Dunkelnebel: Dunkelwolken im All – Beispiele, Pferdekopfnebel und Beobachtung

Von · Veröffentlicht am · Angaben geprüft am 29. Oktober 2026

Ein Dunkelnebel, auch Dunkelwolke genannt, ist eine kalte, dichte Wolke aus Gas und Staub, die das Licht dahinterliegender Sterne und Nebel verschluckt. Sichtbar wird er nur als dunkle Silhouette vor einem helleren Hintergrund (Wikipedia: Dunkelwolke).

Das bekannteste Beispiel ist der Pferdekopfnebel im Orion. Wie Dunkelnebel zu den anderen Nebeln im Weltraum passen, zeigt diese Seite.

⭐ Kurz gesagt: Den größten Dunkelnebel siehst du ohne jedes Hilfsmittel: die dunkle Spalte in der Sommer-Milchstraße. Für kleinere Dunkelwolken ist ein Fernglas mit weitem Feld oft besser als ein Teleskop. Der berühmte Pferdekopf ist dagegen eines der schwierigsten Objekte überhaupt – fotografisch aber einfach.
Die Dunkelwolke Barnard 68 als schwarzes, sternloses Loch in einem dichten Sternfeld
Die Dunkelwolke Barnard 68 im Schlangenträger: Sie ist so dicht, dass kein Licht der Sterne dahinter durchkommt. Aufnahme mit dem Very Large Telescope der ESO. Bild: ESO, CC BY 4.0

Was ist ein Dunkelnebel?

Ein Dunkelnebel ist kein leeres Loch, sondern eine Wolke, die zu dicht ist, um Licht durchzulassen. Er besteht vor allem aus molekularem Wasserstoff und feinem Staub. Mit nur 7 bis 15 Kelvin gehört er zu den kältesten Orten im All (Wikipedia: Dunkelwolke).

Dass es sich um Wolken handelt, erkannte Edward Emerson Barnard um 1900 auf fotografischem Weg. Sein Katalog umfasst 349 Dunkelwolken nördlich von −35° Deklination. Daher tragen viele heute ein „B“ mit Nummer, etwa B 33 für den Pferdekopf (Wikipedia: Barnard-Katalog).

Dunkelnebel und Sternentstehung

In Dunkelnebeln entstehen die Sterne von morgen. Weil das Gas so kalt ist, kann es unter seiner eigenen Schwerkraft zu dichten Kernen zusammenfallen. Kleine, runde Dunkelwolken heißen Globulen oder Bok-Globulen, nach Bart Bok, der sie 1947 als Frühstadium der Sternentstehung vorschlug (Wikipedia: Globule).

Ins Innere schauen Astronomen mit Infrarot- und Radioteleskopen. Im sichtbaren Licht sind die Zentren völlig undurchsichtig, die Moleküle verraten sich aber durch ihre Mikrowellenstrahlung. Die berühmten Säulen im Adlernebel sind ebenfalls dichter, kalter Staub – mehr dazu bei den Säulen der Schöpfung.

Merkhilfe: Dieselbe Staubwolke kann drei Gesichter haben. Steht ein Stern darin, streut sie sein Licht als blauer Reflexionsnebel. Leuchtet heißes Gas dahinter, zeichnet sie sich als Dunkelnebel ab – wie der Pferdekopf vor dem roten Emissionsnebel IC 434.

Bekannte Dunkelnebel: vom bloßen Auge bis zum Teleskop

Bei Dunkelnebeln ist die Größe das Problem, nicht die Helligkeit. Viele sind so ausgedehnt, dass sie in kein Teleskop-Gesichtsfeld passen. Deshalb reicht die Liste vom bloßen Auge bis zum großen Dobson.

DunkelnebelSternbildGröße am HimmelBeste ZeitWomit?
⭐ Bester EinstiegGroßer Riss der MilchstraßeSchwan bis Schützeüber viele SternbilderJuli–Sepbloßes Auge, dunkler Himmel
Barnards E (B 142/143)Adlerca. 30′Juli–SepFernglas, kleines Teleskop
Pfeifennebel (u. a. B 59)Schlangenträgergroß, FernglasfeldJuni–Juli, sehr tiefbloßes Auge/Fernglas, nur mit freiem Südhorizont
Barnard 86Schützeklein, neben NGC 6520Juli–Aug, tiefTeleskop
Pferdekopfnebel B 33Orion8′ × 6′Dez–Febgroßes Teleskop + H-beta, oder Foto
KohlensackKreuz des Südens5° × 7°von Deutschland aus niebloßes Auge, nur Südhalbkugel

Der Große Riss ist der Dunkelnebel, den jeder schon gesehen hat. Die dunkle Spalte, die das Band der Sommer-Milchstraße vom Schwan bis zum Schützen teilt, ist Staub, der das Licht der dahinterliegenden Sterne verschluckt (Wikipedia, englisch: Great Rift). Am besten siehst du ihn in mondlosen Sommernächten fern der Stadt – mehr über das Band selbst auf unserer Seite zur Milchstraße.

Barnards E im Adler ist ein schönes Fernglasziel. Das Wolkenpaar formt ein scharf umrandetes, dunkles „E“ vor der Milchstraße, etwa so groß wie der Vollmond und rund 2.000 Lichtjahre entfernt (Wikipedia: E Nebula). Es liegt im Sommerdreieck-Gebiet, nicht weit von Altair.

Der Pfeifennebel Barnard 59 als dunkle, verzweigte Staubwolke vor einem dichten Sternfeld
Barnard 59, ein Teil des Pfeifennebels im Schlangenträger. Von Deutschland aus steht die Region im Sommer nur knapp über dem Südhorizont. Bild: ESO, CC BY 4.0

Der Kohlensack ist das bekannteste Beispiel am Südhimmel. Er liegt neben dem Kreuz des Südens, ist 500 bis 600 Lichtjahre entfernt und bildet ein auffälliges „Loch“ in der Milchstraße (Wikipedia: Kohlensack). Wer auf die Südhalbkugel reist, sieht ihn mit bloßem Auge.

Pferdekopfnebel: der berühmteste Dunkelnebel

Der Pferdekopf ist ein Ausläufer einer Dunkelwolke, der sich vor dem rot leuchtenden Gas von IC 434 abzeichnet. Er ist rund 1.500 Lichtjahre entfernt und erscheint etwa ein Viertel so groß wie der Mond (Wikipedia: Pferdekopfnebel). Er liegt nahe Alnitak, dem östlichen Gürtelstern des Orion.

Der Pferdekopfnebel als dunkle Staubsäule in Form eines Pferdekopfs vor rötlich leuchtendem Gas
Der Pferdekopfnebel Barnard 33 vor dem Emissionsnebel IC 434. So detailreich zeigt ihn nur ein großes Teleskop mit Kamera – im Okular ist er bestenfalls ein schwacher dunkler Einschnitt. Bild: NASA, NOAO, ESA und The Hubble Heritage Team (STScI/AURA), gemeinfrei

Visuell gilt der Pferdekopf als Prüfstein – und die Erfahrungen gehen weit auseinander. Wikipedia nennt als Faustregel ein Teleskop ab 20 cm Öffnung. Im Forum berichten Beobachter von Sichtungen mit einem 12-Zoll-Dobson unter Vorstadthimmel und sogar mit 60 mm unter sehr dunklem Bergland-Himmel, andere sahen ihn selbst mit 20 Zoll im Vorstadtgarten nicht (forum.astronomie.de, Januar 2023).

Einig sind sich fast alle in drei Punkten: H-beta-Filter, gute Durchsicht und eine große Austrittspupille. Der Filter hebt den Hintergrundnebel IC 434 an, vor dem sich der Kopf erst abzeichnen kann. Wichtiger als jede Öffnung ist ein transparenter, dunkler Himmel.

Ehrliche Erwartung: Rechne nicht damit, den Pferdekopf mit deinem ersten Teleskop zu sehen. Viele erfahrene Beobachter suchen ihn jahrelang. Mit einem Smart-Teleskop oder einer Kamera auf Nachführung ist er dagegen schnell auf dem Bild – im Forum gilt er als „fotografisch relativ leicht“, mit Live-Stacking reichen wenige Minuten (forum.astronomie.de).

Dunkelnebel beobachten: Fernglas statt Teleskop

Dunkelnebel siehst du nur als Kontrast – also brauchst du einen hellen Hintergrund und einen dunklen Himmel. Unter Stadtlicht ist der Hintergrund selbst aufgehellt, und der Kontrast verschwindet. Wie dunkel dein Standort ist, zeigt unser Ratgeber zur Lichtverschmutzung, gute Orte findest du unter Sternenparks in Deutschland.

Ein weites Gesichtsfeld ist wichtiger als Vergrößerung. Erst wenn genug Sternfeld rund um die dunkle Stelle im Bild ist, fällt sie überhaupt auf. Ein 10×50-Fernglas oder ein Teleskop mit dem längsten Okular, das du hast, ist deshalb die beste Wahl.

Tipp: Nebelfilter helfen bei Dunkelnebeln nur, wenn ein Gasnebel dahinter leuchtet. Vor einem reinen Sternfeld wie bei Barnards E machen sie das Bild nur dunkler. Beim Pferdekopf dagegen ist der H-beta-Filter fast Pflicht, weil er das Gas von IC 434 betont.

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200 mm Öffnung für kleinere Dunkelwolken wie Barnard 86 und – mit H-beta-Filter und sehr dunklem Himmel – einen Versuch am Pferdekopf. Mit einem langbrennweitigen Okular bekommst du genug Feld.

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254 mm Öffnung: die realistischere Wahl für den Pferdekopf und schwache Barnard-Objekte. Nur sinnvoll, wenn du regelmäßig an einen dunklen Standort fährst.

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Dunkelnebel fotografieren

Fotografisch sind Dunkelnebel ein Fall für dunklen Himmel und viel Belichtungszeit. Die zarten braunen Staubwolken heben sich nur schwach vom Hintergrund ab und gehen in Lichtverschmutzung schnell unter. Im Forum zeigen Fotografen solche Aufnahmen etwa von Dunkelwolken in der Kassiopeia und im Kepheus (forum.astronomie.de, September 2026; August 2025).

Für reine Staubwolken fotografierst du im Breitband, ohne Schmalbandfilter. Der Staub selbst leuchtet nicht in Linien, er dimmt nur das Sternlicht dahinter. Einen Dualbandfilter nimmst du nur für Motive mit leuchtendem Gas wie den Pferdekopf vor IC 434 oder den Elefantenrüssel in IC 1396.

Kurze Brennweiten sind hier im Vorteil. Großer Riss und Pfeifennebel passen nur ins Bild eines Weitwinkel- oder Normalobjektivs auf einer Nachführung. Wie das geht, zeigen Milchstraße fotografieren und Nachführung für die Astrofotografie.

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Häufige Fragen zu Dunkelnebeln

Was ist der Unterschied zwischen Dunkelnebel und Dunkelwolke?

Keiner – beide Wörter meinen dasselbe, Wikipedia führt sie als Synonyme. In Sternkarten und Katalogen begegnen dir beide, oft auch die Abkürzungen B (Barnard) und LDN (Lynds).

Woraus bestehen Dunkelnebel?

Vor allem aus molekularem Wasserstoff, dazu aus feinem Staub, der das Licht schluckt. Sie sind mit 7 bis 15 Kelvin extrem kalt, und in ihren dichtesten Kernen entstehen neue Sterne.

Kann man Dunkelnebel mit bloßem Auge sehen?

Ja, die großen. Der Große Riss in der Sommer-Milchstraße ist unter dunklem Himmel nicht zu übersehen, und auf der Südhalbkugel fällt der Kohlensack neben dem Kreuz des Südens sofort auf.

Welche Öffnung braucht man für den Pferdekopfnebel?

Als Faustregel gelten 20 cm und mehr, dazu ein H-beta-Filter. Entscheidender ist aber ein sehr dunkler, klarer Himmel: Es gibt Sichtungen mit kleinen Optiken unter Bergland-Himmel und Fehlversuche mit 50 cm im Vorstadtgarten.

Wie viele Dunkelnebel gibt es?

Allein Barnards Katalog verzeichnet 349 Dunkelwolken nördlich von −35° Deklination. Spätere Kataloge wie der von Beverly Lynds (LDN) führen deutlich mehr, und unzählige kleine Wolken sind gar nicht katalogisiert.

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