Von Alexander Merz · Aktualisiert am · Angaben geprüft am 22. September 2026
⚡ Die Kurzfassung
Orion ist das auffälligste Sternbild des Winterhimmels und für die meisten Menschen der Einstieg in die Sternbeobachtung. Erkennungszeichen sind die drei Sterne in einer Reihe – der Gürtel Mintaka, Alnilam und Alnitak, die auf nur 2,74° perfekt aufgereiht stehen.
Der hellste Stern ist Rigel (0,1 mag, bläulich-weiß, unten rechts), der bekannteste der rote Überriese Beteigeuze (oben links). In der Mitte des Schwerts leuchtet der Orionnebel M 42 – das einzige Sternentstehungsgebiet, das man in Mitteleuropa mit bloßem Auge sehen kann.
Sichtbar ist Orion in Mitteleuropa von Oktober bis April am Abendhimmel, am höchsten im Januar gegen 22 Uhr. Von Mai bis August steht er tagsüber am Himmel und bleibt unsichtbar.

Es gibt am Nachthimmel kein zweites Muster, das sich so schnell einprägt: drei etwa gleich helle Sterne, exakt in einer Reihe, dazu vier Eckpunkte, die ein großes Rechteck aufspannen. Wer den Orion einmal gesehen hat, findet ihn jeden Winter sofort wieder – und benutzt ihn danach als Wegweiser zu allem anderen.
Dieser Artikel liefert die vollständige Anleitung: die Suchmethode über den Gürtel mit den echten Winkelabständen, eine Sichtbarkeitstabelle Monat für Monat, die Höhen für elf Städte im deutschsprachigen Raum, alle wichtigen Sterne mit geprüften Helligkeiten und Entfernungen, die Deep-Sky-Objekte vom Orionnebel bis zum Pferdekopf – und eine ehrliche Einordnung, welches Instrument davon wirklich etwas zeigt.
Orion in 30 Sekunden: die wichtigsten Fakten
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Lateinischer Name | Orion, Genitiv Orionis, Kürzel Ori |
| Deutscher Name | Orion, der Himmelsjäger |
| Fläche | 594 Quadratgrad (Rang 26 von 88) |
| Hellster Stern | Rigel (β Ori), 0,1 mag |
| Sterne heller als 3 mag | 8 |
| Sichtbar in Mitteleuropa | Oktober bis April am Abendhimmel |
| Höchststand | Mitte Januar gegen 22 Uhr, rund 39° über dem Horizont (50° Nord) |
| Nachbarsternbilder | Stier, Zwillinge, Einhorn, Großer Hund, Hase, Eridanus |
| Bekanntestes Objekt | Orionnebel M 42 (3,7 mag, mit bloßem Auge sichtbar) |
| Meteorstrom | Orioniden, Maximum um den 21. Oktober |
Orion liegt genau auf dem Himmelsäquator – der mittlere Gürtelstern Alnilam steht nur gut ein Grad südlich davon. Das hat eine schöne Konsequenz: Orion ist von jedem bewohnten Ort der Erde aus sichtbar. Nur die Ausrichtung dreht sich. Wer ihn von Kapstadt oder Sydney aus sieht, sieht ihn auf dem Kopf – dort steht Beteigeuze unten rechts und Rigel oben links, und der Orionnebel hängt nicht unter dem Gürtel, sondern darüber.

So findest du den Orion: die drei Sterne in einer Reihe
Die Suche beginnt immer beim Gürtel. Drei etwa gleich helle Sterne in exakt einer Reihe gibt es am ganzen Himmel nur einmal – eine Verwechslung ist praktisch ausgeschlossen. Schau an einem klaren Winterabend nach Süden, etwa auf halbe Höhe zwischen Horizont und Zenit.
- Blick nach Süden (im Dezember schon ab etwa 21 Uhr, im Januar gegen 22 Uhr am höchsten).
- Suche drei gleich helle Sterne in einer schrägen Reihe. Die ganze Reihe ist nur 2,74° lang – etwa so breit wie zwei nebeneinandergelegte Finger bei ausgestrecktem Arm.
- Oberhalb und unterhalb der Reihe stehen vier helle Sterne, die ein großes Rechteck bilden: Beteigeuze (rötlich, oben links), Bellatrix (oben rechts), Rigel (bläulich, unten rechts) und Saiph (unten links).
- Unter dem Gürtel hängt eine kleinere, senkrechte Sternenkette: das Schwert. Der mittlere „Stern“ darin ist in Wahrheit der Orionnebel.
Die Diagonale des Rechtecks von Beteigeuze zu Rigel misst 18,6°. Zum Vergleich: Eine ausgestreckte Hand mit gespreizten Fingern deckt am Himmel rund 20° ab. Orion passt also fast genau zwischen Daumen und kleinen Finger – er ist deutlich größer, als die meisten ihn in Erinnerung haben.
Der Gürtel als Wegweiser zu Sirius und Aldebaran
Der eigentliche Wert des Gürtels liegt darin, dass er in beide Richtungen zeigt. Er ist die Ausgangsfigur des Winterhimmels, so wie der Große Wagen die des Nordhimmels ist:
- Nach unten links verlängert (etwa das Achtfache der Gürtellänge) trifft die Linie auf Sirius – den hellsten Stern des gesamten Nachthimmels. Er funkelt in Horizontnähe oft heftig in allen Farben; das ist Luftunruhe, kein Eigenschaft des Sterns.
- Nach oben rechts verlängert trifft dieselbe Linie auf Aldebaran, das orangerote Auge des Stiers. Verlängert man noch einmal etwa dieselbe Strecke, landet man bei den Plejaden.
- Von Rigel über Beteigeuze hinaus erreicht man die Zwillinge mit Castor und Pollux.
Wer diese drei Linien einmal gelaufen ist, hat den halben Winterhimmel erschlossen. Zusammen mit Prokyon im Kleinen Hund und Capella im Fuhrmann bilden Sirius, Rigel, Aldebaran, Pollux und Beteigeuze das Wintersechseck – die größte auffällige Figur der Saison.
Wie groß ist Orion am Himmel wirklich?
Fast alle Abstände im Orion lassen sich mit der ausgestreckten Hand abschätzen. Die folgenden Werte sind aus den Sternpositionen für 2026 gerechnet:
| Strecke | Winkelabstand | Handmaß bei ausgestrecktem Arm |
|---|---|---|
| Mintaka – Alnilam (Gürtel, halb) | 1,39° | Zeigefinger, Breite |
| Alnilam – Alnitak (Gürtel, halb) | 1,36° | Zeigefinger, Breite |
| Mintaka – Alnitak (ganzer Gürtel) | 2,74° | zwei Finger |
| Alnilam – Orionnebel M 42 | 4,20° | drei Finger |
| Beteigeuze – Bellatrix (Schultern) | 7,53° | Faust (rund 10°) |
| Rigel – Saiph (Füße) | 8,33° | Faust |
| Bellatrix – Rigel (rechte Seite) | 14,79° | anderthalb Fäuste |
| Beteigeuze – Saiph (Diagonale) | 17,18° | gespreizte Hand (rund 20°) |
| Beteigeuze – Rigel (Diagonale) | 18,61° | gespreizte Hand |
| Alnitak – Pferdekopfnebel B 33 | 0,52° | ein Vollmonddurchmesser |
Der letzte Wert ist der bemerkenswerteste: Der berühmte Pferdekopfnebel steht nur einen einzigen Vollmonddurchmesser unterhalb von Alnitak, dem linken Gürtelstern. Man blickt auf jedem Orion-Foto direkt darauf, ohne es zu merken.
Wann ist Orion zu sehen: Monat für Monat durchgerechnet

Orion ist ein reines Wintersternbild – aber nicht, weil er im Sommer nicht am Himmel stünde. Er steht dann sehr wohl dort, nur zusammen mit der Sonne, also am Taghimmel. Im August kulminiert er gegen 9 Uhr morgens.
Sichtbarkeit im Jahreslauf
| Monat | Höhe um 22 Uhr | Richtung | Kulmination | Bewertung |
|---|---|---|---|---|
| Januar | 38,7° | Süden | 22:16 Uhr | ★★★ optimal |
| Februar | 34,0° | Südwesten | 20:14 Uhr | ★★★ sehr gut |
| März | 21,2° | Südwesten | 18:24 Uhr | ★★ gut, früh am Abend |
| April | 12,0° | Westen | 17:22 Uhr | ★ tief, nur bis etwa 22 Uhr |
| Mai | −6,8° | Westen | 15:24 Uhr | – bereits untergegangen |
| Juni | −25,3° | Nordwesten | 13:22 Uhr | – unsichtbar |
| Juli | −38,1° | Nordwesten | 11:24 Uhr | – unsichtbar |
| August | −40,5° | Norden | 09:18 Uhr | – nur am Morgenhimmel ab Mitte August |
| September | −30,3° | Nordosten | 07:16 Uhr | – nur am Morgenhimmel |
| Oktober | −13,6° | Osten | 05:18 Uhr | ★ ab etwa 22 Uhr im Osten |
| November | 15,2° | Osten | 02:17 Uhr | ★★ gut, ab dem späten Abend |
| Dezember | 30,8° | Südosten | 00:19 Uhr | ★★★ sehr gut |
🗓 Die beiden Sichtbarkeitsfenster (50° Nord)
Morgenhimmel: ab dem 13. August steigt Orion vor der Morgendämmerung im Osten auf – der klassische „erste Orion des Jahres“, den Frühaufsteher Ende August melden. Dieses Fenster reicht bis zum 3. März.
Abendhimmel: vom 9. Oktober bis zum 22. April. Wer nur abends beobachtet, hat Orion also gut ein halbes Jahr lang zur Verfügung.
Wie hoch steht Orion an deinem Wohnort?
Die maximale Höhe über dem Horizont hängt allein von der geografischen Breite ab. Je weiter südlich, desto höher – und desto ruhiger die Luft, was gerade beim Orionnebel einen sichtbaren Unterschied macht. Alle Werte gelten für den Zeitpunkt der Kulmination:
| Stadt | Breite | Beteigeuze | Alnilam (Gürtel) | Orionnebel M 42 | Rigel |
|---|---|---|---|---|---|
| Hamburg | 53,6° N | 43,9° | 35,3° | 31,1° | 28,3° |
| Berlin | 52,5° N | 44,9° | 36,3° | 32,1° | 29,3° |
| Dresden | 51,1° N | 46,4° | 37,8° | 33,6° | 30,8° |
| Köln | 50,9° N | 46,5° | 37,9° | 33,7° | 30,9° |
| Frankfurt | 50,1° N | 47,3° | 38,7° | 34,5° | 31,7° |
| Stuttgart | 48,8° N | 48,6° | 40,0° | 35,8° | 33,1° |
| Wien | 48,2° N | 49,2° | 40,6° | 36,4° | 33,6° |
| München | 48,1° N | 49,3° | 40,7° | 36,5° | 33,7° |
| Zürich | 47,4° N | 50,0° | 41,4° | 37,2° | 34,4° |
| Graz | 47,1° N | 50,3° | 41,7° | 37,6° | 34,8° |
| Bern | 47,0° N | 50,5° | 41,9° | 37,7° | 34,9° |
Der Unterschied zwischen Hamburg und Bern beträgt beim Orionnebel 6,6°. Das klingt wenig, ist aber genau der Bereich, in dem die Luftunruhe stark zunimmt: Ein Objekt auf 31° Höhe wird durch spürbar mehr Atmosphäre betrachtet als eines auf 38°. Wer in Norddeutschland wohnt, sollte den Orionnebel deshalb möglichst nah an der Kulmination beobachten.
Wie lange bleibt Orion über dem Horizont?
Weil Orion auf dem Himmelsäquator liegt, sind seine Sterne fast genau zwölf Stunden über und zwölf Stunden unter dem Horizont. Die Abweichungen zeigen, wie unterschiedlich sich Kopf und Füße verhalten (gerechnet für 50° Nord):
| Stern | Deklination | Zeit über dem Horizont |
|---|---|---|
| Beteigeuze (Schulter) | +7,4° | 13 h 11 min |
| Alnilam (Gürtelmitte) | −1,2° | 11 h 49 min |
| Rigel (Fuß) | −8,2° | 10 h 41 min |
| Saiph (Fuß) | −9,7° | 10 h 26 min |
Praktisch heißt das: Beteigeuze geht rund 75 Minuten früher auf als Rigel und entsprechend später unter. Wer im April den letzten Orion des Jahres verabschiedet, sieht am Ende nur noch die Schultern über dem Westhorizont – die Füße sind längst weg.
Die Sterne des Orion: Helligkeiten, Farben und Entfernungen
Orion enthält acht Sterne heller als 3 mag – mehr als jedes andere Sternbild am ganzen Himmel. Genau das macht ihn so auffällig. Und er ist ein Lehrbuch für Sternfarben: Die Palette reicht vom tiefroten Überriesen bis zum bläulich-weißen Riesen mit 25.000 Grad Oberflächentemperatur.
| Bayer | Name | Helligkeit (mag) | Entfernung (Lj) | Spektralklasse | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
| α | Beteigeuze | 0,0 bis 1,6 (veränderlich) | rund 550 | M1–2 Ia-Iab | roter Überriese |
| β | Rigel | 0,03 bis 0,3 | 773 | B8 Iab | blau-weißer Überriese |
| γ | Bellatrix | 1,64 | 243 | B2 III | blauer Riese |
| ε | Alnilam | 1,69 | 1.342 | B0 Iab | blauer Überriese |
| ζ | Alnitak | 1,74 | 818 | O9.7 Ibe | Dreifachsystem |
| κ | Saiph | 2,07 | 722 | B0.5 Ia | blauer Überriese |
| δ | Mintaka | 2,20 bis 2,35 | 916 | O9.5 II + B2 V | Bedeckungsveränderlicher |
| ι | Hatysa (Nair al Saif) | 2,75 | 1.326 | O9 III | hellster Stern im Schwert |
| π³ | Tabit | 3,19 | 26 | F6 V | sonnenähnlich, Nachbarschaft |
| η | Eta Orionis | 3,35 | 901 | B1 V + B2 | enges Doppelsystem |
| λ | Meissa | 3,39 | 1.056 | O8 III + B0.5 V | der „Kopf“ |
Ein Detail in dieser Tabelle wird fast immer übersehen: π³ Orionis (Tabit) in der ausgestreckten Hand des Jägers ist nur 26 Lichtjahre entfernt – ein sonnenähnlicher Stern in unserer direkten kosmischen Nachbarschaft. Alle anderen Sterne der Figur sind 200 bis 1.400 Lichtjahre weit weg. Das Sternbild ist eben nur eine perspektivische Zufallsfigur; seine Sterne haben physikalisch mit Tabit nichts zu tun.
Beteigeuze – der rote Überriese vor der Supernova
Beteigeuze (α Orionis) ist der berühmteste Stern des Sternbilds, obwohl er nicht der hellste ist. Er ist ein roter Überriese mit etwa der 15-fachen Sonnenmasse und dem rund 630-fachen Sonnendurchmesser. Setzte man ihn an die Stelle der Sonne, läge seine Oberfläche jenseits der Marsbahn.
Seine Helligkeit schwankt unregelmäßig zwischen 0,0 und 1,6 mag – man sieht das mit bloßem Auge, wenn man ihn über Monate mit Rigel und Bellatrix vergleicht. Ende 2019 erlebte er ein Jahrhundertminimum und wurde schwächer als 1,7 mag, was weltweit für Supernova-Spekulationen sorgte. Ursache war nach heutigem Stand eine ausgestoßene Staubwolke, die sich vor den Stern schob – kein bevorstehender Kollaps.
Dass Beteigeuze als Supernova enden wird, ist trotzdem sicher. Der erwartete Zeitraum liegt bei bis zu 100.000 Jahren – astronomisch morgen, menschlich gesehen praktisch nie. Wenn es passiert, wird der Stern für Wochen so hell wie der Halbmond und ist am Taghimmel sichtbar. Eine Gefahr für die Erde besteht bei 550 Lichtjahren Abstand nicht.
Zur Entfernung eine ehrliche Anmerkung: Die Angaben schwanken zwischen rund 450 und 650 Lichtjahren. Der Grund ist die riesige, pulsierende und unscharf begrenzte Oberfläche des Sterns, die eine saubere Parallaxenmessung erschwert. Wer eine gerundete Zahl braucht, nimmt rund 550 Lichtjahre. Mehr zu Beteigeuze und ihrer Supernova →
Rigel – der hellste Stern im Orion
Rigel (β Orionis) ist mit 0,1 mag der hellste Stern des Sternbilds – entgegen der Bayer-Bezeichnung, die α für Beteigeuze vergibt. Wahrscheinlich war Beteigeuze zum Zeitpunkt der Benennung gerade in einem Helligkeitsmaximum. Am ganzen Himmel belegt Rigel Rang sieben.
Der Name kommt aus dem Arabischen und bedeutet schlicht „der linke Fuß“ – aus Sicht des Jägers, der uns zugewandt ist, steht er für uns unten rechts. Rigel ist ein blau-weißer Überriese in 773 Lichtjahren Entfernung mit der 17-fachen Sonnenmasse, dem 60-fachen Durchmesser und der rund 40.000-fachen Leuchtkraft der Sonne. Damit ist er einer der absolut leuchtkräftigsten Sterne in unserer weiteren Umgebung.
Auch Rigel ist leicht veränderlich: Seine Helligkeit pulsiert über etwa 25 Tage zwischen 0,03 und 0,3 mag. Ein Begleitstern 6. Größe steht 9 Bogensekunden entfernt – ein lohnendes, aber anspruchsvolles Ziel, weil der Hauptstern ihn förmlich überstrahlt. Ab etwa 100 mm Öffnung und ruhiger Luft gelingt die Trennung. Alles über Rigel →
Bellatrix, Saiph und Meissa
Bellatrix (γ Ori, 1,64 mag) ist die rechte Schulter und mit 243 Lichtjahren der uns nächste der hellen Orion-Sterne. Ihr lateinischer Name bedeutet „die Kriegerin“. Sie strahlt rund 4.000-mal so hell wie die Sonne.
Saiph (κ Ori, 2,07 mag) ist der rechte Fuß und physikalisch fast ein Zwilling von Rigel: ein blauer Überriese in 722 Lichtjahren. Dass er uns dennoch deutlich schwächer erscheint, liegt daran, dass ein großer Teil seiner Strahlung im Ultravioletten liegt, wo unser Auge blind ist.
Meissa (λ Ori, 3,39 mag) markiert den Kopf. Mit bloßem Auge ist sie ein unscheinbarer Punkt über den Schultern; im Fernglas zeigt sich, dass sie im Zentrum eines lockeren Sternhaufens steht (Collinder 69). Für ein Fernglas ist das ein hübsches und selten beachtetes Ziel.
Die drei Gürtelsterne Mintaka, Alnilam und Alnitak
Der Gürtel ist die perfekteste Sternreihe des Himmels – und ein glücklicher Zufall, denn die drei Sterne stehen keineswegs gleich weit entfernt: Mintaka 916, Alnitak 818 und Alnilam 1.342 Lichtjahre. Der mittlere Stern ist also der mit Abstand fernste. Dass er trotzdem der hellste der drei ist, sagt alles über seine Leuchtkraft.
| Stern | Position | Helligkeit (mag) | Entfernung (Lj) | Namensbedeutung |
|---|---|---|---|---|
| δ Mintaka | rechts (westlich) | 2,20–2,35 | 916 | „der Gürtel“ (arabisch) |
| ε Alnilam | Mitte | 1,69 | 1.342 | „die Perlenschnur“ |
| ζ Alnitak | links (östlich) | 1,74 | 818 | „der Gürtel“ |
Mintaka ist ein Bedeckungsveränderlicher: Zwei Sterne umkreisen einander so, dass sie sich aus unserer Sicht regelmäßig verdecken – daher der schwankende Helligkeitswert. Alnitak ist ein Dreifachsystem, dessen heiße O-Komponente den benachbarten Flammennebel zum Leuchten anregt. Alle drei gehören zur Collinder-70-Assoziation, einer lockeren Gruppe junger, massereicher Sterne.
👑 Warum heißen die Gürtelsterne „die drei Könige“?
Volkstümlich tragen sie viele Namen: Die drei Könige, Jakobsstab, Der Rechen oder Die drei Marien in Lateinamerika. Der Bezug zu den biblischen Weisen ist nachträglich – die Reihe war lange vor jeder christlichen Deutung als Kalendermarke in Gebrauch, weil ihr Aufgang zuverlässig den Beginn der kalten Jahreszeit anzeigt.
Wie weit ist Orion von der Erde entfernt?
Diese Frage wird oft gestellt und hat streng genommen keine einzige Antwort: Ein Sternbild hat keine Entfernung. Es ist eine Perspektivfigur aus Sternen, die zufällig in derselben Blickrichtung stehen, in Wahrheit aber unterschiedlich weit weg sind.
Die Spannweite im Orion ist extrem. Der nächste helle Stern der Figur, Tabit, steht 26 Lichtjahre entfernt. Der fernste, Alnilam, ist mit 1.342 Lichtjahren rund 50-mal weiter weg. Selbst innerhalb des Gürtels, der wie eine zusammengehörige Kette wirkt, liegen mehr als 500 Lichtjahre zwischen dem nächsten und dem fernsten Stern.
Wenn man dennoch eine Zahl nennen will, ist die sinnvollste Bezugsgröße der Orion-Molekülwolkenkomplex – die Gaswolke, aus der die jungen Sterne des Gürtels und der Orionnebel tatsächlich gemeinsam entstanden sind. Sie liegt in rund 1.350 Lichtjahren Entfernung. Das ist die Zahl, die gemeint ist, wenn jemand von der „Entfernung des Orion“ spricht.
🔭 Ein Blick in die Vergangenheit
Das Licht des Orionnebels, das heute Nacht in dein Auge fällt, ist um das Jahr 676 aufgebrochen – lange vor Karl dem Großen. Das Licht von Bellatrix dagegen startete erst um 1783, im Jahr der ersten bemannten Ballonfahrt. Wer den Orion betrachtet, sieht nicht einen Moment, sondern rund tausend Jahre Geschichte gleichzeitig.
Die Deep-Sky-Objekte im Orion: vom Orionnebel bis zum Pferdekopf

Orion ist nicht nur die auffälligste Sternfigur, er ist auch das nächstgelegene große Sternentstehungsgebiet überhaupt. Hinter der Figur liegt der Orion-Molekülwolkenkomplex, eine Gaswolke von hunderten Lichtjahren Ausdehnung, in der gerade neue Sonnen geboren werden. Deshalb drängen sich hier auf engstem Raum so viele Nebel wie nirgends sonst am Himmel.
| Objekt | Name | mag | Größe | Entfernung (Lj) | Ab welchem Gerät |
|---|---|---|---|---|---|
| M 42 | Orionnebel | 3,7 | 65′ × 60′ | 1.350 | bloßes Auge |
| M 43 | De-Mairans-Nebel | 9,0 | 20′ × 15′ | 1.350 | ab 50 mm |
| NGC 1977 | Running-Man-Nebel | 7,0 | 20′ × 10′ | 1.350 | ab 80 mm |
| NGC 2024 | Flammennebel | – | 30′ × 30′ | 1.500 | ab 100 mm, sehr dunkler Himmel |
| B 33 | Pferdekopfnebel | – | 8′ × 6′ | 1.500 | ab 250 mm + H-β-Filter |
| M 78 | Reflexionsnebel | 8,3 | 8′ × 6′ | 1.600 | ab 80 mm |
| NGC 2169 | „37-Sternhaufen“ | 5,9 | 6′ | 3.400 | Fernglas |
| Barnard’s Loop | Sh 2-276 | – | rund 12° Bogen | 1.400 | nur Fotografie |
M 42 – der Orionnebel mit bloßem Auge
Der Orionnebel ist das einzige Objekt seiner Art, das man in Mitteleuropa ohne Hilfsmittel sehen kann. Im Schwert unter dem Gürtel wirkt der mittlere „Stern“ nicht ganz punktförmig, sondern verwaschen – das ist der Nebel. Schon ein einfaches Fernglas verwandelt den Fleck in ein deutliches, flügelförmiges Leuchten.
Tipp: Schon ein 10×50-Fernglas wie das Celestron UpClose G2 10x50 Porro (62 €) zeigt das flügelförmige Leuchten von M 42 deutlich – und nimmt nebenbei den „37-Haufen“ NGC 2169 mit. Worauf es bei einem Astro-Fernglas ankommt, erklärt unser Fernglas-Ratgeber.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Katalogbezeichnung | M 42 / NGC 1976 |
| Scheinbare Helligkeit | 3,7 mag |
| Scheinbare Größe | 65′ × 60′ – gut zwei Vollmonddurchmesser |
| Entfernung | 1.350 ± 23 Lichtjahre |
| Wahrer Durchmesser | rund 24 Lichtjahre |
| Masse | 700 bis 2.100 Sonnenmassen |
| Alter | etwa 3 Millionen Jahre |
| Entdeckung | Nicolas-Claude Fabri de Peiresc, 1610 |
| Leuchtursache | Ionisation durch den heißen Stern θ¹ Orionis C |
Wichtig für die Erwartungshaltung: Im Okular ist der Nebel nicht farbig. Das menschliche Auge sieht bei geringer Lichtstärke keine Farben, deshalb erscheint M 42 grau bis grau-grünlich, manchmal mit einem Hauch von Türkis. Die spektakulären Rottöne auf Fotos entstehen erst durch minutenlange Belichtung. Wer das weiß, ist beim ersten Blick nicht enttäuscht, sondern beeindruckt – denn die Struktur ist auch visuell überwältigend.

Das Trapez im Herzen des Nebels
Im hellsten Teil von M 42 steht das Trapez (θ¹ Orionis), eine Gruppe sehr junger, extrem heißer Sterne. Ihr Ultraviolettlicht regt das umgebende Gas überhaupt erst zum Leuchten an – ohne das Trapez wäre der Orionnebel unsichtbar.
Beobachterisch ist das Trapez ein perfekter Test für Optik und Luftruhe. Bei 50-facher Vergrößerung zeigen sich vier Sterne in einem schiefen Viereck. Bei 150-facher Vergrößerung, guter Optik und ruhiger Luft kommen zwei weitere hinzu, die traditionell E und F genannt werden. Wer sechs Trapezsterne sieht, hat einen wirklich guten Abend erwischt.
NGC 2024 und B 33: Flammen- und Pferdekopfnebel
Direkt neben dem linken Gürtelstern Alnitak liegen die beiden berühmtesten „schwierigen“ Objekte des Himmels. Der Flammennebel NGC 2024 wurde am 1. Januar 1786 von Wilhelm Herschel entdeckt, misst 30′ × 30′ und ist rund 1.500 Lichtjahre entfernt bei 13 Lichtjahren wahrem Durchmesser. Er wird von Alnitak selbst angeregt – und genau das ist das Problem: Der helle Stern überstrahlt ihn. Der Trick besteht darin, Alnitak knapp aus dem Gesichtsfeld zu schieben.
Der Pferdekopfnebel B 33 ist kein leuchtender, sondern ein Dunkelnebel: eine Staubwolke, die sich als Silhouette vor den rot leuchtenden Emissionsnebel IC 434 schiebt. Entdeckt hat ihn Williamina Fleming im Jahr 1887 auf einer Fotoplatte des Harvard-Observatoriums – visuell hatte ihn zuvor niemand bemerkt.
🐴 Ehrliche Ansage zum Pferdekopfnebel
B 33 ist das meistfotografierte und am seltensten gesehene Objekt des Himmels. Visuell braucht es realistisch: mindestens 250 mm Öffnung, einen H-β-Filter, einen wirklich dunklen Himmel ohne Lichtverschmutzung und mindestens 30 Minuten Dunkeladaption. Selbst dann sieht man keinen Pferdekopf, sondern eine schwache Einbuchtung in einem blassen Band.
Fotografisch ist er dagegen erstaunlich einfach: Schon wenige Minuten Belichtung mit einer Kamera auf einer Nachführung zeigen ihn deutlich. Wer ihn sehen will, sollte fotografieren statt durchzuschauen.
M 78 und Barnard’s Loop
M 78 (NGC 2068) liegt gut 2° nordöstlich von Alnitak und ist mit 8,3 mag der hellste Reflexionsnebel des Himmels – er leuchtet nicht selbst, sondern streut das Licht benachbarter Sterne, weshalb er auf Fotos bläulich erscheint. Pierre Méchain entdeckte ihn im März 1780. Im 80-mm-Teleskop zeigt er sich als kleiner, kometenartiger Nebelfleck mit zwei eingebetteten Sternen.
Barnard’s Loop ist das größte und zugleich unsichtbarste Objekt der Region: ein gewaltiger Bogen aus ionisiertem Wasserstoff, der sich über rund 12° um die gesamte Orion-Figur legt – 24 Vollmonddurchmesser. Visuell ist er praktisch unerreichbar, auf einer Weitwinkelaufnahme mit H-α-Filter aber unübersehbar. Vermutlich handelt es sich um die Überreste einer Supernova, die vor etwa zwei Millionen Jahren explodierte.
Ein hübsches Zusatzziel abseits der bekannten Objekte ist NGC 2169 im Norden des Sternbilds, ein kleiner offener Sternhaufen von 5,9 mag in etwa 3.400 Lichtjahren, den G. Hodierna um 1654 entdeckte. Er trägt den Spitznamen „37-Haufen“, weil seine hellsten Sterne im Fernglas tatsächlich die Ziffernfolge 37 nachzeichnen. Mehr Deep-Sky-Objekte für Einsteiger →
Welches Teleskop für Orion: eine ehrliche Einordnung
Die meisten Empfehlungen zu diesem Sternbild greifen reflexhaft zum Fernglas. Das ist beim Orion nur die halbe Wahrheit. Für die Figur und für die weiten Nebelfelder stimmt es – aber die eigentlichen Highlights, also Trapez, Flammennebel und die Strukturen im Orionnebel, brauchen Öffnung. Deshalb hier die Reihenfolge nach dem, was tatsächlich zu sehen ist:
| Instrument | Was du im Orion siehst | Preisrahmen |
|---|---|---|
| Bloßes Auge | Figur, Gürtel, Schwert; M 42 als Fleck | kostenlos |
| Fernglas 10×50 | M 42 flügelförmig, M 78, NGC 2169, Meissa-Haufen | ab rund 100 € |
| Teleskop 100–130 mm | Trapez mit vier Sternen, M 42 mit Struktur, NGC 1977 | ab rund 250 € |
| Teleskop 200 mm | Trapez mit sechs Sternen, Flammennebel, viel Nebeldetail | ab rund 500 € |
| Teleskop 250 mm + H-β | Pferdekopfnebel visuell (bei sehr dunklem Himmel) | ab rund 900 € |
Der günstige Einstieg
Wer mit begrenztem Budget möglichst viel vom Orion sehen will, fährt mit einem kompakten Spiegelteleskop deutlich besser als mit einem gleichteuren Linsenteleskop – Öffnung pro Euro ist hier das entscheidende Kriterium. Der Skywatcher Heritage 130 ist die klassische Antwort auf diese Rechnung: 130 mm Öffnung, ohne Werkzeug aufgebaut, klein genug für den Balkon.
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Mit diesem Gerät zeigt sich das Trapez sauber als Vierergruppe, der Orionnebel bekommt Struktur und Ausläufer, und NGC 1977 wird als eigenes Nebelchen erkennbar. Für den Flammennebel reicht es an einem sehr guten Standort knapp, für den Pferdekopf nicht.
Wenn der Orionnebel das eigentliche Ziel ist
Sobald das Ziel nicht mehr „das Sternbild finden“, sondern „im Orionnebel etwas sehen“ heißt, ändert sich die Empfehlung. Nebel sind flächige Objekte, und flächige Objekte gewinnen fast ausschließlich durch Lichtsammelvermögen. Ein 200-mm-Dobson sammelt gegenüber 130 mm rund 2,4-mal so viel Licht – dieser Sprung ist am Okular sofort sichtbar und größer als jeder Unterschied zwischen zwei Geräten derselben Öffnungsklasse.
Für Nebel die deutlich bessere Wahl: Skywatcher Dobson N 200/1200 Skyliner Classic

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Ein Dobson ist dabei nichts anderes als ein großer Spiegel auf einer einfachen Holzwippe – man spart sich die teure Montierung und steckt das Geld komplett in die Optik. Der Nachteil ist die Größe: Das Gerät ist rund 1,20 m lang und will getragen werden. Wer einen Balkon im dritten Stock hat, ist mit dem Heritage besser bedient. Wer den Garten vor der Tür hat, sollte zum Dobson greifen. Teleskop oder Fernglas – der direkte Vergleich →
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Orion in der Mythologie: der Jäger, der Skorpion und die Plejaden
Kaum ein Sternbild hat so viele Geschichten angesammelt wie Orion – und das liegt nicht am Zufall, sondern daran, dass er von überall auf der Erde sichtbar ist. Fast jede Kultur hat in dieses auffällige Muster etwas hineingelesen.
Der Jäger und sein Ende
In der griechischen Überlieferung ist Orion ein gewaltiger Jäger, Sohn des Meeresgottes Poseidon. Er rühmte sich, jedes Tier der Erde erlegen zu können. Die Erdgöttin Gaia schickte daraufhin einen Skorpion, der ihn mit einem einzigen Stich tötete. Beide wurden an den Himmel versetzt – aber vorsichtshalber auf gegenüberliegende Seiten.
Und genau das ist der schöne Teil der Geschichte: Sie stimmt astronomisch. Orion und der Skorpion stehen sich am Himmel diametral gegenüber und sind deshalb nie gleichzeitig zu sehen. Geht der Skorpion im Sommer im Südosten auf, ist Orion im Westen längst untergegangen. Wenn Orion im Herbst zurückkehrt, verschwindet der Skorpion. Der Jäger flieht bis heute vor seinem Mörder.
Eine zweite Erzählung verfolgt Orion in eine andere Richtung: Er soll den sieben Töchtern des Atlas nachgestellt haben, die als Plejaden an den Himmel gesetzt wurden. Auch das ist am Himmel nachvollziehbar – Orion zieht den Plejaden Nacht für Nacht hinterher, ohne sie je einzuholen.
Woher kommt der Name Orion?
Schon die Antike war sich nicht einig. Die Griechen selbst erzählten eine derbe Volksetymologie: Der kinderlose Bauer Hyrieus aus Böotien bewirtete Zeus, Poseidon und Hermes so gastfreundlich, dass sie ihm einen Wunsch gewährten. Er wünschte sich einen Sohn – die drei Götter ließen daraufhin ihr Wasser auf die Haut des geopferten Stiers, ließen sie vergraben, und neun Monate später stieg der Junge aus der Erde. Vom griechischen ouron („Harn“) leitete man den Namen Urion ab, aus dem später Orion wurde. Ovid erzählt diese Version in den Fasti. Sprachwissenschaftlich ist sie nachträglich erfunden – eine typische antike Erklärung für einen Namen, den niemand mehr verstand.
Wahrscheinlicher ist, dass der Name älter ist als die griechische Sage. Die Babylonier kannten die Figur bereits als MUL.SIPA.ZI.AN.NA, „der treue Hirte des Himmels“. Häufig zitiert wird eine Ableitung vom akkadischen Uru-anna, „Licht des Himmels“ – belegt ist sie nicht, aber sie passt zu dem Befund, dass das Sternbild im Zweistromland schon vor über 3.000 Jahren ein Name mit Gewicht war. Bei Homer und Hesiod, also um 700 v. Chr., ist Orion dann bereits eine feststehende Größe: ein Jäger, der auch im Totenreich noch jagt.
Orion, Artemis und die Blendung
Wer nach Orion in der griechischen Mythologie sucht, stößt fast immer auf Artemis, die Göttin der Jagd – und das zu Recht: In den meisten Überlieferungen ist sie die zentrale Figur seines Lebens und seines Todes. Die beiden jagten gemeinsam, was für die jungfräuliche Göttin eine bemerkenswerte Ausnahme war. Ihr Bruder Apollon sah das mit wachsendem Argwohn.
Davor liegt die düsterste Episode der Sage: Auf der Insel Chios vergriff sich Orion an Merope, der Tochter des Königs Oinopion. Der König ließ ihn im Schlaf blenden. Blind tastete sich Orion nach Lemnos, wo ihm der Schmiedegott Hephaistos seinen Gehilfen Kedalion auf die Schultern setzte, der ihn nach Osten lotste – dorthin, wo die Sonne aufgeht. Der erste Strahl des Helios gab ihm das Augenlicht zurück. Es ist eines der ältesten Bilder für Heilung durch Licht überhaupt.
Wie Orion starb: vier Versionen
Es gibt nicht die eine Geschichte, wie Orion an den Himmel kam. Die antiken Autoren überliefern mindestens vier Fassungen, die sich in einem Punkt einig sind: Artemis ist immer beteiligt.
| Version | Wer tötet ihn | Der Grund | Überliefert bei |
|---|---|---|---|
| Der Skorpion der Gaia | ein Skorpion | Orion prahlte, er könne jedes Tier der Erde erlegen. Die Erdgöttin Gaia schickte ihm das kleinste, das ihn töten konnte. | Pseudo-Apollodor, Hygin |
| Der Skorpion der Artemis | ein Skorpion | Diesmal ist es Artemis selbst (in anderen Fassungen Hera), die den Skorpion schickt – weil Orion sie oder eine ihrer Gefährtinnen bedrängt hatte. | Hygin, Astronomica |
| Der Pfeil der Artemis | Artemis | Eos, die Göttin der Morgenröte, hatte Orion zum Geliebten genommen. Aus Eifersucht auf dieses Glück erschoss ihn Artemis auf Delos. | Homer, Odyssee V |
| Die List des Apollon | Artemis, ohne es zu wissen | Apollon fürchtete, seine Schwester könne sich verlieben. Er forderte sie heraus, einen fernen dunklen Punkt im Meer zu treffen. Sie traf – es war Orions Kopf, der beim Schwimmen aus den Wellen ragte. | Hygin, Ovid |
Nur in den beiden Skorpion-Versionen kommt auch das Tier an den Himmel – und genau diese Fassungen haben sich durchgesetzt, weil sie am Himmel überprüfbar sind: Orion und der Skorpion stehen sich gegenüber und begegnen sich nie. Eine Sage, die man nachschauen kann, überlebt länger als eine, die man nur glauben muss.

Was bedeutet Orion als Sternbild?
Kurz gefasst, wenn du die Bedeutung des Sternbilds Orion in einem Absatz brauchst: Orion ist der Himmelsjäger – die Antwort auf die Rätselfrage „Wer wird als Himmelsjäger bezeichnet?“ lautet schlicht ORION. Er gilt als das markanteste Sternbild des Winterhimmels, als Wegweiser zu Sirius und Aldebaran und als Heimat des Orionnebels, der nächsten großen Sternentstehungsregion der Erde. Kulturell steht er für Kraft, Aufbruch und Vergänglichkeit: ein Jäger, der jeden Winter zurückkehrt und jeden Frühling wieder verschwindet. Ein Sternzeichen ist er trotz seiner Prominenz nicht – dafür liegt er zu weit von der Ekliptik entfernt.
Orion in der Bibel und bei anderen Völkern
Das Buch Hiob nennt das Sternbild unter dem hebräischen Namen Kesil und stellt es neben das Siebengestirn. Für die Ägypter verkörperte die Figur den Gott Osiris, Herrscher über Tod und Wiedergeburt – passend zum jährlichen Verschwinden und Wiedererscheinen des Sternbilds.
In Skandinavien galt der Gürtel als Friggs Rocken, das Spinngerät der Göttin. Bei den Lakota Nordamerikas bildete er die Hand eines Häuptlings. In Lateinamerika heißen die drei Sterne bis heute Las Tres Marías. Und europäische Bauern nutzten sie schlicht als Kalender: Steht der Gürtel abends im Osten, beginnt der Winter.
Die Pyramiden von Gizeh und die Orion-Korrelation
Eine der populärsten Thesen zum Orion betrifft die Pyramiden von Gizeh: Ihre Anordnung entspreche dem Muster der drei Gürtelsterne, einschließlich des leichten Versatzes der kleinsten Pyramide. Diese sogenannte Orion-Korrelationstheorie wurde 1994 von Robert Bauval bekannt gemacht.
Wie steht es damit? Die grobe Ähnlichkeit ist real – drei Bauwerke, zwei groß, eines kleiner und seitlich versetzt. In der Fachwissenschaft gilt die These aber als widerlegt. Die Winkel stimmen nicht genau überein, die Größenverhältnisse passen nicht zu den Helligkeiten, und für eine exakte Übereinstimmung müsste man die Karte spiegeln. Ägyptologisch belegt ist dagegen ein anderer, unstrittiger Bezug: Die Ägypter richteten ihre Bauten sorgfältig an Sternen aus, und Osiris wurde tatsächlich mit dem Sternbild identifiziert. Die Faszination ist berechtigt – die konkrete Sternkarten-Deckungsgleichheit ist es nicht.
Was bedeutet Orion spirituell?
In esoterischen Deutungen steht Orion meist für Kraft, Zielstrebigkeit und Schutz – abgeleitet aus der Jägerfigur. Als Tattoo-Motiv sind fast immer die drei Gürtelsterne gemeint, oft mit der Bedeutung „Orientierung“ oder als Erinnerung an drei zusammengehörige Menschen. Das sind kulturelle Zuschreibungen, keine astronomischen Aussagen: Astronomisch ist Orion eine Zufallsfigur aus Sternen in sehr unterschiedlichen Entfernungen. Wer die Gürtelsterne stechen lässt, sollte nur auf die richtige Reihenfolge achten – der mittlere Stern steht nicht exakt auf der Verbindungslinie, sondern minimal versetzt. Genau das macht die Figur echt.
Orion mit Kindern beobachten: der einfachste Einstieg
Orion ist das ideale erste Sternbild für Kinder – aus einem sehr praktischen Grund: Er steht im Winter schon vor 20 Uhr am Himmel. Man muss niemanden bis Mitternacht wach halten, und die Figur ist so eindeutig, dass Kinder sie beim zweiten Mal selbst zeigen.
- Mit den drei Sternen anfangen. „Findest du drei Sterne, die genau in einer Reihe stehen?“ Das funktioniert fast immer beim ersten Versuch und gibt sofort ein Erfolgserlebnis.
- Die Figur ergänzen. Erst danach die vier Eckpunkte zeigen – Schultern und Füße. Viele Kinder sehen von selbst eine Sanduhr oder einen Schmetterling; das ist völlig in Ordnung.
- Farben vergleichen. Beteigeuze oben links gegen Rigel unten rechts. Der Farbunterschied ist der beste Beweis dafür, dass Sterne nicht alle gleich sind – rot heißt kühl, blau heißt heiß.
- Das Schwert suchen. Unter dem Gürtel hängen drei schwächere Sterne. Der mittlere ist unscharf – „das ist kein Stern, das ist eine Wolke, in der gerade neue Sonnen entstehen“.
- Das Fernglas draufhalten. Am besten aufgestützt oder im Liegen. Der Moment, in dem aus dem verwaschenen Fleck ein leuchtendes Gebilde wird, ist der eigentliche Aha-Effekt.
👨👩👧 Drei Tipps, die den Unterschied machen
- Warm anziehen – zwei Schichten mehr als gedacht. Kalte Füße beenden jede Beobachtungsnacht schneller als Wolken.
- Rotlicht statt Taschenlampe – rotes Licht zerstört die Dunkeladaption nicht. Eine Fahrradrücklampe oder rote Folie über der Handylampe reicht.
- Kurz halten – 20 Minuten mit einem Aha-Erlebnis sind besser als eine Stunde mit Frieren. Der Rest kommt von allein. Teleskope für Kinder im Vergleich →
Orion im Kreuzworträtsel: die häufigsten Lösungen
Orion und seine Sterne tauchen regelmäßig in Kreuzworträtseln auf. Hier die gängigsten Fragestellungen mit Buchstabenzahl:
| Frage | Buchstaben | Lösung |
|---|---|---|
| Diffuses Gebiet im Sternbild Orion | 10 | ORIONNEBEL |
| Hellster Stern im Orion | 5 | RIGEL |
| Stern im Orion | 5 | RIGEL, SAIPH, TABIT |
| Stern im Orion | 6 | MEISSA, HATYSA |
| Stern im Orion | 7 | ALNILAM, ALNITAK, MINTAKA (7) |
| Stern im Orion | 9 | BELLATRIX |
| Roter Riesenstern im Orion | 10 | BETEIGEUZE |
| Sternbild mit 5 Buchstaben | 5 | ORION |
| Wer wird als Himmelsjäger bezeichnet? | 5 | ORION |
| Gürtel des Orion, Volksname | 11 | DREIKOENIGE |
| Sternbild des Winterhimmels | 5 | ORION |
| Meteorstrom aus dem Orion | 9 | ORIONIDEN |
Der häufigste Stolperstein: „Stern im Orion mit 5 Buchstaben“ hat zwei gültige Lösungen – RIGEL und SAIPH. Ist zusätzlich von „hellster“ oder „blauer Überriese“ die Rede, ist RIGEL gemeint. Bei „roter Überriese“ oder zehn Buchstaben ist es BETEIGEUZE.
Sternschnuppen aus dem Orion: die Orioniden im Oktober
Jedes Jahr um den 21. Oktober scheinen Sternschnuppen aus dem Bereich des Orion zu kommen – genauer gesagt aus der Gegend nordöstlich von Beteigeuze. Der Strom heißt deshalb Orioniden, hat mit dem Sternbild selbst aber nichts zu tun: Der Radiant liegt nur zufällig in dieser Blickrichtung.
Der Ursprung ist prominent: Die Orioniden sind Staubteilchen des Halleyschen Kometen. Zweimal im Jahr kreuzt die Erde seine Bahn – im Mai als Eta-Aquariiden, im Oktober als Orioniden. Mit rund 66 km/s gehören sie zu den schnellsten Meteoren überhaupt und hinterlassen oft sichtbare Leuchtspuren.
Zu erwarten sind bei dunklem Himmel etwa 20 Meteore pro Stunde. Die beste Zeit liegt nach Mitternacht, wenn Orion hoch genug im Osten steht. Wichtig: nicht direkt auf den Radianten schauen, sondern etwa 40° daneben – dort sind die Spuren länger. Alles zu den Orioniden →
Den Orionnebel siehst du schon im Fernglas – im Teleskop wird daraus eine leuchtende Gaswolke.
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Häufige Fragen zum Sternbild Orion
Wann kann man das Sternbild Orion sehen?
Am Abendhimmel ist Orion vom 9. Oktober bis 22. April sichtbar, am höchsten Mitte Januar gegen 22 Uhr mit rund 39° über dem Horizont. Wer früh aufsteht, sieht ihn schon ab Mitte August vor der Morgendämmerung im Osten. Von Mai bis Anfang August steht er tagsüber am Himmel und bleibt unsichtbar.
Was sind die drei Sterne in einer Reihe?
Das ist der Gürtel des Orion mit den Sternen Mintaka, Alnilam und Alnitak. Sie stehen auf nur 2,74° fast perfekt aufgereiht und sind mit 2,2 bis 1,7 mag etwa gleich hell. Volkstümlich heißen sie „die drei Könige“ oder „Jakobsstab“. Trotz ihres gemeinsamen Anblicks sind sie 818 bis 1.342 Lichtjahre entfernt.
Welcher ist der hellste Stern im Orion?
Rigel mit 0,1 mag – nicht Beteigeuze, obwohl diese die Bezeichnung α trägt. Rigel steht unten rechts in der Figur und ist der siebthellste Stern des gesamten Nachthimmels. Beteigeuze kann in ihrem Maximum kurzzeitig ähnlich hell werden, fällt aber meist deutlich zurück.
Wie viele Sterne hat das Sternbild Orion?
Die klassische Figur besteht aus sieben Hauptsternen: vier Eckpunkte (Beteigeuze, Bellatrix, Rigel, Saiph) und drei Gürtelsterne. Rechnet man Kopf und Schwert dazu, kommt man auf etwa zwölf mit bloßem Auge sichtbare Sterne. Insgesamt enthält das Sternbild acht Sterne heller als 3 mag – mehr als jedes andere.
Kann man den Orionnebel mit bloßem Auge sehen?
Ja. Der mittlere „Stern“ im Schwert unter dem Gürtel erscheint bei halbwegs dunklem Himmel nicht punktförmig, sondern verwaschen – das ist M 42 mit 3,7 mag. In der Stadt braucht es dafür etwas Geduld und Dunkeladaption. Ein Fernglas macht daraus sofort ein deutliches, flügelförmiges Leuchten.
Warum sieht der Orionnebel im Teleskop nicht bunt aus?
Weil das menschliche Auge bei geringer Helligkeit farbunempfindlich ist. Für Farbsehen sind die Zapfen zuständig, die erst ab einer bestimmten Lichtmenge arbeiten. Deshalb erscheint M 42 visuell grau bis grau-grünlich. Die roten Töne auf Fotos entstehen durch minutenlange Belichtung, die das Auge nicht leisten kann.
Ist Orion ein Sternzeichen?
Nein. Sternzeichen sind ausschließlich die zwölf Sternbilder entlang der Ekliptik, also der scheinbaren Sonnenbahn. Orion liegt knapp südlich davon und wird von der Sonne nie durchquert. Er ist ein Sternbild, aber kein Tierkreiszeichen.
Wird Beteigeuze bald als Supernova explodieren?
Sicher ist, dass sie als Supernova enden wird – der Zeitrahmen liegt aber bei bis zu 100.000 Jahren. Das Helligkeitsminimum Ende 2019 war kein Vorbote, sondern eine Staubwolke vor dem Stern. Bei rund 550 Lichtjahren Entfernung wäre die Explosion für die Erde ungefährlich, aber wochenlang taghell sichtbar.
Wo steht der Pferdekopfnebel?
Nur 0,52° südlich von Alnitak, dem linken Gürtelstern – ein einziger Vollmonddurchmesser. Trotz dieser prominenten Lage ist B 33 visuell extrem schwierig: Es braucht rund 250 mm Öffnung, einen H-β-Filter und einen sehr dunklen Himmel. Fotografisch gelingt er dagegen schon mit bescheidener Ausrüstung.
Warum steht Orion in Australien auf dem Kopf?
Weil das Sternbild fast genau auf dem Himmelsäquator liegt und man von der Südhalbkugel aus gewissermaßen „von der anderen Seite“ hinaufschaut. Dort steht Beteigeuze unten und Rigel oben, und der Orionnebel hängt über statt unter dem Gürtel. In Australien wird die Figur deshalb oft als Topf oder Kochtopf gedeutet.
Weiterlesen auf Sterngucker
- Beteigeuze – der rote Überriese und seine Supernova
- Rigel – das Porträt des hellsten Orion-Sterns
- Sirius – wohin der Gürtel nach unten links zeigt
- Stier – wohin er nach oben rechts zeigt
- Nebel im Überblick – Emissions-, Reflexions- und Dunkelnebel erklärt
- Orioniden – der Meteorstrom des Halleyschen Kometen
- Mit der Sternenkarte arbeiten – für alles, was danach kommt
- Alle Sternbilder im Überblick – der Einstieg in unseren Katalog
- Astronomie-Geschenke – nach Budget sortiert, von der drehbaren Sternkarte bis zum ersten Teleskop
