Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 14. September 2026
⚡ Die schnelle Antwort: Cassiopeia (auch Kassiopeia geschrieben) ist das „Himmels-W“ am Nordhimmel: fünf Sterne zwischen 2,2 und 3,4 mag, die eine Zickzacklinie bilden. Du findest sie, indem du vom Großen Wagen über den Polarstern dieselbe Strecke noch einmal weitergehst.
Das Sternbild ist in ganz Deutschland zirkumpolar – es geht nie unter. Selbst im tiefsten Stand steht es noch rund 17° über dem Nordhorizont, in Novembernächten dagegen mit 83° fast genau im Zenit.
Und das „W“? Ein W ist die Figur nur im Frühjahr und Frühsommer, wenn sie tief im Norden steht. In Herbst- und Winterabenden steht sie hoch – und liest sich dann als M.
Fünf helle Sterne, ein deutlicher Zickzack, immer auf der anderen Seite des Polarsterns als der Große Wagen: Das Sternbild Cassiopeia ist neben dem Wagen die wichtigste Orientierungsfigur des Nordhimmels – und das einzige Sternbild, das in Mitteleuropa in jeder klaren Nacht des Jahres über dem Horizont steht.

Auf dieser Seite steht alles, was du über das Sternbild wissen willst: wie du es in zehn Sekunden findest, wie seine fünf Sterne heißen und wie weit sie entfernt sind, warum aus dem W im Laufe des Jahres ein M wird, welche Sternhaufen und Nebel sich lohnen – und was es mit den beiden Supernovae auf sich hat, die hier in historischer Zeit aufleuchteten.
Cassiopeia auf einen Blick: Steckbrief des Himmels-W
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Lateinischer Name | Cassiopeia (Genitiv: Cassiopeiae) |
| Abkürzung | Cas |
| Deutsche Namen | Kassiopeia, umgangssprachlich „Himmels-W“ |
| Fläche | 598,4 Quadratgrad – Rang 25 von 88 Sternbildern |
| Hellster Stern | Schedar (α Cassiopeiae), 2,2 mag |
| Sterne heller als 3 mag | 4 |
| Rektaszension | 0h 25m bis 3h 05m |
| Deklination | +46,7° bis +77,7° |
| Mitternachtskulmination | Anfang Oktober |
| Beste Sichtbarkeit | September bis Januar am Abendhimmel |
| Sichtbarkeit in Mitteleuropa | ganzjährig – zirkumpolar |
| Nachbarsternbilder | Kepheus, Eidechse, Andromeda, Perseus, Giraffe |
| Bekannteste Objekte | M 52, M 103, NGC 457 („Eulenhaufen“), NGC 281, Cassiopeia A |
Mit knapp 600 Quadratgrad liegt Cassiopeia im Mittelfeld der 88 Sternbilder – die Fläche ist nicht das Besondere. Entscheidend ist die Lage: Die Figur sitzt mitten auf der Milchstraße, also in der Scheibe unserer eigenen Galaxis. Deshalb drängen sich hier auf engem Raum ungewöhnlich viele offene Sternhaufen, und deshalb sieht man an einem dunklen Standort hinter den fünf hellen Sternen einen körnigen Teppich aus schwächeren.
Ein hübsches Detail für Kartenleser: Caph, der westliche Endstern der Figur, steht mit 0h 09m fast genau auf dem Nullkreis der Rektaszension. Er markiert damit den Himmelsnullmeridian, ungefähr so, wie Greenwich den irdischen markiert.
Das Himmels-W am Nordhimmel: fünf Sterne, eine Zickzacklinie
Der Name „Himmels-W“ stammt nicht aus der Astronomie, sondern aus dem Alltag – und er trifft die Sache besser als jede Sternbildfigur. Die fünf Hauptsterne stehen so, dass man sie unwillkürlich zu einem Buchstaben verbindet: Caph, Schedar, γ Cassiopeiae, Ruchbah, Segin, in dieser Reihenfolge von West nach Ost. Alle fünf sind heller als 3,4 mag, alle fünf stehen innerhalb von rund 25° – die Figur passt bequem in eine ausgestreckte Handspanne.
Die Spitze in der Mitte, γ Cassiopeiae, zeigt dabei ungefähr in Richtung Polarstern. Das ist der Grund, warum das W als Wegweiser funktioniert: Egal wie es gerade gedreht ist, die mittlere Spitze deutet zum Himmelspol. Genau das macht die Figur auch zur Ersatzlösung, wenn der Große Wagen einmal hinter Bäumen oder Häusern verschwindet – was in Frühlingsnächten ohnehin selten passiert, dafür im Herbst umso öfter.
Warum W und Wagen sich abwechseln
Cassiopeia und der Große Wagen stehen sich am Himmel fast genau gegenüber, mit dem Polarstern dazwischen. Beide drehen sich im Lauf der Nacht um diesen Punkt. Steht der Wagen hoch, steht das W tief – und umgekehrt. Im Frühjahr klettert der Wagen fast in den Zenit, während Cassiopeia flach über dem Nordhorizont liegt. Im Herbst ist es genau andersherum. Wer eine der beiden Figuren kennt, findet also zu jeder Jahreszeit den Norden.
Cassiopeia finden in drei Schritten: der Weg über den Großen Wagen
Cassiopeia zu finden ist eine Sache von Sekunden, sobald man den Einstieg kennt. Es gibt zwei Wege, und beide funktionieren auch von einem halbwegs aufgehellten Vorstadthimmel aus, weil die beteiligten Sterne hell genug sind.
Der Weg über den Polarstern
- Den Großen Wagen im Norden suchen. Die sieben Sterne des Wagens sind so auffällig, dass sie fast jeder kennt. Wichtig sind die beiden hinteren Kastensterne, Merak und Dubhe.
- Zum Polarstern verlängern. Die Verbindungslinie Merak–Dubhe etwa fünfmal verlängert trifft auf einen mittelhellen Stern – das ist Polaris, das Ende der Deichsel des Kleinen Wagens.
- Dieselbe Strecke noch einmal weiter. Gehst du vom Polarstern aus in derselben Richtung noch einmal ungefähr so weit, wie du vom Wagen bis Polaris gebraucht hast, landest du mitten im W. Es steht immer auf der dem Wagen abgewandten Seite.
Der Weg über Andromeda und Perseus
Im Herbst geht es sogar noch schneller. Suche das Herbstviereck des Pegasus hoch im Süden, hänge daran nach Nordosten die Sternenkette der Andromeda und weiter den Perseus – und direkt oberhalb davon, Richtung Zenit, steht das W. Diese Kette ist zugleich die Reihenfolge der Mythologie: Cassiopeia, ihre Tochter Andromeda, ihr Retter Perseus.
Wenn du dir unsicher bist, ob du das Richtige gefunden hast, hilft ein einfacher Test: Cassiopeia besteht aus fünf Sternen ähnlicher Helligkeit in einer Zickzacklinie. Der Kleine Wagen daneben hat sieben, davon vier sehr schwache. Und die Milchstraße läuft durch Cassiopeia hindurch, nicht durch den Kleinen Wagen. Für den ersten Überblick lohnt eine drehbare Sternkarte – sie zeigt sofort, wie die Figur gerade gedreht steht.
Die Sterne der Cassiopeia: Namen, Helligkeiten, Entfernungen
Die fünf W-Sterne sehen von der Erde aus ähnlich hell aus – tatsächlich haben sie miteinander nichts zu tun. Ihre Entfernungen reichen von 55 bis 550 Lichtjahren, sie stehen also weit hintereinander gestaffelt. Dass sie eine Figur bilden, ist reine Perspektive.
| Stern | Bezeichnung | Helligkeit | Entfernung | Typ |
|---|---|---|---|---|
| Schedar | α Cas | 2,2 mag | 228 Lj | oranger Riese (K0) |
| Caph | β Cas | 2,3 mag | 55 Lj | gelbweißer Unterriese (F2) |
| Tsih | γ Cas | 1,6–3,0 mag (veränderlich) | 550 Lj | blauer Be-Stern (B0,5) |
| Ruchbah | δ Cas | 2,7 mag | 99 Lj | weißer Stern (A5) |
| Segin | ε Cas | 3,4 mag | 410 Lj | blauer Riese (B3) |
| Achird | η Cas | 3,5 mag | 19 Lj | Doppelstern (G0 + K7) |
| ρ Cassiopeiae | ρ Cas | 4,1–6,2 mag | rund 10.000 Lj | gelber Hyperriese |
Was die Sternnamen bedeuten
Fast alle Namen stammen aus dem Arabischen und beziehen sich auf die Körperteile der thronenden Königin. Schedar geht auf ṣadr zurück, die Brust. Caph kommt von kaff, der Handfläche. Ruchbah heißt Knie. Segin ist vermutlich eine über Jahrhunderte verballhornte Form desselben Wortes. Nur Tsih fällt aus der Reihe: Der Name ist chinesisch und bedeutet „Peitsche“.
Gamma Cassiopeiae: der Stern, der seine Helligkeit ändert
Der interessanteste der fünf ist der mittlere. γ Cassiopeiae ist ein sehr heißer, schnell rotierender blauer Stern, der sich mit rund 400 Kilometern pro Sekunde am Äquator dreht – nahe an der Grenze, an der er auseinanderfliegen würde. Durch diese Rotation schleudert er Material ab, das eine Gasscheibe um ihn bildet. Baut sich die Scheibe auf, wird er heller; löst sie sich auf, wird er schwächer.
Das Ergebnis ist ein Veränderlicher, den man mit bloßem Auge kontrollieren kann: Zwischen 1937 und 1940 stieg γ Cas auf 1,6 mag und war damit vorübergehend der hellste Stern des Sternbilds, danach fiel er bis auf 3,0 mag zurück. Aktuell liegt er bei etwa 2,2 mag. Er ist der Prototyp einer ganzen Klasse, der Gamma-Cassiopeiae-Sterne.
Achird und Rho Cassiopeiae: zwei Sterne für Fortgeschrittene
Etwas abseits der Zickzacklinie, zwischen Schedar und γ Cas, steht Achird (η Cas). Er ist nur 19 Lichtjahre entfernt und damit einer unserer nächsten Nachbarn – und ein hervorragender Doppelstern: ein gelber Stern, der unserer Sonne sehr ähnlich ist, mit einem deutlich schwächeren orangeroten Begleiter im Abstand von etwa 13 Bogensekunden. Im Teleskop wirkt das Paar goldgelb und kupferfarben. Ein Fernglas trennt es nicht.
Der zweite Sonderfall ist ρ Cassiopeiae, einer der seltenen gelben Hyperriesen. Der Stern ist rund 10.000 Lichtjahre entfernt und trotzdem am Rand der Sichtbarkeit mit bloßem Auge – seine Leuchtkraft liegt bei mehreren hunderttausend Sonnen, sein Durchmesser bei etwa 500 Sonnendurchmessern. Alle paar Jahrzehnte stößt er eine gewaltige Hülle ab und wird dabei für Monate deutlich schwächer. Irgendwann wird er als Supernova enden – „irgendwann“ kann dabei alles zwischen heute Nacht und einigen zehntausend Jahren heißen.
Wann aus dem W ein M wird: Cassiopeia im Lauf des Jahres
Weil Cassiopeia zirkumpolar ist, lautet die Frage nie „ob“, sondern nur „wie hoch“ und „wie herum“. Beides ändert sich im Lauf des Jahres erheblich – und genau daraus entsteht die Verwirrung um W und M.

| Monat | Höhe um 22 Uhr | Richtung | Form der Figur |
|---|---|---|---|
| Januar | 50° | Nordwesten | steht auf der Kante |
| Februar | 35° | Nordwesten | kippt weiter |
| März | 25° | Nordnordwesten | flach, öffnet sich nach oben |
| April | 21° | Nordnordwesten | W |
| Mai | 17° | Norden | W – tiefster Stand des Jahres |
| Juni | 18° | Norden | W |
| Juli | 25° | Nordnordosten | W, richtet sich auf |
| August | 37° | Nordosten | steht auf der Kante |
| September | 52° | Nordosten | kippt nach oben |
| Oktober | 68° | Nordosten | fast M |
| November | 81° | nahe Zenit | M – höchster Stand des Jahres |
| Dezember | 66° | Nordwesten | M, wandert nach Westen |
Berechnet für 50° Nord und 10° Ost, jeweils zum Monatsmitte-Termin um 22 Uhr Ortszeit (Schedar als Bezugsstern). Weiter nördlich stehen alle Werte etwas höher, weiter südlich etwas tiefer.
Warum die Figur sich dreht
Cassiopeia kreist wie alles am Himmel einmal pro Tag um den Himmelspol. Steht sie über dem Polarstern, also hoch am Himmel, zeigt die mittlere Spitze nach unten – dann sieht die Figur wie ein M aus. Steht sie unter dem Polarstern, tief im Norden, zeigt dieselbe Spitze nach oben, und man liest ein W. Dazwischen steht sie schräg oder hochkant.
Weil sich zur selben Uhrzeit im Lauf des Jahres alles um vier Minuten pro Tag verschiebt, durchläuft die Figur diesen Zyklus einmal jährlich – aber eben auch einmal pro Nacht. Wer im November um 20 Uhr und um 4 Uhr morgens hinausgeht, sieht sie in zwei völlig verschiedenen Lagen.
💡 Praxis-Tipp: Ob gerade W, M oder Hochkant dran ist, stellst du auf einer drehbaren Himmelskarte in Sekunden ein – die Oculum Drehbare Himmelskarte 29 cm (19,90 €) reicht dafür völlig. Wie du sie benutzt, erklärt unsere Anleitung zur Sternenkarte.
Der beste Beobachtungszeitraum
Für alles, was ein Instrument braucht, sind September bis Januar die richtigen Monate. Dann steht Cassiopeia abends hoch, das Licht der Objekte läuft durch wenig Luft, und die Sternhaufen stehen weit weg vom Dunst über dem Horizont. Der Novemberhimmel ist der absolute Höhepunkt: Am Monatsanfang kulminiert Schedar gegen 22 Uhr mit 83°. Was sonst noch am Oktoberhimmel lohnt, steht in unserem Monatsüberblick.
Deep-Sky in Cassiopeia: Sternhaufen, Nebel und ein Gespenst
Hier zahlt sich die Lage auf der Milchstraße aus. Cassiopeia ist ein Feld für offene Sternhaufen – junge Sterngruppen, die in den Spiralarmen entstanden sind und noch nicht auseinandergedriftet sind. Fünf von ihnen sind hell genug fürs Fernglas, zwei tragen Messier-Nummern.
Tipp: Für diese Haufenjagd reicht ein 10×50-Glas wie das Celestron UpClose G2 10x50 Porro (62 €) völlig – M 52, M 103, NGC 663 und NGC 7789 stehen damit als körnige Flecken im selben Streifzug. Worauf es bei einem Astro-Fernglas ankommt, erklärt unser Fernglas-Ratgeber.

| Objekt | Typ | Helligkeit | Entfernung | Womit sichtbar |
|---|---|---|---|---|
| M 52 | offener Sternhaufen | 6,9 mag | rund 5.000 Lj | Fernglas |
| NGC 7789 „Carolines Rose“ | offener Sternhaufen | 6,7 mag | rund 7.600 Lj | Fernglas, besser Teleskop |
| NGC 457 „Eulenhaufen“ | offener Sternhaufen | 6,4 mag | rund 7.900 Lj | Fernglas, Teleskop lohnt sehr |
| M 103 | offener Sternhaufen | 7,4 mag | rund 8.500 Lj | Fernglas |
| NGC 663 | offener Sternhaufen | 7,1 mag | rund 8.200 Lj | Fernglas |
| NGC 281 „Pacman-Nebel“ | Emissionsnebel | 7,4 mag | rund 9.500 Lj | Teleskop mit Filter |
| IC 63 „Gespenst von Cassiopeia“ | Emissions- und Reflexionsnebel | sehr schwach | rund 550 Lj | Astrofotografie |
NGC 457: der Eulenhaufen als Publikumsliebling
Wenn ein Objekt in Cassiopeia berühmt ist, dann dieses. NGC 457 besteht aus rund hundert Sternen, von denen zwei besonders helle nebeneinanderstehen – und der Rest zwei ausgebreitete Ketten bildet. Im Teleskop bei geringer Vergrößerung sieht das so eindeutig nach einer Eule mit leuchtenden Augen aus, dass der Spitzname sich von selbst versteht. In den USA heißt der Haufen stattdessen „E.T.-Haufen“, weil dieselbe Figur auch als Filmwesen mit ausgestreckten Armen durchgeht.
Du findest ihn eineinhalb Grad südwestlich von Ruchbah. Der hellere der beiden „Augen“-Sterne ist φ Cassiopeiae mit 5,0 mag – gerade noch mit bloßem Auge zu erahnen. Ein 100-mm-Teleskop bei etwa 40-facher Vergrößerung ist die ideale Kombination.
M 52 und M 103: die beiden Messier-Objekte
M 52 steht am äußersten Nordwestrand des Sternbilds und ist am einfachsten über die Verlängerung Schedar–Caph zu finden: dieselbe Strecke noch einmal weiter. Im Fernglas ist er ein körniges Nebelfleckchen, im Teleskop löst er sich in ein dichtes Gewimmel aus über hundert Sternen auf. Charles Messier trug ihn 1774 ein, nachdem ihm dort ein Komet begegnet war.
M 103 liegt bequemer, nur ein Grad nordöstlich von Ruchbah. Er ist deutlich sternärmer – rund 25 Mitglieder – und wirkt im kleinen Teleskop wie ein kleiner Fächer mit einem auffällig roten Stern am Rand. Es ist das letzte Objekt, das Messier persönlich in seinen Katalog aufnahm; alles ab M 104 fügten spätere Bearbeiter hinzu.
NGC 7789 und NGC 663: die unterschätzten Haufen
NGC 7789 trägt den Namen Carolines Rose, nach Caroline Herschel, die ihn 1783 entdeckte. Er ist mit rund anderthalb Milliarden Jahren für einen offenen Haufen ungewöhnlich alt und enthält mehrere hundert Sterne, alle etwa gleich schwach. Das Ergebnis im Okular ist ein dichter, fein gekörnter Schleier, der bei indirektem Sehen regelrecht aufblüht – für viele Beobachter der schönste offene Sternhaufen des ganzen Nordhimmels.
NGC 663 zwischen Ruchbah und Segin ist größer als der Vollmond und schon im Fernglas ein deutlicher Fleck. Er gehört zu einer ganzen Kette von Haufen in dieser Gegend – wer das Fernglas zwischen Ruchbah und Segin langsam hin- und herschwenkt, stolpert nacheinander über NGC 654, NGC 659 und NGC 663.
NGC 281 und IC 63: die beiden Nebel
Der Pacman-Nebel NGC 281 ist eine große Wasserstoffwolke südlich von Schedar, in der gerade neue Sterne entstehen. Seinen Spitznamen verdankt er einer Dunkelwolke, die vom Rand her in die leuchtende Fläche schneidet und sie aussehen lässt wie die Spielfigur aus dem Automatenklassiker. Visuell braucht er ein Teleskop ab etwa 150 mm und einen UHC-Filter; fotografisch ist er schon mit kurzer Brennweite ein dankbares Ziel.
IC 63, das „Gespenst von Cassiopeia“, ist ein Sonderfall. Die Wolke steht nur etwa ein Grad von γ Cassiopeiae entfernt und wird von dessen ultravioletter Strahlung zum Leuchten gebracht – und gleichzeitig zerstört. Sie verliert dadurch pro Jahrtausend messbar an Masse. Visuell ist sie praktisch unerreichbar, weil das Streulicht von γ Cas alles überstrahlt; auf Aufnahmen mit Wasserstoff-Filter dagegen erscheint eine gespenstisch geschwungene Fahne. Der Nachbar IC 59 ist ein bläulicher Reflexionsnebel desselben Komplexes.
Zwei Supernovae in der Cassiopeia: Tycho 1572 und Cas A
Kein anderes Sternbild am Nordhimmel hat in historischer Zeit zwei Sternexplosionen gezeigt. Eine davon veränderte das Weltbild, die andere bemerkte fast niemand.
Die Supernova von 1572: als der Himmel unveränderlich war
Am 11. November 1572 leuchtete zwischen Schedar und Caph ein neuer Stern auf, der bald heller strahlte als die Venus. Tycho Brahe vermaß ihn über Monate hinweg mit einer für die Zeit unerhörten Präzision und stellte fest, dass er sich überhaupt nicht bewegte – keine Parallaxe, keine Ortsveränderung gegenüber den Nachbarsternen.
Das klingt harmlos, war aber eine Bombe. Nach der seit Aristoteles gültigen Lehre war alles jenseits der Mondbahn ewig und unveränderlich; neue Lichter am Himmel mussten demnach Erscheinungen in der Erdatmosphäre sein. Tychos Messung bewies das Gegenteil: Der neue Stern stand in der Sphäre der Fixsterne. Sein Buch De nova stella von 1573 gab diesen Objekten den bis heute gebräuchlichen Namen – Nova. Nach 16 Monaten verblasste er wieder. Heute weiß man, dass es eine Supernova vom Typ Ia war, rund 9.000 Lichtjahre entfernt; ihr Rest ist als Radioquelle 3C 10 messbar.
Cassiopeia A: die Explosion, die niemand sah
Der zweite Fall ist merkwürdiger. Cassiopeia A ist der Rest einer Sternexplosion, deren Licht die Erde um 1680 erreichte – aber es gibt kaum zeitgenössische Beobachtungen. John Flamsteed katalogisierte im August 1680 einen Stern „3 Cassiopeiae“, den spätere Beobachter nicht mehr fanden; ob das die Supernova war, ist bis heute umstritten. Der Grund für die Unauffälligkeit: Dichte Staubwolken auf dem Weg schluckten den größten Teil des Lichts, sodass der Stern kaum die Grenze der Sichtbarkeit mit bloßem Auge erreichte.
Heute ist Cassiopeia A die stärkste Radioquelle am Himmel außerhalb des Sonnensystems – entdeckt 1947, lange bevor man wusste, was sie ist. Die Hülle dehnt sich mit rund 4.000 Kilometern pro Sekunde aus und misst inzwischen etwa zehn Lichtjahre. Das Röntgenteleskop Chandra fand 1999 im Zentrum einen Neutronenstern, den kollabierten Kern des explodierten Sterns. Wäre die Masse größer gewesen, wäre daraus ein Schwarzes Loch geworden.
Das Himmels-W findest du ohne Gerät. Was darin steht, nicht.
Sechs kurze Fragen, ehrliche Antwort per Mail – auch dann, wenn ein Fernglas reicht.
Welches Instrument für Cassiopeia: Fernglas oder Teleskop
Cassiopeia ist eines der wenigen Sternbilder, in denen ein Fernglas tatsächlich mithalten kann – aber nur bei einem Teil der Objekte. Die Antwort hängt davon ab, was du sehen willst.
| Instrument | Was du in Cassiopeia siehst | Preisrahmen |
|---|---|---|
| Bloßes Auge | die Figur, das Milchstraßenband, γ Cas im Helligkeitsmaximum | kostenlos |
| Fernglas 10×50 | M 52, M 103, NGC 663, NGC 7789 und NGC 457 als körnige Flecken, endlose Sternfelder | ab rund 100 € |
| Teleskop 100–130 mm | NGC 457 in Einzelsterne aufgelöst, Achird farbig getrennt, M 52 als Sterngewimmel | ab rund 250 € |
| Teleskop 200 mm + UHC-Filter | NGC 281 mit Struktur, schwächere Haufen, Andeutung von IC 59 | ab rund 500 € |
Wofür das Fernglas hier wirklich reicht
Die offenen Sternhaufen in Cassiopeia sind groß und verhältnismäßig hell – genau die Klasse von Objekten, bei der ein weites Gesichtsfeld mehr bringt als Vergrößerung. Ein 10×50-Fernglas zeigt rund 6° auf einmal; damit hast du zwischen Ruchbah und Segin gleich mehrere Haufen im selben Bild und siehst, wie sie im Milchstraßenteppich liegen. Dazu kommen die praktischen Vorteile: beidäugig, in Sekunden einsatzbereit, im Liegen benutzbar – was bei einem Sternbild, das im November fast im Zenit steht, kein kleines Argument ist.
Für die Sternhaufen die erste Wahl: Celestron Cometron 7x50

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Zwei Dinge sind bei einem Astro-Fernglas wichtig: mindestens 50 mm Öffnung und eine ordentlich vergütete Optik. Billiggläser zeigen an hellen Sternen Farbsäume und deutlich weniger Kontrast – gerade bei den schwach gekörnten Haufen macht das den Unterschied zwischen „Fleck“ und „Sterngewimmel“.
Wann sich das Teleskop trotzdem lohnt
Bei drei der schönsten Objekte des Sternbilds kommt das Fernglas nicht weit genug. NGC 457 bleibt darin ein länglicher Schimmer – die Eulenfigur, für die er berühmt ist, entsteht erst ab etwa 40-facher Vergrößerung. Achird ist im Fernglas ein einzelner Punkt; der farbige Begleiter braucht mindestens ein kleines Teleskop. Und der Pacman-Nebel ist ohne Öffnung und Filter überhaupt nicht zu sehen.
Wer nur ein Gerät kaufen kann und den Himmel wirklich erkunden will, greift deshalb zum Teleskop; das Fernglas ist die Ergänzung, nicht der Ersatz. Ein kompaktes Einsteigerteleskop kostet ungefähr so viel wie ein gutes Fernglas und bringt mit 130 mm Öffnung genug Licht für den Eulenhaufen, für Achird und – mit Filter – für die hellsten Teile von NGC 281.
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Die ehrliche Reihenfolge lautet für Cassiopeia also: Wer ohnehin ein Fernglas besitzt, hat für die Sternhaufen schon das passende Gerät. Wer neu anfängt und langfristig mehr will, kauft das Teleskop zuerst. Die Argumente im Detail stehen im direkten Vergleich Teleskop oder Fernglas, die Auswahl im Ratgeber Teleskop kaufen.
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Die Bedeutung des Namens Kassiopeia: der Mythos der eitlen Königin
Cassiopeia war in der griechischen Erzählung die Königin von Aithiopia, die Gattin des Kepheus und die Mutter der Andromeda. Ihr Vergehen war die Eitelkeit: Sie behauptete, schöner zu sein als die Nereiden, die Töchter des Meeresgottes Nereus. Die beschwerten sich bei Poseidon, und der schickte das Meeresungeheuer Ketos, das die Küste des Reiches verwüstete.
Ein Orakel verlangte als einzigen Ausweg die Opferung der Königstochter. Andromeda wurde an einen Felsen gekettet – und im letzten Moment von Perseus gerettet, der das Ungeheuer tötete und sie zur Frau bekam. Alle Beteiligten stehen bis heute nebeneinander am Herbsthimmel: Kassiopeia, Kepheus, Andromeda, Perseus und, als Walfisch gedeutet, auch Ketos.
Die Strafe: kopfüber um den Pol
Die Königin selbst kam nicht ungeschoren davon. Poseidon setzte sie zwar an den Himmel, aber so nah am Pol, dass sie sich unaufhörlich um ihn drehen muss – und dabei die halbe Zeit kopfüber hängt. Genau das ist der Wechsel zwischen W und M, den man jede Nacht beobachten kann. Die antike Erzählung hat also einen ganz realen astronomischen Kern.
Der Name selbst ist älter als die Geschichte und in seiner Bedeutung unsicher; die häufigste Deutung geht auf griechisch kekasmai zurück, etwa „sie, die sich hervortut“. In der arabischen Astronomie war dieselbe Figur eine kniende Frau mit einer Hand, in einer anderen Lesart ein Kamel. Im 17. Jahrhundert versuchten christliche Autoren, sie in „Maria Magdalena“ oder in den Thron Salomons umzubenennen – ohne Erfolg: Der antike Name steht bis heute in der Liste der 88 anerkannten Sternbilder.
Ist Kassiopeia ein Sternzeichen: die kurze Antwort
Nein. Kassiopeia ist ein Sternbild, aber kein Sternzeichen – und das ist keine Auslegungsfrage, sondern schlichte Geometrie.
Sternzeichen sind die zwölf Abschnitte der Ekliptik, also der scheinbaren Jahresbahn der Sonne. Nur Sternbilder, durch die diese Bahn verläuft, kommen dafür überhaupt infrage. Kassiopeia liegt mit Deklinationen zwischen +46,7° und +77,7° weit im Norden, die Ekliptik erreicht höchstens +23,4°. Die Sonne kann also gar nicht durch das Himmels-W wandern. Wie Sternbilder und Sternzeichen zusammenhängen, erklären wir ausführlich im Beitrag Sternzeichen und Sternbilder.
Die Nachbarn am Nordhimmel: Perseus, Andromeda und Kepheus
Cassiopeia ist von allen Seiten von bekannten Figuren umgeben – was das Sternbild zu einem guten Ausgangspunkt für eine kleine Rundreise macht.
- Kepheus im Nordwesten: das Sternbild ihres Gatten, ein schiefes Haus mit spitzem Dach. Dort steht der berühmte Veränderliche δ Cephei – der Prototyp der Cepheiden, mit denen sich Entfernungen im Universum messen lassen. Er gehört nicht zu Cassiopeia, auch wenn das oft verwechselt wird.
- Andromeda im Süden: die Sternenkette, an der die Andromedagalaxie hängt – das fernste Objekt, das man mit bloßem Auge sehen kann.
- Perseus im Südosten: mit Algol, dem „Teufelsstern“, und dem Doppelsternhaufen h und χ Persei, der direkt an der Grenze zu Cassiopeia steht und im Fernglas grandios ist.
- Giraffe (Camelopardalis) im Osten: ein großes, sternarmes Feld ohne auffällige Figur.
- Eidechse (Lacerta) im Westen: ebenfalls unscheinbar, ein kleiner Zickzack zwischen Cassiopeia und dem Schwan.
Der Doppelsternhaufen h und χ Persei verdient dabei einen eigenen Hinweis: Er steht auf halbem Weg zwischen Segin und dem Perseus und ist unter dunklem Himmel schon mit bloßem Auge als länglicher Nebelfleck zu erkennen. Wenn du Cassiopeia im Fernglas absuchst, nimm ihn gleich mit – viele halten ihn für das schönste Fernglasobjekt des Nordhimmels.
💡 Übrigens: Wenn du einem Sternenfreund eine Freude machen willst – in unserer Astronomie-Geschenke-Liste findest du Ideen für jedes Budget, vom Sternbild-Poster bis zum ersten Teleskop.
Häufige Fragen zum Sternbild Cassiopeia
Wie schreibt man Cassiopeia richtig – mit C oder mit K?
Beides ist richtig. Cassiopeia mit C ist die international gültige lateinische Schreibweise, die auch in Sternkarten und Katalogen steht. Kassiopeia mit K ist die eingedeutschte Form, die vor allem in der Mythologie üblich ist. Die Abkürzung lautet in beiden Fällen „Cas“.
Wie viele Sterne hat das Himmels-W?
Die auffällige Zickzackfigur besteht aus fünf Sternen: Caph, Schedar, γ Cassiopeiae, Ruchbah und Segin. Das gesamte Sternbild, also die von der Internationalen Astronomischen Union festgelegte Fläche, enthält natürlich weit mehr – rund 90 Sterne sind darin mit bloßem Auge sichtbar.
Welcher Stern in Kassiopeia ist der hellste?
Normalerweise Schedar (α Cassiopeiae) mit 2,2 mag, ein oranger Riese in 228 Lichtjahren Entfernung. Es gibt aber eine Ausnahme: Wenn γ Cassiopeiae eines seiner Helligkeitsmaxima durchläuft, übernimmt dieser die Führung – zwischen 1937 und 1940 war er mit 1,6 mag mit Abstand der hellste Stern der Figur.
Wie weit ist das Sternbild Kassiopeia von der Erde entfernt?
Diese Frage hat keine einzelne Antwort, weil ein Sternbild kein Objekt ist, sondern eine Richtung. Die fünf W-Sterne stehen zwischen 55 und 550 Lichtjahren weit hintereinander. Die Sternhaufen im selben Blickfeld liegen bei 5.000 bis 9.000 Lichtjahren, der Hyperriese ρ Cassiopeiae sogar bei rund 10.000.
Kann man Kassiopeia von der Südhalbkugel aus sehen?
Nur eingeschränkt. Weil das Sternbild weit im Norden liegt, bleibt es südlich von etwa 12° südlicher Breite ganz unter dem Horizont. In Nairobi oder Quito steht es im Herbst niedrig über dem Nordhorizont, in Sydney oder Kapstadt sieht man es nie. Umgekehrt ist es nördlich von rund 34° Nord – also in ganz Europa – zirkumpolar und damit ganzjährig sichtbar.
Welche Objekte in Kassiopeia lohnen sich für Einsteiger?
Fang mit NGC 457 an, dem Eulenhaufen – er ist auch in kleinen Geräten sofort wiedererkennbar und macht mehr Eindruck als jeder andere Haufen der Gegend. Danach M 52 und M 103, beide leicht zu finden. Nebel wie NGC 281 solltest du dir für später aufheben: Die brauchen Öffnung, einen Filter und vor allem einen Standort ohne Lichtverschmutzung.
Warum sieht Kassiopeia manchmal aus wie ein M?
Weil die Figur sich einmal pro Nacht um den Himmelspol dreht. Steht sie über dem Polarstern, also hoch am Himmel, hängt sie sozusagen kopfüber – dann liest man ein M. Steht sie tief im Norden unter dem Polarstern, ergibt dieselbe Sternkette ein W. An Herbst- und Winterabenden sieht man deshalb meist das M, an Frühjahrsabenden das W.
Gehört Delta Cephei zum Sternbild Kassiopeia?
Nein – das ist eine häufige Verwechslung. δ Cephei, der berühmte Prototyp der Cepheiden, steht im benachbarten Sternbild Kepheus. In Kassiopeia selbst gibt es aber ebenfalls einen Cepheiden: SU Cassiopeiae, der zwischen 5,7 und 6,2 mag schwankt.
Weiterlesen auf Sterngucker
- Polarstern – der Dreh- und Angelpunkt zwischen W und Wagen
- Großer Wagen – die Gegenfigur auf der anderen Seite des Pols
- Zirkumpolare Sternbilder – was nie untergeht und warum
- Andromeda – die Tochter mit der berühmten Galaxie
- Perseus – der Retter mit Algol und h + χ Persei
- Die Milchstraße – warum in Cassiopeia so viele Sternhaufen stehen
- Supernova – was 1572 und um 1680 wirklich passierte
- Sternenhimmel im November – wenn das W fast im Zenit steht
- Alle Sternbilder im Überblick – der Einstieg in unseren Katalog

