
Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026
Das Sternbild Andromeda ist eines der 88 offiziell anerkannten Sternbilder und enthält mehrere Galaxien – allen voran die Andromedagalaxie M31. Die Sterne Mirach und Alamak bilden die Kontur der »Himmelsprinzessin«.
Möglicherweise entwickelte sich die Bestimmung sichtbarer Sterne unmittelbar nach oder sogar gleichzeitig mit der Sprachentwicklung des Menschen. Die allerersten Strukturen bestimmten Sterne zu schlichten Fantasieformationen, die hauptsächlich Tiere, mystische Menschen oder Gottheiten darstellten. 88 von ihnen gehören heute noch zum gültigen Katalog der Sternbilder, unter ihnen Andromeda.
Es sind nicht nur ihre so unterschiedliche Form, Größe und gegenseitige Wechselwirkung, die sie derart spannend macht. Im Sternbild Andromeda sind mehrere Galaxien von der Seite, direkt von oben oder aus einer schrägen Position immer wieder eine astrofotografische Herausforderung für die Spitzenteleskope der Welt.
Schon immer berühmt: Sternbild Andromeda
In der Antike kannte zum Beispiel Ptolemäus 48 anerkannte Sternbilder. Er beschrieb Andromeda als Sternenkette aus 4 Sternen am nördlichen Sternenhimmel, die ihren Anfang beim Rechteck des »Pegasus« nehmen. Zu seinen Zeiten entstand der Name des Sternbildes wie alle damaligen Himmelsgebilde aus einer mystischen Überlieferung.
Die Grundversion erzählt davon, dass Perseus Andromeda, die Tochter des äthiopischen Königs Kepheus und seiner Gattin Kassiopeia, vor einem Meeresungeheuer in Gestalt eines Walfisches rettete. Für diese Heldentat wurden alle Beteiligten der Sage als Sternbilder am Himmel verewigt.
Nach der modernen astronomischen Begriffsbestimmung ist Andromeda eines von 88 derzeit gültigen Sternbildern. Gleichzeitig ist das 4-Sterne-Bild eine Konstellation der Milchstraße und uns mit 1.200 Lichtjahren sehr nah. Doch berühmter als das Sternbild Andromeda selbst ist der Nebelfleck etwas nördlich des Sterns »Andromedae«, eines Roten Riesen in 200 Lichtjahren Entfernung.
Bei dem Nebelfleck handelt es sich um den »Andromedanebel«, gelistet als M31 im Messier-Katalog. Diese Spiralgalaxie ähnelt unserer Milchstraße und ist das mit geschätzten 2,7 Millionen Lichtjahren Entfernung bislang am weitesten entfernte Objekt, das Menschen bei guten Bedingungen mit bloßem Auge wahrnehmen können.
Die Sterne der Prinzessin
Unter den Rektaszensionskoordinaten 22h 57m 22s bis 2h 39m 33s und von der Deklination +21° 40′ 36″ bis D. +53° 11′ 13″ erstrecken sich fast ideal auf einer Linie die Sterne des Sternbildes Andromeda. »Sirrah« ist der hellste von ihnen und ein Veränderlicher Stern des Typs »Alpha²-Canum-Venaticorum«. Direkt in seiner Nähe bewegt sich ein lichtschwacher Begleitstern 11. Größenklasse. Außerdem bilden »Mirach« und »Alamak« die Kontur der »Himmelsprinzessin«.
Folgt man auf der Suche nach Deep Sky-Objekten dem Rechteck des »Pegasus«, findet man eine Kette von vier sehr bekannten Sternen. Alamak, Mirach und Sirah stehen kerzengerade hintereinander und bilden die hellsten Sterne des geradezu prominenten Sternbilds Andromeda. Seine Hauptsterne sind am Nordhimmel nicht immer gleich gut, doch selbst in nicht zirkumpolaren Monaten täglich für mindestens eine Stunde vollständig sichtbar.
Deep Sky-Objekt Andromeda
Als stünde es über Andromedas »Nacken«, ist ein ausgedehntes Deep Sky-Objekt in geringem Beobachtungsabstand von Mirach, dem zweiten Hauptstern des Sternbilds Andromeda sichtbar. Wegen dieses Nebels kennen Amateurastronomen das Sternbild sehr gut. Denn M31, eine Spiralgalaxie wie unsere Milchstraße, beflügelt schon recht lange die astronomische und literarische Fantasie als »Andromeda Galaxie«.
Die Zusammengehörigkeit des Deep Sky-Objektes M31 und des Sternbilds Andromeda ist eine optische Täuschung. Andromeda ist Teil der Milchstraße und nur 1.200 Lichtjahre von der Erde entfernt. M31 dagegen ist eine eigenständige Nachbargalaxie und 2,7 Millionen Lichtjahre weit weg. Auch die Sternenzugehörigkeit war nicht zu allen Zeiten gleich.
So war Alpha Andromedae ursprünglich »Sirrah« (Pferdenabel) und wird in einigen historischen Sternkarten als Delta Pegasi zum Sternbild »Pegasus« gerechnet. Sirrah ist eigentlich ein Doppelsternensystem, dessen hellere Komponente 110 Mal stärker als unsere Sonne leuchtet und somit den winzigen Begleitstern 11. Größenklasse förmlich überstrahlt.
Weitere helle Sterne der Andromeda
Die Andromedagalaxie M31 begleitet die Zwerggalaxie M32.
In der oben genannten Reihe finden sich eine Reihe spannender Deep Sky-Objekte. Doch auch der mit ca. 3.300 Kelvin »flammende« Stern Mirach (»Lenden«) kann wegen seiner Nähe (199 Lichtjahre Erdentfernung) gut beobachtet werden. Alamak (»Wüstenluchs«) steht als dritthellster Stern auf der Linie des Sternbilds Andromeda.
Amateurastronomen erkennen leicht seine Natur als Doppelsternensystem. Bei größerer Auflösung zeigt sich die »B-Komponente« als eigenes Dreifachsystem, womit Alamak insgesamt – in sehr unterschiedlich starken Kräfteverhältnissen – ein Vierfachsternensystem des Nordhimmels ist.
Immerhin acht Andromeda-Sterne beleuchten mit weniger als 4 mag die dort zu findenden Deep Sky-Objekte sehr gut. Beobachter finden eine weitere Besonderheit im Sternbild Andromeda, wenn sie mit guten Ferngläsern das System »56 And« betrachten. Statt eines sehr hellen Sterns werden auch hier zwei Komponenten eines Doppelsternensystems erkennbar. Ebenso als Paar zeigt sich »59 And« in 300 Lichtjahren Sonnenabstand.
NGC 891 und der Blaue Schneeball – zwei Ziele für Fortgeschrittene
Neben der berühmten Andromedagalaxie beherbergt das Sternbild zwei Objekte, die zwar mehr Öffnung verlangen, dafür aber zu den schönsten ihrer Art gehören.
NGC 891 – die Galaxie von der Kante
NGC 891 ist eine Spiralgalaxie, die wir exakt von der Seite sehen – ein Anblick, den man in Lehrbüchern findet, weil er zeigt, wie flach eine Galaxienscheibe wirklich ist. Quer über die leuchtende Spindel zieht sich ein dunkles Staubband, das die Scheibe der Länge nach teilt. Genau so sähe unsere Milchstraße aus, wenn man sie von außen betrachten könnte.
Entdeckt hat sie Caroline Herschel 1783; ihr Bruder Wilhelm beobachtete sie ein Jahr später unabhängig davon. Die Galaxie steht rund 30 Millionen Lichtjahre entfernt und gehört zur NGC-1023-Gruppe innerhalb der Jagdhunde-Wolke, die sich wiederum im Virgo-Superhaufen bewegt. 1986 leuchtete in ihr eine Supernova auf. Als das Large Binocular Telescope 2006 sein erstes Bild aufnahm, wählten die Astronomen NGC 891 als Motiv.
Für die Beobachtung braucht es einen dunklen Himmel und ein mittleres Teleskop: Ab etwa 15 Zentimetern Öffnung zeigt sich die Spindel deutlich, das Staubband erst ab rund 20 Zentimetern und bei ruhiger Luft.
NGC 7662 – der Blaue Schneeball
NGC 7662 ist ein planetarischer Nebel – trotz des Namens hat er nichts mit Planeten zu tun, sondern ist die abgestoßene Gashülle eines sterbenden Sterns. Wilhelm Herschel entdeckte ihn im Herbst 1784; den Beinamen „Blauer Schneeball“ gab ihm viel später der amerikanische Amateurastronom Leland S. Copeland.
Er steht nur rund 1.800 Lichtjahre entfernt und ist damit deutlich näher als die meisten Ziele dieser Seite. Schon kleine Teleskope zeigen einen auffällig bläulichen Punkt; ab etwa 15 Zentimetern Öffnung und hundertfacher Vergrößerung wird daraus eine erkennbare Scheibe, ab 40 Zentimetern lösen sich hellere und dunklere Zonen im Inneren auf. Der Zentralstern, der die Hülle zum Leuchten anregt, ist mit rund 75.000 Kelvin einer der heißesten bekannten Sterntypen überhaupt – zum Vergleich: Die Sonnenoberfläche hat 5.800 Kelvin.
