Kleiner Wagen (Kleiner Bär): Sternbild finden, Sterne und Polarstern

Von · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026

⚡ Die Kurzfassung

Der Kleine Wagen ist der auffällige Teil des Sternbilds Kleiner Bär (lateinisch Ursa Minor, englisch Little Dipper). Er besteht aus sieben Sternen, und an der Spitze seiner Deichsel steht der Polarstern. Gefunden wird er über den Großen Wagen: Die hintere Kastenkante Merak → Dubhe rund fünffach verlängert trifft auf den Polarstern.

Die Figur ist deutlich unscheinbarer als der Große Wagen – sie misst nur 16,6° statt 25,7° und enthält außer Polaris (1,98 mag) und Kochab (2,08 mag) nur Sterne zwischen 3,0 und 5,0 mag. In der Stadt sieht man daher meist nur zwei ihrer sieben Sterne.

Von Deutschland, Österreich und der Schweiz aus ist der Kleine Bär zirkumpolar: Er geht nie unter und ist in jeder klaren Nacht des Jahres sichtbar – nur seine Ausrichtung ändert sich von Monat zu Monat.

Sternkarte: Die hintere Kastenkante des Großen Wagens von Merak über Dubhe fünffach verlängert trifft auf den Polarstern an der Deichselspitze des Kleinen Wagens.
Der klassische Weg zum Kleinen Wagen führt über den Großen Wagen. Grafik: sterngucker.de

Der Kleine Wagen ist ein Sonderfall unter den Sternbildern: Fast jeder kennt seinen Namen, aber die wenigsten haben ihn je vollständig gesehen. Das liegt nicht an mangelnder Aufmerksamkeit, sondern an harten Zahlen – fünf seiner sieben Sterne sind so lichtschwach, dass sie in jedem aufgehellten Himmel schlicht verschwinden. Wer ihn einmal komplett gesehen hat, weiß dafür sehr genau, wie gut sein Beobachtungsplatz ist.

Dieser Artikel liefert alles, was du für die Suche brauchst: die genaue Suchanleitung mit Winkelabständen, eine Höhentabelle für elf Städte im deutschsprachigen Raum, eine Monatstabelle für die wechselnde Ausrichtung, den Selbsttest für deine Himmelsqualität und die Antwort auf die Frage, warum der Polarstern gar nicht exakt im Norden steht.

Kleiner Wagen oder Kleiner Bär: warum das Sternbild zwei Namen hat

Streng genommen gibt es den Kleinen Wagen als Sternbild nicht. Die Internationale Astronomische Union kennt 88 Sternbilder, und eines davon heißt Ursa Minor, auf Deutsch Kleiner Bär. Der „Kleine Wagen“ ist ein Asterismus: eine bekannte Figur aus Sternen, die kein eigenständiges Sternbild bildet.

Der Unterschied ist hier allerdings kleiner als beim großen Vorbild. Beim Großen Wagen umfasst der Asterismus nur sieben der rund 20 sichtbaren Sterne des Großen Bären – der Rest bildet Kopf, Pfoten und Schnauze. Beim Kleinen Bären dagegen sind es dieselben sieben Sterne: Was den Wagen ausmacht, macht auch den Bären aus. Der Kleine Bär ist also im Wesentlichen der Kleine Wagen mit einem anderen Etikett.

Die Namen in anderen Sprachen

SpracheBezeichnung
DeutschKleiner Wagen / Kleiner Bär
Latein (IAU)Ursa Minor, Genitiv Ursae Minoris, Kürzel UMi
EnglischLittle Dipper (Asterismus) / Ursa Minor (Sternbild)
FranzösischPetite Ourse / Petit Chariot
ItalienischOrsa Minore / Piccolo Carro
SpanischOsa Menor
NiederländischKleine Beer

Auffällig: Im Englischen heißt die Figur Little Dipper, also „kleine Schöpfkelle“ – dieselbe Umdeutung wie beim Big Dipper. Die Kastenform wird dort als Kelle gelesen, die Deichsel als Stiel. Wer englischsprachige Sternkarten nutzt, sollte das im Kopf haben: Little Dipper und Kleiner Wagen meinen exakt dieselben sieben Sterne.

Kein Sternzeichen

Der Kleine Bär ist kein Tierkreiszeichen. Er liegt am Himmelsnordpol und damit rund 66° von der Ekliptik entfernt – der Bahn, auf der Sonne, Mond und Planeten laufen. Die Sonne kann ihn nie durchqueren. Wer nach einem „Sternzeichen Kleiner Bär“ sucht, verwechselt ihn mit einem der zwölf Tierkreissternbilder; den Unterschied erklären wir ausführlich unter Sternzeichen und Sternbilder.

Kleinen Wagen finden: die 5-fache Verlängerung vom Großen Wagen

Der Kleine Wagen wird praktisch nie direkt gefunden – dafür ist er zu blass. Der Standardweg führt über den Großen Wagen, der zu jeder Jahreszeit irgendwo im Norden steht und dank seiner sieben hellen Sterne auch aus der Innenstadt heraus sichtbar ist.

  1. Suche den Großen Wagen im Norden. Je nach Jahreszeit steht er hoch (Frühling), links oben (Sommer), tief (Herbst) oder rechts (Winter).
  2. Finde die hintere Kastenkante: die beiden Sterne, die am weitesten von der Deichsel entfernt sind. Das sind Merak (unten) und Dubhe (oben). Ihr Abstand beträgt 5,4° – etwa drei Fingerbreiten bei ausgestrecktem Arm.
  3. Verlängere die Linie von Merak über Dubhe hinaus, immer geradeaus, um das rund Fünffache dieses Abstands. Nach 28,7° stößt du auf einen mäßig hellen, einzeln stehenden Stern: den Polarstern.
  4. Der Polarstern ist das Ende der Deichsel des Kleinen Wagens. Von dort schwingt die Figur in einem flachen Bogen weg – erst drei schwache Sterne, dann der Kasten.
  5. Falls du den Kasten nicht siehst: Suche nach Kochab, dem zweithellsten Stern der Figur. Er steht 16,6° vom Polarstern entfernt und ist fast genauso hell wie dieser. Polaris und Kochab sind die beiden „Wächter des Pols“ – wenn du beide hast, hast du die Figur.

Die Handspanne als Winkelmesser

Bei ausgestrecktem Arm entspricht die Fingerbreite etwa 1,5°, die Faustbreite rund 10° und die gespreizte Hand (Daumen bis kleiner Finger) etwa 20°. Merak → Dubhe sind also gut drei Fingerbreiten, die Strecke Dubhe → Polarstern knapp drei Faustbreiten. Das funktioniert bei allen Menschen ähnlich gut, weil größere Hände zu längeren Armen gehören.

Der Weg ohne den Großen Wagen: Suchen über Cassiopeia

Wenn Bäume oder Häuser den Großen Wagen verdecken – im Herbst steht er sehr tief –, hilft das W des Sternbilds Cassiopeia auf der anderen Seite des Pols. Polaris liegt ziemlich genau zwischen beiden: Der Polarstern, der Große Wagen und Cassiopeia stehen sich immer gegenüber. Verlängere die Mittelachse des W – die Spitze des mittleren Zackens zeigt grob in Richtung Polarstern, rund 30° entfernt. Die Methode ist ungenauer als der Wagen-Zeiger, reicht aber, um in die richtige Himmelsgegend zu kommen.

Großer und Kleiner Wagen: der Unterschied in Zahlen

Beide Figuren haben sieben Sterne, beide bestehen aus Kasten und Deichsel – trotzdem sind sie am Himmel kaum zu verwechseln, sobald man einmal beide gesehen hat. Der Kleine Wagen ist kleiner, blasser und seine Deichsel biegt sich in die andere Richtung.

MerkmalGroßer WagenKleiner Wagen
Länge der Figur25,7° (Dubhe → Alkaid)16,6° (Polaris → Kochab)
Größenverhältnis100 %rund 65 %
Hellster SternAlioth, 1,77 magPolaris, 1,98 mag
Sterne heller als 3 mag7 von 72 von 7
Schwächster Stern der FigurMegrez, 3,31 magη UMi, 4,95 mag
Krümmung der Deichselnach außen, vom Kasten wegnach innen, zum Kasten hin
Sichtbarkeit in der Großstadtkomplettnur 2 Sterne
Fläche des Sternbilds1280 Quadratgrad (Rang 3)256 Quadratgrad (Rang 56)
Zirkumpolar in Mitteleuropaja (knapp)ja (vollständig)

Die praktisch wichtigste Zeile ist die vierte: Beim Großen Wagen sind alle sieben Sterne heller als 3 mag, beim Kleinen nur zwei. Deshalb wirkt der Große Wagen an fast jedem Himmel geschlossen, während vom Kleinen Wagen unter Stadtbedingungen bloß zwei einzelne Punkte übrigbleiben, zwischen denen buchstäblich nichts zu sehen ist. Das ist der Hauptgrund, warum so viele Menschen glauben, sie hätten den Kleinen Wagen noch nie gefunden – sie haben ihn gefunden, aber er war unvollständig.

Die Krümmung als Unterscheidungsmerkmal

Wenn du eine Figur siehst und nicht sicher bist, welche der beiden es ist: Achte auf die Deichsel. Beim Großen Wagen biegt sie sich vom Kasten weg nach außen – der letzte Stern Alkaid liegt außerhalb der Verlängerungslinie. Beim Kleinen Wagen ist es umgekehrt: Die Deichsel schwingt zum Kasten hin. Die beiden Figuren sind also nicht einfach eine große und eine kleine Version voneinander, sondern spiegelbildlich gebogen.

Die sieben Sterne im Detail: Helligkeit, Farbe und Entfernung

Die sieben Sterne der Figur sind ein erstaunlich gemischtes Feld: ein pulsierender Überriese, zwei orange Riesen, ein weißblauer Riese und drei unauffällige Hauptreihensterne. Ihre Entfernungen reichen von 97 bis fast 500 Lichtjahren – die Figur ist eine reine Perspektivtäuschung, physisch gehören diese Sterne nicht zusammen.

SternEigennameHelligkeit (mag)SpektraltypEntfernung (Lj)Rolle in der Figur
Polaris (α UMi)Polarstern, Nordstern1,98F7 Ib, gelber Überriese~446Deichselspitze; Cepheid, 3,97 d Periode
Kochab (β UMi)Kochab2,08K4 III, oranger Riese~131hinterer Kastenstern, „Wächter des Pols“
Pherkad (γ UMi)Pherkad3,05A3 II–III, weißer Riese~487zweiter Wächter, veränderlich
ε UMiUrodelus4,21G5 III, gelber Riese~350Bedeckungsveränderlicher, 39,5 d
ζ UMiAkhfa al Farkadain4,29A3 Vn~369Übergang Deichsel/Kasten
δ UMiYildun4,36A1 V, weiß~172zweiter Stern nach Polaris
η UMiAnwar al Farkadain4,95F5 V~97schwächster Stern der Figur

Hinweis zu den Eigennamen: Offiziell von der IAU bestätigt sind nur Polaris, Kochab, Pherkad und Yildun. „Urodelus“, „Akhfa al Farkadain“ und „Anwar al Farkadain“ sind überlieferte, meist arabischstämmige Bezeichnungen, die in Sternkatalogen unterschiedlich zugeordnet werden – auf Karten stehen diese drei Sterne deshalb fast immer nur unter ihren griechischen Buchstaben.

Bemerkenswert ist der Kontrast zwischen η UMi und Pherkad: η UMi ist mit 97 Lichtjahren der mit Abstand nächste Stern der Figur und trotzdem der schwächste – ein ganz normaler Stern, kaum größer als die Sonne. Pherkad steht fünfmal weiter weg und erscheint fast zwei Größenklassen heller, weil er ein Riese mit über 1000-facher Sonnenleuchtkraft ist.

Polaris: der bekannteste veränderliche Stern des Himmels

Der Polarstern ist ein Dreifachsystem. Die Hauptkomponente Polaris Aa ist ein gelber Überriese mit rund fünf Sonnenmassen und dem 46-fachen Sonnendurchmesser. Er ist ein Cepheid – ein pulsierender Stern, der seine Größe und Helligkeit rhythmisch ändert, mit einer Periode von knapp vier Tagen.

Diese Pulsation ist die vielleicht ungewöhnlichste Eigenschaft des Polarsterns: Ihre Amplitude verschwindet. Vor 1963 schwankte die Helligkeit um mehr als 0,1 mag, nach 1966 fiel die Schwankung rapide auf unter 0,05 mag – der Stern hörte fast auf zu pulsieren. Seit den 2000er-Jahren nimmt die Amplitude wieder leicht zu. Warum, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Nebenbei wird die Periode jedes Jahr um rund 4,5 Sekunden länger.

KomponenteTypHelligkeitBesonderheit
Polaris AaF7 Ib, gelber Überriese≈ 1,98 mag5,1 Sonnenmassen, 46 Sonnenradien
Polaris AbF6 V, Hauptreihenstern≈ 9 magUmlauf in 29,3 Jahren, im Minimum nur 6,2 AE Abstand
Polaris BF3 V, Hauptreihenstern8,7 mag18,2″ Abstand – im Teleskop ab 6 cm trennbar

Polaris B ist ein lohnendes Beobachtungsziel: Mit 18,2 Bogensekunden Abstand ist er weit genug getrennt, um schon in einem kleinen Teleskop bei 60- bis 100-facher Vergrößerung als winziger Begleiter aufzutauchen. Der Helligkeitsunterschied von fast sieben Größenklassen macht die Sache trotzdem anspruchsvoll – ein sauberes, gut ausgekühltes Instrument und ruhige Luft sind Pflicht. Mehr zum Stern selbst steht in unserem Porträt Polarstern finden.

Der Polarstern steht nicht exakt im Norden: 37 Bogenminuten daneben

Der Polarstern gilt als der Fixpunkt am Himmel – und das ist er auch, aber nicht perfekt. Aktuell steht er 37,4 Bogenminuten vom exakten Himmelsnordpol entfernt, also gut ein halbes Grad. Das ist ungefähr 1,25 Vollmonddurchmesser.

Praktisch bedeutet das: Auch Polaris steht nicht still, sondern beschreibt im Lauf von 24 Stunden einen kleinen Kreis um den echten Pol. Der Durchmesser dieses Kreises beträgt rund 1,25°. Wenn du eine Kamera eine Stunde lang auf den Pol richtest, zieht Polaris einen kurzen Bogen – er ist nur fast der ruhende Pol.

Zwei Zahlen, die man auseinanderhalten sollte

Höhe über dem Horizont = geografische Breite. In München (48,1° N) steht der Polarstern 48° hoch, in Hamburg (53,6° N) knapp 54°. Diese Faustregel ist auf etwa ein halbes Grad genau – exakt deshalb nicht, weil Polaris eben 37 Bogenminuten neben dem Pol steht und im Tagesverlauf mal etwas höher, mal etwas tiefer erscheint.

Azimut = fast genau Nord. Die Abweichung von der Nordrichtung schwankt je nach Tageszeit zwischen 0° und höchstens etwa 0,9° – für die Orientierung im Gelände völlig belanglos, für die exakte Ausrichtung einer Montierung dagegen entscheidend.

Der Abstand zum Pol schrumpft übrigens noch: Polaris nähert sich dem Himmelsnordpol weiter an und erreicht seinen kleinsten Abstand um das Jahr 2102 mit rund 27 Bogenminuten. Danach entfernt er sich wieder – langsam zuerst, dann immer schneller.

Wie hoch steht der Kleine Wagen: Höhentabelle für elf Städte

Weil der Kleine Bär den Himmelsnordpol umschließt, ist er von ganz Mitteleuropa aus zirkumpolar: Er geht nie unter, in keiner Nacht des Jahres. Seine Höhe über dem Horizont hängt allein von der geografischen Breite ab – und für Kochab, den hellsten Kastenstern, schwankt sie im Tagesverlauf beträchtlich.

StadtBreiteHöhe PolarsternKochab höchster StandKochab tiefster Stand
Hamburg53,6° N53,6°110,5° (überm Zenit hinaus)37,6°
Berlin52,5° N52,5°111,5°36,6°
Dresden51,1° N51,1°113,0°35,1°
Köln50,9° N50,9°113,1°35,0°
Frankfurt am Main50,1° N50,1°113,9°34,2°
Stuttgart48,8° N48,8°115,3°32,8°
Wien48,2° N48,2°115,8°32,3°
München48,1° N48,1°115,9°32,2°
Zürich47,4° N47,4°116,7°31,4°
Graz47,1° N47,1°117,0°31,1°
Bern46,9° N46,9°117,1°31,0°

Die Werte über 90° in der vierten Spalte sind kein Fehler: Kochab zieht bei seiner oberen Kulmination über den Zenit hinweg auf die Südseite des Himmels. In Hamburg erreicht er dabei 110,5°, was einer tatsächlichen Höhe von 69,5° im Süden entspricht. Wer dann Richtung Norden schaut, findet ihn nicht – er steht bereits hinter einem.

Die letzte Spalte ist die wichtigere: Bei der unteren Kulmination sinkt Kochab in Bern auf 31°, in Hamburg immerhin noch auf 37,6°. Damit bleibt der Kleine Wagen selbst im ungünstigsten Fall deutlich über einer typischen Horizontverbauung – anders als der Große Wagen, der im Herbst in Süddeutschland fast den Horizont berührt.

Die Deichsel dreht sich ums Jahr: Orientierung Monat für Monat

Zirkumpolare Sternbilder gehen nicht auf und unter – sie drehen sich. Der Kleine Wagen macht in einem Jahr eine vollständige Runde um den Polarstern, wenn man ihn immer zur gleichen Uhrzeit anschaut. Die folgende Tabelle sagt dir für den 15. jedes Monats um 22 Uhr Ortszeit, wo der Kasten des Kleinen Wagens relativ zum Polarstern steht. Blickrichtung: Norden.

Monat (15., 22 Uhr)Kasten steht … vom PolarsternHinweis
Januarunten rechtsKasten nahe der tiefsten Stellung
FebruarrechtsFigur liegt waagerecht, Deichsel nach links
MärzrechtsKasten steigt langsam auf der Ostseite
AprilrechtsGroßer Wagen steht gleichzeitig hoch im Zenitbereich
Maioben rechtsgute Zeit für den Vollständigkeits-Test
Junisenkrecht oberhalbFigur steht aufrecht – der klassische „Kleine Wagen“
Julisenkrecht oberhalbbeste Ausrichtung des Jahres, aber kurze Nächte
Augustoben linksKasten kippt nach Westen
SeptemberlinksFigur wieder waagerecht, Deichsel nach rechts
OktoberlinksGroßer Wagen steht jetzt tief im Norden
Novemberunten linksKasten sinkt zur unteren Kulmination
Dezembersenkrecht unterhalbFigur steht auf dem Kopf, Kasten am tiefsten

Wichtig für die Suche: Die berühmte Wagenform mit dem Kasten über der Deichsel ergibt sich nur im Frühsommer. Im Dezember steht dieselbe Figur auf dem Kopf, im Februar liegt sie auf der Seite. Wer den Kleinen Wagen sucht und dabei starr nach einem aufrechten Wagen Ausschau hält, findet ihn in drei von vier Jahreszeiten nicht.

Für andere Uhrzeiten gilt eine einfache Regel: Zwei Stunden später entsprechen etwa einem Monat weiter im Jahr. Wer im Oktober um Mitternacht schaut, sieht die November-Stellung. Eine drehbare Sternkarte setzt genau diese Umrechnung mechanisch um.

💡 Praxis-Tipp: Genau dafür gebaut ist die Oculum Drehbare Himmelskarte 29 cm (19,90 €): Datum und Uhrzeit einstellen, und die Karte zeigt die aktuelle Deichselstellung – mehr brauchst du für den Kleinen Wagen nicht.

Nicht immer war Polaris der Polarstern: Thuban, Kochab und Wega

Die Erdachse steht nicht fest im Raum. Sie beschreibt – angetrieben von der Anziehung von Sonne und Mond auf den Äquatorwulst der Erde – einen langsamen Kegel, wie eine auslaufende Kreiselbewegung. Eine volle Runde dauert rund 25.772 Jahre. Diese Präzession lässt den Himmelsnordpol einen Kreis mit 23,44° Radius am Himmel ziehen, und wer gerade in der Nähe dieses Kreises steht, ist Polarstern.

Diagramm des Präzessionskreises: Der Himmelsnordpol wandert in 25.772 Jahren um den Ekliptikpol und passiert dabei Thuban, Kochab, Polaris, Errai, Alderamin, Deneb und Wega.
Der Himmelsnordpol läuft in rund 25.772 Jahren einmal um den Ekliptikpol – Polaris ist nur der aktuelle Amtsinhaber. Eigene Berechnung, Grafik: sterngucker.de
EpochePolarsternHelligkeit (mag)Anmerkung
ca. 2800 v. Chr.Thuban (α Draconis)3,65Polarstern der Pyramidenbauer; kam dem Pol bis auf 6′ nahe
ca. 1000 v. Chr.Kochab (β UMi)2,08der bessere der beiden „Wächter“ – Pol lag zwischen Kochab und Pherkad
heute (2026)Polaris (α UMi)1,98der hellste Polarstern des ganzen Zyklus, 37,4′ vom Pol
um 2102Polaris1,98kleinster Abstand: rund 27′
ca. 3000 n. Chr.Errai (γ Cephei)3,21nächster Amtsinhaber, kommt bis auf etwa 3° heran
ca. 7500 n. Chr.Alderamin (α Cephei)2,45heller Polarstern, aber knapp 3° Abstand
ca. 10.000 n. Chr.Deneb (α Cygni)1,25der hellste Stern, der je in Polnähe kommt – aber nur auf 7°
ca. 13.700 n. Chr.Wega (α Lyrae)0,03kommt dem Pol auf rund 4° nahe
ca. 27.800 n. Chr.Polaris1,98der Zyklus schließt sich

Zwei Dinge fallen an dieser Tabelle auf. Erstens: Wir leben in einer ausgesprochen guten Epoche. Polaris ist zugleich hell und extrem nah am Pol – diese Kombination gibt es im ganzen Zyklus nur einmal. Für die nächsten Jahrtausende wird die Navigation nach dem Nordstern deutlich schlechter funktionieren.

Zweitens: Ausgerechnet Kochab, der zweite Stern unserer Figur, war vor rund 3000 Jahren selbst der Polarstern. Der Kleine Bär hat den Nordpol also gleich zweimal beherbergt. Sein griechischer Name Kynosura („Hundeschwanz“) und der Beiname von Wega als künftigem Polarstern gehören in dieselbe lange Geschichte.

Warum es Ägypten belegt

Die Präzession ist kein Modell allein aus der Theorie. Die Schächte der Cheops-Pyramide sind auf Sternpositionen um 2500 v. Chr. ausgerichtet – der nördliche Schacht der Königinnenkammer zielt auf die damalige Position von Kochab, der der Königskammer auf Thuban. Rechnet man die Präzession zurück, passen die Winkel. Mit den heutigen Sternpositionen passen sie nicht.

Selbsttest mit sieben Sternen: wie dunkel ist dein Himmel

Der Kleine Wagen hat eine Eigenschaft, die ihn für Beobachter wertvoll macht: Seine sieben Sterne verteilen sich sehr gleichmäßig über den Helligkeitsbereich von 2,0 bis 5,0 mag – und sie stehen alle dicht beieinander, hoch am Himmel, das ganze Jahr über. Damit ist er ein perfekter, immer verfügbarer Maßstab für die Grenzgröße deines Beobachtungsplatzes.

Diagramm: Die sieben Sterne des Kleinen Wagens nach Helligkeit sortiert, hinterlegt mit den Bortle-Stufen von Großstadt bis Landhimmel.
Zähle, wie viele der sieben Sterne du freiäugig siehst – das Ergebnis verrät die Qualität deines Himmels. Grafik: sterngucker.de
Sichtbare SterneGrenzgrößeBortle-StufeTypischer Standort
2 (Polaris, Kochab)ab 2,1 mag8–9Großstadt-Innenbereich
3 (+ Pherkad)ab 3,1 mag7Stadtrand, helle Vorstadt
5 (+ ε und ζ UMi)ab 4,3 mag5–6Vorstadt bis Übergangszone
6 (+ Yildun)ab 4,4 mag4ländlich, aber mit Lichtglocken
7 (alle, inkl. η UMi)ab 5,0 mag1–3echter Landhimmel

So funktioniert der Test: Suche eine Nacht ohne Mond, halte dich mindestens 20 Minuten von jeder Lichtquelle fern, damit sich die Augen anpassen, und zähle dann in Ruhe. Wichtig ist die Reihenfolge: Nach Polaris und Kochab ist Pherkad der nächste, dann folgen ε und ζ UMi fast gleichauf, dann Yildun, zuletzt η UMi. Wer η UMi sicher sieht, hat einen Himmel, den in Deutschland nur noch wenige Regionen bieten.

Ein häufiger Fehler: direkt hinschauen. Sterne nahe der Wahrnehmungsgrenze erfasst man besser mit indirektem Sehen – also knapp daneben blicken, weil die lichtempfindlicheren Stäbchen außerhalb der Netzhautmitte sitzen. Damit gewinnt man oft eine halbe Größenklasse. Woher die Aufhellung kommt und was dagegen hilft, erklärt unser Artikel zur Lichtverschmutzung.

Deep-Sky im Kleinen Bären: Zwerggalaxie und ferne Spiralen

Der Kleine Bär ist kein Deep-Sky-Revier. Er liegt weit außerhalb der Milchstraßenebene, es gibt hier also keine Gasnebel und keine offenen Sternhaufen – und weil der Blick fast senkrecht aus unserer Galaxis herausführt, sieht man vor allem sehr weit entfernte Galaxien. Drei Objekte lohnen den Aufwand trotzdem.

NGC 6217: die Balkenspiralgalaxie mit Hubble-Geschichte

NGC 6217 ist mit rund 11 mag das hellste Deep-Sky-Objekt des Sternbilds. Sie steht 2,5° östlich von Zeta Ursae Minoris, misst etwa 3′ × 2,5′ und ist rund 67 Millionen Lichtjahre entfernt. Im Teleskop ab etwa 20 cm Öffnung zeigt sie sich als ovales Fleckchen mit hellerem Zentrum; die Balkenstruktur und die Spiralarme werden erst auf Fotos sichtbar.

Ihre Berühmtheit verdankt sie einem Zufall: NGC 6217 war 2009 das erste Objekt, das die frisch reparierte Advanced Camera for Surveys des Hubble-Weltraumteleskops nach der letzten Servicemission ablichtete – gewählt unter anderem deshalb, weil sie als zirkumpolares Ziel jederzeit erreichbar war.

Die Ursa-Minor-Zwerggalaxie: der unsichtbare Nachbar

Die Ursa-Minor-Zwerggalaxie ist eine Begleitgalaxie unserer Milchstraße in rund 225.000 Lichtjahren Entfernung, 1955 auf Fotoplatten des Palomar-Surveys entdeckt. Sie ist ein sphäroidischer Zwerg aus überwiegend sehr alten Sternen und gehört zu den dunkelsten bekannten Galaxien überhaupt.

Für die visuelle Beobachtung ist sie ungeeignet – das muss man klar sagen. Ihre Gesamthelligkeit von etwa 11,9 mag verteilt sich auf über ein halbes Grad Himmelsfläche, die Flächenhelligkeit liegt damit weit unterhalb jeder Himmelsaufhellung. Auch in großen Amateurteleskopen bleibt sie unsichtbar. Wer sie „gesehen“ haben will, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas anderes gesehen.

NGC 6251: ein aktiver Galaxienkern für Fortgeschrittene

NGC 6251 ist eine elliptische Riesengalaxie mit rund 12,5 mag in etwa 340 Millionen Lichtjahren Entfernung. Interessant ist sie weniger im Okular als in der Radioastronomie: Ihr supermassereiches Schwarzes Loch treibt einen Materiestrahl von mehreren hunderttausend Lichtjahren Länge an. Visuell bleibt davon ein kleiner, runder Lichtfleck – ein Objekt für 25 cm Öffnung aufwärts und einen dunklen Himmel. Weitere lohnende Ziele findest du in unserer Deep-Sky-Übersicht.

Ursiden im Dezember: der übersehene Sternschnuppenstrom

Der Kleine Bär hat einen eigenen Meteorstrom, und kaum jemand kennt ihn: die Ursiden. Sie sind aktiv vom 17. bis 26. Dezember mit einem Maximum um den 22. Dezember – ausgerechnet in der längsten Nacht des Jahres und unmittelbar vor Weihnachten, weshalb sie im Trubel regelmäßig untergehen.

MerkmalWert
Aktivitätszeitraum17. bis 26. Dezember
Maximumum den 22. Dezember
Zenitrate (ZHR)normal 5–10, in Ausbruchsjahren bis über 100
Radiantnahe Kochab, im Kasten des Kleinen Wagens
Geschwindigkeitrund 33 km/s – eher langsam
UrsprungskörperKomet 8P/Tuttle
Beste Beobachtungszeitdie letzten Stunden vor der Morgendämmerung

Der große Vorteil der Ursiden: Ihr Radiant ist zirkumpolar. Er geht nie unter, du kannst also die ganze Nacht beobachten. Am höchsten steht er in den Stunden vor Sonnenaufgang – dann ist auch die Rate am besten, weil die Erdvorderseite dem Meteorstrom entgegenläuft.

Ursiden 2026: leider ein schlechtes Jahr

Das Maximum am 22. Dezember 2026 fällt nur zwei Tage vor den Vollmond am 24. Dezember. Der Mond steht dann zu über 90 % beleuchtet fast die ganze Nacht am Himmel und überstrahlt die ohnehin schwachen Ursiden nahezu vollständig. Realistisch bleiben nur die hellsten Meteore. Wer es trotzdem versuchen will, sollte den Mond hinter ein Gebäude nehmen und in die entgegengesetzte Himmelsrichtung schauen. Alle Termine des Jahres findest du im Sternschnuppen-Kalender.

Mythologie und Namen: von Kynosura bis zum Nordstern

Der Kleine Bär ist eines der wenigen Sternbilder, deren Einführung sich einer Person zuordnen lässt: Die Antike schrieb sie Thales von Milet zu, im 6. Jahrhundert v. Chr. Vermutlich übernahm er die Figur von phönizischen Seefahrern, die schon länger nach ihr navigierten – die Griechen nannten das Sternbild deshalb zeitweise Phoinike, „die Phönizische“.

Der ältere griechische Name lautet Kynosura, „Hundeschwanz“. Woher der kommt, ist unklar; möglicherweise war die Figur ursprünglich ein Hund und wurde erst später zum Bären umgedeutet, um sie an den benachbarten Großen Bären anzupassen. Der lange Schwanz, den beide Himmelsbären tragen und den kein echter Bär hat, blieb als Erbe der Deichsel erhalten.

In der bekanntesten Sagenversion ist der Kleine Bär Arkas, der Sohn der Nymphe Kallisto und des Zeus. Kallisto wurde von der eifersüchtigen Hera in eine Bärin verwandelt; als Arkas Jahre später auf der Jagd beinahe seine eigene Mutter erlegte, versetzte Zeus beide an den Himmel. Hera setzte durch, dass die beiden nie im Meer baden dürfen – der mythologische Grund dafür, dass die Bären in Griechenland nie untergehen.

Die Namen der einzelnen Sterne

NameHerkunftBedeutung
Polarislateinisch stella polaris„Polstern“ – erst seit der Neuzeit gebräuchlich
Kochabarabisch al-kaukab„der Stern“ – Kurzform von „Stern des Nordens“
Pherkadarabisch farqad„das Kalb“; Kochab und Pherkad heißen zusammen farqadain
Yilduntürkisch yıldız„Stern“ – ein moderner Name aus dem 19. Jahrhundert
Kynosuragriechisch kynos oura„Hundeschwanz“ – alter Name der ganzen Figur

Der Doppelname farqadain für Kochab und Pherkad ist bis heute in Gebrauch: Die beiden Sterne werden im Deutschen oft als „die Wächter des Pols“ bezeichnet, weil sie in der Antike wie Wachposten um den Pol kreisten – zu einer Zeit, als Polaris selbst noch mehrere Grad danebenstand.

Ausrüstung für den Kleinen Bären: vom Auge bis zum Teleskop

Für die Figur selbst brauchst du gar nichts – nur einen dunklen Himmel und 20 Minuten Dunkeladaption. Interessant wird Ausrüstung, sobald du über das Abzählen der sieben Sterne hinauswillst: Polaris B trennen, NGC 6217 sichten oder die Farbunterschiede zwischen Kochab (orange) und Yildun (weiß) wahrnehmen.

Fernglas: der schnellste Zugewinn

Ein 10×50-Fernglas macht aus zwei sichtbaren Sternen sofort sieben, selbst mitten in der Stadt. Es zeigt außerdem den Farbkontrast der Riesensterne deutlich und macht das Engagement Ring genannte Sternenkränzchen rund um Polaris sichtbar – ein hübscher Kreis schwacher Sterne mit Polaris als „Diamant“. Welche Bauform zu dir passt, klärt unser Fernglas-Ratgeber; die Grundsatzfrage behandelt Teleskop oder Fernglas.

Teleskop: für Polaris B und die Galaxien

Polaris B bei 18,2″ ist bereits mit 6 cm Öffnung trennbar, komfortabel wird es ab etwa 10 cm. Ein kompaktes Dobson-Teleskop ist dafür das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, weil hier praktisch das ganze Budget in die Öffnung fließt statt in eine Montierung:

Kompakter Einstieg für Polaris B und die helleren Ziele

Unsere Einsteiger-Empfehlung: Skywatcher Heritage 130/650 FlexTube

Skywatcher Heritage 130/650 FlexTube

Kompakter Tisch-Dobson mit echtem Parabolspiegel. Faltbar, passt in den Rucksack: Mond, Planeten und die hellen Deep-Sky-Klassiker.

Preis: 265 €

Auf Lager · versandfertig in 3-7 Tagen

Verfügbarkeit prüfen* →

Für NGC 6217 reicht das allerdings nicht. Eine 11-mag-Galaxie mit niedriger Flächenhelligkeit braucht Licht, und zwar deutlich mehr: Ab rund 20 cm Öffnung wird sie unter einem halbwegs dunklen Himmel zu einem sicheren Objekt statt zu einem Ratespiel. Wer weiß, dass Galaxien sein Thema werden, sollte diesen Schritt gleich gehen – der Sprung von 13 auf 20 cm sammelt gut zweieinhalbmal so viel Licht und ist der der einzige Weg, der bei Deep-Sky wirklich etwas ändert:

Die ehrliche Empfehlung für Galaxien wie NGC 6217

Für Deep-Sky die bessere Wahl: Skywatcher Dobson N 200/1200 Skyliner Classic

Skywatcher Dobson N 200/1200 Skyliner Classic

200 mm Öffnung — das Maximum an Himmel fürs Budget. Auf den Boden stellen, von Hand zeigen: Nebel, Sternhaufen und Galaxien über Jahre.

Preis: 479 €

Auf Lager · versandfertig in 3-7 Tagen

Verfügbarkeit prüfen* →

Was du nicht brauchst: eine GoTo-Montierung. Der Kleine Wagen ist das Sternbild, an dem man das Suchen lernt – und die manuelle Ausrichtung nach dem Polarstern ist ohnehin der erste Schritt jeder Montierung. Mehr Grundlagen dazu in unserem Ratgeber Himmelsbeobachtung für Anfänger und in der Übersicht Teleskop für Galaxien.

* Affiliate-Link: Wenn du über diesen Link bestellst, erhalten wir eine kleine Provision von Astroshop. Der Preis ändert sich für dich nicht.

Häufige Fragen zum Kleinen Wagen

Wie viele Sterne hat der Kleine Wagen?

Die Figur besteht aus sieben Sternen – genau wie der Große Wagen: vier bilden den Kasten (Kochab, Pherkad, η und ζ UMi), drei die Deichsel (ε UMi, Yildun und Polaris). Das gesamte Sternbild Kleiner Bär enthält bei sehr dunklem Himmel rund 20 mit bloßem Auge sichtbare Sterne, aber nur diese sieben gehören zur bekannten Figur.

Wie heißt der Kleine Wagen auf Englisch?

Little Dipper, wörtlich „kleine Schöpfkelle“. Das offizielle Sternbild heißt im Englischen wie im Lateinischen Ursa Minor. Der Große Wagen heißt entsprechend Big Dipper, das Sternbild Ursa Major.

Wann kann man den Kleinen Wagen sehen?

Von Mitteleuropa aus in jeder klaren Nacht des Jahres – er ist zirkumpolar und geht nie unter. Nur seine Ausrichtung ändert sich: Im Juni und Juli steht er abends aufrecht über dem Polarstern, im Dezember um dieselbe Uhrzeit kopfüber darunter. Die beste Kombination aus günstiger Stellung und langer Dunkelheit bieten die Monate September bis November.

Was ist der Unterschied zwischen Großem und Kleinem Wagen?

Der Kleine Wagen ist mit 16,6° Länge nur rund 65 % so groß wie der Große Wagen (25,7°) und wesentlich blasser: Beim Großen Wagen sind alle sieben Sterne heller als 3 mag, beim Kleinen nur zwei. Außerdem ist die Deichsel gegenläufig gekrümmt – beim Großen Wagen biegt sie vom Kasten weg, beim Kleinen zu ihm hin. Und: Der Polarstern gehört zum Kleinen Wagen, nicht zum Großen.

Warum finde ich den Kleinen Wagen nicht?

Fast immer liegt es am Himmel, nicht am Beobachter. Fünf der sieben Sterne sind schwächer als 3 mag und verschwinden bereits bei mäßiger Lichtverschmutzung. Wenn du Polaris und Kochab siehst, aber nichts dazwischen, hast du die Figur bereits gefunden – dir fehlt nur der dunkle Himmel. Ein einfaches 10×50-Fernglas zeigt sofort alle sieben Sterne.

Gehört der Polarstern zum Kleinen Wagen?

Ja. Polaris ist der Stern an der Spitze der Deichsel und zugleich der hellste Stern des Sternbilds Kleiner Bär (1,98 mag). Er ist damit der einzige wirklich bekannte Stern der Figur – viele Menschen kennen den Polarstern, ohne zu wissen, dass er zu einem Sternbild gehört.

Steht der Polarstern genau im Norden?

Fast, aber nicht exakt: Er ist derzeit 37,4 Bogenminuten vom Himmelsnordpol entfernt und beschreibt daher im Lauf eines Tages einen kleinen Kreis um den echten Pol. Die Abweichung von der Nordrichtung bleibt dabei unter 1° – für die Orientierung im Gelände irrelevant, für die Ausrichtung einer Teleskopmontierung dagegen wichtig. Um das Jahr 2102 verringert sich der Abstand auf rund 27 Bogenminuten.

Ist der Kleine Bär ein Sternzeichen?

Nein. Sternzeichen sind ausschließlich die zwölf Sternbilder entlang der Ekliptik, also der scheinbaren Sonnenbahn. Der Kleine Bär liegt am Himmelsnordpol und damit rund 66° davon entfernt – die Sonne kann ihn nie durchqueren.

Wie erkenne ich, ob mein Himmel dunkel genug ist?

Zähle die Sterne des Kleinen Wagens. Zwei sichtbare Sterne bedeuten Großstadthimmel (Bortle 8–9), drei den Stadtrand, fünf bis sechs eine ländliche Umgebung. Wer alle sieben inklusive η UMi (4,95 mag) sieht, steht unter einem echten Landhimmel mit einer Grenzgröße von 5 mag oder besser. Wichtig: mindestens 20 Minuten Dunkeladaption und keine Mondnacht.

Was bedeutet der Kleine Wagen als Tattoo-Motiv?

Meist steht die Figur für Orientierung und Beständigkeit – weil der Polarstern als einziger Stern seine Position am Himmel behält und über Jahrhunderte zur Navigation diente. Wer die Figur motivgetreu stechen lassen will, sollte auf zwei Details achten: Der größte Punkt gehört an das Ende der Deichsel (Polaris), und die Deichsel krümmt sich zum Kasten hin, nicht von ihm weg. Genau daran erkennt man auch die vielen Vorlagen, die in Wahrheit den Großen Wagen zeigen.

Weiterlesen auf Sterngucker