 860 LichtjahreK5 II + B7 V, Bedeckungsveränderlicher
Elnath (1,65 mag) fehlt bewusst: Er gehört seit der Grenzziehung der IAU zum Stier.

Auffällig viele dieser Sterne sind Bedeckungsveränderliche. Menkalinan, Almaaz und Saclateni sind Doppelsterne, deren Partner sich von uns aus gesehen gegenseitig verdecken – bei Menkalinan alle 3,96 Tage, allerdings kaum merklich.

Elnath war früher der Stern γ Aurigae. Heute zählt er offiziell zum Sternbild Stier, wo er die Spitze des nördlichen Horns markiert. Für die Figur des Fuhrmanns zeichnet man ihn trotzdem mit.

Capella: der Stern im Fuhrmann

Capella (auch Kapella geschrieben) heißt übersetzt „Zicklein“. Mit 0,08 mag ist sie der sechsthellste Stern am ganzen Himmel und nach Arktur und Wega der dritthellste des Nordhimmels. Ihr gelblicher Farbton erinnert an unsere Sonne.

Tatsächlich ist Capella kein Einzelstern. Es sind zwei gelbe Riesensterne mit je etwa zweieinhalb Sonnenmassen, die sich in nur 104 Tagen umkreisen. Sie haben rund den 12- und 9-fachen Sonnendurchmesser und leuchten jeder etwa 75-mal so hell wie die Sonne.

Trennen kannst du die beiden nicht. Ihr Abstand beträgt nur 0,74 Astronomische Einheiten – weniger als die Entfernung Sonne–Erde – und ist aus knapp 43 Lichtjahren nur mit Interferometern (zusammengeschalteten Großteleskopen) messbar. Dazu kommt in großem Abstand ein Paar lichtschwacher Roter Zwerge.

Häufiger Irrtum: Viele halten die bunt blinkende Capella im Herbst tief im Nordosten für einen Planeten, ein Flugzeug oder etwas Unerklärliches. Das Farbenspiel entsteht in unserer Atmosphäre. Steht Capella später in der Nacht höher, leuchtet sie ruhig und gelblich.

Warum Capella fast im Zenit steht

Capella hat eine Deklination von +46,0 Grad. Genau auf 46 Grad nördlicher Breite – etwa in Lugano – zieht sie senkrecht über den Kopf. In Bern erreicht sie 89 Grad, in Frankfurt 86 und in Hamburg 82 Grad.

Diagramm: höchster und tiefster Stand von Capella in elf Städten und ihre Höhe um 22 Uhr in Frankfurt im Jahreslauf
Links höchster und tiefster Stand je Stadt, rechts die Höhe um 22 Uhr über das Jahr. Grafik: sterngucker.de, eigene Berechnung

Die zweite Folge dieser hohen Deklination: Capella ist zirkumpolar, sie geht nördlich von 44 Grad Breite nie unter. An ihrem tiefsten Punkt im Norden steht sie in Hamburg noch 10 Grad hoch, in Frankfurt 6 und in Bern nur 3 Grad.

Für die Beobachtung heißt das: Im Winter hast du den Fuhrmann im besten Seeing direkt über dir, fernab vom Dunst am Horizont. Der Blick senkrecht nach oben ist allerdings unbequem – ein Liegestuhl hilft.

Wann der Fuhrmann zu sehen ist

Der Fuhrmann ist ein klassisches Wintersternbild. Von Anfang Dezember bis Anfang März steht Capella um 22 Uhr höher als 60 Grad, am höchsten Mitte Januar.

MonatHöhe um 22 UhrRichtungKulmination
September13°Nordosten07:04 Uhr
Oktober25°Nordosten05:06 Uhr
November50°Osten02:04 Uhr
Dezember69°Osten00:06 Uhr
Januar86°Süden, fast im Zenit22:02 Uhr
Februar70°Westen20:00 Uhr
März52°Westen18:10 Uhr
April bis Juni43° bis 14°Nordwestennachmittags
Juli und August7°Nordenvormittags
Berechnet für Frankfurt am Main, jeweils am 15. des Monats (MEZ bzw. MESZ).

Im Sommer bleibt vom Fuhrmann wenig übrig. Die Sonne zieht Mitte Juni nur gut 5 Grad an Elnath vorbei, der südliche Teil der Figur geht dann im Tageslicht unter. Capella selbst dümpelt in den kurzen Nächten tief über dem Nordhorizont.

Den Fuhrmann betritt die Sonne auf ihrer Jahresbahn nie. Er ist deshalb auch kein Tierkreis-Sternbild, anders als sein Nachbar, der Stier. Und falls du tagsüber doch einmal die Sonne beobachten willst: nur mit zertifiziertem Objektiv-Sonnenfilter.

M 36, M 37 und M 38: drei Sternhaufen in einer Reihe

Mitten im Fünfeck liegen drei offene Sternhaufen – lose Gruppen junger Sterne, die gemeinsam entstanden sind. M 38, M 36 und M 37 stehen fast auf einer Linie, zusammen knapp 6 Grad lang. Sie sind zwischen rund 3.700 und 4.900 Lichtjahre entfernt.

HaufenHelligkeitGrößeEntfernung
M 366,0 mag12 Bogenminutenrund 3.900 Lichtjahre
M 375,6 mag23 Bogenminutenrund 4.900 Lichtjahre
M 386,4 mag20 Bogenminutenrund 3.700 Lichtjahre
Entfernungen aus Gaia-Parallaxen (SIMBAD). Zum Vergleich: Der Vollmond misst rund 30 Bogenminuten.

Im Fernglas erscheinen sie als drei kleine Nebelflecken. Erst ein Teleskop löst sie in einzelne Sterne auf – M 37 ist dabei der reichste und schönste, mit einem dichten Kern aus Hunderten schwacher Sterne. M 36 wirkt dagegen locker und hell, M 38 zeigt eine auffällige Kreuzform.

So findest du sie: Starte bei Elnath und schwenke etwa 6 Grad nach oben, leicht in Richtung Mahasim – dort liegt M 36. M 38 folgt 2,3 Grad weiter rechts oberhalb, M 37 liegt 3,7 Grad links unterhalb – so wie auf der Aufsuchkarte oben.

Epsilon Aurigae: der Stern mit der 27-Jahre-Finsternis

Almaaz, nur 3,4 Grad neben Capella, ist einer der rätselhaftesten Sterne überhaupt. Alle 27,1 Jahre schiebt sich eine riesige, dunkle Staubscheibe vor den Überriesen und dimmt ihn fast zwei Jahre lang von 2,9 auf 3,8 mag.

Die letzte Bedeckung lief von 2009 bis 2011. Die nächste beginnt nach unserer Rechnung im Herbst 2036, ihre Mitte fällt auf 2037. Den Helligkeitsabfall erkennst du dann mit bloßem Auge, wenn du Almaaz mit den benachbarten Böckchen-Sternen vergleichst.

Mythologie: Wagenlenker und Ziege

Die Figur vereint zwei Sagen. Der Fuhrmann selbst gilt meist als Erichthonios, der als Erfinder des Viergespanns verehrt wurde; andere Überlieferungen sehen in ihm den Wagenlenker Myrtilos.

Auf seiner Schulter trägt er eine Ziege. Capella ist die Ziege Amalthea, die den jungen Zeus mit ihrer Milch aufzog, und die Böckchen daneben sind ihre Jungen. Daher kommen auch die Namen Capella („Zicklein“) und Haedus („Böckchen“).

Fernglas oder Teleskop

Für den Fuhrmann gewinnt das Teleskop. M 36, M 37 und M 38 sind klein genug, dass erst Öffnung und Vergrößerung ihre Sterne zeigen – Öffnung meint den Durchmesser der Hauptoptik, der über die Lichtsammelleistung entscheidet. Ein Celestron UpClose G2 10x50 Porro reicht, um die drei Flecken zu finden, mehr aber nicht.

Tipp für den Einstieg: Ein kleiner Tischdobson mit 130 mm Öffnung zeigt dir M 37 bereits als funkelndes Sternenfeld. Nimm das Okular mit der geringsten Vergrößerung – dann passen die lockeren Haufen ganz ins Bild.

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Wann sich mehr Öffnung lohnt

Mehr Öffnung zeigt vor allem mehr schwache Sterne. Gerade M 37 gewinnt mit jedem Millimeter, weil sein dichter Kern aus sehr lichtschwachen Mitgliedern besteht.

Wenn du mehr willst: der nächste Schritt
Der Skyliner 200/1200 Dobson sammelt mit 200 mm Öffnung gut doppelt so viel Licht wie ein 130er. Konkret heißt das hier: M 37 löst sich bis in den Kern in Einzelsterne auf, und auch schwächere Haufen im Fuhrmann wie NGC 1893 werden lohnend. Der Aufpreis lohnt sich, wenn dich Sternhaufen und Nebel dauerhaft reizen – für den ersten Blick auf die drei Messier-Haufen ist er nicht nötig.

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Häufige Fragen zum Sternbild Fuhrmann

Wie finde ich das Sternbild Fuhrmann?

Geh im Winter von Beteigeuze im Orion rund 40 Grad gerade nach oben – etwa vier Handbreiten. Dort steht die helle, gelbliche Capella. Das Fünfeck des Fuhrmanns schließt sich darunter mit Elnath an.

Was bedeutet Auriga?

Auriga ist der lateinische Name des Sternbilds und bedeutet Wagenlenker oder Fuhrmann. Im Kreuzworträtsel ist AURIGA mit 6 Buchstaben die übliche Lösung für „Sternbild Fuhrmann lateinisch“. Die Abkürzung der IAU lautet Aur.

Wie hell ist der Stern Capella und wie weit ist er entfernt?

Capella leuchtet mit 0,08 mag und ist damit der sechsthellste Stern am Nachthimmel. Sie ist knapp 43 Lichtjahre entfernt. Hinter dem Lichtpunkt stecken zwei gelbe Riesensterne, die sich in 104 Tagen umkreisen.

Ist der Fuhrmann das ganze Jahr zu sehen?

Capella geht in Deutschland, Österreich und der Schweiz nie unter, sie ist zirkumpolar. Im Sommer steht sie aber nur 3 bis 10 Grad über dem Nordhorizont und verschwindet in der hellen Dämmerung. Die ganze Figur siehst du gut von November bis März.

Welche Sternhaufen gibt es im Fuhrmann?

Die bekanntesten sind die offenen Sternhaufen M 36, M 37 und M 38, alle zwischen 5,6 und 6,4 mag hell. Im Fernglas sind sie kleine Flecken, im Teleskop lösen sie sich in Sterne auf. M 37 gilt als der schönste der drei.

Gehört Elnath zum Fuhrmann oder zum Stier?

Offiziell zum Stier, dort heißt er β Tauri. Früher wurde er auch als γ Aurigae geführt. In Sternkarten wird er trotzdem meist als Ecke des Fuhrmann-Fünfecks eingezeichnet.

Wann ist die nächste Verfinsterung von Epsilon Aurigae?

Die Periode beträgt 27,1 Jahre, die letzte Bedeckung lief von 2009 bis 2011. Die nächste beginnt nach unserer Rechnung im Herbst 2036 und dauert fast zwei Jahre. Du kannst sie mit bloßem Auge verfolgen.

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