Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 22. September 2026
⚡ Die schnelle Antwort: Der Krebs (lateinisch Cancer) steht genau zwischen Pollux und Regulus. Miss die Strecke zwischen diesen beiden hellen Sternen ab – ihre Mitte liegt nur 3,9° vom Sternhaufen M 44 entfernt, dem eigentlichen Ziel im Krebs.
Beste Zeit: Februar bis April, mit dem Höhepunkt im März. Dann steht M 44 gegen 21:30 Uhr am höchsten – bei 50° Nord rund 59° über dem Südhorizont. Von August bis Oktober ist der Krebs abends gar nicht zu sehen.
Das Besondere: M 44, die Praesepe oder „Krippe“, ist mit bloßem Auge ein Nebelfleckchen und im Fernglas ein Feld aus über 300 Sternen. Sie ist einer der wenigen Deep-Sky-Klassiker, bei denen ein Teleskop schlechter abschneidet als ein Fernglas.
Zwischen zwei der auffälligsten Sternbilder des Winter- und Frühlingshimmels klafft eine Lücke: Rechts stehen die Zwillinge, links der Löwe – und dazwischen scheint fast nichts zu sein. Genau dort liegt das Sternbild Krebs. Es ist das schwächste aller zwölf Tierkreissternbilder, sein hellster Stern erreicht gerade einmal 3,53 mag. Und trotzdem steht mitten in dieser Lücke einer der schönsten Sternhaufen des ganzen Himmels.

Das Sternbild Krebs auf einen Blick: Daten, Größe und Grenzen
Der Krebs gehört zu den 48 klassischen Sternbildern, die Claudius Ptolemäus im 2. Jahrhundert in seinem Almagest aufgelistet hat, und ist damit eines der ältesten Muster am Himmel überhaupt. Seine offiziellen Grenzen legte die Internationale Astronomische Union 1928 fest.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Lateinischer Name | Cancer (Genitiv: Cancri, Kürzel: Cnc) |
| Fläche | 506 Quadratgrad – Rang 31 von 88 |
| Rektaszension | 07h 55m bis 09h 23m |
| Deklination | −6° 28′ bis +33° 08′ |
| Hellster Stern | β Cancri (Altarf), 3,53 mag |
| Sterne heller als 3 mag | keiner |
| Beste Beobachtungszeit | Februar bis April, Höhepunkt im März |
| Sichtbar zwischen | 90° Nord und 60° Süd |
| Nachbarsternbilder | Zwillinge, Luchs, Kleiner Löwe, Löwe, Wasserschlange, Kleiner Hund |
| Meteorstrom | Delta-Cancriden, Maximum am 16./17. Januar |
| Sonne im Sternbild | 21. Juli bis 10. August |
Zwei Zeilen dieser Tabelle erklären, warum so viele Menschen den Krebs nie bewusst gesehen haben. Die erste ist die Zeile „Sterne heller als 3 mag“ – dort steht keiner. Kein anderes Tierkreissternbild ist so blass. Zum Vergleich: Der benachbarte Löwe hat fünf Sterne über dieser Schwelle, die Zwillinge vier. Die zweite ist die Fläche. Mit 506 Quadratgrad ist der Krebs nur gut halb so groß wie der Löwe und liegt im hinteren Drittel der 88 Sternbilder.
Der Krebs ist also ein Sternbild, das man gezielt aufsuchen muss – zufällig fällt es niemandem auf. Unter aufgehelltem Stadthimmel sieht man von der Figur schlicht gar nichts. Wie stark Lichtverschmutzung hier zuschlägt, merkt man an keinem anderen Tierkreissternbild so deutlich.
Umgekehrt ist die Ausbeute an lohnenden Objekten erstaunlich hoch: zwei Sternhaufen aus dem Messier-Katalog, ein tiefroter Kohlenstoffstern, mehrere schöne Doppelsterne, ein Mira-Stern und ein Sonnensystem mit fünf Exoplaneten. Der Krebs ist deutlich mehr, als sein Sternmuster verspricht.
Sternbild Krebs finden: die Mitte zwischen Pollux und Regulus
Beim Krebs funktioniert die übliche Methode nicht. Man kann keine Linie „zum hellsten Stern“ ziehen, weil es keinen hellen Stern gibt. Stattdessen sucht man nicht das Sternbild, sondern die Lücke – und zwar über die beiden Sternbilder rechts und links davon.
Die Hauptpeilung: von Pollux zu Regulus
Suche zuerst Pollux, den helleren der beiden Zwillingssterne (1,14 mag), und dann Regulus, den Hauptstern im Löwen (1,35 mag). Beide sind im Frühjahr abends leicht zu finden: Pollux steht hoch im Süden bis Südwesten, Regulus links davon, etwas tiefer. Die Strecke zwischen beiden misst 37,1° – das sind knapp vier ausgestreckte Handspannen.
Die Faustregel: Teile die Strecke Pollux–Regulus in der Mitte. Genau dort, mit einer Abweichung von nur 3,9°, steht der Sternhaufen M 44. Das ist weniger als die Breite von zwei Fingern bei ausgestrecktem Arm – und weniger als das Gesichtsfeld eines normalen Fernglases.
Das ist die zuverlässigste Peilung am ganzen Frühlingshimmel, weil sie zwischen zwei sehr hellen Sternen aufgespannt ist und man sich auf halber Strecke kaum verschätzen kann.
An einem wirklich dunklen Ort sieht man an dieser Stelle mit bloßem Auge ein schwaches, mattes Wölkchen. Genau das ist M 44. Wenn du es siehst, hast du den Krebs gefunden – die Sterne der Figur stehen ringsherum.
Die Gegenprobe über Prokyon und Kastor
Wenn du unsicher bist, kontrolliere von unten. Prokyon im Kleinen Hund (0,34 mag) steht 20,7° südwestlich von M 44 – eine Linie von Prokyon schräg nach oben links trifft die Region. Und Kastor, der zweite Zwillingsstern, ist 19,2° entfernt. Pollux selbst liegt nur 15,1° von M 44 weg und ist damit der nächste wirklich helle Stern.
Eine dritte Kontrolle liefert das Wintersechseck: Der Krebs steht knapp außerhalb, nordöstlich der Verbindungslinie Prokyon–Pollux. Wer den Orion und Sirius kennt, hat den Weg dorthin ohnehin schon in den Beinen.
Was du wirklich siehst – und was nicht
Hier ist Ehrlichkeit angebracht, denn viele suchen den Krebs zu lange und geben frustriert auf. Unter Stadthimmel ist die Figur unsichtbar, punkt. Selbst am Stadtrand erkennt man bestenfalls δ und β Cancri als zwei einsame Pünktchen. Erst bei einer Grenzgröße von etwa 5,5 mag setzt sich das umgedrehte Y zusammen.
M 44 dagegen ist toleranter: Der Sternhaufen ist als Gesamtobjekt 3,5 mag hell und schon unter mäßigem Landhimmel als Fleck zu ahnen. Deshalb der praktische Rat: Suche nicht die Sterne des Krebses, suche den Fleck. Die Figur ergibt sich danach von selbst. Eine Sternkarte hilft beim ersten Mal enorm.
Die Figur des Krebses: ein umgedrehtes Y am Himmel
Wer eine Krebsschere sucht, sucht vergeblich. Was die Sterne tatsächlich zeigen, ist ein auf dem Kopf stehendes Y – oder, je nach Fantasie, ein schiefes Kreuz. Die Figur besteht aus fünf Sternen zwischen 3,5 und 4,7 mag.
| Stern | Position in der Figur | Helligkeit | Abstand |
|---|---|---|---|
| ι Cnc | oben (Nordspitze) | 4,0 mag | Anfang des langen Arms |
| γ Cnc – Asellus Borealis | Mitte oben | 4,66 mag | 7,3° südlich von ι |
| δ Cnc – Asellus Australis | Kreuzungspunkt | 3,94 mag | nur 3,3° unter γ |
| α Cnc – Acubens | unten links (Südosten) | 4,26 mag | 7,1° südöstlich von δ |
| β Cnc – Altarf | unten rechts (Südwesten) | 3,53 mag | 11,3° südwestlich von δ |
Der Aufbau ist schnell erklärt. Von ι Cancri läuft eine Kette nach unten über γ und δ zu α – dieser Bogen ist zusammen 17,8° lang. Bei δ zweigt der zweite Arm ab und führt 11,3° nach Südwesten zu Altarf, dem hellsten Stern des Sternbilds. Damit ist δ Cancri der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Figur.
Und der Sternhaufen? M 44 steht genau im Winkel zwischen den beiden oberen Sternen: nur 1,8° nordnordwestlich von δ und 1,9° nordnordöstlich von γ. Die beiden Sterne heißen nicht ohne Grund „nördlicher Esel“ und „südlicher Esel“ – sie stehen links und rechts der „Krippe“, aus der die Esel fressen. Wer γ und δ gefunden hat, hat M 44 automatisch mit im Gesichtsfeld.
Es gibt noch einen sechsten Stern, der manchmal mitgezeichnet wird: ζ Cancri (Tegmine, 4,7 mag), 7,7° westlich von δ. Er gehört in den meisten Darstellungen nicht zur Hauptfigur, ist aber im Teleskop eines der interessantesten Objekte des Sternbilds.
Die Sterne im Sternbild Krebs: von Altarf bis DX Cancri
| Stern | Eigenname | mag | Entfernung (Lj) | Typ und Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| β Cnc | Altarf / Tarf | 3,53 | 230 | K4 III – oranger Riese, hellster Stern |
| δ Cnc | Asellus Australis | 3,94 | 150 | K0 III – liegt fast exakt auf der Ekliptik |
| ι Cnc | – | 4,0 | 300 | G6 + A3 – weiter Doppelstern, 30,5″ |
| α Cnc | Acubens | 4,26 | 180 | A3 – „die Schere“ |
| γ Cnc | Asellus Borealis | 4,66 | 160 | A1 V – nördlich von M 44 |
| ζ Cnc | Tegmine | 4,70 | 82 | Vierfachsystem aus F- und G-Sternen |
| RS Cnc | – | 5,0–5,6 | 2.000 | M6 II – halbregelmäßiger roter Riese |
| χ Cnc | – | 5,13 | 60 | F6 V |
| 55 Cnc | Copernicus | 5,9 | 45 | G8 + M3 – fünf bekannte Exoplaneten |
| X Cnc | – | 5,6–7,5 | 2.000 | C6 II – Kohlenstoffstern, tiefrot |
| R Cnc | – | 6,1–12,3 | 830 | Mira-Stern, Periode 357 Tage |
| DX Cnc | – | 14,8 | 11,7 | roter Zwerg – nächster Stern des Sternbilds |
Die Entfernungsspalte zeigt sehr schön, was ein Sternbild eigentlich ist: keine Gruppe, sondern eine Blickrichtung. DX Cancri steht 11,7 Lichtjahre entfernt, X Cancri rund 2.000 – der Faktor liegt bei über 170. Die Sterne der Figur haben physikalisch nichts miteinander zu tun.
Altarf – der hellste Stern des Krebses
β Cancri trägt den Namen Altarf (auch Tarf), abgeleitet vom arabischen aṭ-ṭarf, „das Ende“ oder „der Blick“ – gemeint ist das Ende der Krebsschere oder das Auge des Löwen, je nach Quelle. Mit 3,53 mag ist er der hellste Stern des Sternbilds und trotzdem nur ein unauffälliges Pünktchen.
Physikalisch ist er ein oranger Riese der Klasse K4 III in 230 Lichtjahren Entfernung. Er hat seinen Wasserstoffvorrat im Kern aufgebraucht, sich aufgebläht und leuchtet heute etwa 660-mal so hell wie die Sonne. Um ihn kreist ein Planet mit rund acht Jupitermassen. Ein lichtschwacher roter Zwerg begleitet ihn in großem Abstand.
Asellus Borealis und Asellus Australis – die beiden Esel
γ und δ Cancri tragen die schönsten Namen des Sternbilds: Asellus Borealis und Asellus Australis, der nördliche und der südliche Esel. Sie flankieren M 44, die „Krippe“ – ein Bild, das sich über die Antike, das Mittelalter und alle Sternkarten bis heute gehalten hat.
δ Cancri ist mit 3,94 mag der zweithellste Stern und astronomisch der interessantere von beiden: Er liegt mit einer ekliptikalen Breite von nur +0,08° praktisch exakt auf der Ekliptik. Deshalb wird er regelmäßig vom Mond bedeckt – und gelegentlich sogar von Planeten. Solche Bedeckungen sind schon im Fernglas ein eindrucksvolles Schauspiel, weil der Stern am dunklen Mondrand übergangslos verschwindet.
γ Cancri ist mit 4,66 mag deutlich schwächer, aber ein weißer Hauptreihenstern der Klasse A1 in 160 Lichtjahren Entfernung. Für die Praxis zählt vor allem seine Lage: 1,9° südsüdwestlich von ihm sitzt M 44.
Tegmine, Acubens und Iota Cancri
ζ Cancri heißt Tegmine, „im Panzer“ – und ist ein Kuriosum. Was im Fernglas ein einzelner Stern von 4,7 mag ist, entpuppt sich im Teleskop als Vierfachsystem: zwei Sonnen umkreisen einander in 60 Jahren, ein drittes Paar zieht in etwa 1.100 Jahren darum herum. Schon ein kleines Teleskop trennt die beiden hellen Komponenten. Mit rund 82 Lichtjahren ist Tegmine der nächste der hellen Sterne im Krebs.
α Cancri heißt Acubens, von arabisch az-zubānā, „die Schere“. Mit 4,26 mag ist er trotz seines Alpha-Titels erst der vierthellste Stern – eine Eigenheit, die bei Bayer-Bezeichnungen häufiger vorkommt. Für Beobachter ist er vor allem eine Wegmarke: M 67 steht nur 1,8° westlich von Acubens.
ι Cancri schließlich ist der Doppelstern für Einsteiger. Die Komponenten von 4,0 und 6,6 mag stehen 30,5″ auseinander, was jedes Fernglas mit Stativ und jedes Teleskop mühelos trennt. Der Kontrast ist der eigentliche Reiz: ein gelblich-oranger Riese neben einem weißen Begleiter – oft als „Albireo des Frühlings“ bezeichnet.
55 Cancri: fünf Planeten um einen Stern von 6 mag
55 Cancri – seit 2015 offiziell Copernicus – ist der wohl bemerkenswerteste Stern des Sternbilds. Er steht 45 Lichtjahre entfernt, ist mit 5,9 mag unter dunklem Himmel gerade eben mit bloßem Auge erreichbar und wird von fünf bekannten Exoplaneten umkreist. Damit gehört er zu den bestuntersuchten Planetensystemen überhaupt.
Besonders bekannt ist 55 Cancri e, eine „Super-Erde“ mit dem etwa Achtfachen der Erdmasse, die ihren Stern in nur 18 Stunden einmal umrundet. Bei Oberflächentemperaturen von weit über 1.700 °C dürfte dort ein Lavaozean brodeln. Sichtbar ist davon natürlich nichts – aber es ist ein schöner Gedanke, im Okular auf ein Sonnensystem zu blicken. Mehr dazu in unserem Bereich Exoplaneten.
X Cancri, R Cancri und DX Cancri
X Cancri ist der Stern, den man Besuchern zeigt. Er ist ein Kohlenstoffstern – ein sterbender Riese, dessen Atmosphäre so viel Kohlenstoff enthält, dass sie kurzwelliges Licht regelrecht wegfiltert. Das Ergebnis ist eine der tiefsten Rotfärbungen am ganzen Himmel, oft mit „glühende Kohle“ beschrieben. Seine Helligkeit schwankt in etwa 180 Tagen zwischen 5,6 und 7,5 mag; er steht 2,7° ostsüdöstlich von δ Cancri und ist damit leicht zu finden. Schon ein kleines Fernglas zeigt die Farbe.
R Cancri ist ein klassischer Mira-Stern: In 357 Tagen – also fast genau einem Jahr – schwankt er zwischen 6,1 und 12,3 mag. Im Maximum ist er ein Fernglasobjekt, im Minimum braucht man ein größeres Teleskop. Er steht 2,5° nördlich von Altarf.
DX Cancri schließlich ist mit 11,7 Lichtjahren der nächste Stern des Sternbilds – und einer der nächsten überhaupt. Sehen wird man ihn trotzdem kaum: Der rote Zwerg leuchtet nur mit 14,8 mag, weil er lediglich etwa ein Zehntausendstel der Sonnenleuchtkraft abstrahlt. Ein besseres Beispiel dafür, dass Nähe und Helligkeit am Himmel nichts miteinander zu tun haben, gibt es kaum.
Stern im Sternbild Krebs: Lösungen fürs Kreuzworträtsel
Diese Frage taucht in Rätseln regelmäßig auf – meist mit der Angabe der Buchstabenzahl. Hier sind die gängigen Lösungen im Überblick, sortiert nach Länge.
| Buchstaben | Lösung | Bedeutung |
|---|---|---|
| 4 | TARF | Kurzform des Namens von β Cancri, dem hellsten Stern |
| 5 | KREBS | die deutsche Entsprechung zum lateinischen Cancer |
| 6 | ALTARF | β Cancri, 3,53 mag – der hellste Stern des Sternbilds |
| 6 | CANCER | der lateinische Name des Sternbilds |
| 6 | KRIPPE | der deutsche Name des Sternhaufens M 44 |
| 7 | ACUBENS | α Cancri, „die Schere“ |
| 7 | ASELLUS | die beiden „Esel“ γ und δ Cancri |
| 7 | TEGMINE | ζ Cancri, das Vierfachsystem |
| 8 | PRAESEPE | der lateinische Name von M 44 |
Wird nach dem lateinischen Namen des Sternzeichens Krebs gefragt, lautet die Antwort immer Cancer (sechs Buchstaben) – gleich, ob Sternzeichen oder Sternbild gemeint ist. Der Genitiv, den Astronomen für Sternbezeichnungen verwenden, lautet Cancri; die offizielle Drei-Buchstaben-Abkürzung ist Cnc. Weitere Sternnamen findest du in unserer Sternenübersicht.
Wann ist der Krebs sichtbar: Monat für Monat am Abendhimmel
Der Krebs ist ein Übergangssternbild zwischen Winter und Frühling. Am Abendhimmel taucht er im Dezember im Osten auf, steht im März am höchsten und verschwindet im Juli in der Dämmerung. Die folgenden Werte sind für 50° Nord und 22 Uhr Ortszeit berechnet – das entspricht etwa Frankfurt, Prag oder Krakau.

| Monat | M 44 um 22 Uhr | Altarf um 22 Uhr | Kulmination M 44 | Bewertung |
|---|---|---|---|---|
| Januar | 40° | 35° | 01:25 Uhr | gut, aber spät |
| Februar | 56° | 47° | 23:19 Uhr | sehr gut |
| März | 59° | 47° | 21:29 Uhr | bester Monat |
| April | 54° | 42° | 20:27 Uhr | sehr gut |
| Mai | 39° | 27° | 18:29 Uhr | sinkt schon merklich |
| Juni | 19° | 7° | 16:27 Uhr | nur noch tief im Westen |
| Juli | 1° | −11° | 14:29 Uhr | geht in der Dämmerung unter |
| August | −13° | −25° | – | nicht sichtbar |
| September | −20° | −31° | – | nicht sichtbar |
| Oktober | −17° | −26° | – | nicht sichtbar |
| November | 2° | −2° | 05:26 Uhr | am Morgenhimmel |
| Dezember | 20° | 16° | 03:28 Uhr | zweite Nachthälfte |
Die Tabelle erklärt einen Punkt, über den viele stolpern: Von August bis Oktober ist der Krebs abends überhaupt nicht zu sehen, weil er dann gemeinsam mit der Sonne am Taghimmel steht. Die Sonne durchquert das Sternbild vom 21. Juli bis zum 10. August. Wer den Krebs im Spätsommer sucht, sucht vergeblich – erst ab November taucht er wieder auf, dann allerdings in der zweiten Nachthälfte.
Bemerkenswert ist auch der Unterschied zwischen M 44 und Altarf. Im Januar trennen sie nur fünf Grad, im März schon zwölf. Das liegt an der Deklination: M 44 steht mit +19,7° deutlich weiter nördlich als Altarf mit +9,2°. Für Beobachter heißt das ganz praktisch: Der Sternhaufen ist immer besser gestellt als der hellste Stern. Was sonst noch am Frühlingshimmel steht, zeigt unser Überblick zum Nachthimmel im Frühjahr.
Wie lange steht der Krebs pro Nacht über dem Horizont?
Das lässt sich exakt berechnen. Bei 50° Nord bleibt M 44 15 Stunden 22 Minuten über dem Horizont, δ Cancri 15 Stunden 04 Minuten und ι Cancri sogar 17 Stunden 27 Minuten. Am kürzesten ist Altarf mit 13 Stunden 29 Minuten sichtbar, dicht gefolgt von M 67 mit 13 Stunden 55 Minuten.
Die Spanne von fast vier Stunden innerhalb eines einzigen Sternbilds ist beachtlich – und der Grund ist die große Nord-Süd-Ausdehnung des Krebses von +33° bis −6°. In der Praxis bedeutet das: Wenn du M 44 noch bequem im Blick hast, steht Altarf oft schon unangenehm tief im Dunst.
Wie hoch steht der Krebs: Kulminationshöhen für elf Städte
Wie hoch ein Objekt maximal steigt, hängt allein von der geografischen Breite ab – nicht vom Datum. Die folgenden Werte gelten für den Moment der oberen Kulmination, also den Höchststand im Süden.
| Stadt | M 44 | δ Cnc | α Cnc | M 67 | Altarf |
|---|---|---|---|---|---|
| Hamburg | 56,1° | 54,6° | 48,3° | 48,2° | 45,6° |
| Berlin | 57,1° | 55,6° | 49,3° | 49,3° | 46,7° |
| Dresden | 58,6° | 57,1° | 50,8° | 50,8° | 48,1° |
| Köln | 58,7° | 57,2° | 50,9° | 50,9° | 48,2° |
| Frankfurt | 59,6° | 58,0° | 51,7° | 51,7° | 49,1° |
| Stuttgart | 60,9° | 59,4° | 53,1° | 53,0° | 50,4° |
| Wien | 61,5° | 59,9° | 53,6° | 53,6° | 51,0° |
| München | 61,5° | 60,0° | 53,7° | 53,7° | 51,1° |
| Zürich | 62,3° | 60,8° | 54,5° | 54,4° | 51,8° |
| Graz | 62,6° | 61,1° | 54,8° | 54,7° | 52,1° |
| Bern | 62,7° | 61,2° | 54,9° | 54,9° | 52,2° |
Der Unterschied zwischen Hamburg und Bern beträgt rund sieben Grad. Das klingt wenig, macht bei Deep-Sky-Objekten aber einen spürbaren Unterschied: Je höher ein Objekt steht, desto weniger Luft steht im Weg. In Bern blickt man bei M 44 durch etwa zwölf Prozent weniger Atmosphäre als in Hamburg.
Wichtiger als die Stadt ist beim Krebs aber die Jahreszeit. Die Werte oben sind Maximalwerte, die nur im Moment des Meridiandurchgangs erreicht werden – und der liegt im Januar erst um 01:25 Uhr. Wer den Krebs bequem hoch sehen will, geht im Februar oder März hinaus.
Deep-Sky im Sternbild Krebs: Praesepe, M 67 und mehr
Hier liegt der eigentliche Grund, das Sternbild überhaupt aufzusuchen. Der Krebs liegt am Rand der Milchstraße – nah genug, dass es offene Sternhaufen gibt, weit genug entfernt vom dichten Band, dass sie nicht in Vordergrundsternen ertrinken. Das Ergebnis sind zwei Messier-Objekte, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

| Objekt | NGC | Typ | mag | Entfernung (Lj) | Größe | Instrument |
|---|---|---|---|---|---|---|
| M 44 | NGC 2632 | offener Sternhaufen | 3,5 | ~500 | 95′ (1,5°) | bloßes Auge / Fernglas |
| M 67 | NGC 2682 | offener Sternhaufen | 7,0 | 2.700 | 30′ | Fernglas / Teleskop |
| ι Cnc | – | Doppelstern | 4,0 / 6,6 | 300 | 30,5″ | Fernglas / Teleskop |
| ζ Cnc | – | Vierfachstern | 5,1 / 6,2 | 82 | 1,1″ / 5,9″ | Teleskop ab 10 cm |
| X Cnc | – | Kohlenstoffstern | 5,6–7,5 | 2.000 | punktförmig | Fernglas |
| R Cnc | – | Mira-Stern | 6,1–12,3 | 830 | punktförmig | Fernglas im Maximum |
| 55 Cnc | – | Stern mit 5 Planeten | 5,9 | 45 | punktförmig | bloßes Auge unter Landhimmel |
M 44 – die Praesepe oder Krippe
M 44 ist einer der nächsten offenen Sternhaufen überhaupt: rund 500 Lichtjahre entfernt, mit über 300 Mitgliedern zwischen der 6. und 12. Größenklasse. Weil er so nah steht, breitet er sich über 1,5° aus – das ist dreimal der Vollmonddurchmesser. Genau diese Ausdehnung bestimmt, womit man ihn anschauen sollte.
Die Antike kannte ihn schon lange vor dem Teleskop. Aratos und Hipparch beschrieben ihn als nebelige Wolke, und weil er bei aufziehendem Dunst als Erstes verschwindet, galt er als Wetterzeichen: „Ist die Krippe nicht zu sehen, kommt Regen.“ Erst Galilei löste ihn 1610 in Einzelsterne auf – und zählte gleich vierzig davon.
Der wichtigste Praxis-Tipp zu M 44: Nimm ein Fernglas, kein Teleskop. Bei 1,5° Ausdehnung passt der Haufen in kein normales Teleskopgesichtsfeld – man sieht dann eine Handvoll heller Sterne und verliert genau den Eindruck, der M 44 ausmacht: ein dicht gefülltes Feld, das sich vor dunklem Hintergrund abhebt.
Ein 10×50 zeigt bei einem Gesichtsfeld von rund 6° den Haufen komplett mit Umgebung. Das ist der Anblick, wegen dem man hinausgeht.
Astrophysikalisch ist M 44 rund 600 bis 700 Millionen Jahre alt und teilt Alter, Bewegungsrichtung und chemische Zusammensetzung mit den Hyaden im Stier. Beide Haufen sind vermutlich aus derselben Molekülwolke entstanden und driften seither gemeinsam durch die Galaxis. In M 44 wurden inzwischen auch zwei Sterne mit Planeten nachgewiesen – die ersten Exoplaneten, die man in einem offenen Sternhaufen gefunden hat.
M 67 – einer der ältesten Sternhaufen der Milchstraße
M 67 ist in fast jeder Hinsicht das Gegenteil von M 44. Er steht mit 2.700 Lichtjahren gut fünfmal weiter weg, erscheint mit 30′ nur halb so groß wie der Vollmond und ist mit 7,0 mag deutlich schwächer. Dafür ist er mit drei bis fünf Milliarden Jahren einer der ältesten bekannten offenen Sternhaufen überhaupt – die meisten lösen sich lange vorher auf.
Das macht ihn wissenschaftlich wertvoll: M 67 enthält Sterne, die der Sonne in Alter und Zusammensetzung sehr ähnlich sind, und dient deshalb als Referenz für Modelle der Sternentwicklung. Am Himmel steht er 1,8° westlich von Acubens (α Cancri) und rund 8,3° südsüdöstlich von M 44.
Häufiger Fehler in Sternführern: M 67 wird gelegentlich „westlich von γ Cancri“ verortet. Das stimmt nicht – von γ aus liegt er rund 10° entfernt. Der richtige Aufsuchstern ist α Cancri (Acubens), nur 1,8° östlich davon. Bei einem Fernglas mit 6° Gesichtsfeld stehen beide bequem gemeinsam im Bild.
Im Fernglas ist M 67 ein deutlicher, körniger Fleck. Ein Teleskop ab etwa 10 Zentimetern löst ihn in Dutzende Einzelsterne auf – und hier ist das Teleskop tatsächlich im Vorteil, weil der Haufen klein genug fürs Okular ist. Ähnlich verhält es sich mit NGC 752 im Andromeda-Sternbild.
Doppelsterne im Krebs
Für Teleskopbesitzer ist der Krebs vor allem ein Doppelstern-Sternbild. Vier Paare lohnen sich:
| Doppelstern | Helligkeiten | Abstand | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| ι Cnc | 4,0 / 6,6 | 30,5″ | sehr leicht – auch im Fernglas mit Stativ; schöner Farbkontrast |
| ζ Cnc | 5,1 / 6,2 | 5,9″ und 1,1″ | das Vierfachsystem; das enge Paar braucht 10 cm und ruhige Luft |
| φ² Cnc | 6,3 / 6,3 | 5,2″ | zwei gleich helle Sterne – ein sehr sauberes Paar |
| 57 Cnc | 6,0 / 6,4 | 1,4″ | anspruchsvoll, erst ab 15 cm Öffnung sinnvoll |
ι Cancri ist der Einstieg: 30 Bogensekunden trennt jedes Instrument, und der Farbunterschied zwischen dem gelblichen Riesen und dem weißen Begleiter ist auch bei kleiner Vergrößerung sofort da. ζ Cancri dagegen ist eine Aufgabe für einen ruhigen Abend und ein Okular mit kurzer Brennweite – mehr dazu in unserem Ratgeber zum Okular.
Welches Instrument für den Krebs: Fernglas oder Teleskop?
Bei vielen Sternbildern lautet die ehrliche Antwort: Kauf ein Teleskop, sonst siehst du nichts. Beim Krebs ist es umgekehrt – und das sagen wir bewusst, obwohl ein Teleskop das teurere Gerät wäre. Der Grund liegt in der Größe des Hauptobjekts.
| Instrument | Was du siehst | Einschätzung |
|---|---|---|
| Bloßes Auge | M 44 als Nebelfleck, die Y-Figur nur unter Landhimmel | Der Einstieg – aber nur fernab der Stadt. |
| Fernglas 10×50 | M 44 komplett mit über 50 Sternen, M 67 als Fleck, X Cnc tiefrot, ι Cnc getrennt | Die beste Wahl für dieses Sternbild. |
| Teleskop 13 cm | M 67 in Einzelsterne aufgelöst, ζ Cnc getrennt, M 44 nur ausschnittsweise | Sinnvoll – aber nicht für M 44. |
| Teleskop 20 cm | M 67 prächtig, das enge ζ-Paar, 57 Cnc | Für Doppelsterne und M 67 ideal. |
Das ist der ehrliche Befund: M 44 ist ein Fernglasobjekt, und zwar eindeutig. Mit 1,5° Ausdehnung sprengt der Haufen jedes Teleskopgesichtsfeld. Wer ihn durch ein Teleskop anschaut, sieht ein paar helle Sterne und wundert sich, was der Hype soll. Im Fernglas dagegen liegt der ganze Haufen vor dunklem Himmel – und der Unterschied ist nicht subtil. Wir haben die Abwägung ausführlich in Teleskop oder Fernglas aufgeschrieben.
Die klare Empfehlung: ein lichtstarkes 10×50
Für den Krebs braucht es kein Spezialgerät. Ein gutes 10×50 hat rund 6° Gesichtsfeld, sammelt genug Licht für M 67 und zeigt M 44 so, wie er gedacht ist. Wichtig sind saubere Optik und ein ruhiger Griff – oder besser noch ein Stativ, denn bei zehnfacher Vergrößerung zittert freihändig schon einiges.
Für M 44 die richtige Wahl: Celestron Cometron 7x50

Der Astronomie-Klassiker unter den günstigen Ferngläsern: 7×50 mit großer Austrittspupille für helle Mond- und Milchstraßenbilder aus der Hand – ideal als erster Schritt vor dem Teleskop.
Preis: 65 €
Empfohlen statt des derzeit nicht lieferbaren Omegon Brightsky 10x50.
Auf Lager · versandfertig in 24 h
Wenn es doch ein Teleskop sein soll
Es gibt gute Gründe für ein Teleskop im Krebs – sie heißen nur nicht M 44. M 67 ist klein genug fürs Okular und wird ab etwa 13 Zentimetern Öffnung von einem körnigen Fleck zu einem Feld aus Dutzenden Einzelsternen. Dazu kommen die Doppelsterne: ζ Cancri als Vierfachsystem und, für Geduldige, 57 Cancri. Ein kompakter Dobson ist dafür die unkomplizierteste Bauform.
Für M 67 und die Doppelsterne: Skywatcher Heritage 130/650 FlexTube

Kompakter Tisch-Dobson mit echtem Parabolspiegel. Faltbar, passt in den Rucksack: Mond, Planeten und die hellen Deep-Sky-Klassiker.
Preis: 265 €
Auf Lager · versandfertig in 3-7 Tagen
Mehr zu Bauformen und Preisklassen findest du im Überblick zu Dobson-Teleskopen, bei den Einsteigerteleskopen und im großen Ratgeber Teleskop kaufen. Wenn du unsicher bist, hilft dir unsere Teleskopberatung weiter.
Wichtiger als jedes Instrument: der Himmel. M 44 ist ein ausgedehntes, flächiges Objekt und reagiert deshalb besonders empfindlich auf Aufhellung. Ein Fernglas unter Landhimmel zeigt hier mehr als ein Teleskop am Stadtrand.
Filter helfen nicht: Sternhaufen bestehen aus Sternen, die im ganzen Spektrum strahlen – Nebelfilter arbeiten dagegen mit einzelnen Emissionslinien. Gegen Lichtverschmutzung hilft im Krebs nur wegfahren.
Sternzeichen Krebs und Sternbild Krebs: der Unterschied
Der Krebs ist eines der zwölf Tierkreissternbilder – die Ekliptik läuft quer hindurch, dicht an δ Cancri vorbei. Deshalb ziehen Sonne, Mond und alle Planeten regelmäßig durch dieses Sternbild, und deshalb gibt es ein Sternzeichen gleichen Namens.
Die Zeiträume stimmen allerdings nicht überein, und zwar deutlich:
| Begriff | Zeitraum | Definition |
|---|---|---|
| Sternzeichen Krebs | 22. Juni bis 22. Juli | 30° Abschnitt der Ekliptik, fest definiert |
| Sternbild Krebs | 21. Juli bis 10. August | reale Himmelsfläche mit IAU-Grenzen |
Die Verschiebung von rund vier Wochen entsteht durch die Präzession: Die Erdachse taumelt in 25.800 Jahren einmal herum, seit der Festlegung der Tierkreiszeichen vor etwa 2.000 Jahren hat sich der Himmel entsprechend weitergedreht. Hinzu kommt, dass die zwölf Sternzeichen die Ekliptik in exakt gleich große 30°-Abschnitte teilen, während die Sternbilder sehr verschieden groß sind – die Sonne braucht durch den kleinen Krebs nur rund drei Wochen, durch die große Jungfrau dagegen mehr als sechs. Ausführlich erklären wir das in Sternzeichen und Sternbilder.
Der Wendekreis des Krebses – ein Name aus der Antike
Der Wendekreis des Krebses bei 23,5° nördlicher Breite trägt seinen Namen aus einem konkreten Grund: In der Antike stand die Sonne zur Sommersonnenwende genau im Sternbild Krebs. Sie erreichte dort ihren nördlichsten Punkt und „wendete“ – daher der Begriff.
Heute stimmt das nicht mehr. Durch die Präzession ist der Sonnenwendpunkt weitergewandert: Seit etwa 15 v. Chr. liegt er in den Zwillingen, seit 1990 im Stier. Der Name des Breitenkreises ist also ein Fossil aus einer Zeit, als er noch stimmte. Wie sich M 44 selbst über die Jahrtausende verschiebt, zeigt diese Rechnung:
| Epoche | Rektaszension von M 44 | Deklination |
|---|---|---|
| 2000 v. Chr. | 4h 41m | +23,5° |
| Jahr 0 | 6h 42m | +24,4° |
| Jahr 1000 | 7h 42m | +22,7° |
| Jahr 2000 | 8h 40m | +19,7° |
| Jahr 3000 | 9h 37m | +15,6° |
In viertausend Jahren ist M 44 also um fast acht Grad nach Süden gewandert und um fünf Stunden in der Rektaszension weitergerückt. Sternbilder sind nicht ewig – auch die astronomischen Jahreszeiten verschieben sich mit.
Die Delta-Cancriden: Sternschnuppen im Januar
Der Krebs hat einen eigenen Meteorstrom, auch wenn er zu den leisen gehört. Die Delta-Cancriden sind von Anfang bis Mitte Januar aktiv, ihr Maximum liegt in der Nacht vom 16. auf den 17. Januar. Der Radiant – der Punkt, aus dem die Meteore scheinbar kommen – liegt nahe bei δ Cancri, also direkt neben M 44.
Erwarte keine Sternschnuppenflut: Die Zenitrate liegt bei etwa vier Meteoren pro Stunde. Der Strom hat aber einen praktischen Vorteil – der Radiant steht im Januar in der zweiten Nachthälfte hoch am Himmel, und M 44 kulminiert in derselben Nacht gegen 01:25 Uhr. Wer also zum Beobachten draußen ist, kann beides verbinden. Alle Termine des Jahres stehen in unserem Sternschnuppen-Kalender.
Mythologie des Sternbilds Krebs: von der Schildkröte zum Hummer
Der Krebs, Herakles und die Hydra
In der bekanntesten griechischen Fassung gehört der Krebs zum Kampf des Herakles gegen die vielköpfige Hydra – die zweite seiner zwölf Aufgaben. Als der Held der Wasserschlange gerade zusetzte, schickte Hera, seine erklärte Gegnerin, einen riesigen Krebs zu Hilfe. Das Tier zwickte Herakles in die Ferse, wurde von ihm aber sofort zertreten. Hera versetzte es zum Dank an den Himmel – gleich neben die Hydra, die dort bis heute als flächengrößtes Sternbild überhaupt liegt.
Es gibt eine zweite, ältere Version: Danach verhinderte der Krebs mit seinen Scheren die Flucht einer Nymphe vor Zeus, und Zeus setzte ihn zum Dank unter die Sterne. Beide Geschichten haben denselben Kern – ein kleines Tier greift in einen großen Konflikt ein und wird dafür belohnt. Dass ausgerechnet das schwächste Tierkreissternbild diese Rolle bekam, passt gut.
Die beiden Esel und der Kampf gegen die Giganten
Die zweite Erzählung des Sternbilds hängt an γ und δ Cancri, den beiden „Eseln“. Im Kampf der Götter gegen die Giganten ritten Dionysos und Hephaistos auf Eseln in die Schlacht. Das Geschrei der Tiere war so unerträglich, dass die Giganten in Panik flohen. Zur Erinnerung wurden die beiden Esel an den Himmel versetzt – und mit ihnen die Praesepe, die Krippe, aus der sie fressen. Das Bild ist so alt, dass es sich bis heute in den Objektnamen gehalten hat.
Von der ägyptischen Schildkröte zum Hummer
Die Figur ist erheblich älter als die griechischen Mythen. Um 3000 v. Chr. nannten die Ägypter diese Himmelsgegend Ab-Schetui – eine Schildkröte. Auch die Babylonier sahen hier eine Schildkröte. Im Neuen Reich kam bei den Ägyptern zusätzlich der Skarabäus ins Spiel, der heilige Mistkäfer, als Symbol für Wiedergeburt und Unsterblichkeit.
Erst die Griechen machten daraus einen Krebs, und über Ptolemäus wanderte diese Deutung in die europäische Tradition. Danach wurde es unruhig: Im 12. Jahrhundert findet man Darstellungen als Wasserkäfer, Albumasar zeigte das Sternbild 1489 als Flusskrebs, und Jakob Bartsch zeichnete es im 17. Jahrhundert als Hummer. Kaum ein anderes Sternbild hat so oft die Tierart gewechselt.
Eine hübsche Fußnote aus der Gegenwart: Auf der slowenischen 50-Cent-Münze ist das Sternbild Krebs abgebildet – zusammen mit einem Bezug auf den Sommersonnenwendpunkt, der einmal hier lag.
Die Nachbarn des Krebses: was rundherum am Himmel steht
Sechs Sternbilder grenzen an den Krebs. Weil er selbst so blass ist, sind sie für die Orientierung wichtiger als bei jedem anderen Tierkreissternbild.
| Nachbar | Lage | Bemerkung |
|---|---|---|
| Zwillinge | westlich | mit Kastor und Pollux – die wichtigste Peilhilfe |
| Löwe | östlich | mit Regulus – der zweite Peilpunkt |
| Luchs | nördlich | sehr sternarm und selbst kaum zu erkennen |
| Kleiner Löwe | nordöstlich | kleine, unauffällige Sterngruppe |
| Kleiner Hund | südwestlich | mit Prokyon, einem der hellsten Sterne des Himmels |
| Wasserschlange | südlich | das flächengrößte Sternbild überhaupt |
Praktisch heißt das: Der Krebs liegt eingeklemmt zwischen zwei sehr auffälligen Nachbarn. Westlich stehen die Zwillinge mit Kastor und Pollux, östlich der Löwe mit Regulus und der markanten Sichel. Wer im Frühjahr vom Orion aus nach Osten wandert, kommt zwangsläufig durch diese Region – und sollte den Abstecher zu M 44 nicht auslassen, bevor es weiter zu den Galaxien im Löwen geht.
Eine Übersicht über alle 88 Sternbilder findest du in unserem Sternbilder-Katalog. Was in den kommenden Wochen sonst am Himmel los ist, steht in unseren Astro-Events und den Highlights der Nordhalbkugel.
Häufige Fragen zum Sternbild Krebs
Wann sieht man das Sternbild Krebs am besten?
Von Februar bis April, mit dem Höhepunkt im März. Dann steht M 44 gegen 21:30 Uhr am höchsten – bei 50° Nord rund 59° über dem Südhorizont. Von August bis Oktober ist der Krebs abends überhaupt nicht sichtbar, weil er dann gemeinsam mit der Sonne am Taghimmel steht.
Wie finde ich das Sternbild Krebs am Himmel?
Über die Strecke Pollux–Regulus. Suche Pollux in den Zwillingen und Regulus im Löwen; die Verbindungslinie ist rund 37° lang. Ihre Mitte liegt nur 3,9° vom Sternhaufen M 44 entfernt. Unter dunklem Himmel siehst du dort ein mattes Wölkchen – das ist M 44, und die Sterne des Krebses stehen ringsherum.
Welcher ist der hellste Stern im Sternbild Krebs?
Altarf (β Cancri) mit 3,53 mag. Er steht 230 Lichtjahre entfernt und ist ein oranger Riese der Spektralklasse K4 III. Damit ist er der schwächste „hellste Stern“ aller zwölf Tierkreissternbilder – kein anderer Stern im Krebs erreicht überhaupt 3 mag.
Warum ist das Sternbild Krebs so schwer zu sehen?
Weil es schlicht keinen hellen Stern enthält. Die fünf Sterne der Figur liegen zwischen 3,5 und 4,7 mag – das ist unter Stadthimmel unsichtbar und selbst am Stadtrand grenzwertig. Man braucht eine Grenzgröße von etwa 5,5 mag, damit sich das umgedrehte Y zusammensetzt. Der Sternhaufen M 44 ist mit 3,5 mag deutlich einfacher und deshalb der bessere Einstieg.
Was ist die Praesepe?
Praesepe (lateinisch „Krippe“) ist der Eigenname des offenen Sternhaufens M 44 im Herzen des Krebses. Er steht rund 500 Lichtjahre entfernt, enthält über 300 Sterne und erscheint mit 1,5° dreimal so groß wie der Vollmond. Mit bloßem Auge ist er ein Nebelfleckchen, im Fernglas ein Feld aus Dutzenden Einzelsternen. Der Name stammt von den beiden benachbarten Sternen γ und δ Cancri, den „Eseln“, die aus der Krippe fressen.
Kann man M 44 mit bloßem Auge sehen?
Ja – unter dunklem Himmel. Der Haufen ist als Gesamtobjekt 3,5 mag hell und erscheint dann als schwacher, matter Fleck. Schon eine Grenzgröße von etwa 4,5 mag reicht aus. In der Stadt dagegen ist er unsichtbar, was ihn seit der Antike zum Wetterzeichen machte: Wenn Dunst aufzog, verschwand die Krippe als Erstes.
Braucht man für M 44 ein Teleskop oder ein Fernglas?
Ein Fernglas, ganz klar. M 44 ist mit 1,5° so ausgedehnt, dass er in kein normales Teleskopgesichtsfeld passt – ein Teleskop zeigt nur einen Ausschnitt und zerstört den Eindruck des geschlossenen Sternfelds. Ein 10×50 mit rund 6° Gesichtsfeld zeigt den Haufen komplett und mit Umgebung. Für M 67 und die Doppelsterne im Krebs ist ein Teleskop dagegen die bessere Wahl.
Wie viele Sterne hat das Sternbild Krebs?
Die Hauptfigur besteht aus fünf Sternen – ι, γ, δ, α und β Cancri –, manchmal wird ζ als sechster mitgezeichnet. Innerhalb der offiziellen Sternbildgrenzen stehen natürlich weit mehr: Unter sehr gutem Himmel sind es mit bloßem Auge rund fünfzig. Allein der Sternhaufen M 44 bringt über 300 Sterne mit, von denen die meisten aber ein Fernglas erfordern.
Ist der Krebs ein Sternzeichen oder ein Sternbild?
Beides – aber es sind zwei verschiedene Dinge. Das Sternbild ist eine reale Fläche am Himmel mit festen Grenzen, das Sternzeichen ein 30°-Abschnitt der Ekliptik. Die Zeiträume verschieben sich um rund vier Wochen: Sternzeichen 22. Juni bis 22. Juli, Sternbild 21. Juli bis 10. August.
Wie heißt das Sternbild Krebs auf Latein?
Cancer. Der Genitiv, den Astronomen für Sternbezeichnungen verwenden, lautet Cancri – daher Namen wie α Cancri oder 55 Cancri. Die offizielle Abkürzung der Internationalen Astronomischen Union ist Cnc.
Warum heißt der Wendekreis des Krebses so?
Weil die Sonne in der Antike zur Sommersonnenwende im Sternbild Krebs stand. Sie erreichte dort ihren nördlichsten Punkt über dem Breitenkreis 23,5° Nord und kehrte danach wieder nach Süden um. Durch die Präzession hat sich der Sonnenwendpunkt seither verschoben: Seit etwa 15 v. Chr. liegt er in den Zwillingen, seit 1990 im Stier. Der Name des Breitenkreises blieb trotzdem.
Wie weit ist das Sternbild Krebs von der Erde entfernt?
Diese Frage hat keine einzelne Antwort, weil ein Sternbild kein Objekt ist, sondern eine Blickrichtung. Die Sterne der Figur stehen zwischen 82 Lichtjahren (ζ Cancri) und 300 Lichtjahren (ι Cancri) hintereinander. Der nächste Stern im Sternbild ist der rote Zwerg DX Cancri mit 11,7 Lichtjahren, der fernste helle Vertreter der Kohlenstoffstern X Cancri mit rund 2.000.
Weiterlesen auf Sterngucker
- Sternbild Zwillinge – der westliche Nachbar mit Kastor und Pollux
- Sternbild Löwe – der östliche Nachbar mit Regulus und neun Galaxien
- Pollux – der Ausgangspunkt der wichtigsten Peilung zum Krebs
- Astronomie-Fernglas – warum M 44 hier besser aussieht als im Teleskop
- Nachthimmel im Frühjahr – was sonst noch am Frühlingshimmel steht
- Sternzeichen und Sternbilder – warum die Daten auseinandergehen
- Exoplaneten – mehr zu Systemen wie 55 Cancri
- Deep-Sky-Objekte – lohnende Ziele für Fernglas und Teleskop
- Alle Sternbilder im Überblick – der Einstieg in unseren Katalog