Von Alexander Merz · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 29. Oktober 2026
Ein Dunkelnebel, auch Dunkelwolke genannt, ist eine kalte, dichte Wolke aus Gas und Staub, die das Licht dahinterliegender Sterne und Nebel verschluckt. Sichtbar wird er nur als dunkle Silhouette vor einem helleren Hintergrund (Wikipedia: Dunkelwolke).
Das bekannteste Beispiel ist der Pferdekopfnebel im Orion. Wie Dunkelnebel zu den anderen Nebeln im Weltraum passen, zeigt diese Seite.

Was ist ein Dunkelnebel?
Ein Dunkelnebel ist kein leeres Loch, sondern eine Wolke, die zu dicht ist, um Licht durchzulassen. Er besteht vor allem aus molekularem Wasserstoff und feinem Staub. Mit nur 7 bis 15 Kelvin gehört er zu den kältesten Orten im All (Wikipedia: Dunkelwolke).
Dass es sich um Wolken handelt, erkannte Edward Emerson Barnard um 1900 auf fotografischem Weg. Sein Katalog umfasst 349 Dunkelwolken nördlich von −35° Deklination. Daher tragen viele heute ein „B“ mit Nummer, etwa B 33 für den Pferdekopf (Wikipedia: Barnard-Katalog).
Dunkelnebel und Sternentstehung
In Dunkelnebeln entstehen die Sterne von morgen. Weil das Gas so kalt ist, kann es unter seiner eigenen Schwerkraft zu dichten Kernen zusammenfallen. Kleine, runde Dunkelwolken heißen Globulen oder Bok-Globulen, nach Bart Bok, der sie 1947 als Frühstadium der Sternentstehung vorschlug (Wikipedia: Globule).
Ins Innere schauen Astronomen mit Infrarot- und Radioteleskopen. Im sichtbaren Licht sind die Zentren völlig undurchsichtig, die Moleküle verraten sich aber durch ihre Mikrowellenstrahlung. Die berühmten Säulen im Adlernebel sind ebenfalls dichter, kalter Staub – mehr dazu bei den Säulen der Schöpfung.
Bekannte Dunkelnebel: vom bloßen Auge bis zum Teleskop
Bei Dunkelnebeln ist die Größe das Problem, nicht die Helligkeit. Viele sind so ausgedehnt, dass sie in kein Teleskop-Gesichtsfeld passen. Deshalb reicht die Liste vom bloßen Auge bis zum großen Dobson.
| Dunkelnebel | Sternbild | Größe am Himmel | Beste Zeit | Womit? |
|---|---|---|---|---|
| ⭐ Bester EinstiegGroßer Riss der Milchstraße | Schwan bis Schütze | über viele Sternbilder | Juli–Sep | bloßes Auge, dunkler Himmel |
| Barnards E (B 142/143) | Adler | ca. 30′ | Juli–Sep | Fernglas, kleines Teleskop |
| Pfeifennebel (u. a. B 59) | Schlangenträger | groß, Fernglasfeld | Juni–Juli, sehr tief | bloßes Auge/Fernglas, nur mit freiem Südhorizont |
| Barnard 86 | Schütze | klein, neben NGC 6520 | Juli–Aug, tief | Teleskop |
| Pferdekopfnebel B 33 | Orion | 8′ × 6′ | Dez–Feb | großes Teleskop + H-beta, oder Foto |
| Kohlensack | Kreuz des Südens | 5° × 7° | von Deutschland aus nie | bloßes Auge, nur Südhalbkugel |
Der Große Riss ist der Dunkelnebel, den jeder schon gesehen hat. Die dunkle Spalte, die das Band der Sommer-Milchstraße vom Schwan bis zum Schützen teilt, ist Staub, der das Licht der dahinterliegenden Sterne verschluckt (Wikipedia, englisch: Great Rift). Am besten siehst du ihn in mondlosen Sommernächten fern der Stadt – mehr über das Band selbst auf unserer Seite zur Milchstraße.
Barnards E im Adler ist ein schönes Fernglasziel. Das Wolkenpaar formt ein scharf umrandetes, dunkles „E“ vor der Milchstraße, etwa so groß wie der Vollmond und rund 2.000 Lichtjahre entfernt (Wikipedia: E Nebula). Es liegt im Sommerdreieck-Gebiet, nicht weit von Altair.

Der Kohlensack ist das bekannteste Beispiel am Südhimmel. Er liegt neben dem Kreuz des Südens, ist 500 bis 600 Lichtjahre entfernt und bildet ein auffälliges „Loch“ in der Milchstraße (Wikipedia: Kohlensack). Wer auf die Südhalbkugel reist, sieht ihn mit bloßem Auge.
Pferdekopfnebel: der berühmteste Dunkelnebel
Der Pferdekopf ist ein Ausläufer einer Dunkelwolke, der sich vor dem rot leuchtenden Gas von IC 434 abzeichnet. Er ist rund 1.500 Lichtjahre entfernt und erscheint etwa ein Viertel so groß wie der Mond (Wikipedia: Pferdekopfnebel). Er liegt nahe Alnitak, dem östlichen Gürtelstern des Orion.

Visuell gilt der Pferdekopf als Prüfstein – und die Erfahrungen gehen weit auseinander. Wikipedia nennt als Faustregel ein Teleskop ab 20 cm Öffnung. Im Forum berichten Beobachter von Sichtungen mit einem 12-Zoll-Dobson unter Vorstadthimmel und sogar mit 60 mm unter sehr dunklem Bergland-Himmel, andere sahen ihn selbst mit 20 Zoll im Vorstadtgarten nicht (forum.astronomie.de, Januar 2023).
Einig sind sich fast alle in drei Punkten: H-beta-Filter, gute Durchsicht und eine große Austrittspupille. Der Filter hebt den Hintergrundnebel IC 434 an, vor dem sich der Kopf erst abzeichnen kann. Wichtiger als jede Öffnung ist ein transparenter, dunkler Himmel.
Dunkelnebel beobachten: Fernglas statt Teleskop
Dunkelnebel siehst du nur als Kontrast – also brauchst du einen hellen Hintergrund und einen dunklen Himmel. Unter Stadtlicht ist der Hintergrund selbst aufgehellt, und der Kontrast verschwindet. Wie dunkel dein Standort ist, zeigt unser Ratgeber zur Lichtverschmutzung, gute Orte findest du unter Sternenparks in Deutschland.
Ein weites Gesichtsfeld ist wichtiger als Vergrößerung. Erst wenn genug Sternfeld rund um die dunkle Stelle im Bild ist, fällt sie überhaupt auf. Ein 10×50-Fernglas oder ein Teleskop mit dem längsten Okular, das du hast, ist deshalb die beste Wahl.
Günstiger Einstieg: Celestron UpClose G2 10x50 Porro

Einfaches 10×50-Fernglas: zeigt den Großen Riss in der Milchstraße, Barnards E im Adler und die Sternwolken des Sommers. Auf einem Stativ siehst du deutlich mehr als frei Hand.
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Viel Öffnung fürs Geld: Skywatcher Dobson N 200/1200 Skyliner Classic

200 mm Öffnung für kleinere Dunkelwolken wie Barnard 86 und – mit H-beta-Filter und sehr dunklem Himmel – einen Versuch am Pferdekopf. Mit einem langbrennweitigen Okular bekommst du genug Feld.
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Für Fortgeschrittene: Omegon Advanced X N 254/1250 Dobson

254 mm Öffnung: die realistischere Wahl für den Pferdekopf und schwache Barnard-Objekte. Nur sinnvoll, wenn du regelmäßig an einen dunklen Standort fährst.
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Dunkelnebel fotografieren
Fotografisch sind Dunkelnebel ein Fall für dunklen Himmel und viel Belichtungszeit. Die zarten braunen Staubwolken heben sich nur schwach vom Hintergrund ab und gehen in Lichtverschmutzung schnell unter. Im Forum zeigen Fotografen solche Aufnahmen etwa von Dunkelwolken in der Kassiopeia und im Kepheus (forum.astronomie.de, September 2026; August 2025).
Für reine Staubwolken fotografierst du im Breitband, ohne Schmalbandfilter. Der Staub selbst leuchtet nicht in Linien, er dimmt nur das Sternlicht dahinter. Einen Dualbandfilter nimmst du nur für Motive mit leuchtendem Gas wie den Pferdekopf vor IC 434 oder den Elefantenrüssel in IC 1396.
Kurze Brennweiten sind hier im Vorteil. Großer Riss und Pfeifennebel passen nur ins Bild eines Weitwinkel- oder Normalobjektivs auf einer Nachführung. Wie das geht, zeigen Milchstraße fotografieren und Nachführung für die Astrofotografie.
Pferdekopf aufs Handy: ZWO Seestar S50 Pro

Smart-Teleskop mit 50 mm Öffnung und eingebautem Dualbandfilter: zeigt den Pferdekopf vor IC 434 schon nach kurzer Gesamtbelichtung. Für große Dunkelwolkengebiete ist das Bildfeld zu klein.
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Häufige Fragen zu Dunkelnebeln
Was ist der Unterschied zwischen Dunkelnebel und Dunkelwolke?
Keiner – beide Wörter meinen dasselbe, Wikipedia führt sie als Synonyme. In Sternkarten und Katalogen begegnen dir beide, oft auch die Abkürzungen B (Barnard) und LDN (Lynds).
Woraus bestehen Dunkelnebel?
Vor allem aus molekularem Wasserstoff, dazu aus feinem Staub, der das Licht schluckt. Sie sind mit 7 bis 15 Kelvin extrem kalt, und in ihren dichtesten Kernen entstehen neue Sterne.
Kann man Dunkelnebel mit bloßem Auge sehen?
Ja, die großen. Der Große Riss in der Sommer-Milchstraße ist unter dunklem Himmel nicht zu übersehen, und auf der Südhalbkugel fällt der Kohlensack neben dem Kreuz des Südens sofort auf.
Welche Öffnung braucht man für den Pferdekopfnebel?
Als Faustregel gelten 20 cm und mehr, dazu ein H-beta-Filter. Entscheidender ist aber ein sehr dunkler, klarer Himmel: Es gibt Sichtungen mit kleinen Optiken unter Bergland-Himmel und Fehlversuche mit 50 cm im Vorstadtgarten.
Wie viele Dunkelnebel gibt es?
Allein Barnards Katalog verzeichnet 349 Dunkelwolken nördlich von −35° Deklination. Spätere Kataloge wie der von Beverly Lynds (LDN) führen deutlich mehr, und unzählige kleine Wolken sind gar nicht katalogisiert.
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