Sternbild Schwan: Kreuz des Nordens finden, Sterne und Deep-Sky

Von · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 22. September 2026

⚡ Die Kurzfassung

Das Sternbild Schwan (lateinisch Cygnus) ist die auffälligste Figur des Sommer- und Herbsthimmels: fünf helle Sterne bilden ein großes Kreuz, das deshalb auch „Kreuz des Nordens“ heißt. Es liegt mitten im Band der Milchstraße.

Der hellste Stern im Schwan ist Deneb mit 1,25 mag – er markiert den Schwanz und ist zugleich die nördliche Ecke des Sommerdreiecks. Am Schnabel steht Albireo, der farbigste Doppelstern des ganzen Himmels: goldgelb und blau, schon im kleinen Teleskop getrennt.

Beste Sichtbarkeit: Juli bis Oktober. Mitte September steht Deneb gegen 22 Uhr mit 84° fast genau im Zenit. Untergehen tut er nie – in ganz Mitteleuropa ist der Schwan zirkumpolar.

Inhaltsverzeichnis

Sternkarte des Sternbilds Schwan mit Deneb, Sadr, Albireo, Fawaris und Aljanah als Kreuz des Nordens, eingebettet in das Sommerdreieck aus Deneb, Wega und Atair; die Milchstraße verläuft durch das Kreuz.
Das Kreuz des Nordens: Deneb bildet den Schwanz, Albireo den Schnabel, Fawaris und Aljanah die Flügelspitzen. Grafik: sterngucker.de

Wer im August nach oben schaut, sieht fast senkrecht über sich ein Kreuz aus hellen Sternen stehen – und dahinter, wenn der Himmel dunkel genug ist, das milchige Band unserer Galaxis. Der Schwan ist damit das, was der Orion für den Winter ist: das Sternbild, an dem man sich in der ganzen Jahreszeit orientiert. Nur dass er nicht nach ein paar Monaten verschwindet – er bleibt das ganze Jahr über dem Horizont.

Auf dieser Seite findest du alles über das Sternbild: wie du es in wenigen Sekunden findest, was seine Sterne sind und wie weit sie entfernt liegen, welche Nebel und Sternhaufen sich lohnen, was es mit dem ersten bekannten Schwarzen Loch auf sich hat – und, weil danach besonders oft gesucht wird, auch die Lösungen für das Kreuzworträtsel.

Der Schwan auf einen Blick: Steckbrief mit allen Kennzahlen

MerkmalWert
Lateinischer NameCygnus (Genitiv: Cygni)
AbkürzungCyg
Deutscher NameSchwan, umgangssprachlich „Kreuz des Nordens“
Fläche804 Quadratgrad – Rang 16 von 88 Sternbildern
Hellster SternDeneb (α Cygni), 1,25 mag
Sterne heller als 3 mag4
Rektaszension19h 07,3m bis 22h 02,3m
Deklination+27,73° bis +61,36°
Mitternachtskulmination29. Juni
Beste SichtbarkeitJuli bis Oktober am Abendhimmel
Sichtbarkeit in Mitteleuropaganzjährig – zirkumpolar
NachbarsternbilderCepheus, Drache, Leier, Füchschen, Pegasus, Eidechse
Bekannteste ObjekteNordamerikanebel NGC 7000, Cirrusnebel, Albireo, Cygnus X-1

Mit 804 Quadratgrad gehört der Schwan zu den großen Sternbildern – er nimmt etwa zwei Prozent der gesamten Himmelskugel ein. Wichtiger als die Fläche ist aber seine Lage: Die Figur liegt genau auf der Milchstraße, also in der Ebene unserer eigenen Galaxis. Deshalb stehen hier auf engem Raum so viele Gasnebel, Sternhaufen und Dunkelwolken wie kaum irgendwo sonst am Nordhimmel.

So findest du den Schwan: vom Sommerdreieck zum Kreuz

Den Schwan zu finden ist erstaunlich einfach, weil man ihn nicht suchen muss – er fällt von selbst auf. Trotzdem hilft ein systematischer Einstieg, gerade wenn du dich am Himmel noch nicht auskennst.

In vier Schritten zum Kreuz des Nordens

  1. Zeitpunkt wählen. Zwischen Juli und Oktober, ab etwa einer Stunde nach Sonnenuntergang. Im Hochsommer ist es in Norddeutschland vor 23 Uhr kaum richtig dunkel.
  2. Nach oben schauen. Blick nach Süden bis Südost, dann den Kopf weit in den Nacken – der Schwan steht im Spätsommer fast im Zenit.
  3. Das Sommerdreieck identifizieren. Drei sehr helle Sterne bilden ein weit auseinandergezogenes Dreieck: Wega (die hellste, im Westen), Atair (die südlichste) und Deneb. Deneb ist von den dreien die schwächste – merke dir das, es ist der schnellste Test.
  4. Von Deneb aus das Kreuz abfahren. Von Deneb aus zieht sich eine Kette schwächerer Sterne nach Südwesten: erst Sadr in der Mitte, dann weiter bis Albireo. Quer dazu stehen Fawaris und Aljanah – fertig ist das Kreuz.

Die wichtigsten Abstände im Kreuz

Alle folgenden Werte sind mit den J2000-Koordinaten der Sterne selbst gerechnet. Zur Orientierung: Der Vollmond ist 0,5° breit, eine ausgestreckte Handbreite am Himmel entspricht etwa 20°.

StreckeWinkelabstandWas du siehst
Deneb → Sadr6,13°Schwanz bis Brust – gut zwölf Vollmonde
Sadr → Albireo16,24°Brust bis Schnabel, der lange Hals
Deneb → Albireo22,29°die gesamte Längsachse des Kreuzes
Fawaris → Aljanah16,19°die Spannweite der Flügel
Sadr → Fawaris8,39°linker Flügel ab der Brust
Sadr → Aljanah7,89°rechter Flügel ab der Brust
Deneb → Wega23,85°die kurze Seite des Sommerdreiecks
Deneb → Atair38,01°die lange Seite des Sommerdreiecks

Die Längsachse des Kreuzes ist mit gut 22° also etwa so lang wie eine ausgestreckte Handbreite plus Daumen. Das ist der Grund, warum der Schwan im Fernglas nie ganz ins Bild passt – und warum er mit bloßem Auge so gut wirkt.

Der sicherste Erkennungstest

Verwechseln kann man den Schwan eigentlich nur mit dem Sommerdreieck selbst. Zwei Merkmale machen ihn eindeutig: Erstens die Milchstraße, die genau durch die Längsachse des Kreuzes läuft – kein anderes helles Kreuz am Nordhimmel liegt so. Zweitens die Flugrichtung: Der Schwanz (Deneb) steht immer oben, der Schnabel (Albireo) unten in Richtung Atair. Der Schwan fliegt am Himmel also nach unten, den Hals voran.

💡 Praxis-Tipp: Ob das Kreuz gerade hochkant oder waagerecht steht, stellst du auf einer drehbaren Himmelskarte in Sekunden ein – die Oculum Drehbare Himmelskarte 29 cm (19,90 €) reicht dafür völlig. Wie du sie benutzt, erklärt unsere Anleitung zur Sternenkarte.

Sichtbarkeit im Jahreslauf: wann der Schwan am höchsten steht

Balkendiagramm der Höhe von Deneb um 22 Uhr Ortszeit für alle zwölf Monate bei 50 Grad Nord: Maximum 84 Grad im September, Minimum 6 Grad im März, Deneb bleibt ganzjährig über dem Horizont.
Von Juli bis Oktober steht der Schwan am Abend hoch bis fast im Zenit. Weil Deneb zirkumpolar ist, verschwindet er selbst im Frühjahr nie ganz. Eigene Berechnung: sterngucker.de

Höhe von Deneb Monat für Monat

Die Tabelle zeigt, wie hoch Deneb jeweils am 15. des Monats um 22 Uhr Ortszeit steht, gerechnet für 50° Nord (etwa Frankfurt/Mainz) und 10° Ost. Dazu die Uhrzeit, zu der er an diesem Tag seinen höchsten Punkt erreicht.

MonatDeneb um 22 UhrSadr um 22 UhrKulmination DenebBewertung
Januar14,9°8,8°13:22 Uhrtief im Nordwesten, am Abend
Februar6,9°1,3°11:21 Uhrungünstig – knapp über dem Horizont
März5,6°1,0°09:30 UhrJahresminimum am Abendhimmel
April7,5°3,7°08:29 Uhrtief im Norden, kaum brauchbar
Mai15,9°13,6°06:31 Uhrsteigt am Nordosthorizont wieder auf
Juni29,6°28,8°04:29 Uhrim Nordosten, aber helle Nächte
Juli46,2°46,5°02:31 Uhrgut – die Saison beginnt
August65,4°66,0°00:25 Uhrsehr gut, hoch im Osten
September84,0°80,3°22:23 Uhroptimal – fast im Zenit
Oktober73,4°67,9°20:25 Uhrsehr gut, früh dunkel
November44,8°39,0°17:23 Uhrgut, steht senkrecht im Westen
Dezember28,4°22,3°15:25 Uhrsinkt Richtung Nordwesthorizont

Der beste Termin ergibt sich direkt aus dieser Rechnung: Am 20. September kulminiert Deneb um 22:03 Uhr Ortszeit – da steht der Schwan zur bequemsten Zeit am höchsten Punkt, und es ist schon vollständig dunkel. Wer im August beobachtet, wartet einfach bis Mitternacht; im Juli bis etwa halb drei.

Interessant ist auch der November: Deneb steht dann mit 44,8° im Westnordwesten – und zwar senkrecht über Albireo. Das Kreuz steht im Spätherbst also aufrecht über dem Westhorizont, mit dem Schnabel nach unten. Das ist der eindrucksvollste Anblick des ganzen Jahres, auch wenn die Höhe nicht mehr die beste ist.

Kulminationshöhen für elf Städte

Wie hoch der Schwan bei dir maximal steht, hängt nur von der geografischen Breite ab. Die Werte gelten für die obere Kulmination, also den höchsten Punkt des Tages.

StadtDenebSadrAljanahAlbireoDeneb tiefster Stand
Hamburg81,7°76,7°70,4°64,4°8,8°
Berlin82,8°77,7°71,5°65,4°7,8°
Dresden84,2°79,2°72,9°66,9°6,3°
Köln84,3°79,3°73,0°67,0°6,2°
Frankfurt85,2°80,1°73,9°67,8°5,4°
Stuttgart86,5°81,5°75,2°69,2°4,1°
Wien87,1°82,0°75,8°69,8°3,5°
München87,1°82,1°75,8°69,8°3,4°
Zürich87,9°82,9°76,6°70,6°2,7°
Graz88,2°83,2°76,9°70,9°2,4°
Bern88,3°83,3°77,0°71,0°2,2°

In Bern und Graz verfehlt Deneb den Zenit um weniger als zwei Grad – dort steht der Schwan im September praktisch senkrecht über dem Kopf. Das ist beobachterisch ein zweischneidiges Vergnügen: Die Luftschicht ist minimal und die Bilder sind gestochen scharf, aber der Nacken protestiert. Ein Liegestuhl ist beim Schwan keine Bequemlichkeit, sondern Ausrüstung.

Warum der Schwan nie ganz untergeht

Die letzte Spalte der Tabelle ist die eigentliche Pointe: Sie zeigt, wie hoch Deneb an seinem tiefsten Punkt noch steht. In Hamburg sind es 8,8°, in Bern immerhin noch 2,2° – aber überall in Mitteleuropa bleibt der Wert positiv. Deneb geht also nie unter. Er ist, genau wie der Kleine Wagen oder die Cassiopeia, zirkumpolar.

Dasselbe gilt für Sadr, Fawaris und κ Cygni. Nur die südlicheren Teile der Figur tauchen unter den Horizont: Aljanah steht bei 50° Nord noch 19 Stunden 07 Minuten pro Tag über dem Horizont, Albireo 17 Stunden 14 Minuten. Der Schwan verschwindet im Frühjahr also nicht wirklich – er steht nur so tief im Norden und in so kurzen Nächten, dass man ihn nicht mehr beachtet.

Die Sterne des Schwans: von Sadr bis zum Rekordläufer

SternBezeichnungHelligkeitEntfernungTypPosition in der Figur
Denebα Cygni1,25 magrund 2.600 LjA2 Ia – Blauer ÜberrieseSchwanz
Sadrγ Cygni2,20 magrund 1.800 LjF8 Ib – Gelber ÜberrieseBrust
Aljanahε Cygni2,48 mag72 LjK0 III – Roter Rieserechter Flügel
Fawarisδ Cygni2,87 mag165 LjA0 IV – Unterrieselinker Flügel
Albireoβ Cygni2,92 mag328 / 389 LjK3 II + B8 Ve – DoppelsternSchnabel
61 Cygni61 Cyg5,21 / 6,03 mag11,4 LjK5 V + K7 V – ZwergeNachbarschaft
χ Cygniχ Cyg3,2 bis 14,2 magrund 600 LjMira-VeränderlicherHals
P Cygni34 Cyg3 bis 6 mag5.000–6.000 LjLeuchtkräftige Blaue VeränderlicheBrustbereich

Sadr, das Herz des Kreuzes

Sadr (γ Cygni) sitzt genau im Kreuzungspunkt und ist damit der Ankerpunkt für alles, was man im Schwan sucht. Der Name kommt aus dem Arabischen und bedeutet „Brust der Henne“ – im Arabischen war das Sternbild lange eine Henne, nicht ein Schwan.

Astronomisch ist Sadr ein gelber Überriese vom Typ F8 in rund 1.800 Lichtjahren Entfernung. Er ist damit noch weiter weg als Deneb und leuchtet trotzdem mit 2,2 mag – ein Hinweis darauf, welche Energiemengen in dieser Sternklasse umgesetzt werden. Für Beobachter ist Sadr vor allem eines: der beste Startpunkt. Der Sichelnebel liegt 2,73° entfernt, der Sternhaufen M 29 nur 1,77°.

Albireo, der farbigste Doppelstern des Himmels

Wenn ein Sternbild ein Aushängeschild hat, dann der Schwan mit Albireo. Im Fernglas ist er ein einzelner Stern von 2,92 mag; ab etwa 30-facher Vergrößerung zerfällt er in zwei – und zwar in zwei Sterne von auffallend unterschiedlicher Farbe: die hellere Komponente (3,1 mag, Spektraltyp K3 II) goldgelb bis orange, die schwächere (5,1 mag, B8 Ve) deutlich bläulich.

Der Abstand beträgt 34,6 Bogensekunden (Positionswinkel 54°, Stand 2020) – das ist so weit, dass schon ein sehr kleines Teleskop reicht und man auch nicht besonders scharf stellen muss. Albireo ist deshalb das klassische erste Objekt, das man Gästen zeigt.

Ist Albireo überhaupt ein echter Doppelstern?

Wahrscheinlich nicht. Die Gaia-DR2-Messungen ergaben für die helle Komponente 328 ± 21 Lichtjahre, für die blaue dagegen 389 ± 8 Lichtjahre. Die beiden stehen also gut 60 Lichtjahre hintereinander und sind höchstwahrscheinlich ein optischer Doppelstern – zwei unabhängige Sterne, die zufällig fast in derselben Richtung liegen. Für den Anblick im Okular ändert das nichts, aber es ist ein schönes Beispiel dafür, wie sehr sich unser Bild vom Himmel durch präzise Entfernungsmessung verschoben hat.

Fawaris und Aljanah, die Flügelspitzen

Fawaris (δ Cygni, 2,87 mag) markiert die linke Flügelspitze und ist ein enger Doppelstern: Der Begleiter hat 6,33 mag und umkreist den Hauptstern in 780 Jahren in einem mittleren Abstand von 157 Astronomischen Einheiten. Für Amateurteleskope ist er eine echte Herausforderung, weil der Helligkeitsunterschied so groß ist.

Aljanah (ε Cygni, 2,48 mag) auf der anderen Seite ist mit 72 Lichtjahren der nächstgelegene helle Stern der Figur. Sein Name wurde von der IAU erst 2017 offiziell festgelegt – vorher lief er meist unter „Gienah“, was aber auch für einen Stern im Raben verwendet wurde. In älteren Sternkarten und in Kreuzworträtseln taucht deshalb bis heute beides auf.

61 Cygni, der Stern mit dem Rekordtempo

Ein unscheinbares Sternchen von 5,2 mag, das man nur bei sehr dunklem Himmel gerade noch mit bloßem Auge sieht – und trotzdem einer der wichtigsten Sterne der Astronomiegeschichte. 61 Cygni fiel schon im 18. Jahrhundert durch seine enorme Eigenbewegung auf: 5,28 Bogensekunden pro Jahr. Das klingt wenig, summiert sich aber auf 8,8 Bogenminuten in einem Jahrhundert; für die Strecke eines Vollmonddurchmessers braucht der Stern rund 341 Jahre.

Diese Auffälligkeit brachte Friedrich Wilhelm Bessel auf die Idee, dass der Stern nah sein müsse. 1837/38 gelang ihm an 61 Cygni die erste erfolgreiche Parallaxenmessung überhaupt: 0,31 ± 0,02 Bogensekunden. Damit war zum ersten Mal die Entfernung eines Sterns direkt gemessen – der Startpunkt für alles, was wir heute in Lichtjahren ausdrücken. Der moderne Wert liegt bei 11,4 Lichtjahren; 61 Cygni ist damit eines der nächsten Sternsysteme überhaupt. Im Fernglas sind die beiden orangefarbenen Zwerge sauber getrennt.

Veränderliche Sterne im Schwan

χ Cygni im Hals ist ein Mira-Stern und schwankt zwischen 3,2 und 14,2 mag – das ist einer der größten Helligkeitsbereiche aller bekannten Veränderlichen. Im Maximum ist er mit bloßem Auge sichtbar, im Minimum braucht man ein größeres Teleskop.

P Cygni gehört zur seltenen Klasse der Leuchtkräftigen Blauen Veränderlichen. Er war im 17. Jahrhundert plötzlich hell geworden und schwankt seither zwischen 3 und 6 mag. Und dann ist da noch KIC 8462852, in den Medien als „Tabby’s Star“ bekannt geworden: Der 1.400 Lichtjahre entfernte F3-Stern zeigte im Kepler-Datensatz unregelmäßige Helligkeitseinbrüche, die kurzzeitig sogar als Hinweis auf eine außerirdische Megastruktur diskutiert wurden. Heute gilt Staub als die weit plausiblere Erklärung.

Der hellste Stern im Schwan: Deneb im Porträt

Der hellste Stern im Sternbild Schwan ist Deneb mit einer scheinbaren Helligkeit von 1,25 mag. Er belegt damit Platz 19 in der Rangliste der hellsten Sterne des gesamten Himmels. Der Name stammt vom arabischen ḏanab ad-dajāja – „Schwanz der Henne“.

Was Deneb besonders macht, ist nicht seine scheinbare Helligkeit, sondern die Entfernung, aus der er sie liefert. Wega im Sommerdreieck steht 25 Lichtjahre entfernt, Atair 17 – Deneb dagegen rund 2.600 Lichtjahre. Sicher ist dieser Wert nicht: Die Parallaxe des Satelliten Hipparcos ergibt nur rund 1.400 Lichtjahre, und für Gaia ist Deneb zu hell.

Deneb in Zahlen

  • Spektraltyp A2 Ia – ein Blau-weißer Überriese der höchsten Leuchtkraftklasse
  • 20 bis 25 Sonnenmassen
  • rund 200 Sonnendurchmesser – stünde er an der Stelle der Sonne, reichte er fast bis zur Erdbahn
  • 100.000 bis 250.000 Sonnenleuchtkräfte
  • Prototyp der Alpha-Cygni-Veränderlichen: nichtradiale Pulsationen lassen seine Helligkeit um wenige Hundertstel Größenklassen schwanken

Stünde Deneb an der Position von Wega, wäre er ungefähr so hell wie die Mondsichel – man könnte bei seinem Licht lesen. Sterne dieser Masse leben nur wenige Millionen Jahre und enden als Supernova. Für Deneb ist das der wahrscheinlichste Ausgang, auch wenn niemand sagen kann, wann. Ausführlich stellen wir ihn im eigenen Porträt von Deneb vor.

Stern im Schwan mit 5 Buchstaben: alle Rätsel-Lösungen

„Stern im Schwan“ ist eine der häufigsten Kreuzworträtsel-Fragen aus der Astronomie. Die gesuchte Antwort hängt von der Buchstabenzahl ab – hier sind alle gängigen Lösungen auf einen Blick.

BuchstabenLösungErklärung
4SADRγ Cygni, der Stern in der Brust des Schwans
5DENEBα Cygni, der hellste Stern im Schwan – die häufigste Lösung
6GIENAHälterer Name von ε Cygni (heute offiziell Aljanah)
6CYGNUSder lateinische Name des Sternbilds selbst
6SCHWANgesucht ist das Sternbild, nicht der Stern
7ALBIREOβ Cygni, der farbige Doppelstern im Schnabel
7ALJANAHε Cygni, seit 2017 der offizielle IAU-Name
7FAWARISδ Cygni an der linken Flügelspitze

Bei fünf Buchstaben ist die Antwort praktisch immer DENEB. Wird nach dem „hellsten Stern im Sternbild Schwan“ gefragt, ist es ebenfalls Deneb. Fragt das Rätsel dagegen nach einem „Doppelstern im Schwan“, lautet die Lösung ALBIREO. Wer noch weitere Sternnamen braucht: In unserem Sternbilder-Überblick stehen die Hauptsterne aller großen Figuren.

Deep-Sky im Schwan: Nebel, Sternhaufen und Milchstraße

Aufsuchkarte für die Deep-Sky-Objekte im Schwan mit Nordamerikanebel NGC 7000, Pelikannebel IC 5070, Cirrusnebel NGC 6960 und NGC 6992, Sichelnebel NGC 6888, M 39, M 29, NGC 6826 und Cygnus X-1.
Der Schwan liegt mitten in der Milchstraße: Der Nordamerikanebel ist größer als vier Vollmonde nebeneinander, der Cirrusnebel spannt sich über fast vier Grad. Grafik: sterngucker.de

Kein anderes Sternbild des Nordhimmels bietet auf so wenig Fläche so viel. Der Grund ist die Lage in der Milchstraßenebene: Wir schauen hier direkt in den Orion-Arm unserer Galaxis hinein und blicken durch tausende Lichtjahre Gas, Staub und Sternentstehungsgebiete.

Tipp: Für die ersten Streifzüge durch dieses Feld reicht ein 10×50-Fernglas wie das Celestron UpClose G2 10x50 Porro (62 €): Es löst M 39 in Einzelsterne auf und zeigt unter dunklem Himmel die Sternwolken der Milchstraße. Worauf es bei einem Astro-Fernglas ankommt, erklärt unser Fernglas-Ratgeber.

NGC 7000, der Nordamerikanebel

Der berühmteste Nebel des Schwans liegt nur 3,22° östlich von Deneb. Seine Gesamthelligkeit von 4,0 mag klingt beeindruckend, ist aber irreführend: Sie verteilt sich auf 120 × 100 Bogenminuten – eine Fläche größer als vier Vollmonde nebeneinander. Die Flächenhelligkeit ist entsprechend gering.

Entdeckt wurde er von Wilhelm Herschel am 24. Oktober 1786; seine charakteristische Form zeigte sich aber erst 1891 auf den fotografischen Platten von Max Wolf, der ihm auch den Namen gab. Die dunkle Bucht, die den „Golf von Mexiko“ bildet, ist eine Staubwolke im Vordergrund. Entfernung: 2.000 bis 3.000 Lichtjahre. Direkt daneben steht der Pelikannebel (IC 5067/5070), vom Nordamerikanebel nur durch dieselbe Dunkelwolke getrennt.

Visuell: Unter wirklich dunklem Himmel ist NGC 7000 mit bloßem Auge als Aufhellung zu erahnen. Im Fernglas ist er eines der lohnendsten Objekte überhaupt – vorausgesetzt, das Gesichtsfeld ist groß genug. Im Teleskop bei hoher Vergrößerung sieht man dagegen fast nichts, weil man nur einen Ausschnitt erwischt. Ein klassischer Fall dafür, dass dunkler Himmel mehr bringt als Öffnung.

Der Cirrusnebel, ein Supernova-Überrest

Der Cirrusnebel (auch Schleiernebel, englisch Veil Nebula) ist das, was von einer Supernova vor etwa 8.000 Jahren übrig ist. Die Explosionswolke hat sich seither auf 230 × 160 Bogenminuten ausgedehnt – fast vier Grad, also achtfacher Vollmonddurchmesser. Entfernung rund 2.500 Lichtjahre.

Der Komplex trägt mehrere Katalognummern, weil man ihn zunächst für getrennte Nebel hielt: NGC 6960 (der westliche Bogen, direkt am Stern 52 Cygni), NGC 6992/6995 (der östliche Bogen, oft „Witch’s Broom“ genannt) sowie NGC 6974, NGC 6979 und IC 1340 als Zwischenstücke. Wilhelm Herschel entdeckte den ersten Teil am 5. September 1784.

Ohne Filter wird das nichts

Der Cirrusnebel ist das Paradebeispiel für ein Objekt, bei dem ein Schmalbandfilter den Unterschied zwischen „nichts zu sehen“ und „spektakulär“ ausmacht. Er strahlt fast sein gesamtes Licht in wenigen schmalen Emissionslinien ab; ein UHC- oder OIII-Filter lässt genau diese durch und blockt den Rest des Himmelshintergrunds.

Ein preiswerter Einstieg ist der Omegon Pro UHC 1,25″ für rund 59 €*. Am selben Abend zeigt er auch am Nordamerikanebel und am Sichelnebel deutlich mehr.

NGC 6888, der Sichelnebel

Nur 2,73° von Sadr entfernt steht der Sichelnebel – eine Blase aus Gas, die der Wolf-Rayet-Stern WR 136 in seinen letzten Lebensphasen abgestoßen hat und die sein Sternwind jetzt von innen aufbläst. Entfernung 4.700 Lichtjahre, entdeckt von Wilhelm Herschel am 15. Dezember 1792. Visuell ist er anspruchsvoll und braucht ebenfalls einen Filter, fotografisch gehört er zu den beliebtesten Motiven des Sommerhimmels.

M 39 und M 29, die beiden Sternhaufen

M 39 ist ein offener Sternhaufen von 4,6 mag, gut 9,16° nordöstlich von Deneb. Mit 32 Bogenminuten Durchmesser ist er so groß wie der Vollmond und besteht aus etwa 80 Sternen in rund 1.000 Lichtjahren Entfernung; sein Alter liegt bei 230 bis 300 Millionen Jahren. Messier trug ihn am 24. Oktober 1764 in seinen Katalog ein. Weil er so weit auseinandergezogen ist, sieht er im Fernglas besser aus als in jedem Teleskop.

M 29 dagegen ist kompakt: 6,6 mag, nur 7 Bogenminuten groß, in 4.000 Lichtjahren Entfernung – und mit 1,77° südlich von Sadr sehr leicht zu finden. Wegen der Anordnung seiner hellsten Mitglieder wird er gelegentlich „kleine Plejaden“ genannt, was seinem Anblick allerdings schmeichelt.

NGC 6826, der Blinkende Planetarische

Ein kleiner Planetarischer Nebel in 3.600 Lichtjahren Entfernung mit einem bemerkenswerten Effekt: Schaut man direkt auf den Zentralstern, verschwindet die Nebelhülle; schaut man knapp daneben, springt sie wieder ins Bild. Das liegt daran, dass das schärfere Sehen in der Netzhautmitte weniger lichtempfindlich ist als das indirekte Sehen. Der Effekt lässt sich innerhalb von Sekunden hin- und herschalten und ist eine der schönsten Demonstrationen des indirekten Sehens überhaupt. Etwas weiter südlich steht mit NGC 7027 (3.000 Lichtjahre) ein zweiter, noch kleinerer Planetarischer.

Cygnus OB2 und die Milchstraße

Hinter all dem liegt eine der massereichsten Sternentstehungsregionen unserer Galaxis. Cygnus OB2 in 4.500 Lichtjahren Entfernung enthält rund 30.000 Sonnenmassen und zwischen 60 und 120 Sterne der heißesten O-Klasse – nur sieht man davon kaum etwas, weil Staubwolken im Vordergrund das Licht schlucken. Die gesamte Region Cygnus X misst 7° × 7° und enthält etwa vier Millionen Sonnenmassen an Gas.

Für uns am Okular heißt das schlicht: Wer im Schwan das Fernglas langsam über die Milchstraße wandern lässt, sieht ununterbrochen Sternfelder, Dunkelwolken und Aufhellungen. Das ist auch ohne Objektliste eine der lohnendsten Beobachtungen des Jahres – und ein perfektes Motiv für die Milchstraßenfotografie. Ganz nebenbei liegt im Schwan auch Cygnus A, die zweitstärkste Radioquelle des Himmels: eine aktive Galaxie in 650 Millionen Lichtjahren Entfernung, für optische Teleskope aber unerreichbar.

Cygnus X-1 im Sternbild Schwan: das erste Schwarze Loch

Sechseinhalb Grad südwestlich von Sadr, bei einem unscheinbaren Stern 9. Größe, liegt der Ort einer der wichtigsten Entdeckungen der modernen Astrophysik. Cygnus X-1 war das erste Objekt, das allgemein als Schwarzes Loch anerkannt wurde.

Was man im Teleskop sieht, ist der Begleitstern HDE 226868, ein blauer Überriese vom Typ O9.7 mit 27 Sonnenmassen und 200.000 Sonnenleuchtkräften. Auffällig wurde er, weil er sich in nur 5,6 Tagen um etwas herumbewegt, das selbst nicht leuchtet – aber intensiv Röntgenstrahlung aussendet. Tom Bolton wies 1972 nach, dass die unsichtbare Komponente zu massereich für einen Neutronenstern ist. Die aktuellen VLBA-Messungen von 2021 ergeben eine Entfernung von 7.200 Lichtjahren und eine Masse von 21,2 ± 2,2 Sonnenmassen.

Die Wette, die Stephen Hawking verlor

1975 wettete Stephen Hawking mit Kip Thorne, dass Cygnus X-1 kein Schwarzes Loch sei. Hawking selbst beschrieb die Wette später als Versicherung: Er hatte jahrelang an der Theorie Schwarzer Löcher gearbeitet – wäre es sie nicht gegeben, hätte ihn wenigstens der Wettgewinn getröstet. 1990 gab er sich geschlagen und beglich den Einsatz, ein Jahresabonnement einer Zeitschrift.

Welches Instrument für den Schwan: Fernglas oder Teleskop

Beim Schwan fällt die Antwort anders aus als bei den meisten Sternbildern – und zwar zugunsten des günstigeren Geräts. Der Grund ist die Objektklasse: Nordamerikanebel, Cirrusnebel und die Milchstraßenfelder sind groß und flächig. Was hier zählt, ist ein weites Gesichtsfeld, nicht Vergrößerung.

InstrumentWas du im Schwan siehstPreisrahmen
Bloßes AugeKreuz, Sommerdreieck, Milchstraßenband, χ Cygni im Maximumkostenlos
Fernglas 10×50M 39, NGC 7000 als Aufhellung, 61 Cygni getrennt, endlose Sternfelderab rund 100 €
Teleskop 100–130 mmAlbireo farbig getrennt, M 29, NGC 6826 mit Blinkeffektab rund 250 €
Teleskop 200 mm + UHCCirrusnebel mit Struktur, Sichelnebel, NGC 7027ab rund 500 €

Warum das Fernglas hier tatsächlich vorn liegt

Ein 10×50-Fernglas zeigt ein Gesichtsfeld von etwa 6° – das ist der ganze Cirrusnebel plus Umgebung in einem Bild. Ein Teleskop mit 130 mm Öffnung kommt selbst am weitwinkligsten Okular auf vielleicht 2°. Beim Nordamerikanebel bedeutet das: Das Fernglas zeigt die Form, das Teleskop zeigt einen hellen Sternhaufen ohne erkennbaren Zusammenhang. Dazu kommt, dass ein Fernglas beidäugig ist, in zehn Sekunden einsatzbereit und man es im Liegen benutzen kann – was beim zenitnahen Schwan kein kleiner Vorteil ist.

Für den Schwan die erste Wahl: Celestron Cometron 7x50

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Wichtig sind bei einem Astro-Fernglas zwei Dinge: 50 mm Öffnung als Untergrenze und eine ordentliche Vergütung der Prismen. Billiggläser aus dem Supermarkt zeigen an hellen Sternen Farbsäume und deutlich weniger Kontrast – gerade bei den flächigen Nebeln im Schwan macht das den Unterschied.

Wann sich das Teleskop trotzdem lohnt

So klar der Vorteil beim Fernglas liegt: Es gibt im Schwan mehrere Objekte, die es schlicht nicht zeigen kann. Albireo bleibt im Fernglas ein einzelner Punkt – die Farbwirkung, für die er berühmt ist, entsteht erst ab etwa 30-facher Vergrößerung. Der Blinkende Planetarische NGC 6826 ist im Fernglas ein Stern unter vielen. Und M 29 löst sich erst im Teleskop in Einzelsterne auf.

Wenn das Fernglas schon da ist oder wenn du langfristig mehr willst als große Nebelfelder, ist ein kompaktes Einsteigerteleskop die sinnvolle Ergänzung. Der Skywatcher Heritage 130 kostet ungefähr so viel wie ein gutes Fernglas und bringt mit 130 mm Öffnung genug Licht für Albireo, M 29 und – mit Filter – die hellsten Teile des Cirrusnebels.

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Die ehrliche Reihenfolge lautet für den Schwan also: erst das Fernglas, dann der Filter, dann das Teleskop. Wer beides gegeneinander abwägen will, findet die Argumente ausführlich im direkten Vergleich Teleskop oder Fernglas.

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Der Schwan in der Mythologie: Zeus, Kyknos und Troja

Anders als beim Orion gibt es beim Schwan nicht eine Geschichte, sondern mindestens vier – die Griechen haben in dieselbe Figur ganz verschiedene Erzählungen hineingelesen.

Zeus und die Verwandlung

Die bekannteste Version: Zeus verwandelte sich in einen Schwan, um sich Leda, der Königin von Sparta, zu nähern. Aus dieser Begegnung gingen unter anderem Helena und die Zwillinge Kastor und Pollux hervor. Der Schwan am Himmel ist in dieser Lesart also nicht ein Tier, sondern ein verkleideter Gott – ein Motiv, das in der Kunstgeschichte unzählige Male aufgegriffen wurde.

Kyknos und Phaethon

Die zweite Erzählung ist die traurigere. Phaethon, Sohn des Sonnengottes, verlor die Kontrolle über den Sonnenwagen und stürzte in den Fluss Eridanus. Sein Freund Kyknos tauchte tagelang nach dem Leichnam, um ihn bestatten zu können. Die Götter rührte das so, dass sie ihn in einen Schwan verwandelten und an den Himmel setzten. Eine dritte Variante erzählt von einem trojanischen Krieger namens Cygnus, den Neptun nach seinem Tod durch Achilles in einen Schwan verwandelte.

Warum die Araber eine Henne sahen

Interessant wird es beim Blick über den griechischen Kulturkreis hinaus. In der arabischen Tradition war die Figur eine Henne – daher die Sternnamen: Deneb heißt „Schwanz der Henne“, Sadr „Brust der Henne“. Beide Namen haben die Umdeutung ins Griechisch-Lateinische überlebt und stehen bis heute in den Sternkarten. Mehr zu den Namen und Grenzen der 88 modernen Sternbilder findest du in unserem Sternbilder-Katalog.

Ist der Schwan ein Sternzeichen: die ehrliche Antwort

Nein. Der Schwan ist ein Sternbild, aber kein Sternzeichen – und das ist keine Auslegungsfrage, sondern eine Frage der Geometrie.

Sternzeichen sind die zwölf Abschnitte der Ekliptik, also der scheinbaren Jahresbahn der Sonne. Nur Sternbilder, durch die diese Bahn läuft, können überhaupt Tierkreiszeichen sein. Der Schwan liegt mit Deklinationen von +27,7° bis +61,4° weit im Norden – die Ekliptik erreicht maximal +23,4°. Die Sonne kann also gar nicht durch den Schwan wandern.

Wer nach einem „Sternzeichen Schwan“ sucht, meint deshalb fast immer eines von zweien: entweder das Sternbild selbst, oder ein Schwan-Symbol aus einem anderen System – etwa aus der keltischen Baum- oder Tierkreisdeutung, die mit Astronomie nichts zu tun hat. Wie sich Sternbilder und Sternzeichen auseinanderentwickelt haben und warum sie heute um fast einen ganzen Abschnitt verschoben sind, erklären wir unter Sternzeichen und Sternbilder.

Deneb als künftiger Polarstern: die Präzession erklärt

Die Erdachse taumelt wie ein Kreisel und beschreibt in rund 25.800 Jahren einen vollständigen Kegel. Der Himmelsnordpol wandert dadurch über den Sternenhimmel – und mit ihm die Antwort auf die Frage, welcher Stern gerade „der Polarstern“ ist. Der Schwan liegt genau auf dieser Bahn.

JahrDenebFawarisWegaWas am Himmel passiert
2026 (heute)44,6°44,8°51,2°Polaris steht dem Pol am nächsten
800015,5°Deneb rückt sichtbar näher
98007,9°Deneb wird zum Leitstern des Nordens
100007,6°geringster Abstand für Deneb
112509,9°3,9°Fawaris erreicht sein Minimum
130008,0°Wega übernimmt die Rolle

Deneb kommt dem Pol also nie so nah, wie Polaris es heute tut – mit 7,6° bleibt er ein „Polarstern“ nur im weiteren Sinne. Fawaris schafft es um das Jahr 11250 immerhin auf 3,9°, und endgültig hell wird der Nordpol erst um 13000, wenn Wega die Rolle übernimmt. Für die Menschen dieser Epochen wird der Schwan das sein, was heute der Kleine Wagen ist: die Figur, an der man sich orientiert.

Die Kappa-Cygniden: Sternschnuppen aus dem Schwan

Der Schwan hat einen eigenen Meteorstrom, auch wenn er im Schatten der berühmteren Nachbarn steht. Die Kappa-Cygniden sind vom 3. bis 25. August aktiv, das Maximum liegt um den 17./18. August; ihr Radiant liegt etwa 5° nördlich des Sterns κ Cygni am nordwestlichen Flügel.

Die Fallraten sind bescheiden: Die ZHR liegt normalerweise bei etwa 3 Meteoren pro Stunde, in den Jahren 2000 und 2014 wurden bis zu 6 erreicht. Was die Kappa-Cygniden entschädigt, ist ihr Charakter – sie sind auffallend langsam und produzieren überdurchschnittlich viele helle Feuerkugeln.

Praktisch heißt das: Wer im August wegen der Perseiden draußen ist, sieht die Kappa-Cygniden nebenbei mit. Man erkennt sie daran, dass ihre Spuren aus einer anderen Richtung kommen und deutlich gemächlicher über den Himmel ziehen. Alle Termine des Jahres stehen in unserem Sternschnuppen-Kalender.

Das Kepler-Feld im Schwan: die Jagd nach Exoplaneten

Als die NASA 2009 das Weltraumteleskop Kepler startete, musste sie sich für einen einzigen Himmelsausschnitt entscheiden, den das Instrument vier Jahre lang ununterbrochen anstarren sollte. Die Wahl fiel überwiegend auf den Schwan – aus zwei Gründen: Das Feld liegt weit genug von der Ekliptik entfernt, damit die Sonne nie stört, und es enthält durch die Lage in der Milchstraßenebene außergewöhnlich viele Sterne auf kleinem Raum.

Das Ergebnis waren über 2.700 bestätigte Exoplaneten. Zu den bekanntesten Funden gehören das kompakte Sechsplanetensystem Kepler-11 und Kepler-22b, der erste bestätigte Planet in der habitablen Zone eines sonnenähnlichen Sterns. Wenn du also im September zum Schwan hochschaust, blickst du auf die am gründlichsten durchmusterte Himmelsregion überhaupt – benannt nach Johannes Kepler, dessen Gesetze bis heute jede dieser Bahnbestimmungen tragen.

Häufige Fragen zum Sternbild Schwan

Wie heißt der hellste Stern im Sternbild Schwan?

Deneb, auch α Cygni genannt, mit 1,25 mag. Er ist der 19-hellste Stern des gesamten Himmels und markiert den Schwanz des Schwans. Sein Name bedeutet auf Arabisch „Schwanz der Henne“.

Warum heißt der Schwan „Kreuz des Nordens“?

Weil seine fünf hellsten Sterne ein deutliches Kreuz bilden: Deneb, Sadr und Albireo liegen auf einer Achse von 22°, Fawaris und Aljanah stehen quer dazu. Der Name grenzt die Figur vom Kreuz des Südens ab, das für Beobachter auf der Nordhalbkugel unsichtbar bleibt – das nördliche Kreuz ist dabei deutlich größer.

Wann kann man das Sternbild Schwan am besten sehen?

Von Juli bis Oktober am Abendhimmel, optimal Mitte September gegen 22 Uhr, wenn Deneb mit 84° fast im Zenit steht. Grundsätzlich ist der Schwan in Mitteleuropa aber ganzjährig über dem Horizont, weil er zirkumpolar ist.

Welches Tier soll das Sternbild Cygnus darstellen?

Einen Schwan im Flug – lateinisch cygnus. In der arabischen Astronomie wurde dieselbe Figur dagegen als Henne gedeutet, worauf die Sternnamen Deneb („Schwanz der Henne“) und Sadr („Brust der Henne“) bis heute zurückgehen.

Wie weit ist Deneb von der Erde entfernt?

Rund 2.600 Lichtjahre, wobei die Schätzungen zwischen etwa 1.400 und 2.600 liegen. Das Licht, das wir heute von ihm sehen, hat ihn also je nach Wert in der griechischen Antike oder im frühen Mittelalter verlassen. Zum Vergleich: Wega im selben Sommerdreieck ist nur 25 Lichtjahre entfernt.

Kann man den Nordamerikanebel ohne Teleskop sehen?

Unter sehr dunklem Himmel ja – er erscheint dann als schwache Aufhellung neben Deneb. Ein Fernglas zeigt ihn deutlich besser als ein Teleskop, weil er mit zwei Grad Ausdehnung größer ist als das Gesichtsfeld der meisten Teleskope. Von einem Stadtstandort aus ist er praktisch unsichtbar.

Wie trenne ich Albireo in seine beiden Sterne?

Ab etwa 30-facher Vergrößerung. Der Abstand von 34,6 Bogensekunden ist so groß, dass jedes kleine Teleskop und sogar manches stark vergrößernde Fernglas ausreicht. Wichtig ist eine mäßige Vergrößerung – bei zu hoher verlieren die Farben an Sättigung.

Gehört Deneb zum Sternbild Schwan oder zum Sommerdreieck?

Zu beidem. Deneb ist der Hauptstern des Schwans und gleichzeitig eine der drei Ecken des Sommerdreiecks, zusammen mit Wega im Sternbild Leier und Atair im Adler. Das Sommerdreieck ist kein Sternbild, sondern ein Asterismus – eine hilfreiche Merkfigur ohne offiziellen Status.

Was ist im Schwan mit bloßem Auge sichtbar?

Das Kreuz aus fünf Sternen, das Band der Milchstraße mitten hindurch, bei sehr dunklem Himmel der Nordamerikanebel als Aufhellung und im Maximum auch der Veränderliche χ Cygni. Für alles Weitere braucht es mindestens ein Fernglas.

Warum steht der Schwan im November senkrecht?

Weil sich die Figur mit der Erddrehung um den Himmelspol dreht. Im Spätherbst steht Deneb abends im Westnordwesten hoch, Albireo direkt darunter – die Längsachse des Kreuzes zeigt dann fast senkrecht nach unten. Im Sommer dagegen liegt dieselbe Achse schräg über dem Osthorizont.

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